Kommentar: Darum kaufe ich Retro-Konsolen

Von Michael Prammer am 19. Oktober 2018

Am 03. Dezember bringt auch Sony eine Mini-Version einer ihrer Spielekonsolen auf den Markt. Ich erzähle euch, warum ich mir - anders als mein Kollege Deniz - unter anderem auch dieses Gerät kaufen werde.

Nintendo hat es vorgemacht und mit ihren beiden Sondergeräten Nintendo Classic Mini: NES und Nintendo Classic Mini: SNES große Verkaufserfolge gefeiert. Mitunter waren die Konsolen so begehrt, dass sie vielerorts vergriffen waren und Sammler über Auktionsplattformen horrende Preise gezahlt haben, um an die Schmuckstücke zu gelangen. Erst im Nachgang hat Nintendo eine neue Auflage der Mini-Konsolen angekündigt. Sicherlich kann man sich nun darüber streiten, ob Nintendo mit ihrer viel zu knapp kalkulierten Erstauslieferungsmenge eine gewollte „künstliche Verknappung“ herbeirufen wollte, um die Produkte populär zu machen, oder ob Nintendo tatsächlich schlichtweg nicht mit dem großen Erfolg gerechnet hat. Mittlerweile hat auch der C64 und Segas Mega Drive eine Miniaturvariante erhalten und seit kurzer Zeit gibt es auch einen Kleinstausgabe des NeoGeo. Bis auf Letztere befinden sich alle in meinem Besitz und das hat seine Gründe - denn auch der NeoGeo wird sicherlich noch einen Platz in meiner Sammlung finden.

Ein Stück Vergangenheit ins Wohnzimmer stellen

Mit den Retro-Konsolen haben interessierte Gamer die Möglichkeit, sich ein Stück Videospiel-Geschichte ins Wohnzimmer zu stellen. Für das Nintendo Entertainment System war ich damals einfach noch zu jung, vom C64 will ich gar nicht erst anfangen und im Falle des Super Nintendos war das immer ein ewiger Streit mit meinen Eltern damals. Die erste Konsole, die ich mir wirklich selbst kaufen konnte, war das Nintendo 64. 

Bis auch hier eine Mini-Version erscheint, ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Ein paar Jahre früher kam zudem noch die PlayStation auf den Markt. Ich hatte das Gerät zwar irgendwann, jedoch nur wenige Spiele und so werde ich auch mit der bald erscheinenden Mini-Ausgabe des Gerätes diese Hardware noch einmal neu aufleben lassen können. Kritiker werden jetzt sicherlich sagen: Kauf dir doch lieber die Original-Geräte, die sind teilweise recht günstig zu bekommen. Darauf werde ich in einem späteren Punkt eingehen. Doch die verkleinerten Formen der Konsolen haben auch ihre Vorteile: Sie sehen unter meinem Fernseher schick aus, nehmen nicht viel Platz weg und lassen sich im Zweifelsfall sehr schnell und unkompliziert wieder verstauen. Perfekt.

Viele Klassiker in einem Gerät

Ein weiterer Aspekt, der aus meiner Sicht für die Mini-Konsolen spricht, sind die bereits vorinstallierten Titel. Modul- oder CD-Wechsel gehören der Vergangenheit an und ich habe meine kleine, aber feine Bibliothek bereits gut sortiert in einer Kiste. Über die Spieleauswahl lässt sich natürlich immer streiten, da jeder Spieler andere Vorlieben hat. Der eine hätte gerne etwas mehr Rollenspiele, für den anderen fehlen extravagante Titel, die es vielleicht im Original erst gar nicht nach Europa geschafft haben. Jedoch hat sich vor allem Nintendo mit ihren beiden Geräten darum bemüht, ein ordentliches Spiele-Line-Up auf die Beine zu stellen. 

Für mich hat das sehr gut geklappt, es gibt nur sehr wenige Spiele, die ich in den Sammlunngen vermisse. Beim C64 kann ich zugegebenermaßen erst gar nicht wirklich mitreden und musste ohnehin das nehmen, was mir geboten wurde. Doch auch hier bin ich hinsichtlich der Vielfalt und der Auswahl weitestgehend zufrieden. Vor allem aber bei Sonys PlayStation Mini bin ich nun sehr gespannt, welche Titel hier in die Konsole gepackt werden. Die ersten angekündigten Spiele sind schon mal richtig gut und auf dem Niveau darf es gerne weitergehen.

Retro-Feeling von „damals“

Früher war alles besser. Nun, was Videospiele betrifft, kann man das wohl kaum noch behaupten. Zumindest nicht pauschal. Denn einige Spiele von früher sind heute nur noch arg schwierig zu konsumieren. Unhandlichere Eingabegeräte, verpixelte Optik, wenig Umfang, dudeliger Sound; zumindest die heutige Generation der Gamer, die sich an 4K-Optik ergötzt und von brachialem High-End-Sound verwöhnen lässt, wird damit zu kämpfen haben. Aber so war das damals halt und genau das macht für mich wiederum den Reiz der Spiele aus. Ein „Impossible Mission II“ mit dem Arcade-Stick auf dem C64 Mini zu spielen; ich hatte zu Beginn das Gefühl, ich breche mir die Finger. Aber wenn man sich da ein wenig hineinfuchst, dann macht das tierischen Spaß. Und seien wir alle mal ehrlich: Titel wie Super Mario World und The Legend of Zelda sind absolut zeitlos. Die spielen sich doch auch heute noch am besten mit den Original-Eingabe-Geräten von damals.

Der „günstigste“ und „legalste“ Weg, Retro zu erleben

Mein letzter Aspekt ist eine Kostenfrage, die gleichzeitig einen gewissen Streitpunkt darstellen könnte. Retro-Konsolen sind für einige Kritiker Gelddruckmaschinen, mit denen Hersteller nebenbei Geld dazu verdienen möchten. Zugegeben; die Hardware ist nicht revolutionär, jeder Hobbybastler bekommt so ein Gerät mit einer Internetanleitung hin. Doch ist das auch immer legal? Die Rechtslage sagt: Wer die Originale besitzt, darf sich auch die ROMS, also die Software-Form aus dem Internet, zulegen. Doch wer macht das schon? Somit sind die selbstgebastelten Retro-Kisten zwar günstig in der Herstellung, lassen sich beliebig erweitern, jedoch schwirren sie am Rande der Legalitätsgrenze. Der zweite Weg, Retro zu erleben, ohne eine der Mini-Kisten zu erstehen, wäre bei den hiesigen Internetauktionshäusern nach den Originalen zu suchen. Kleiner Tipp: Versucht einmal einen gut erhaltenen NES nebst der 30 Spiele zusammen zu bekommen und schaut euch dann den Preis an. Wer auf unter 60 Euro kommt, so aktuell etwa der Kurs für die Mini-Ausgabe, der bekommt ein Eis von mir. Beim NeoGeo, das etwa 150€ kostet, fangen wir besser gar nicht erst an.

Lange Rede, kurzer Sinn: Für mich sind Retro-Konsole eine schöne Sache. Ich sehe diese Teile weniger als lästige Staubfänger oder Abzockversuche der großen Hersteller, sondern vielmehr als Sammelobjekte, die ich mir hin und wieder ganz bequem an den Fernseher klemme, um Klassiker von damals neu zu erleben. Eine rundum schöne Geschichte.

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6 Kommentare:


_Kate_to_Switch_
vor 4 Wochen | 0
Ich bin dann wohl eher im "Pro-Mini-Konsolen"-Team. Habe sowohl NES und SNES in der Mini-Variante, weil ich die früher nie hatte und mir das kompakte Design und alles günstig zusammen zu haben sehr gut gefällt. Nun hoffe ich noch auf das N64-Mini!

Hakuo
vor 4 Wochen | 0
Dann zähle ich quasi zum gegenlager:
Hatte die PS-classic vorbestellt als sie angekündigt wurde, daraus ist dann aber der Kauf einer echten grauen Playstation zusammen mit Metal Gear Solid für 70€ geworden. Habe dann doch irgendwie lieber das original zuhause stehen, obwohl die "Remakes" doch auch einige Vorteile bieten
michi1894
vor 4 Wochen | 0
@hakuo: genau dieser Preis stützt meine These im letzten Absatz. Danke:). Aber Spaß beiseite, ein original versprüht immer noch seinen ganz eigenen Charme.


Retrogamer_alias_Papa
vor 4 Wochen | 1
Ja, Retro geht Heuzutage nur noch per Emu. Wenn man nicht zig Konsolen horten möchte. Es Benötigt aber immer ein Original Modul oder die Original CD um das Spiel legal zu spielen. Bei den Sony Playstation Spielen muss sich zusätzlich noch mindestens ein Mainboard mit identischem Bios in Ihrem Besitz finden. Besser die komplette Konsole. (Egal ob defekt oder nicht.) In meinem Keller Gammeln ein defektes PS 1 (Letzte Revision) und ein PS 2 Mainboard (3. Revision) vor sich hin . Die beiden Bios sind Identisch.(PS 1 Mainboard: Lässt sich einschalten, dann ist aber auch Schluss. PS 2 Mainboard: lässt sich einschalten, Bootet, und dann ist Schluss.)

bench0211
vor 2 Wochen | 0
Für weniger Geld kriegt man einen Pie der Nes, Snes und Playstation perfekt abspielt und mehr (alle!) Spiele enthält...

TraxDave
vor 2 Wochen | 0
und keinen Style / kein Retro-Feeling hat sowie illegal ist. :P