Test: State of Mind

Von Michael Prammer am 13. August 2018

Eine düstere Zukunftsvision, von der wir gar nicht mehr so weit entfernt sind: Willkommen in State of Mind.

Berlin im Jahr 2048: Protagonist Richard Nolan wacht in einem Krankenhaus auf und kann sich an rein gar nichts mehr erinnern. Die Ärzte erzählen ihm etwas von einer Explosion und von der Tatsache, dass er wie durch ein Wunder mit dem Leben davon gekommen sei. Zurück in seiner Wohnung muss er feststellen, dass weder Ehefrau noch Sohn zu Hause sind und stattdessen ein Hausroboter für Recht und Ordnung sorgt. So allmählich gilt es nun, das Geschehene aufzuarbeiten, die Puzzlestücke zusammenzusetzen und selbst herauszufinden, wer man eigentlich selbst ist.

Wer bin ich, was mach ich hier?

State of Mind lässt den Spieler ziemlich im Nebel stehen und bietet bis auf den Schauplatz keinerlei Hinweise, wer man ist, was passiert ist oder worin der Sinn des Spiels besteht. Im Krankenhaus wird die Steuerung kurz erklärt und die ersten Schritte in der Spielwelt zugänglich gemacht. Angekommen in der Wohnung beginnt dann die eigentliche Suche nach der eigenen Identität und nach dem Sinn des Spiels. Und genau das macht den Reiz des des Adventures aus. Denn schon im nächsten Erzählabschnitt befindet sich der Spieler plötzlich wieder in einer komplett neuen Umgebung und agiert mit ganz anderen Charakteren und Umgebungen. Was nach reichlich Verwirrung klingt, ist tatsächlich das Stilmittel des Spiels und zählt zum eigentlichen Höhepunkt der Story.

Das eigentliche Spielprinzip ist simpel und verzichtet gänzlich auf Action. Stattdessen muss der Protagonist mit unterschiedlichsten Objekten interagieren und verschiedenste Dialoge führen, um die Geschichte voran zu treiben. Dabei springt dieser immer wieder zwischen zwei Welten; zum einen befindet sich Nolan in Berlin im Jahr 2048, zum anderen in der Parallelwelt City 5, in der Richard zu einer anderen Person wird. Dies kann hin und wieder für einen ordentlichen „Mindfuckmoment“ sorgen, übt aber eine unglaubliche Faszination aus, wenn man dann dahinter steigt, was die Produzenten eigentlich dem Spieler mitteilen wollten. Je nach dem, wie man sich in den Dialogen entscheidet, ändert sich auch die Story und so haben die Antworten unmittelbare Konsequenzen auf das Spielgeschehen. Was erzählerisch erst einmal relativ spannend klingt, kann auch mal zur lästigen Suche ausarten. Hier und da gibt es Momente, in denen man das gesamte Areal abklappert und nichts anderes macht, als mit sinnlosen Gegenständen zu interagieren, ohne einen Schritt weiter zu kommen. Glücklicherweise halten sich diese langatmigen Abschnitte in Grenzen.

Passend zur düsteren Zukunftsvision um das Berlin in der nicht all zu fernen Zukunft passt auch der Grafikstil. Dieser ist relativ minimalistisch gehalten, wirkt aber durch seine Ecken und Kanten unglaublich passend. Leider sind vor allem die Umgebungen und Hintergründe etwas detailarm geraten, können jedoch durch teilweise tolle Lichteffekte wieder einiges an Atmosphäre wettmachen. Der Stil der Grafik ist auf alle Fälle gewöhnungsbedürftig. Restlos gut gelungen ist hingegen die musikalische Untermalung. Sie passt sich nicht nur den Situationen an, sondern vermittelt auch eine bedrückende Stimmung, während man sich auf der Suche nach sich selbst befindet. Das gesamte Spiel ist übrigens auf deutsch und bestens in deutscher Sprache vertont; die Synchronsprecher haben einen super Job gemacht.

Fazit:

State of Mind ist ein besonderes Spiel, das den Spieler unter Umständen nicht so schnell wieder loslässt. Es greift ein schwieriges Thema auf und versetzt den Spieler in eine Zukunft, von der wir uns gar nicht mehr so weit entfernt befinden. Die spielerischen Stilmittel, die sich auf das Erkunden und die Dialoge beschränken, sind zwar sehr einfach gehalten, wissen allerdings trotzdem zu fesseln, da sie je nach Entscheidung unterschiedliche Auswirkungen haben können. Gelegentliche Leerläufe während der Interaktionen sollte man allerdings einplanen, da einige Objekte relativ sinnfrei platziert worden sind. Außerdem braucht man hier und da ein wenig Anlaufzeit, um hinter die Fassade der Story zu blicken. Denn teilweise kommt man das Geschehen gerade zu Beginn nicht ganz mit und hat dann schon mal den ein oder anderen Verwirrmoment. Musikalisch wurde alles richtig gemacht, das Spiel ist bestens inszeniert. Optisch wird der ein oder andere Spieler sich an dem Grafikstil stören können, ein paar mehr Details in den Hintergründen wären schon wünschenswert gewesen. Nichtsdestotrotz gibt es mit State of Mind ein packendes Adventure, das sich herrlich anders spielt und keinesfalls missachtet werden sollte.

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"State of Mind ist absolut packend und regt zum Nachdenken an – in vielerlei Hinsicht."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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