Test: Reigns: Kings & Queens

Von Michael Prammer am 25. Oktober 2018

König sein, das ist nicht schwer, regieren dafür umso mehr. Wir haben uns unter die Monarchen begeben und Reigns: Kings & Queens getestet.

Das Leben eines Königs oder das einer Königin kann mehrere Jahrzehnte andauern. Ein gütiger Herrscher, der Gefolgschaft und Feinde gleichermaßen im Griff hat, führt eine lange Regentschaft und braucht sich um nichts Sorgen zu machen. Jedoch ist so ein Leben als König nicht einfach und so kann dieses von heute auf morgen enden. Ist ein Herrscher weg, folgt der nächste. Das Leben geht weiter. Was bleibt, ist vielleicht die Erinnerung an große Taten, die der gütige oder auch bösartige Monarch innerhalb seiner Herrschaft vollführt hat. Mit dieser knappen Einleitung lässt sich die Hintergrundgeschichte zu Reigns: Kings & Queens am einfachsten beschreiben.

Lang lebe der König

Als Herrscher oder Herrscherin gilt es vier Grundpfeiler eines erfolgreich geführten Königreiches zu beachten. Das Volk selbst will mit genügend Nahrung versorgt werden. Das Militär muss stets gestärkt sein, um Feinde anzugreifen oder das eigene Königreich zu schützen. Beides geht natürlich nur mit gut gefüllter Staatskasse, die ebenfalls nicht von alleine wächst. Und dann wäre da noch die Kirche, die im Mittelalter eine besondere Rolle spielte und das Zünglein an der Waage sein kann. Viele Könige sind schon über Gottesdiener gestolpert und so muss stets auch der Glaube bekräftigt werden. Diese vier Hauptpunkte bilden das Ziel des Spiels. Jedoch lassen sich nicht alle Parteien gleichermaßen befriedigen.

Das Spielprinzip ist denkbar einfach. Ihr bekommt die Geschichte des aktuellen Königs auf dem Bildschirm angezeigt. Dann werdet ihr bei jedem neuen Abschnitt vor eine Wahl gestellt. Diese Wahl beeinflusst eine oder manchmal auch mehrere der vier Säulen des Königreiches. Wenn eine Entscheidung beispielsweise zu Gunsten des Volkes ausfällt, steigt ein entsprechender Balken an, gleichzeitig könnte diese Entscheidung aber Geld kosten, wodurch der Balken der Staatskasse abnimmt. Spart man dagegen bei einer Entscheidung Geld ein, verärgert das das Militär oder die Kirche. Ist ein Balken komplett leer, ist die Herrschaft des Königs vorbei. Es kommt zum Staatsstreich, zur Hungersnot oder zum Selbstmord des Monarchen, und ein neuer König kommt an die Macht. Ein Balken darf allerdings auch nicht zu voll sein, denn auch dann endet die Regentschaft. Geht es dem Volk zu gut, übernehmen sie die Macht. Deshalb ist es wichtig, die Balken stets ausgewogen im Gleichgewicht zu halten, um möglichst lange zu regieren.

Einfache Steuerung, taktisch anspruchsvoll

Die Steuerung ist denkbar einfach. Aktionskarten müssen lediglich nach links oder rechts gezogen werden. Dabei steuert man entweder per Tastendruck oder mit dem Touchscreen. Auch zwei Spieler dürfen zusammen mittels je einem Joy-Con am Spielgeschehen teilnehmen und sich dabei ins Handwerk pfuschen. An den Balken oben am Bildschirm werden mittels kleiner oder größerer Punkte die Auswirkungen angezeigt. Um etwas Abwechslung ins Spiel zu bringen, gibt es Aufgaben, die Sammelobjekte für die Galerie freischalten. Hin und wieder gesellen sich Sammelobjekte dazu, die eingesetzt werden können, um das Spielgeschehen zu vereinfachen. So lassen sich beispielsweise die Punkte der einzelnen Säulen anzeigen, oder man schummelt bei einem Würfelspiel gezinkten Würfeln.

Das hört sich nicht all zu aufregend an, macht jedoch eine Menge Spaß. Man ist doch immer wieder versucht, nach dem Ableben eines Monarchen, den nächsten Thronfolger etwas länger am Leben zu halten. Und wenn dieser wieder ins Gras gebissen hat, macht sich eine „ach-was-soll's-eine-Runde-mach-ich-noch“-Mentalität breit, die viel Zeit vergehen lassen kann. Der Umfang passt auch: Wer auf eine Herrschaft als König keine Lust hat, der Übernimmt den Part der Königin. Diese muss immer wieder für den unfähigen Gemahl einspringen und wichtige Entscheidungen treffen. Hier unterscheidet sich die Geschichte zwar etwas, das Spielprinzip bleibt gleich.

Technisch ist der Titel kein Wunderwerk und die Ursprünge auf dem Smartphone lassen sich nicht leugnen. Aber der Stil ist absolut charmant und die eckige Cartoonoptik passt zum Spielgeschehen. Die musikalische Untermalung ist stimmig und vermittelt echtes Mittelalter-Feeling.

Fazit:

Reigns: Kings & Queens ist ein echter Überraschungshit, der auf den ersten Blick sehr schlicht scheint, auf den zweiten jedoch durchaus überzeugen kann. Es ist ein kurzweiliges Spiel für Zwischendurch, das aber auch gut und gerne zu unterhalten vermag. Dank dem interessanten Spielprinzip und den unterschiedlichen Geschichten, die hier erzählt werden, gibt es keine Hauptformel, mit der das Spiel stets erfolgreich beendet werden kann. Vielmehr muss man bei jedem Versuch neu nachdenken und sich neue Strategien parat legen, um sein Königreich möglichst lange zu regieren. Zugegeben, das Spiel gibt es auf Smartphones für einen Bruchteil der Switch-Version, doch wer nicht auf seinem Handy spielen möchte, sich mit einem zweiten Monarch zusammentun will oder das Spiel einfach lieber auf dem Fernseher erleben möchte, der kann hier getrost zugreifen.

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Überraschungshit hinter einer biederen Fassade."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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