Test: Assassin's Creed Odyssey

Von Nico Zurheide am 22. Oktober 2018

Du bist ein Maláka, ich bin ein Maláka, ihr seid alle Malákas.

Maláka ist griechisch und bedeutet Arschloch oder Wichser. Das ist wohl die wichtigste griechische Vokabel, die ihr vor dem Spielen des neusten Ablegers der berühmten Meuchelmörderreihe kennen müsst. In Griechenland ist im Grunde alles und jeder ein Maláka, auch wenn das Wort im Spiel ausschließlich negativ gebraucht wird. Dort laufen aber auch mehr als genügend intrigante Schweinehunde, Kriegsverbrecher und sonstiges Gesocks herum, die nur auf ein gepflegtes Attentat durch unseren Protagonisten warten. Das Setting enthält jedenfalls ausreichend Potential für derlei menschliche Abgründe, bewegen wir uns doch im Griechenland des Jahres 431 v. Chr. und damit direkt zu Beginn des Peleponnesischen Krieges zwischen dem von Athen geführten Attischen Bund und dem Peleponnesischen Bund unter Führung Spartas. In der gesamten griechischen Welt tobt ein erbitterter Kampf um Ressourcen und Hoheitsrechte und ständig wechselt die derzeitige Besatzungsmacht beinahe aller Teilregionen. In dem Startgebiet, der neutralen Insel Kefalonia, bekommen wir von diesem Krieg allerdings erstmal wenig mit.

Wer hat Lust auf Rollenspielchen?

Direkt zu Beginn können wir auswählen, ob wir mit Kassandra oder Alexios spielen wollen. Die beiden sind Geschwister, die Wahl beeinflusst das eigentliche Spiel allerdings nicht. Auch der Schwierigkeitsgrad kann aus vier Stufen gewählt werden, dazu gibt es die beiden Spielmodi „geführt“ und „Erkundung“, letzterer wird von den Entwicklern empfohlen und erlaubt den Spielern eine von Hinweisen weitgehend befreite Herangehensweise. Wie schon im direkten Vorgänger lassen sich die verschiedenen Elemente des HUD nach Belieben ein- und ausschalten. Generell sind die Einflüsse des hochgelobten Origins in Odyssey deutlich spürbar, die begonnene Wandlung der Reihe vom Action-Adventure hin zum Rollenspiel wird im neusten Teil noch einmal forciert. Kassandra oder Alexios (im Folgenden Kalexios) verbessern ihre Stärke und Gesundheit wieder stufenweise bis zum Maximallevel 50, auch sämtliche Ausrüstung ist auf einem bestimmten Level und kann aufgewertet werden. Dieses System mag nett gemeint sein, das Aufwerten von legendären Waffen und Rüstungen ist aber derart ressourcenfressend, dass es sich normalerweise bis zum Erreichen von Level 50 kaum lohnt, zumal wir während des Spielens ohnehin mit Ausrüstung überhäuft werden. Ein sicherlich guter Ansatz ist die Einteilung in vier Kategorien von „normal“ bis „legendär“, doch da selbst die wertvollste Ausrüstung noch höchstens drei Level mithalten kann, bedarf das Waffensystem im nächsten Teil der Reihe eindeutig einer Überarbeitung.

Diese bekam das generelle Kampfsystem in Odyssey zwar nicht (Schlagen, Blocken, Ausweichen), dafür hat sich hinter den Kulissen einiges getan. Kalexios' Schaden wird nun in die Kategorien Fernkampf, Nahkampf und Attentate eingeteilt, die Zusatzeffekte („Gravuren“ genannt) der Ausrüstung können die jeweiligen Werte dazu noch signifikant beeinflussen. Der Effekt dieser Gravuren wird im Laufe des Spiels fortlaufend verstärkt und sogar legendäre Gravuren werden später von den Schmieden angeboten, so können wir unsere Klinge beispielsweise dauerhaft in Brand stecken oder bestimmte Fähigkeiten stark verbessern. Auch die zahlreichen Fähigkeiten sind nun in der dreifachen Aufteilung in Jäger, Krieger und Attentäter verfügbar, sodass wir uns insgesamt schon ziemlich gut auf einen bestimmten Spielstil spezialisieren können. Die passiven und aktiven Skills lassen sich noch um zwei Stufen für verbesserte Wirkungen aufwerten. Legendäre Rüstung ist darüber hinaus stets Teil eines Sets, das beim Tragen aller fünf Rüstungsteile noch einen weiteren Effekt freischaltet. Durch all diese kleinen und großen Veränderungen konnte Ubisoft Quebec die Kämpfe deutlich vielfältiger und flüssiger gestalten und den Spielern eine offenere Herangehensweise ermöglichen.

Vorbereitung ist der halbe Sieg

Das bedeutet allerdings auch, dass wir stets ein Auge auf unsere aktuelle Ausrüstung haben müssen. Sind unsere Waffen und Rüstungsteile nur einige Level unter dem von Kalexios, wird plötzlich jeder Kampf zu einer kleinen Herausforderung. Oft genügt dann sogar ein Angriff aus dem Hinterhalt, der in den vergangenen Teilen noch zuverlässig jeden normalen Gegner zum Schweigen brachte, nicht, um Feinde auf der gleichen Stufe wie Kalexios zu töten. Und das bereits auf dem zweiten von vier Schwierigkeitsgraden - der übrigens als „Normal“ betitelt ist. Das neue Entwicklerteam hat also die Schwierigkeit im Vergleich zu restlichen Ablegern so hochgeschraubt, dass Odyssey immerhin zum bislang schwersten Assassin's Creed wird. Das bedeutet natürlich trotzdem nicht, dass unser Protagonist besonders häufig den Assassinenlöffel abgeben muss. Durch die zahlreichen Fähigkeiten lässt sich fast immer ein Ausweg finden und sollte uns selbst stumpfes Wegrennen nicht vor dem Tod bewahren, ist der letzte Speicherpunkt zeitlich nie weit entfernt. Die Gegner leveln übrigens mit Kalexios mit, in früheren Gebieten bleiben sie stets zwei Level unter unserem Protagonisten - für dieses Spielsystem gibt es sicherlich Liebhaber wie Gegner, daher ist es etwas unverständlich, warum es nicht mehr so wie im direkten Vorgänger optional einstellbar ist.

Abgesehen von einigen geheimen Bossen, auf die ich hier nicht weiter eingehen werde, und den mythischen Kreaturen, die wir für die Töchter der Artemis jagen sollen, sind die Kämpfe gegen andere Söldner die schwersten im ganzen Spiel. Söldner werden im Krieg von beiden Parteien eingesetzt, in Odyssey laufen gar derart viele Auftragsarbeiter durch die Spielwelt, dass es im Menü einen eigenen Unterpunkt für diese Berufsgruppe gibt. Eines der Hauptziele des Spiels ist es, sich nach und nach an die Spitze der bestehenden Hierarchie der Söldner zu arbeiten, um am Ende der berüchtigste Söldner Griechenlands zu sein. Dieser zweifelhafte Ehrentitel hat allerdings keinen Einfluss auf das Spiel - bekannt ist Kalexios auch vorher schon und spätestens mit dem Erreichen von Level 50 können ohnehin nur noch Gegner erscheinen, die höchstens auf unserem Level sind. Durch Morde und Raub erhöht sich das auf uns ausgesetzte Kopfgeld stufenweise, so können bis zu fünf feindselig gesinnte Söldner gleichzeitig auf uns Jagd machen. Unsere Verfolger machen ihren Job ziemlich gut, da sie sich stets in unsere Nähe teleportieren, wenn wir gerade eine Location abschließen wollen. Die aufregendsten Kämpfe entstehen dann, wenn wir gerade eine Festung erobern und ohnehin schon gegen viele Soldaten auf einmal kämpfen müssen und dann noch einige Söldner mit ihren Spezialattacken auf uns losgehen. Diese herausfordernden wie spaßigen Situationen sind der Hauptgrund dafür, dass wir im gesamten Spiel ein auf uns ausgesetztes Kopfgeld kein einziges Mal durch den Mord am Auftragsgeber wieder zurücksetzen lassen haben.

Lange vor dem Ursprung

Bei den ganzen Söldnern fehlen euch ein wenig die Assassinen und Templer, die normalerweise die Actionreihe unsicher machen? Der Grund dafür ist ganz einfach erklärt: Mit Origins, das etwa 400 Jahre nach den Ereignissen aus Odyssey spielt, erzählte Ubisoft bereits die Entstehungsgeschichte des Assassinenkults. So sind wir im antiken Griechenland ohne versteckte Klinge unterwegs. Für die berühmten hinterhältigen Angriffe greifen wir stattdessen zur Spitze des Speers von Leonidas, dem spartanischen König, der nur wenige Jahrzehnte vor dem Peleponnesischen Krieg mit 300 spartanischen Gefolgsleuten (und den gerne vergessen restlichen griechischen Truppen) den einfallenden Persern an den Thermopylen empfindliche Verluste hinzufügen konnte und so einen großen Anteil an der Freiheit der griechischen Welt hatte. Dieser Leonidas ist in Odyssey der Großvater von Kalexios. Zu Anfang des Spiels sehen wir nun Kalexios' Vater, der seine beiden Kinder aufgrund einer manipulierten Aussage des Orakels von einer Klippe schmeißt, um den Göttern ein Opfer darzubringen. Natürlich hat er seinen Job nicht besonders gut gemacht, denn ein Kind ist später unser Protagonist und das andere spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der Hauptgeschichte des Spiels.

Diese Story ist für die gebotenen Verhältnisse, nämlich Assassin's Creed und Open-World-Spiel, erstaunlich fesselnd. Die vielen Handlungsstränge konnte Ubi Quebec gut miteinander verweben, sodass nicht nur Hauptmission auf Hauptmission folgt, sondern sich immer wieder ganze „Questäste“ öffnen, die teilweise auch völlig andere Missionen beeinflussen. Die an jeder Ecke auffindbaren Quests fließen gerne mal ineinander über und erzählen trotz ihrer immensen Anzahl stets eine andere Geschichte, auch wenn sich das Gameplay natürlich oft wiederholt. Wer gerne abseits der Missionen auf Erkundungstour geht, wird dazu auch einige Quests schon erledigen, bevor er sie überhaupt angenommen hat. Das erfahren wir aber erst im Dialog mit dem entsprechenden Questgeber, der dann natürlich freudig überrascht ist und uns die Belohnung gerne überlässt. Dialoge sind übrigens ein wichtiges Element in Odyssey, die Interaktion mit NPCs wurde im Vergleich mit Origins grundlegend überarbeitet.

Kannst du das nochmal wiederholen?

Wir bekommen in Gesprächen stets mehrere Optionen, so können wir Kalexios einen Charakter nach unserem Gusto verpassen. So weit wie in beispielsweise Mass Effect geht die Personalisierung der Charakterzüge zwar nicht, doch verhalten wir uns etwa oft aggressiv, so haben wir später weniger Probleme, Leute einzuschüchtern und so an Informationen zu gelangen, ohne dafür Drachmen abtreten zu müssen. Meist dienen die zusätzlichen Dialogoptionen aber hauptsächlich dafür, nähere Details über eine Quest zu erfahren. Diese Informationen werden im Questlog vermerkt und sind so gehalten, dass wir durch ein wenig Nachdenken und Suchen immer unser Ziel finden würden. Die Entwickler vertrauen aber offensichtlich nicht auf ihre selbst erstellten Hinweise und so bekommen wir von unserem treuen Adler Ikaros immer eine Meldung, sobald wir uns in einem Radius von 150 Metern um unser Ziel aufhalten, sodass wir es markieren können. Wirklich ankreiden kann man dieses verquere Spieldesign allerdings nicht, denn auch wenn es der Standardeinstellung in den HUD-Optionen entspricht, so kann man diesen Hinweis dort ausschalten. Unsere gewählten Antworten haben sowohl direkten Einfluss auf die aktuelle Situation, als auch auf das Ende des gesamten Spiels. Zusätzlich existieren für einige Charaktere auch noch Romantikoptionen, die zwar die Reaktion der jeweiligen NPCs auf Kalexios verändern und zuverlässig zu Knick-Knack führen, auf das Gameplay jedoch keinen Einfluss haben.

Dieses besteht abseits der Missionen natürlich hauptsächlich aus der Erkundung der riesigen Spielwelt, die wie schon in Origins semi-offen gestaltet wurde, denn obwohl wir theoretisch überall hinlaufen könnten, erweisen sich die Levelstufen der Gebiete eher als klare Begrenzung als nur Empfehlung. Bereits für normale Gegner einige Level über Kalexios fehlt es uns deutlich an Leben, Rüstung und Schaden. Aber auch so bietet ein Gebiet genügend Inhalte, um uns bis zum Erreichen der benötigten Stufe zu beschäftigen. Anders allerdings als die Quests gestalten sich die vielen Orte im antiken Griechenland als zu wenig abwechslungsreich, um über die gesamte Spieldauer unsere Motivation aufrecht zu erhalten. Nicht hilfreich ist es da natürlich, dass das Abschließen eines Lagers nur einen Bruchteil der Erfahrungspunkte bringt, die uns das Abschließen einer Quest bescheren würde. Die Belohnungen fürs freie Erkunden sind das zufällige Abschließen späterer Quests, das Finden von alten Gräbern mit besonderen Stelen, die uns einen wertvollen Fähigkeitenpunkt bringen, und das Entdecken der zahlreichen historischen Orte, die Ubi Quebec hier verwurstete.

Bei Zeus und Aphrodite!

Beim Spielen von Odyssey fällt ganz deutlich auf, dass sich das antike Griechenland perfekt für Assassin's Creed eignet, das in seiner Story doch immer schon auf einen Mix aus Geschichte und Fantasy setzte. Die griechische Mythologie und Geschichte bietet eine beinahe endlose Zahl an legendären Geschöpfen, Helden, Orten und Persönlichkeiten, von denen wirklich viele ihren Weg ins Spiel gefunden haben. Das Orakel von Delphi, Olympia, Perikles, Sokrates, Hippokrates, Perseus, der Minotauros, Leonidas, Mykene, ... - diese Liste lässt sich beliebig erweitern. Auch wenn die Entwickler nicht wirklich auf historische Korrektheit achteten, konnten sie viele bekannte Legenden mit merklicher Liebe zum Detail im Spiel unterbringen. Leider verbergen sich viele dieser Namen und Orte viele Stunden in die Hauptgeschichte hinein oder gar ganz abseits davon, sodass bei einigen Spielern bereits schnell ein falscher Eindruck vom Gehalt des Titels entstehen kann. Der erste Ort dieser Art, das Orakel von Delphi, befindet sich erst im dritten Gebiet, das wir im Rahmen der Story bereisen. Andererseits gibt es so auch nach 80 Spielstunden noch Neues zu entdecken. Auf der Karte können wir jederzeit einige Informationen über die historischen Orte nachlesen - nett.

Neben der Spielwelt selbst sorgen hauptsächlich die verschiedenen Storystränge für Motivation: Kalexios ist auf der Suche nach Vater und Mutter, der sogenannte Kult unterwandert die gesamte Gesellschaft und will quasi die Weltherrschaft an sich reißen, der Krieg zwischen Athen und Sparta findet kein Ende und beeinflusst ganz Griechenland und im Zuge der Hauptstory tut sich auch noch ein großer Nebenschauplatz um eine legendäre Unterwasserstadt auf. Der Peleponnesische Krieg wurde leider nicht besonders ins eigentliche Gameplay integriert. Die Teilregionen befinden sich abwechselnd unter Herrschaft von Athen oder Sparta, für uns besteht der Unterschied allerdings nur darin, dass wir entweder blaue oder rote Soldaten töten.

Auch die groß beworbenen Schlachten entpuppen sich nur als minutenlanges Dauergekloppe - obwohl das dank des Kampfsystems Spaß bereitet, hätte Ubisoft hier noch mehr Abwechslung einbauen müssen. Diese fehlt generell bei den Gegnern, neben blauen und roten Soldaten können wir noch die etwas stärkeren Kultistenkrieger bekämpfen, das war es im Grunde aber auch. Hier wird deutlich, warum die Söldner einen so wichtigen Teil des Spiels einnehmen. Selbst das Wildleben bietet keine Neuheiten und ist generell nicht so gefährlich, wie es uns bereits vor Origins versprochen wurde. Vom firmeninternen Fauna-Höhepunkt namens Far Cry 2 ist Ubisoft also weiterhin weit entfernt. Zum Kampfgeschehen zählen natürlich auch Seeschlachten, die aber wie gewohnt funktionieren und lediglich insofern erneuert wurden, als dass Kalexios nun beinahe jeden Gegner als Teil der Crew verpflichten kann und das Schiff so noch einige Boni auf verschiedene Werte erhält.

Fazit:

Insgesamt lässt sich der Eindruck gewinnen, dass Ubisoft für ein wirklich rundes Spielerlebnis doch den mit Origins begonnenen Release-Rhythmus beibehalten hätte müssen. Durch ein zusätzliches Jahr „Pause“ für die Reihe wäre das ägyptische Abenteuer nicht mehr so stark im Gedächtnis gewesen und Ubisoft hätte sich wahrscheinlich ohne Not ein Datum auswählen können - in diesem Jahr wollte der Publisher durch einen möglichst frühen Herbstrelease offensichtlich einem gewissen Titel aus dem Hause Rockstar aus dem Weg gehen. Auch die direkte Übernahme vieler Objekte aus dem ägyptischen Ableger und die im späteren Spielverlauf doch auffällig geringe Anzahl an Charaktermodellen machen deutlich, dass es in Odyssey stellenweise noch an Feinarbeit fehlt. Dass der neue Titel auf einem hochgelobten Vorgänger basiert, bringt andererseits aber auch dessen gute Eigenschaften mit ins neue Spiel. Ubisoft Quebec greift diese nun auf und verbessert sie fast in allen Belangen, sodass Odyssey im Gesamtpaket eindeutig das bessere Spiel ist und eigentlich eine höhere Bewertung als sein Vorgänger verdient hätte. Einige Designfehler, allen voran die dämliche Maximalstufe 50, verhindern neben dem Wiederverwerten alter Inhalte und der mangelnden Abwechslung im Gameplay allerdings, dass die Wertung höher ausfällt. Wer ohnehin Fan von Action-Adventures ist und dabei einen starken RPG-Einfluss begrüßt und natürlich auch wer sich für die Mythen und Legenden des antiken Griechenland interessiert, der wird hier vollstens auf seine Kosten kommen. Für alle anderen ist Assassin's Creed Odyssey einfach ein bemerkenswerter Titel, der aber noch so viel besser hätte sein können.

Zweite Meinung von Andreas Held:

Es ist schon interessant, wie unterschiedlich die Spielerfahrungen von Nico und mir ausgefallen sind. Ich persönlich empfinde Odyssey selbst auf "Hard" als den mit Abstand einfachsten Teil der Reihe - durch drei verschiedene Heilungssysteme und die Möglichkeit, jederzeit außerhalb der Kampfgebiete einen Quicksave zu setzen (nach dessen Wiederherstellung alle vor dem Speichern getöteten Gegner am Boden bleiben) ist es kaum vorstellbar, dass mir der Ubisoft-Titel abseits der optionalen Superbosse mal ein echtes Hindernis vor die Nase setzt. Ansonsten stößt mir aus spielerischer Sicht noch sauer auf, wie wenige Anreize zum Erforschen der riesigen Spielwelt mit etlichen Nebeninhalten und Quest-Reihen es eigentlich gibt. Gefundene Ausrüstung ist 30 Minuten später schon wieder obsolet und selbst die Erfahrungspunkte bringen nichts mehr, sobald man Level 50 erreicht hat. Eine auf die 100%-Marke zutickende Fortschritts-Anzeige gibt es nicht. Das führte dazu, dass ich an den meisten Questmarkern und Fragezeichen mittlerweile einfach vorbeilaufe.

Die Handlung von Odyssey ist sicherlich ganz nett und nimmt auch unerwartete Wendungen, fällt in meinen Augen aber weit hinter das von Persona 5 oder The Witcher 3 Gebotene zurück. Das liegt auch daran, dass sich Ubisoft immer wieder in politischen Themen verstrickt und die Dialoge dadurch oft sehr trocken und unpersönlich bleiben. In der Folge sind tragische Momente wirkungslos, weil mir die Bindung zu den betroffenen Charakteren einfach fehlt. Dabei kommt man leider auch nicht um die Vermutung herum, dass Ubisoft mit Odyssey ein politisches Statement setzen möchte: Perikles, den uns die Story-Autoren ausführlich als Urvater der westlichen Demokratie vorstellen, bekommt einen politischen Gegenspieler an die Hand, der sich recht offensichtlich an der Rhetorik moderner Rechtspopulisten bedient. Welchen realen Politiker er karikieren soll wird spätestens dann klar, wenn ihn ein NPC in der englischen Version als "The Orange Ape" tituliert. Wer darauf keine Lust hat, darf gerne zu einem unpolitischen Action-Adventure wie Monster Hunter World oder Dark Souls Remastered greifen.

Wertung:

8.5

Nico Zurheide meint:

"Odyssey führt die Reihe weiter Richtung RPG und verbessert seinen Vorgänger in beinahe allen Belangen."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Herausragend
Technik: Sehr gut

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3 Kommentare:


Terry
vor 1 Monat | 2
Sehr schöne Einleitung, Nico ^^

michi1894
vor 1 Monat | 0
Der ganze test ist klasse geworden.

Schade, wäre für mich eigentlich eine Option für die stream Geschichte. Aber geht ja leider nicht bei uns.

Tobsen
vor 1 Monat | 1
Immer noch nichts für mich, begrüße aber natürlich das Hinwenden zum RPG. Evtl. "trauen" sie es sich beim nächsten Teil dann ganz. Die Technik steht ja soweit. Einfach einige Mechaniken durch- und überdenken und es könnte ein ernstzunehmendes WRPG werden, wenn sie es denn wollen.