Test: The Gardens Between

Von Nico Zurheide am 19. September 2018

Vitaler Nebel mit Sinn ist im Leben relativ.

Diese recht sinnbefreite Aussage hat im Grunde nichts mit The Gardens Between zu tun. Es handelt sich hier aber um einen bekannten Palindromsatz, dessen Funktionsweise einen guten Eindruck von der zentralen Spielmechanik des Titels vom australischen Entwickler The Voxel Agents vermittelt. Das surreale Puzzlespiel erzählt die Geschichte der beiden Freunde Arina und Frendt, die in ihrer Kindheit zusammen viele Abenteuer erlebt haben, mit denen wohl auch ein jeder Spieler zumindest teilweise etwas aus seiner eigenen Vergangenheit verbindet. Die beiden Freunde erleben ihre schönsten Erinnerungen noch einmal, sind dabei jedoch auf unsere Hilfe angewiesen.

Sie werden es hätten gemacht haben können

Arina und Frendt wollen durch insgesamt acht Welten mit je zwei bis drei Leveln bugsiert werden, wobei ein Level stets auf einer Insel mit einer speziellen Thematik stattfindet. Um die Spitze der jeweiligen Insel zu erreichen, spulen wir nun mittels Stick die Zeit vor und beobachten die beiden Protagonisten dabei, wie sie sich zu ihrem Ziel begeben. Natürlich erschweren uns einige Spielmechaniken den Weg zur Spitze. Hauptsächlich handelt es sich dabei um eine Lampe, die ausschließlich von Arina getragen werden kann und die beispielsweise Brücken entstehen lässt oder unpassierbare Wolken auflöst, und verschiedene Schalter, die nur von Frendt betätigt werden können und mit denen wir andere Objekte in der Spielwelt beeinflussen. Bringen wir die beiden Kinder mit einer eingeschalteten Lampe zum Ziel, können wir die Erinnerung abschließen.

Durch die verschiedenen Hindernisse und das viele Vor- und Zurückspulen entstehen einige clevere Rätsel, die erstaunlich kreativ in ihren Lösungen daherkommen. So springen die beiden Kinder etwa über eine Zahlentastatur und wir müssen durch geschickte Manipulation der Zeit einen bestimmten Code eingeben. Oder bei einem Radio muss die Frequenz ständig so geändert werden, dass sich exakt das passende Objekt durch das Level bewegt. Diese beweglichen Objekte sind meist eine Art freundlicher Begleiterkubus, auf denen wir die Lampe abstellen können, um sie ohne Arina an einen anderen Ort zu befördern. Das ist oft nötig, da zum Beispiel schwarze Löcher das Licht ausknipsen oder die Lampe eine Wolkenbrücke vor unseren Füßen auflöst. Nehmen wir dann noch Schalter dazu, die die Zeitmechanik auf andere Teile des Levels übertragen, entstehen schnell durchaus eindrucksvolle Rätsel. An dieser Stelle sei eine Insel genannt, um die sich ein großes Dinosaurierskelett schmiegt, das gerade in sich zusammenfällt und so durch unser Eingreifen für neue Wege sorgt und andere Objekte im Level beeinflusst.

Die neuen Mechaniken werden dabei aber stets behutsam eingeführt; generell muss sich niemand Sorgen machen, dass die Rätsel allzu anspruchsvoll werden. Die Möglichkeiten für komplexere Aufgaben werden schon dadurch eingeschränkt, dass wir weder die Charaktere, noch die Kamera kontrollieren können - die durch die Lampe errichteten Lichtbrücken sind außerdem nur temporär verfügbar und schließen so oft einen Rückweg direkt aus. In Anbetracht der melancholischen Story, der ruhigen Grundstimmung und der eher seichten Rätsel könnte The Gardens Between sogar als Walking Simulator durchgehen - und als Fans des Genres benutze ich die Bezeichnung keinesfalls abwertend. Auch die kurze Spiellänge von etwa zwei Stunden passt in dieses Schema.

Optisch bekommen wir hier einige schöne Welten geboten, auch wenn man diese Grafik nach der Abkehr von SNES-inspirierten Titeln wohl inzwischen als den neuen „go to“ Indie-Standard bezeichnen könnte. Die Level bieten ausreichend distinktive Merkmale und es kommt aufgrund der klaren Grafik zu keinerlei Missverständnissen beim Lösen der Rätsel. Akustisch orientierten sich die Entwickler an typischen Zeitreisen-Sci-Fi-Geschichten und setzten hauptsächlich auf sphärische Klänge, die die Grundstimmung schön unterstreichen. Auf sprachliche Interaktion zwischen den beiden Protagonisten verzichtete man völlig, auch Texte helfen nicht bei der Erzählung der Story. Diese schafft es aber, nur mit Bildern eine nachvollziehbare Geschichte rund um zwei Jugendfreunde zu erzählen, die ein vergleichsweise tragisches Ereignis aufarbeiten müssen.

Fazit:

Zwei Charaktere laufen zusammen über kleine Inseln und müssen dabei Rätsel lösen - da kommt direkt die Frage auf: Hätten The Voxel Agents aus dem Spielprinzip nicht ein Koop-Adventure machen können? Nein, denn wir kontrollieren hier nicht direkt die Protagonisten, sondern beinahe ausschließlich die Zeit und damit nur die Abfolge, in der Arina und Frendt bestimmte Dinge tun. Das führt aber zu vielen interessanten Rätseln, bei denen, obwohl sie größtenteils keine Kopfnüsse sind, die Lösung nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist. Die außergewöhnliche Spielmechanik und gute Ideen der Entwickler machen The Gardens Between zu einem Puzzlespiel, das sich von der Masse abheben kann und mich mehr als einmal an Life is Strange erinnerte. Nur die kurze Spieldauer bei einem Preis von 16,66 Euro könnte einige Spieler abschrecken.

Wertung:

7.5

Nico Zurheide meint:

"Zeitmanipulation und eine melancholische Story rund um zwei Jugendfreunde - eine gute Kombo für außergewöhnliche Momente."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Mangelhaft
Technik: Sehr gut

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