Test: Starlink: Battle for Atlas

Von Michael Prammer am 23. Oktober 2018

Toys-to-Life-Spiele sind out? Mitnichten! Das sagt sich zumindest Ubisoft und schickt Starlink: Battle for Atlas ins Rennen. Wir haben uns das Weltraumabenteuer mit den Spielzeugen etwas genauer angesehen.

Die Tage von Toys-to-Life-Videospielen, also Games, bei denen ihr physische Figuren, Fahrzeuge oder andere Gegenstände digital auf den Bildschirm zaubert, schienen vorläufig gezählt. Doch inmitten dieser Phase hat Ubisoft die Ankündigung von Starlink: Battle for Atlas publik gemacht und ließ damit auch eine wieder entflammte Liebe noch weiter aufheizen: die Liebe zu Nintendo bzw. der Nintendo Switch. Nach dem erfolgreichen Crossover-Projekt Mario + Rabbids hat es wieder ein altbekannter Nintendo-Held in ein Videospiel von Ubisoft geschafft: Fox McCloud! Doch dazu später mehr, denn nicht nur Nintendos Switch-Konsole wurde mit dem Abenteuer rund um die Weiten des fiktiven Kosmos bedacht, sondern auch die anderen beiden Konsolen aus dem Hause Microsoft und Sony.

Auf ins Atlas-System

Die Geschichte hinter Starlink ist zugegebenermaßen nicht allzu kreativ und außergewöhnlich. Ihr steht auf der Seite einer Weltrauminitiative, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das sogenannte Atlas-System zu erforschen, um eine neuartige, außerirdische Lebensform zu entdecken. Doch im Atlas-System angekommen wird das Mutterschiff der Organisation jedoch attackiert und zum Asturz gebracht. Auch der Kopf hinter der Initiative wird von den Angreifern entführt, was das eigentliche Unterfangen nicht gerade einfacher macht. Dabei besteht das Atlas-System neben dem offenen Weltraum an sich aus insgesamt sieben Planeten, die sich stark voneinander unterscheiden. Neben einer kargen Wüstenlandschaft wartet unter anderem auch eine üppig bewachsene und bunt-schimmernde Naturlandschaft auf euch, wie sie auch aus dem Film „Avatar“ entstammen könnte. In der Third-Person-Optik verfolgt ihr das Spielgeschehen stets von hinten und seid auf den verschiedenen Planeten mit euren futuristischen Raumgleitern unterwegs.

Die Spielwelt in Starlink ist prinzipiell sehr offen gestaltet, sodass sich die einzelnen Planeten und Weltraumsektoren ohne Ladezeiten jederzeit bereisen lassen. Dafür sind die Aufträge, die euch als Piloten zugewiesen werden, nicht immer sehr vielfältig und wiederholen sich im Spielverlauf. Meistens gilt es Außenposten zu befreien, verschollene Dokumente eines Professors zurückzuerlangen oder gegen die eigentlichen Feinde hinter der Entführung zu kämpfen; der sogenannten Legion. Dennoch machen die zumeist gut in die Story eingebundenen Aufträge Spaß und motivieren zum Weiterspielen. Das liegt auch daran, dass quasi für jeden erfolgreich abgeschlossenen Auftrag euer Raumschiff verbessert werden kann. Hierbei werden beispielsweise die Waffen aufgewertet, die Panzerung des Schiffes verstärkt oder neue Effekte für die bereits vorhandenen Waffen erworben. Noch mehr Abwechslung bringen die einzelnen Pilotenfähigkeiten, die jeder Cockpitinsasse mit sich bringt. Diese können eine Schlacht komplett in eine andere Richtung lenken und sind je nach gewähltem Pilot komplett unterschiedlich. Einer der Recken kann beispielsweise einen vernichtenden Orbitalschaden anfordern, mit dem sämtliche Gegner in seinem Umfeld auf einen Schlag zerstört werden.

Toy-to-Life oder digital?

Apropos Waffen: Die Luftkämpfe im Starlink sind stets spaßig, laufen absolut flüssig ab und haben zudem auch noch einige taktische Kniffe zu bieten. So tummeln sich Feinde unterschiedlicher Elemente auf den Planeten, die je nach Gesinnung bekämpft werden müssen. Ein Gegner mit dem Element Feuer will mit Eis gekontert werden und umgekehrt. Deshalb verfügt euer Raumschiff stets über zwei unterschiedliche Waffentypen. Netterweise wird euch bei jedem neuen Gegnertyp eine Empfehlung angezeigt, mit welcher Waffe ihr diesen am besten beharken könnt. Verliert das eigene Raumschiff hingegen seine komplette Energie, muss das Abenteuer nicht zwangsläufig gescheitert sein. Hier kommt es nun aber auch darauf an, für welches Bezahlmodell des Spiels man sich entscheidet. Grundsätzlich ist es nämlich möglich, sich nach dem virtuellen Ableben ins Spiel zurückzubefördern, wenn man den über ein weiteres Raumschiff verfügt. Wer allerdings nur die Standard-Variante des Spiels und somit nur ein Raumschiff besitzt, muss auf seine hart verdienten Ressourcen zurückgreifen und am letzten Speicherpunkt wiederbeginnen.

Der eigentliche Clou an Starlink: Battle for Atlas ist jedoch nicht das Spielgeschehen ansich, sondern das Toys-to-Life-Konzept. Hierbei unterscheidet Ubisoft grundsätzlich zwischen zwei Bezahlvarianten. Es gibt zum einen die Spielzeugvariante, also das Toys-to-Life-Modell, und zum anderen die digitale Version. Letztere schlägt in komplettem Umfang mit 99 Euro zu Buche, hat allerdings den Vorteil, dass der Spieler komplett ausgestattet ist. Sprich: Ihr besitzt alle Waffen, alle Piloten und alle Schiffe. Die Schiffe helfen, wie im vorherigen Abschnitt bereits erwähnt, sich beim Verlust eines Schiffes zurück ins Spielgeschehen zu befördern. Wer außerdem keine Lust auf Plastikspielzeug hat und trotzdem das gesamte Spiel erleben möchte, kommt mit der Version sehr platzsparend aus. Die Toys-to-Life-Variante dagegen ist eher etwas für Sammler und Liebhaber kleiner Basteleien.

In Echtzeit wird das Modell mittels einem Controlleraufsatz auf den Fernseher übertragen, was erstaunlich gut funktioniert. Auch der Komponentenwechsel geht 1:1 von der Hand. Einmal gescannt lasst sich das Spielzeug für eine Woche im Spiel speichern, was der Mobilität der Nintendo-Switch-Version zu Gute kommt. Wer sich mit dem Toys-to-Life-Starter-Paket ausstattet, erhält ein Raumschiff, einen Piloten und ein Waffensystem für knapp 80 Euro. Das reicht im Grunde aus, um die gut 16 Stunden lange Story zu bewältigen. Wer allerdings etwas mehr Komfort haben möchte und sämtliche Waffensysteme, Piloten und Raumschiffe untereinander kombinieren will, der sollte mal locker um die 200 Euro für weitere Raumschiffe, Piloten und Gleiter einplanen, die sich separat im Einzelhandel erwerben lassen. Einen wirkliche großen Mehrwert holt man sich damit aber nur physisch ins Haus, spielerisch ist der Sammelwahn höchstens etwas für Perfektionisten. Abseits dessen sind die Figuren und Raumschiffe allerdings wunderschön gefertigt und zählen für mich zu den besten Toys-to-Life-Spielzeugen, die ich bisher erlebt habe.

Ubisoft + Nintendo = Liebe

Bei der Gelegenheit müssen wir noch ein paar Worte zur Kollaboration zwischen Ubisoft und Nintendo verlieren. Will Nintendo uns schon kein neues Star-Fox-Spiel im Lylat-Universum spendieren, so darf Fox McCloud wenigstens im Atlas-Universum hilfreich zur Seite stehen; und das natürlich selbstverständlich exklusiv in der Version für Nintendo Switch. Mit dem tollkühnen Fuchs seine Runden durch die Galaxis zu drehen und dabei den Arwing zu manövrieren macht dabei gleich nochmal eine ganze Ecke mehr Spaß. Für Switch-Besitzer lohnt sich das Toys-to-Life-Model daher wohl am ehesten, da sowohl der Arwing als auch Fox als Figur im Lieferumfang enthalten sind und richtig toll umgesetzt worden sind. Doch Fox McCloud ist nicht nur zur Deko im Spiel - denn erfreulicherweise haben die Entwickler Fox und einem alten Widersacher eine kleine Extrageschichte spendiert. Spielerisch werden hierbei zwar keine Bäume ausgerissen, ein paar Stunden zusätzlich werden dennoch auf die Uhr gezaubert. Und für Fans von Star Fox ist der zusätzliche Inhalt mehr als willkommen. 

Technisch gibt es nur wenig zu beanstanden, auch wenn der Titel wahrlich kein Grafikfeuerwerk abbrennt. Dennoch sieht Starlink: Battle for Atlas insbesondere auf dem Switch-Display wirklich toll aus, während im TV-Modus die schwächer aufgelösten Texturen schon eher ins Auge springen. Dafür punktet vor allem das phantasievolle Weltendesign, zumal das Spielgeschehen jederzeit flott und ruckelfrei über den Bildschirm läuft. Auch musikalisch wird das Spielgeschehen stets passend untermalt.

Schade ist hingegen, dass der Titel im letzten Drittel der Story spürbar nachlässt. Während der Großteil der Handlung relativ flott erzählt wird, dümpelt der Schluss mit einigen fast schon sinnfreien Missionen, die sich zudem auch oftmals wiederholen, vor sich hin und verlangt etwas Durchhaltevermögen vom Spieler. Hier heißt es: Am Ball bleiben, durchhalten und sich auf das coole Finale freuen.

Fazit:

Starlink: Battle for Atlas ist ein gelungenes Videospiel geworden. Als Weltraumshooter mit Action-Adventure-Elementen kann der Titel mit einer interessanten Geschichte aufwarten und den Spieler lange bei der Stange halten. Es gibt sehr viel zu entdecken im Atlas-Universum und wer sich nicht mit der Story beschäftigen möchte, erkundet die unterschiedlichen und wirklich hübsch gewordenen Planeten. Der Toys-to-Life-Aspekt ist rein optional, lohnt aber für Sammler durchaus, wenn man denn das nötige Kleingeld zur Verfügung hat; das toll gestaltete Spielzeug geht nämlich ziemlich ins Geld. Gerade aber für Nintendo Switch-Besitzer möchte ich die Spielzeug-Variante empfehlen, da die Kollaboration mit Star Fox nicht nur gelungen ist, sondern auch noch ein schönes Modell für die Vitrine mitbringt. Schade ist nur, dass die Story nicht von Anfang bis zum Ende auf einem hohen Niveau gehalten werden kann und dem Spielprinzip im letzten Drittel die Ideen ausgehen. So reicht es für Starlink nicht zum absoluten Toptitel, was auch der reinen Spielzeit von etwa 16 Stunden geschuldet ist. Dennoch lohnt sich der Ausflug ins Atlas-System und gerade alte Star-Fox-Veteranen werden sicherlich ihren Spaß mit dem Titel haben.

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Gelungener Ableger des Toy-to-Life-Genres, vor allem für Nintendofans."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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9 Kommentare:


Matthew1990
vor 1 Monat | 2
Wäre ich ein Star Fox-Fan hätte ich auf jeden Fall zugeschlagen und finde die Idee sehr schön.
Ubisoft kann sich da gerne mal die Zelda-, Fire Emblem- oder Metroid-IP schnappen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass Ubisoft abseits von Nintendo sehr gute Ideen hat. Gerne mehr davon.

GF0P
vor 1 Monat | 1
Ein Assassins Creed mit einem aufstrebenden Krieger aus dem Orni-Orden hätte doch was. :)
Gast
vor 1 Monat | 0
Nein, Zelda soll Ubisoft nicht anfassen! Dann lieber an Monolith Soft abgeben.


GF0P
vor 1 Monat | 1
Interessanter Test, bis gerade eben habe ich keinen Gedanken daran verschwendet das Teil zu kaufen. Jetzt bin ich drauf und dran loszufahren in das nächstbeste Elektronikfachgeschäft.

2null3
vor 1 Monat | 1
Was mich an diesem Spiel in den Wahnsinn treibt sind die widersprüchlichen Informationen zum Umfang in Sachen Schiffe, Waffen und Piloten sowie die Frage, ob ich das Spiel digital oder Retail besitzen möchte.

So hat die Retailversion neben dem Schiff, den 2 Waffen und den 2 Piloten wohl noch ein digitales Schiff und noch eine digitale Waffe mit im Gepäck und ganz nebenbei hat Fox' Schiff noch einen kleinen Sonderstatus, weil es als einziges zusätzlich noch fest eingebaute Laser hat.
Die reguläre digitale Version, die ja auch 80 Euro kostet hat zum Ausgleich 4 Schiffe, 6 Piloten und 12 Waffen + Fox und sein Schiff, die in den meisten Medien und auf Nintendos Shop Seiten komplett unerwähnt bleiben.
Und die digitale Deluxe Version hat dann schlicht ALLES, was Leuten gelegen kommt, die alles freischalten wollen, ohne Haufenweise Kohle auszugeben.

Und wenn man dieses Preismodell endlich komplett durchschaut hat, bleibt noch die Frage, ob Retail oder digital.
Generell bevorzuge ich für mich Retail, weil man die Spiele so auch mal verleihen und ungeliebte Spiele wieder verkaufen kann, zumal die Cadridges ja um einiges unkomplizierter als die meisten Disks sind.
Ich habe aber keinen Bock, neben dem Controller auch noch ein Schiff festzuhalten und bin auch kein großer Fan von der Vorstellung, mich einmal die Woche vor jedem Spiel mit knapp 30 kleinen Spielzeugteilen vor die Konsole zu setzen, um den Schmu erneut zu registrieren.

Digital ist das alles hinfällig und so oder so kann man das Spiel auch einfach mit den üblichen, Raumschiff-freien Controllern spielen und Schiffe und Piloten in einem Menü im Spiel anpassen. Da stellt sich mir aber die Frage, warum ich für ein rein digitales Spiel 80(!) oder sogar 100(!) Euro ausgeben sollte, nur um in den Genuß einer Auswahl zu kommen, die in den meisten Spielen zum regulären Umfang gehört. Alles nicht so einfach.

P.S.: Ubisoft bietet das Spiel auch im eigenen Store an und wer da aus alten Spieltagen noch Club Units hat, kann es sich mit 20% Rabatt für schon etwas humanere 64 Euro holen.

michi1894
vor 1 Monat | 3
Wenn du Retail kaufst, was ich dir bei der Nintendo-Version wärmstens empfehle, dann musst du dein Schiff nur einmal scannen und darfst dann auch mit Pro Controller spielen. Zum Durchspielen reicht das vollkommen aus, wenn man das Standartpaket besitzt. Der Rest ist für Menschen, die haufenweise Schiffe und Waffen aufleveln wollen. Es gibt ein paar optionale Einsatzmöglichkeiten für Waffen, die nicht dabei sind, das ist für 100%-Spieler. Die Spielzeugmodelle sind halt wirklich ziemlich schön geworden, zielen aber ganz klar auf Profit. Man braucht das meiste Zeug gar nicht. Am meisten Spaß haben denke ich mal Nintendo-Fans mit dem Star Fox-Paket.

Und zum Laser vom ArWing: wenn man einen Waffenaufsatz verwendet, funktioniert der Laser nicht. Die sind auch um einiges schwächer, als die Elementarwaffen, die für das Spiel vorgesehen sind und nur reiner Fanservice.

kraid
vor 1 Monat | 1
Das komplette Spiel Retail auf Gamecard mit allen Inhalten und ohne den Plastikmüll für den regulären Vollpreis von um die 60€ und wir kommen ins Geschäft Ubi.

Alternativ nehm ich auch die Digitalversion, aber maximal für 35-40€ komplett, da Accountbindung, Speicherplatzverbrauch und wegfallen der Kosten für Gamecard, Verpackung, Logistik und Margen der Händler.

Das gegenwärtige Angebot mit 100€ für digital deluxe (nannte man früher mal Vollversion) oder 80€ für die Basisversion (Lite) sind gelinde gesagt eine Frechheit und gehören abgestraft.

Ohne die StarFox Charaktäre würde ich das Spiel einfach komplett ignorieren, so warte ich eben nur darauf bis das Preis/Leistungs-Verhältnis stimmt.

Howi
vor 1 Monat | 0
Bei amazon kostet das Starter Pack im Moment 63,99 €. Dann sind zwar nicht alle Inhalte mit dabei, aber du hast Fox McCloud zum Anfassen.

TraxDave
vor 1 Monat | 0
Echt interessant, aber wie schon oftmals hier jetzt erörtert - einfach schwierig wie und was und welche Version. Also einfach mal abwarten was mit dem Preis geschieht, dann ist's nicht mehr sooo happig.