Test: Super Mario Party

Von Stefan Finke am 03. Oktober 2018

Mittlerweile ist Marios Party richtig super. Stimmt das?

Parties wie Mario sie feiert gibt es schon seit langem. Die Spieleserie zählte bisher stolz bis Mario Party 10 hoch und hatte dabei sogar noch einige Handheld-Titel im Mix dabei. Aber nun bekommen wir nicht die Nummer 11, stattdessen upgraded sich Mario Party selbst zum Super-Status. So wie die Switch mittlerweile eine neue Ära für Nintendo und dessen Fans geschaffen hat, läutet auch Super Mario Party eine neue Zeit ein. Alte Bürden werden abgeworfen und es wird eine neue Iteration erschaffen, die alte Fans als auch neue Party-Frischlinge gleichermaßen ansprechen sollte.

Führerschein weg, wir laufen wieder zu Fuß!

Kommen wir gleich zum Wesentlichen! Das gemeinsame Auto, welches in Mario Party 9 und 10 für viel Unzufriedenheit führte, ist in Super Mario Party nirgends aufzufinden. Ganz klassisch bewegen sich die vier Partyteilnehmer einzeln über das Feld und schreiben somit ihr ganz persönliches Dilemma. Einmal mehr ist der klassische Mario Party-Modus trotz anderer spaßiger Modi die Hauptattraktion des Spiels. Mario Party funktioniert wie gehabt: Wer am Ende die meisten Sterne ergattern konnte, gewinnt. Während des Spiels sammelt ihr durch etliche Felder, Items und durch das Gewinnen von Minispielen Münzen, mit denen ihr die heißbegehrten Sterne erwerben könnt. Der Stern wechselt wie auch schon in früheren Iterationen immer wieder seine Position, was ganz der wilden und unberechenbaren Natur des Spiels entspricht. War ein Spieler gerade noch ganz weit hinten, könnte er plötzlich neben dem Stern stehen. Auch kostet der Stern nur 10 Münzen und ist somit in der Regel auch nahezu immer zu kriegen, wenn man nicht gerade rasant durch jedes rote Feld gelatscht ist. Die Minispiele belohnen nicht nur denjenigen, der gewinnt, sondern verteilen auch ein paar Trostmünzen an den zweiten und dritten Platz. Nur wer gezielt von seinen Mitspielern ausgebeutet wird, fällt in der Regel unter die 10-Münzen-Grenze, was aber natürlich auch für besonders viel „Dynamik“ zwischen den Mitspielern sorgen kann.

Mario Party ist ein Spiel, das ähnlich wie Mario Kart zu einem Großteil auf dem Wohnzimmersofa stattfindet. Der harte und erbarmungslose Wettstreit kann selbst die besten Freundschaften innerhalb von Sekunden zerbröseln lassen. Häufig gibt euch das Spiel die Möglichkeit, sei es durch Giftpilze, das Stehlen von Münzen und Sternen und anderen Methoden, eure Mitstreiter erheblichen Schaden zuzufügen. Während in Mario Kart noch ein blauer Panzer den ersten Platz aushebeln muss, so verführt in Mario Party die verlorene Sympathie für den führenden Spieler zu einem bösen Spiel. Die Schadensfreude, der Schmerz und das Drama leuchten auch in Super Mario Party so stark wie in den älteren Titel der Serie. Super Mario Party schafft es garantiert, euch entweder zum Lachen oder zum Weinen zu bringen.

Aber nicht nur das Kernprinzip funktioniert in Super Mario Party wie eh und je. Eine weitere nette Erweiterung sind die charakterspezifischen Würfel, die bisher nur in Mario Party Star Rush existierten. So hat jeder Charakter einen Standardwürfel mit den Seiten 1 bis 6, als auch seinen eigenen Würfel, der seine ganz eigenen Nach- und Vorteile mit sich bringt. So entspricht Warios Würfel ganz seiner Persönlichkeit: Entweder er würfelt „-2 Münzen“ und bewegt sich somit noch nicht mal ein Feld weiter, oder er würfelt eine seiner vier 6er-Würfelseiten. Luigis Würfel mit den Seiten 1, 1, 1, 5, 6 und 7 scheint erst mal relativ unattraktiv, aber in Mario Party kann es von Vorteil sein, wenn man mit höherer Wahrscheinlichkeit nur eine Eins würfelt. Daisys Würfel kann nur eine drei oder eine vier würfeln, gut für ein moderates Tempo oder wenn man sich eben genau diese Anzahl von Feldern bewegen möchte. Dies fügt dem Spiel eine weitere Ebene an Kontrolle als auch strategisches Denken hinzu, da man nun zumindest seine Chancen ein wenig beeinflussen kann. Aber während des Spiels bleibt es nicht nur bei zwei auswählbaren Würfel. Über sogenannte Verbündetenfelder könnt ihr einen weiteren Charakter in euren Kader mitaufnehmen. Nicht nur bekommt ihr dessen Würfel mit zur Auswahl, auch würfelt dieser Verbündeter mit euch jede Runde mit. Zwar kann euer Verbündeter nur Eins oder Zwei würfeln, aber ihr könnt im Spiel bis zu drei Verbündete mit euch haben. Wer jede Runde dann zusätzlich zu seinem Wurf von seinen Verbündeten Drei bis Sechs zu seinem Wurf hinzurechnen kann, der bewegt sich konstant mit guten Tempo Richtung Stern. Das Sammeln von Verbündeten und die Verwendung von einer Reihe unterschiedlicher Würfel macht Spaß und bedeutet für den Spieler einen erheblichen Bonus, auch wenn es natürlich am Anfang relativ zufällig ist, wer früh und überhaupt im Spiel Verbündete für sich gewinnen kann. Auch positiv sind die bis zu 20 auswählbaren Charaktere. Damit kann sich nicht nur jeder seinen Lieblingscharakter auswählen, auch bringt dieser eine Reihe an unterschiedlichen Würfel mit sich, die jeweils ihre eigenen Spielerfahrungen erlauben.

Bloß nicht den Joy-Con in den Fernseher werfen!

Die Spielbretter sind zumeist eher kompakt, was durchaus positiv ist. Somit ist der Stern niemals eine zu große Distanz entfernt und jeder Spieler hat Gelegenheit an vielen Stellen etwas zu erreichen. Was jedoch rätselhaft ist: Obwohl der Mario Party Modus zum größten Anreiz des Spiels gehört, sind am Anfang nur drei Spielbretter wählbar. Schon in Mario Party 1 von vor 20 Jahren standen mehr zur Auswahl. Da könnte man sich durchaus etwas von Super Smash Bros. abgucken, welches im Gesamtpaket in der Regel seinen Umfang immer erheblich erweitert hat. Am Anfang des Spiels kann man sich auch wie gewohnt aussuchen, wie viele Runden man gerne spielen möchte. Jedoch kann das Spiel sich bei einer Mindestlaufzeit von zehn Runden kaum entwickeln. Dadurch, dass die Sterne so günstig sind und nicht viele Münzen erlangt werden müssen, ist es ein relativ knappes Rennen, wer am ehesten die Sternenfelder erreicht. Zeit um das Blatt zu wenden oder nutzen von Allies zu machen bleibt dabei nicht, daher die Empfehlung mindestens 15 oder 20 Runden zu spielen, auch wenn dies dann zwischen 70-100 Minuten dauern kann. Einen blauen Panzer hat Super Mario Party dann doch im Spiel versteckt. Auf jedem Feld kann zufällig ein goldener Block erscheinen, der den Spieler entweder mit einem Haufen Münzen oder einem Stern beschenkt. Dies scheint für Spieler, die eher die letzten Plätze belegen durchaus häufiger zu passieren. Zwar ist das Spiel somit bis zum Ende ein wenig spannender, da sich kein Spieler auf seinen Vorsprung ausruhen kann, durch puren Zufall einen Stern geschenkt zu bekommen fühlt sich jedoch nicht befriedigend an, erst recht nicht, wenn andere durch cleveres Navigieren und gute Minispielleistungen sich ihre Belohnungen erarbeitet haben. Mario Party bleibt wie kein anderes Spiel vom Zufall und vom Glück abhängig und macht sich dies zu seinem Leitthema: Alles kann passieren, nichts ist unmöglich. Damit bleibt das Spielprinzip schön wild und geht keine Kompromisse ein, aber Mechaniken wie der zufällige goldene Block können einigen Spielern das Spiel verderben.

Eine andere Eigenheit des Spiels ist zudem die Steuerung. Das gesamte Spiel, vom Titelbildschirm bis hin zum Sieg einer harten Partie, kann nur mit einem einzelnen Joy-Con pro Person gespielt werden. Viele Spieler greifen gerne auf den komfortablen Pro-Controller zurück oder spielen ihre Spiele lieber im Handheld-Modus. Dies ist bei Super Mario Party nicht möglich. Das liegt vornehmlich daran, dass viele Minispiele über eine Bewegungssteuerung kontrolliert werden, wofür der Joy-Con in vielen Fällen vertikal wie eine Wii-Mote gehalten werden muss. Darüber hinaus erfordert ein Minispiel selten mehr als den Control-Stick und einen einzelnen Button für eine Interaktion. Dies mag für Fans der Serie erst mal furchtbar klingen. Für den ordentlichen Gamer von Welt ist eine solche Simplifizierung nicht notwendig, dennoch machen die Minispiele sehr viel Spaß und sind leicht und schnell zu verstehen. Ein einziger Joy-Con reicht für die Bedürfnisse des Spiels aus und so kann man relativ leicht bis zu vier Leute mit je einem Controller bestücken und das ist gut so, denn mehr Spieler sind hier mit mehr Spielspaß gleichzusetzen.

Andere Modi gibt es ja auch noch.

Abseits des beliebten Hauptmodus versucht Super Mario Party mit einigen anderen Spielideen zu locken und andere Arten des Zusammenspiels in euer Wohnzimmer zu bringen. Während all diese Modi nicht wirklich dauerhaft motivieren, so sind sie dennoch eine lustige Abwechslung. In der Partner-Party treten immer 2 vs. 2 Teilnehmer gegeneinander an. In diesem Modus werden die Würfe beider Spieler addiert und jeder Spieler kann sich frei über das Feld bewegen. Dieser Modus belohnt Absprache und Koordination. Welcher Spieler sammelt Verbündete, Münzen und andere Dinge auf der Karte, welcher Spieler versucht möglichst schnell zu einem Stern zu gelangen? Wenn beide Spieler gleichzeitig in einer Runde beim Stern ankommen, können sie sich auch zwei Sterne kaufen. Ein durchaus spaßiger Modus, bei dem Teamarbeit und Strategie zum Ziel führen.

Im Raft-Abenteuer-Modus wird die Kooperation von allen vier Spielern abverlangt. Gemeinsam rudert man ein Boot und versucht das Ziel innerhalb des Zeitlimits zu erreichen. Minispiele können auf dem Fluss angesteuert werden und belohnen euch mit zusätzlicher Zeit, um das Ziel zu erreichen. Zwar macht es Spaß, wenn die gesamte Couch zur Abwechslung zusammenarbeitet, aber leider ist der Modus nicht allzu schwer und bringt nicht die gleiche Spannung auf, zumal das Rudern auf dem Boot relativ langweilig ist.

Auf der Beat-Bühne tretet ihr in einer Reihe von Rhythmusspielen an, die über Bewegungssteuerung euer Geschick und Sinn für Musik erfordern. Dieser Modus bringt jeden in Stimmung und Bewegung und macht durchaus Spaß, pro Spieleabend aber auch nur höchstens ein Mal. Auch ist natürlich ein Minispielmodus dabei, in welchen man sich ausschließlich in Minispielen messen kann. Eine größere Neuerung, die gleichzeitig ein grober Fehltritt ist, ist die Implementierung eines Onlinemodus, in welchem Spieler online lediglich in Minispielen antreten können. Normale, längere Mario Party Partien können nicht mit Spielern online gespielt werden, was absolut unverständlich ist. Super Mario Party wird online noch nicht modernen Ansprüchen gerecht. Zum Zeitpunkt des Reviews konnten wir den Online-Modus auch noch nicht testen, da die Server vor dem offiziellen Releasetermin nicht zur Verfügung standen. Wir werden den Onlinemodus zu gegebener Zeit testen und das Review entsprechend updaten.

Die sicherlich ambitionierteste Erneuerung sind vier Minispiele, die über zwei Switch-Bildschirme gespielt werden. Diese sind in Toads Freizeitraum zu finden und locken euch zum gemeinsamen Spielen an den Tisch. Durch das Verschieben der Bildschirme könnt ihr das Geschick im Spiel lenken, was auf technischer Ebene tatsächlich gut funktioniert und viel Spaß macht. Wer also einen zweiten Switch-Bildschirm organisieren kann, der wird sicherlich seinen Spaß mit diesen Minispielen haben, auch wenn diese nach einigen Sessions ebenso ihren Anreiz verlieren wie einige andere Modi. Neben einen belanglosen Sticker-Modus für die Kleinsten und einem Shop wo man gewonnene Punkte in einige Goodies umtauschen kann, zeigt sich Super Mario Party mit einem eher durchschnittlichen Umfang. Immerhin präsentiert sich das Spiel in gewohnt fröhlicher und ansprechender Grafik, die Musik regt zum Spielen an und technisch läuft das Spiel einwandfrei.

Fazit:

Super Mario Party ist ein sehr gelungener Vertreter der Serie, der sicherlich viele Frustrationen der vorherigen Iterationen aufhebt und dabei mit sinnvollen Bereicherungen wie die charakterspezifischen Würfel und Verbündete das Spiel verbessert. Zwar wird nur mit Joy-Con gespielt, aber so sind Multiplayer-Matches schnell zu arrangieren. Super Mario Party funktioniert wie ein Mario Party funktionieren soll und bringt euch den knüppelharten Konkurrenzkampf aufs Sofa. Das Spiel schneidet deutlich besser ab als einige frühere Versionen, auch wenn es aufgrund des durchschnittlichen Umfangs nicht der beste Ableger ist. Auch der fehlende Onlinemodus für Mario Party Matches kostet Wertungspunkte. Unabhängig davon zeigt sich Super Mario Party ähnlich wie die Switch, neu und attraktiv. Kaufempfehlung!

Wertung:

8.5

Stefan Finke meint:

"Kein super Umfang, aber super Spielspaß. Es kracht wie eh und je und wir lieben es!"
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Sehr gut

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7 Kommentare:


TraxDave
vor 2 Monaten | 0
Sehr cooler Test!
Gibt es jetzt bloß zu Beginn nur 3 Spielbretter oder generell nur 3 Spielbretter? Nur eine Frage zur Sicherheit. ^^
Für mich gilt Super Mario Party als Fixkauf, wahrscheinlich zur Zeit der Weihnachtsfeiertage um viele lustige Stunden mit Familie und Freunden zu verbringen. Interessanterweise wird dies mein erstes selbst gekauftes Mario Party seit Teil 1. :P

Nakuri
vor 2 Monaten | 0
Nur zu Beginn, aber wird auch nicht deutlich mehr. :P
Matthew1990
vor 2 Monaten | 0
Ich würde behaupten, 6 Spielbretter als Durchschnitt wären an sich ausreichen. Mehr waren es bisher ja nie. Mal mehr, mal weniger. Ich glaube, Mario Party 10 hatte mit 5 schon am wenigsten.
Wobei bei solch kurzen Runden eine größere Vielfalt an Spielbrettern schon nett wäre. ^^

Slash-Kamei
vor 2 Monaten | 3
Der erste Teil von Mario Party hatte 8 Spielbretter und war auch mit Abstand der beste Teil, zumindest was die spielbretter angeht


NXPro
vor 2 Monaten | 0
Das hört sich alles deutlich besser als MarioParty10 an und endlich auch wieder ein vollwertiges Spiel. Wenn man sich den Umfang und die Erweiterungen/Updates bei anderen Switch-Spielen anschaut, dann wird da sicherlich auch noch nachgelegt.

Könnte mir wunderbar DLCs mit neuen Spielbrettern mit einem bestimmten Motto und dazu passenden Minispielen vorstellen. Vielleicht auch eine Mischung aus kostenfrei und kostenpflichtig.

Buten
vor 2 Monaten | 0
Das Spiel kann ich jedem Gamer empfehlen. Macht viel Fun. Super für mehrere Personen.

Farbi11
vor 2 Monaten | 0
Mehr Bretter! Ich fand MP9 mit 7 Brettern gut. Da findet man immer eins auf das man Lust hat. Aber 4? Da wiederholt es sich doch arg schnell.