Test: SNK Heroines: Tag Team Frenzy

Von Michael Prammer am 11. Oktober 2018

Wenn eine bestimmte Charaktergruppe in japanischen Kampfspielen besonders gerne gesehen ist, dann ist das wohl die der leicht bekleideten Frauen. Sollte dann unter dem Strich auch noch ein gutes Spiel dabei herauskommen, dürften sich alle glücklich schätzen. Ob das bei SNK Heroines: Tag Team Frenzy der Fall ist? Wir verraten es euch in unserem Test.

Spin-Off mit abgedroschener Story und solider Spielmechanik

SNK Heroines: Tag Team Frenzy ist im Grunde ein Spin-Off der King-of-Fighters-Serie. Nach einem klassischen KoF-Turnier werden einige der weiblichen Kämpfer aus nicht ersichtlichen Gründen urplötzlich bewusstlos. Die Gunst der Stunde nutzt ein Unbekannter aus und schleppt die Damen in ein riesiges Anwesen. Fortan müssen sich die 15 Kämpferinnen aus dem mysteriösen Haus und den Fängen des Hausbesitzer prügeln. Das war's.

Die Hintergrundgeschichte des Prüglers reißt also wahrlich keine Bäume aus, dafür soll mit anderen Features gepunktet werden. Der Teamkampf soll für Dynamik sorgen und die wenigen Kleidungsstücke der Damen offenbar die wildesten Männerfantasien heraufbeschwören. Das Kampfsystem an sich ist hingegen eng an die King-of-Fighters-Reihe angelehnt. Viele der Spielmechaniken wurden 1:1 ins Spiel implementiert und wer schonmal einen Ableger der Serie gespielt hat wird sich sofort heimisch fühlen. Für alle Neulinge sei erwähnt, dass es Standardprügelmechaniken gibt, wie Schläge, Tritte, Rollen und einen Ausweichschritt. Wenn die Gegenspielerin mit genügend Treffern versehen wurde, darf mittels Tastendruck ein Finishing-Move inszeniert werden. Doch Vorsicht: Auch der Gegner inklusive CPU ist dazu in der Lage, wenn die eigene Energieleiste weit genug in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Beim bereits angesprochenen Teamkampf kämpft ihr - logisch - immer zu zweit und dürft im Kampf ständig zwischen den Kämpferinnen wechseln. Das solltet ihr in der Praxis auch tatsächlich tun, denn so lässt sich ein bereits verloren geglaubter Kampf durch Taktieren doch noch für sich entscheiden. Es tauchen zudem hin und wieder auch einige Items auf, die eingesetzt werden können und den gegnerischen Ladies weiteren Schaden zufügen. Insgesamt funktioniert das Kampfsystem recht gut, wenn es auch echte Neuerungen vermissen lässt. Die Eingaben der Befehle gehen zudem stets gut von der Hand, der Wechsel der Heldinnen funktioniert einwandfrei und zu guter Letzt kann auch der Einsatz von Items einen ganz anderen Kampfausgang herbeiführen. Solide eben.

Viel nackte Haut, wenig Umfang

Abseits der gut funktionierenden Kampfmechaniken wirkt das Spiel jedoch ziemlich billig. Und damit ist vor allem die Inszenierung gemeint. Alles ist getreu dem Motto „Sex sells“ ausgelegt. Die Brüste der Damen sind so groß, dass sie kaum in die Oberteile passen, die Dialoge wirken plump und sind voller zweideutiger Anspielungen. Auch könnten einige der Geräusche aus den Kämpfen auch aus einem schlechten Pornofilm entstammen. Versteht mich nicht falsch; ich bin alles andere als prüde, allerdings finde ich es doch arg zweifelhaft, wenn man ein Spiel unnötig mit erotischen Stilmitteln aufpeppt, nur um Verkäufe zu generieren.

Anstelle von üppigen Brustumfängen hätte das Spiel vor allem mehr inhaltlichen Umfang gebrauchen können. Der immerhin nett inszenierte Storymodus ist schnell Geschichte, die Trainingsmodi sind auch fix abgeklappert und der Endless-Mode ist ebenfalls nichts für die Langzeitmotivation. Auch online fällt der Umfang mager aus, zumal aktuell wirklich nicht viel los ist und ihr oft vergebens auf einen Kontrahenten wartet. Was wiederum ganz nett ist: Ihr dürft an einer Konsole jederzeit zum flotten eins-gegen-eins-Duell einladen. Technisch gibt es hingegen wenig zu meckern. Das Spiel präsentiert sich in einer hübschen Mangaoptik und zeigt sich in seinem rasanten Gameplay fehlerfrei. Vor allem die Finishing-Moves sehen toll aus. Die Soundkulisse kommt typisch japanisch daher und nervt vor allem durch das Gekreische der duellierenden Damen.

Fazit:

Im Kern ist SNK Heroines: Tag Team Frenzy ein solides und durchaus gelungenes Kampfspiel geworden. Die Spielmechanik funktioniert ordentlich auch wenn sie besondere Kniffe und Einfälle vermissen lässt. Die Teammechanik bringt zudem eine taktische Note ins Kampfgeschehen. Der Rest des Spiels ist jedoch leider relativ plump und man „schmückt“ die solide Mechanik mit XXL-Brüsten, um so offenbar mehr Verkaufszahlen generieren zu wollen. Das ist sehr schade, da statt der Oberweite der Damen der inhaltliche Umfang des Titels eher hätte üppiger ausfallen sollen. So nutzt sich der Titel viel zu schnell ab. Wer aber auf der Suche nach einem soliden Kampfspiel mit viel nackter Haut ist, für den könnte sich ein Blick dennoch lohnen.

Wertung:

6.5

Michael Prammer meint:

"Solide Spielmechanik, plump verpackt."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Mangelhaft
Technik: Gut

Schreibe einen Kommentar: