Test: My Brother Rabbit

Von Stefan Finke am 07. November 2018

Warum ein kleiner Hase in einer surrealen Fantasiewelt zum Lebensretter werden kann.

Das Entwicklerstudio Artifex Mundi lässt in seinem neuesten Titel einen kleinen Hasen von der Leine, der in einer fantasievollen Welt auf Robo-Elche und so manch schmelzende Uhr trifft - Salvador Dalí lässt an dieser Stelle grüßen. Grundsätzlich erzählen die Entwickler aber die Geschichte einer vierköpfigen Familie, die mit einem schweren Schicksalsschlag konfrontiert wird: Die jüngste Tochter erkrankt schwer. Als die Familie nach ersten Untersuchungen ein weit entferntes Krankenhaus aufsuchen muss, wird bereits das Allerschlimmste erwartet. 

Dabei erleben wir die Geschichte stets aus der Perspektive des Bruders, der, ebenso wie seine Schwester, noch sehr jung ist. Solch schicksalsschwere Lebensmomente erlebt der Junge jedoch in seiner fantasiereichen Traumwelt, in welcher sein Stofftier-Hase die Rolle des starken Bruders übernimmt. Jeder Abschnitt der Geschichte, von der Erkrankung der Schwester bis hin zu den sorgenreichsten Momenten später in der Story, wird im Spiel in seiner Fantasiewelt vorangetrieben und gespielt. Dabei fordert euch jede Welt mit zahlreichen Puzzles heraus. Diese gilt es stets zu meistern, um seine Schwester letztlich sicher ans Ziel zu bringen.

Jede Menge Puzzles....und Wimmelbilder

My Brother Rabbit läuft spielerisch nach einem recht simplen Schema ab. Zu Beginn findet ihr euch in einer detailreichen Fantasiewelt wieder, die sich über mehrere Bildschirme erstreckt. Diese könnt ihr nach und nach erreichen, bzw. erkunden. Auf jedem Bildschirm gilt es zudem, eine große Anzahl an Collectables zu finden, darunter auch viele, die zunächst von einem Puzzle blockiert werden. Letztere können aber erst dann gelöst werden, wenn ihr eine bestimmte Anzahl von dazugehörigen Puzzleteilen gefunden habt. Diese verstecken sich überall in der detaillierten Umgebung, die es nach und nach abzusuchen gilt. Die nett anzuschauenden Kulissen werden somit also auch zum Hindernis: Häufig braucht man ein wenig, bis man wirklich alle Puzzleteile eines Gebiets entdeckt. Zudem sind die verschiedenen Puzzle auch ineinander verschachtelt; so müsst ihr erst die Teile eines ersten Puzzles finden und das entsprechende Puzzle lösen, damit auch das letzte Puzzleteil für ein anderes Puzzle freigegeben wird. 

Auf diese Art erschließen wir uns Stück für Stück die Welt bis Bruder Hase es schließlich schaffen kann, seine Schwester sicher ans Ziel zu führen. Viele Verstecke für die Puzzleteile sind recht ideenreich angelegt und die Welt baut, verwandelt und verändert sich ständig auf fantasievolle Weise. Hiermit ist allerdings schon das gesamte Spiel zusammengefasst, weiter frischt Brother Rabbit seine Spielerfahrung nicht mehr auf. Was deswegen umso mehr auffällt: Die meisten Puzzle und Rätsel bleiben relativ simpel und sind gerade von Erwachsenen schnell gelöst. Und auch wenn die Welt mit fantasievollen Details gefüllt ist, so kommt man nicht darum herum festzustellen, dass es sich hier im Prinzip nur um Wimmelbilder handelt, die vor allem jüngere Spieler beschäftigen sollen.

Nur ein Spiel für die Jüngeren

Wir können also ganz klar festhalten: My Brother Rabbit ist in erster Linie für jüngere Semester konzipiert und dürfte ältere Spieler wohl nicht allzu lange herausfordern. Die Wimmelbilder sind auf Dauer nicht gerade spannend, die Puzzle sind häufig zu leicht und auch die Geschichte, wenn auch schön erzählt, hat nicht genug Potential, um mehrere Stunden zu unterhalten. Gerade wenn man sich den Preis von 15 Euro anschaut, würden ältere Spieler anderorts mit Sicherheit mehr Unterhaltungswert erhalten. Auch die Abwesenheit von Dialog und Witz helfen nicht dabei, das Spiel für ältere Spieler aufregender zu gestalten. Generell läuft das Gameplay nämlich gänzlich ohne Worte ab, ähnlich wie in Machinarium kommt ihr auch hier ausschließlich durch Hinweise zum Ziel. 

Auf der anderen Seite ist das Spiel aber natürlich gerade für die Jüngeren unter uns zu empfehlen. Diese werden nämlich auf eine fantasievolle Art und Weise zum Denken und Puzzeln angeregt. Auch die simple Story mit ihrer anschaulichen Bilderbuch-Optik dürfte Kindern unter zehn Jahren gut gefallen. Dementsprechend sollte die hier im Review angesprochene Simplizität des Titels nicht als Kritik für diese Zielgruppe verstanden werden. 

Nichtsdestotrotz kommen einige Dinge generell zu kurz. Die Musik klimpert ein wenig unbedeutend im Hintergrund und spiegelt zwar die wundersame und insgesamt traurige Natur der Situation wider, ist aber dennoch nicht besonders anregend. Auch beim Ablauf des Spiels hätte Artifex Mundi ein wenig mehr Variation einbringen können, egal ob für Jung oder Alt. Insgesamt vermittelt jeder weitere Level so ein wenig das altbekannte Prinzip „more of the same“.

Fazit:

My Brother Rabbit ist unterm Strich ein fantasievolles und liebevoll gestaltetes Wimmelbild-Abenteuer, das sich ganz eindeutig an eine jüngere Spielerschaft richtet. Das ist prinzipiell auch absolut in Ordnung, da für Kinder und Fans von Wimmelbildern durchaus einiges geboten wird. Doch ältere Spieler werden für die geforderten 15 Euro anderweitig sicher besser unterhalten. Selbst ausgereiften Puzzlefans können wir My Brother Rabbit nicht wirklich empfehlen, da die Rätsel im Spiel meist schlichtweg zu einfach sind. Auch ist es ein wenig schade, dass der Titel nicht über seine eigene Grundstruktur hinausgeht und mehr Abwechslung bietet. Somit kann euch das Spiel bereits nach dem ersten Level nicht mehr sonderlich überraschen - es wiederholt sich fortan mehr oder weniger immer nach demselben Muster. Sehr zu gefallen weiß dafür die visuelle Gestaltung der imaginären Welt des jungen Bruders, die wirklich sehr schön anzuschauen ist und definitiv das Highlight des Spiels darstellt. Wer also kleine Spieler im Haus hat, die noch Freude an Wimmelbildern und nicht zu komplexen Rätseln haben, kann diese mit My Brother Rabbit sicherlich begeistern. Alle anderen schauen sich aber am besten nach Puzzle-Alternativen um.

Wertung:

6.5

Stefan Finke meint:

"Nur für kleinere Puzzlefans geeignet - aber bei diesen kann es mit seiner fantasievollen Grafik punkten."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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