Test: Red Dead Redemption 2

Von Jeremiah David am 31. Oktober 2018

Grand Theft Horse Two.

Acht lange Jahre sind vergangen, seit uns Rockstar Games im ersten Red Dead Redemption mit Hauptprotagonist John Marston den wilden Westen der USA erkunden ließ. Fans haben diese Zeit genutzt, um einen nicht unbeachtlichen Hype um den zweiten Teil aufzubauen. Einige Trailer, die in den letzten Monaten veröffentlicht wurden, haben zusätzlich dazu beigetragen, die sowieso schon hohen Erwartungen an den Titel noch höher werden zu lassen. Videos und Screenshots wurden von Fans und Experten gleichermaßen bis aufs kleinste Detail seziert, jeder Infohappen aufgesaugt. Jetzt ist Red Dead Redemption 2 endlich da. Ist das Spiel der GTA-Macher tatsächlich das lang ersehnte Meisterwerk? Kann Rockstar Games im Bereich der Open-World-Spiele einmal mehr neue Maßstäbe setzen? Wir geben euch die Antworten auf diese und weitere Fragen!

Durch Schnee und Eis

Red Dead Redemption 2 beginnt mit etwas, das es im ersten Teil nur selten zu sehen gab: Schnee. Es ist das Jahr 1899 und ein Konvoi bestehend aus mehreren Planwagen mit Männern, Frauen und Kindern kämpft sich zu später Stunde irgendwo im mittleren Westen der USA durch einen eisigen Schneesturm. Eigentlich ist es bereits Frühling, doch das merkt man dem Wetter auf keinen Fall an. Der Wind peitscht den Reisenden dicke Schneeflocken entgegen, die Sicht ist eingeschränkt. Die Räder der Wagen und die Hufe der Pferde versinken tief im wattigen Weiß. Man kann als Spieler vor dem Bildschirm sitzend förmlich die klirrende Kälte der feindseligen Umgebung spüren. Der Sturm färbt die Landschaft grau, blau und schwarz. Vor diesem kalten Hintergrund wirkt die eingeblendete, grellrote Schrift mit den Namen einiger Entwickler irgendwie fehl am Platz, zugleich aber auch eigenartig passend. Die Aufmachung erinnert an einen Tarantino-Film und verleiht dem Spiel zusammen mit typischer Western-Musik gleich von Beginn an ein cineastisches Flair.

Ein paar Männer des Konvois haben eine verlassene Siedlung entdeckt. Dutch van der Linde, der Anführer der Gruppe, beschließt, dort einen Unterschlupf für die Nacht zu suchen, denn der Konvoi kann auf keinen Fall weiterziehen. Nicht nur die Wetterverhältnisse machen ein Weiterkommen unmöglich. Ein paar Männer sind im Schneegestöber verloren gegangen und ein weiterer ist schwer verwundet und braucht Ruhe und Wärme. Letzterer stirbt allerdings noch auf den letzten Metern zur Siedlung. Wie und wo er sich verletzt hat, ist zunächst unklar.

Während der Großteil des Konvois in einer Hütte unterkommt, ziehen zwei der Männer - Dutch und Arthur Morgan - aus, um nach Essbarem oder einer besseren, wärmeren Unterkunft zu suchen. Arthur, ein grobschlächtiger, groß gewachsener Kerl mit tiefer, rauer Stimme und leichtem Südstaaten-Dialekt (eine deutsche Synchronisation gibt es nicht) darf fortan von uns gesteuert werden. Er ist bis zum Epilog der Hauptcharakter des Spiels. Der bereits erwähnte John Marston aus dem ersten Red Dead Redemption kommt im Spiel zwar ebenfalls vor, ist aber lediglich ein weiteres, noch recht junges Mitglied der Gang, denn das Spiel ist ein Prequel. Die Ereignisse finden rund zwölf Jahre vor denen des ersten Teils statt. Das ist praktisch für alle, die den Vorgänger nicht gespielt haben oder sich nach acht Jahren nicht mehr an alle Details der Story erinnern können.

Während dem Ausreiten unterhalten sich die Revolverhelden miteinander. Per Tastendruck hält unser Charakter die Geschwindigkeit seines Pferds konstant und folgt automatisch demselben Weg wie sein Partner. Mit der linken unteren Schultertaste konzentriert sich Arthur auf Dutch und es werden simple Gesprächsoptionen eingeblendet. So können wir herausfinden, dass es zuvor wohl einen Vorfall in einem Ort namens Blackwater gegeben hat und sämtliche Mitglieder des Konvois auf der Flucht vor dem Gesetz sind. Es sind allesamt Tagediebe, Halunken oder gar Mörder, selbst die Frauen und Kinder. Ein Raubüberfall auf einem Schiff lief offenbar nicht ganz so wie geplant. Weitere Details kommen erst nach und nach ans Tageslicht.

Dutch und Arthur treffen auf ein weiteres Mitglied des Konvois, der von einem Gutshof in der Nähe berichtet. Zu dritt machen sie sich im Schneegestöber dorthin auf, doch das Anwesen entpuppt sich schnell als gefährliche Falle. Ein paar Banditen einer befeindeten Gang - die O‘Driscolls - haben sich dort, ebenfalls auf der Flucht vor dem Sturm, verschanzt. Den eigentlichen Besitzer des Hofs haben sie längst umgebracht, seine Frau im Keller eingesperrt.
Nach einem Gefecht durchsuchen Arthur und Co das Haus und kehren mit einigen Konservendosen und Decken sowie der traumatisierten Frau des Hofbesitzers zu den anderen zurück. Bis zum Morgengrauen ruhen sie sich aus.

So beginnt der Prolog des in sechs Kapitel unterteilten Spiels, und eines ist nach diesen ersten Szenen gleich klar: Red Dead Redemption 2 ist weit weniger cool als der letzte Blockbuster-Titel des Entwicklers - GTA V. Es erinnert mehr an Mafia als an GTA, ist mehr ein The Last of Us als ein Uncharted, mehr ein Forza als ein Need for Speed... Der Grundton ist, obwohl die Charaktere durchaus Humor besitzen und der Rockstar-typische Zynismus nicht zu kurz kommt, deutlich realistischer, deutlich ernster. Die Protagonisten haben nicht ständig einen flotten Spruch auf der Zunge, sie suchen nicht einfach nur so den nächsten Nervenkitzel oder töten des Spaßes halber. Sie sind Rebellen, die sich nicht an ein zivilisiertes Leben gewöhnen wollen und auf ihre Art ums nackte Überleben kämpfen. Sie sind raue Zeitgenossen in einer rauen, zum Teil grausamen Welt, die genauso auch dargestellt wird.

Andere Dinge sind dagegen weniger klar. Zu diesem frühen Zeitpunkt fühlt sich Red Dead Redemption 2 noch keineswegs wie ein Open-World-Spiel an, eher wie ein lineares Adventure. Die Story ist interessant, aber sehr geradlinig. Ein offenes Erkunden der Spielwelt ist noch nicht möglich, beziehungsweise nicht ratsam, denn im Tiefschnee steuert sich Arthur Morgan verständlicherweise träge wie ein Nilpferd. Tatsächlich ist der etwas zähe Prolog aber nur bedingt mit dem Rest des Spiels vergleichbar. Der harte, realistische Ton wird zwar auch später weitestgehend beibehalten, aber nachdem der Schnee geschmolzen ist und der Konvoi das Gebirge verlassen hat, öffnet sich dem Spieler eine gigantische, lebendige Welt, die, um auf eine der Fragen aus der Einleitung zurückzukommen, durchaus auf verschiedene Art und Weise neue Maßstäbe setzt.

The hateful eight (and a few more)

Der Prolog dient in erster Linie dazu, dem Spieler einige wichtige Charaktere vorzustellen. Da wären natürlich Arthur Morgan, Dutch van der Linde und John Marston, aber auch noch etliche andere Zeitgenossen, die im Laufe des Spiels prominente Rollen einnehmen. Jedes Mitglied des Konvois hat eine Hintergrundgeschichte, jede Person ist einzigartig. Die unzähligen Dialoge verraten viel über die Leben dieser Individuen, und so hat man nie das Gefühl sich nur mit austauschbaren NPCs zu beschäftigen. Die Autoren bei Rockstar berichteten in einem Interview über viele, mehr oder weniger freiwillige Überstunden, woraufhin der Entwickler von mancher Seite scharf kritisiert wurde. Moralisch sind solche Arbeitsverhältnisse natürlich diskutierbar, aber im Spiel machen sie sich zweifelsohne positiv bemerkbar. Die Dialoge sind über jeden Zweifel erhaben und die reine Fülle allein ist mehr als beeindruckend. Wer einfach nur durch eine Ortschaft oder ein Lager streift, wird verschiedene Gespräche praktisch im Vorbeigehen mitbekommen. Wer einen Charakter tatsächlich anspricht, bekommt erstaunlich oft mehr als nur ein simples „Good day, sir!“ oder einen ähnlichen Gruß zu hören, besonders dann, wenn es sich um einen bekannten Charakter handelt. Gute Englischkenntnisse sind hier allerdings eine Grundvoraussetzung, wenn nicht ständig Untertitel gelesen werden wollen.

Die Pferde sprechen zwar nicht, aber müssen fast als eigenen Charakter gezählt werden. Sie reagieren auf ihre Umwelt, wollen nicht nur gefüttert und gepflegt, sondern in stressigen Situationen auch beruhigt werden. Je nach Rasse und Geschlecht besitzen sie verschiedene Eigenschaften und fungieren darüber hinaus stets als Packesel für Arthurs Waffen.  

Der Prolog stellt uns nicht nur verschiedene Kameraden vor, auch mit einigen Grundmechaniken des Spiels werden wir vertraut gemacht. Während den ersten kurzen Missionen erlernen wir das Reiten, das Schießen (mit klassischen Schusswaffen oder mit einem Bogen) und das Jagen. Bei Letzterem müssen wir den Fährten von Rehen im Schnee folgen. Die sind zum Teil kaum sichtbar, aber es gibt eine Fokus-Funktion, die die Spuren als Pfad aufleuchten lässt, ähnlich wie beispielsweise in The Witcher 3. Später im Spiel wird beim Jagen von Raubtieren zudem mit Fleischködern gearbeitet. Beim Schießen dürfen wir uns auf ein relativ starkes Auto-Aim und ein zugegebenermaßen sehr simples und nicht immer zuverlässiges Cover-System stützen, außerdem feiert der aus dem Vorgänger bekannte Dead-Eye-Modus ein Comeback. Dieser verlangsamt die Zeit und kann dadurch zum gezielten Platzieren mehrerer Schüsse in rascher Folge genutzt werden.

Zur Story möchte ich, um Spoiler zu vermeiden, nicht mehr viel sagen. Es geht um die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Charakteren, um den Streit zwischen den O‘Driscolls, anderen Banden beziehungsweise Familien und der eigenen Gang, und natürlich um Geld, das bei verschiedenen Raubzügen erbeutet werden kann. Außerdem, ganz grundsätzlich, um die Suche nach Freiheit in einem Land, das sich mehr und mehr festen Regeln und Konventionen unterwirft. Die Unterteilung in Kapitel und die vielen exzellent ausgearbeiteten Charaktere, mit denen sich Arthur nach und nach beschäftigt, verhelfen dem Spiel zu einem gelungenen Seriencharakter. Wie eine gute Abenteuerserie im Fernsehen weiß auch Red Dead Redemption 2 mit knallharten Actionszenen und ruhigeren, emotionalen Momenten zu punkten. Ich behaupte an dieser Stelle: Erzählerisch ist Red Dead Redemption 2 trotz gemächlichem, manchmal fast zu langsamen Tempo Rockstars bisher bestes Werk. Bemängeln kann man allerdings, dass zu häufig unterschiedliche Charaktere ins Rampenlicht gerückt werden und als Folge dessen der Fokus etwas verloren geht. Red Dead Redemption 2 erzählt dadurch nicht eine große Geschichte, sondern viele kleine, die nur rudimentär zusammenpassen.

Welcome to New Hanover

Der eigentliche Star des Spiels ist aber nicht die Story, noch sind es die Charaktere. Es ist die lebendige, atmende Spielwelt, die nur so vor Details strotzt. GTA V wurde für seinen unglaublichen Detailgrad gelobt, Red Dead Redemption 2 steckt diesen jedoch locker in die Tasche und erweitert ihn um eine Prise Realismus, der in ähnlichen Spielen seinesgleichen sucht. Wenn Arthur mit schneebedecktem Mantel ein warmes Gebäude betritt, schmilzt der Schnee allmählich und der Mantel wird nass. Sein Bart und seine Haare wachsen mit der Zeit, Waffen werden schmutzig und müssen für neuen Glanz poliert werden. Viele ähnliche Details sind so unscheinbar, dass man sie erst nach Stunden bemerkt. Böse Zungen könnten sie als überflüssig bezeichnen, der Realismus und der wahnwitzige Detailgrad haben aber nicht nur Einfluss auf die Optik und die Atmosphäre des Spiels, sondern auch auf das Gameplay. Beispiele gefällig? Bei einer Mission früh im Spiel musste ich als Arthur Morgan einen Mann jagen, der mich als Bandit erkannt hatte. Ich schwang mich sofort auf mein Pferd, gab dem Tier die Sporen und heizte dem Kerl hinterher. Auf der Straße sprangen Hühner, Pferde und Passanten vor mir zurück, ein unachtsamer Arbeiter mit einem Strohballen konnte jedoch nicht mehr rechtzeitig zurückweichen. In jedem anderen Spiel hätte ich ihn wohl einfach konsequenzlos über den Haufen gerannt, hier aber wurde er lediglich einmal um die eigene Achse gewirbelt. Mein Pferd kam dagegen ins Straucheln, rammte einen Zaun und fiel mit einer überzeugend realistischen Animation zu Boden. Ich selbst wurde folgerichtig vom Sattel geworfen und von oben bis unten mit Schlamm besudelt, außerdem verlor ich meinen Hut und meinen Revolver, die beide irgendwo im Morast liegen blieben. Der Verfolgte entkam und ich musste die Mission erneut starten.

Etwas später im Spiel stolperte ich über zwei Cowboys, die in der Prärie campten und vor ein paar Zelten Bohnen aßen. Ich hatte meinen Revolver gezückt und war noch vermummt. In den meisten anderen Open-World-Spielen hätten sie mich sofort als Gegner erkannt und das Feuer eröffnet, in Red Dead Redemption 2 dagegen zückten sie zwar ebenfalls ihre Waffen und schienen durchaus nervös, ließen sich aber mit einer Entschuldigung besänftigen. Ich entfernte mich langsam von der Gruppe und sie steckten ihre Colts wieder weg.

Auch in der Nähe des eigenen Lagers wurde ich bei meiner Rückkehr von einem Revolver begrüßt. Im dunklen Wald hörte ich zunächst nur das Entsichern einer Waffe, dann fragte jemand: „Who goes there?“. Mein Charakter antwortete trocken: „Arthur. Put yer gun away, Bill!“

Noch ein letztes Beispiel: Nach einem Scharmützel begann ich, die Leichen einiger O’Driscoll-Banditen auf einer Waldlichtung nach wertvollen Gegenständen zu durchsuchen. Meine Kameraden, die mir eben noch beim Schusswechsel geholfen hatten, taten automatisch dasselbe und stopften sich Münzen und Zigaretten in die Taschen. Ich musste mich beeilen, um ihnen zuvorzukommen. Ein Fuchs beobachtete vom Waldrand aus die Szene. Als wir uns entfernten, begann er an einer Leiche zu zerren.

Solche und ähnliche Situation gibt es in Red Dead Redemption 2 ständig. Sie passieren einfach, sind ganz organisch in die Spielwelt eingebettet. Und Red Dead Redemption 2 schafft dies, ohne dabei optisch Kompromisse eingehen zu müssen. Das Spiel ist neben Horizon Zero Dawn sicher das am besten aussehende Open-World-Spiel aller Zeiten, dabei aber deutlich größer und interaktiver als Guerrilla Games' postapokalyptisches Sci-Fi-Abenteuer. Die Licht- und Partikeleffekte sind überragend, Texturen verlieren erst aus nächster Nähe ihre Schärfe. Das gilt für alle Bereiche der Spielwelt, die trotz des Wild-West-Settings durchaus abwechslungsreich gestaltet wurde. Die verschneiten Berge im Norden sind den US-Staaten Montana und Washington, sowie den Rocky Mountains nachempfunden, die zentralen Landstriche Colorado, Wyoming und Pennsylvania. Im Südosten erwartet den Spieler die Großstadt Saint Denis, die das Äquivalent der Stadt New Orleans in Louisiana ist. Die Industrialisierung kennzeichnet die Metropole und sorgt mit engen Gassen, unzähligen Fabriken, Parkanlagen und schicken Kneipen im Kolonialstil für eine ganz andere Atmosphäre als im Rest des Spiels. Unmittelbar außerhalb der Stadt ersetzen Sümpfe und subtropische Landstriche die Steppen und Wälder der bereits genannten Bereiche. Der Südwesten gleicht dagegen dem trockenen Texas und New Mexico.

Die Beschreibung der vier Gebiete deutet es bereits an: Red Dead Redemption 2 bietet eine absolut gigantische Spielewelt, und während diese in vielerlei Hinsicht absolut beeindruckend ist, liegt in ihrer Größe leider auch ein negativer Aspekt des Spiels: Um mit dem Pferd von A nach B zu gelangen, vergehen vor und während jeder Mission Minuten, die sich rasch zu Stunden summieren - und damit sind nicht verkürzte In-Game-Stunden gemeint. Viel zu viel Zeit wird mit Reisen zugebracht. Zwar gibt es eine Schnellreisefunktion, aber die muss durch Ausbau des Lagers erst freigespielt werden und ist selbst dann nur bedingt brauchbar, da sie nur von Arthur Morgans Zelt im Lager anwählbar ist. Halbwegs akzeptable Alternativen bestehen lediglich in der Form von Postkutschen und Eisenbahnen. Hier hätten die Entwickler selbst auf Kosten der Realitätsnähe gerne ein besseres System integrieren dürfen.

Das soll aber nicht heißem, dass die Welt leer und langweilig ist. In jeder Ortschaft gibt es Side-Quests und andere Dinge zu tun. Es gibt Kinos, Hotels, Saloons, öffentliche Bäder und andere Einrichtungen. Eine Paläontologin schickt uns auf die Suche nach Dinosaurierknochen, ein Herr sucht Sammelbilder aus Zigarettenpackungen. Anderswo spüren wir Traumfänger auf oder greifen Gesetzeshütern als Kopfgeldjäger unter die Arme. Außerhalb der Ortschaften gehen wir auf die Jagd oder verbringen etwas Zeit beim Angeln. Das Erlegen "legendärer" Tiere belohnt uns mit neuen Ausrüstungsgegenständen.

Fazit:

Es fällt mir schwer, Red Dead Redemption 2 eine Wertung zu verpassen. Es ist kein perfektes Spiel, hat definitiv Makel. Man merkt jedoch, dass die Entwickler nichts weniger als Perfektionismus anpeilten, und in einigen Bereichen haben sie dieses Ziel definitiv erreicht. Der gigantische Aufwand, der in die Realisation der riesigen, offenen Welt geflossen ist, ist jederzeit in Unmengen winziger Details zu spüren. Hier wurde auf Kleinigkeiten geachtet, an die andere Entwickler nicht einmal im Traum gedacht hätten. Rockstar hat die realistischte Spielewelt erschaffen, die es jemals zu sehen gab - ich habe jedoch das Gefühl sie ist stellenweise tatsächlich zu realistisch, denn Realismus ist nicht automatisch mit Spielspaß gleichzusetzen.

Das Script ist vor allem während der Anfangsstunden etwas langatmig, weiß jedoch ungeachtet dessen gut zu unterhalten und braucht speziell ab der zweiten Hälfte des Spiels den Vergleich mit Hollywood-Blockbustern nicht zu scheuen. Grafik und Sound zählen mit zum Besten, was Open-World-Spiele heutigen Gamern bieten können. Die etwas träge Steuerung, das suboptimale Schnellreisesystem und die Tatsache, dass die Hauptstory einige Zeit braucht, um in Fahrt zu kommen, verhindern eine 10er-Wertung. Red Dead Redemption 2 ist aber auch so ein Meisterwerk und wer über die oben genannten Kritikpunkte hinwegsehen kann, bekommt ein Spiel, das die hohen Erwartungen mehr als nur erfüllt; ein detailverliebtes, facettenreiches Wild-West-Epos in einer Welt, wie sie die Videospielgeschichte noch nicht gesehen hat.

Von uns getestet: PlayStation-4-Version

Wertung:

9.5

Jeremiah David meint:

"Fantastisch detaillierter und insgesamt sehr guter, aber etwas langatmiger Wild-West-Epos"
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Herausragend
Technik: Herausragend

Schreibe einen Kommentar:

8 Kommentare:


michi1894
vor 2 Wochen | 1
Schöner Test. Mich interessiert das Spiel leider nach wie vor überhaupt nicht. Wikinger, Piraten, alles toll. Aber der wilde Westen juckt mich nicht. Handwerklich mag das erste Güteklasse sein, mit einem dark souls werde ich jedoch deutlich glücklicher.

Jerry
vor 2 Wochen | 0
Die Production Values sind der Hammer, aber ich kann völlig nachvollziehen, wieso viele Spieler kein Interesse an dem Spiel haben.

NXPro
vor 2 Wochen | 1
Test Top!
Spiel Top!

Für mich aber uninteressant... ich durfte 1Std bei einem Kumpel zocken und es hat mich nicht mitgenommen. Grafik, Sound usw. ist zwar auf hohem Niveau, aber auch nichts besonderes und der Spielspaß kam irgendwie nicht auf. Man merkt zwar die Liebe und die Details im Spiel, aber irgendwie fehlt mir in dem Genre der nächste Sprung um es wieder für mich spannend zu machen.

Ich glaube eine künstliche Intelligenz für die Charaktere (und nicht "blöde" Scripte) würden mich erst wieder reizen. Aber da sind wir leider noch ein Stück weit von entfernt. Vielleicht muss ich den Multiplayermode nochmal später antesten.


Tobsen
vor 2 Wochen | 1
Ich bin zwar gerade erst aus dem Prolog raus, aber bisher bin ich bis auf Äußerste angetan und kann deinem sehr ausführlichen Test nur zustimmen. Mir gefällt es bisher bereits jetzt besser als GTAV, was aber einfach auch meinem Geschmack (bei westlichen Spielen) geschuldet ist. So fand ich beispielsweise auch The Last of Us deutlich besser als jedes Uncharted.

Und @NXPro, "Grafik ist auf hohem Niveau, aber nichts besonderes.". Naja, well, viel besonderer als RDR2 wird's diese Generation nicht mehr^^'. Also die Grafik ist absolut phänomenal für ein Open-World-Spiel, das auf, wenn man ehrlich ist, hoffnungslos veralteter Technik (Vanilla PS4 / X1) läuft. Also mir fällt aus dem Stegreif nur ein einziges PS4-Spiel ein, das noch "besser" aussieht und das ist Detroit - dessen Welt evtl. 2% so groß wie die RDR2s ist. Man muss halt noch abwarten, was The Last of Us 2 und Death Stranding grafiktechnisch auf den Schirm zaubern, aber RDR2 ist technisch sicherlich Top-5 dieser Gen.

Denios
vor 2 Wochen | 0
Vielleicht meinte er damit auch den Artstyle, weil es eben mal wieder "einfach nur" "Fotorealistische" Grafik ist. Also das Spiel versucht halt so realistisch wie möglich in allem zu sein und das ist bei westlichen Spielen heutzutage ja ehrlich gesagt keine Seltenheit.
NXPro
vor 2 Wochen | 0
Ich bin aktuelle 4k Grafik auf dem PC jetzt schon länger gewöhnt und daher ist es eben nichts besonderes in meinen Augen. Ohne Frage hat man nahezu das Maximum aus der Konsolengeneration herausgeholt und dafür dürfen die Entwickler auch gelobt werden. Mir reicht es aber nicht mehr als Kaufgrund.


Falco
vor 2 Wochen | 0
Ich kann leider auch nicht so richtig was mit dem Setting anfangen... Anderseits habe ich Interesse an der neuesten PS4 Pro Revision und schlecht ist das Spiel auf keinen Fall... Wird wohl von Angeboten abhängen. Vielleicht werde ich zum Western Fan durch das Spiel :D

Evoli
vor 1 Woche | 0
Wilder Westen ist nicht so mein Ding (Fantasy, Science-Fiction oder Mittelalter sprechen mich weitaus mehr an), aber wahrscheinlich werde ich mir das Spiel doch mal anschauen - die Bewertungen sind einfach zu gut :)