Test: Overcooked! 2

Von Lars Peterke am 11. August 2018

Ghost Town Games servieren den zweiten Gang. Es herrscht Aufruhr im Reich des Zwiebelkönigs. Mit einem alten Rezeptbuch erweckte er aus Versehen die Untoten... pardon: Unbroten zum Leben. Und nun liegt es am Spieler, mit dem Food-Truck durch die Ländereien zu düsen und die schimmeligen Brote mit seinem Kochtalent zurückzuschlagen. 

An die Töpfe, fertig, los!

Zugegeben, die Handlung von Overcooked 2 ist kein vollmundiges Geschmackserlebnis. Sie ist aber ohnehin nur als Ausrede gedacht, um die Singleplayer-Kampagne zu rechtfertigen. Aber worum geht es überhaupt? Overcooked ist ein Multiplayer-Spiel mit hohem Wuselfaktor. In einer Top-Down-Ansicht im Stile von Bomberman hetzen bis zu vier Köche durch eine Bella Cucina und versuchen dabei den Hund nicht in der Pfanne verrückt werden zu lassen. Dies gelingt nur mit Teamwork, denn Overcooked ist ein rein kooperatives Spiel.

Wer sich nun die neue Fortsetzung Overcooked 2 zulegt, der wird direkt feststellen: Grundsätzlich ist alles beim alten geblieben. Nachdem das Spiel startet, beginnt der Timer, die knapp drei Minuten herunterzuzählen, während am oberen Bildschirmrand nacheinander die Bestellungen hereinfliegen. Ein Symbol zeigt das zu produzierende Gericht, während ein paar kleinere Symbole die dafür notwendigen Zutaten abbilden.

Zu Spielbeginn geht es mit Maki-Sushi, Sashimi und Salat noch sehr gediegen zur Sache. Der Reis wird im Topf gekocht, ansonsten reicht das bloße Hacken und Anrichten der Zutaten auf dem Teller. Schon nach wenigen Leveln zieht der Schwierigkeitsgrad allerdings an. Plötzlich muss auch gebraten, gerührt und gebacken werden. Teller gehen dreckig in die Küche zurück und müssen selbst abgewaschen und anschließend dorthin gebracht werden, wo sie zum Anrichten des nächsten Gaumenschmauses gebraucht werden.

In jedem Level kann ein Score von ein bis maximal drei Sternen erreicht werden. Je mehr Sterne man in den Leveln sammelt, desto wahrscheinlicher schaltet man optionale Herausforderungen frei. So spielt man sich durch mehrere Welten und verteidigt das Königreich gegen die Unbroten. Damit dies nicht zu langweilig wird, werden die Rezepte immer komplexer und die Level fieser.

Kluge Anpassungen an der Spielbalance

Die wohl offensichtlichste Neuerung ist das dynamische Leveldesign. In Overcooked 2 gibt es viele neue Ereignisse, die euch das Leben beim Kochen schwermachen. So müsst ihr in einem Level etwa Pasta auf zwei Heißluftballons zubereiten, die durch den Wind immer hin und hergeschoben werden und so den Zugang zu diversen Küchengeräten hin und wieder versperren. Plötzlich setzt dann ein Gewitter ein, Blitze entflammen den Boden, bevor der Heißluftballon dann in das Sushi-Restaurant aus dem vorherigen Level crasht und ihr in den brennenden Ruinen einfach weiterkochen müsst. In späteren Leveln wird die Komplexität mit Joysticks, Laufbändern und Co. noch weiter aufgebohrt.

Neben diesen spektakulären Neuerungen gibt es aber auch einige Verbesserungen im Detail. So wurde etwa das Werfen von Zutaten stark verbessert, sodass ihr die Zutaten aus der Ferne direkt in Töpfe, Pfannen oder die Hände eines anderen Kochs pfeffern könnt. 

Auch die Spielbalance hat einige Verbesserungen erfahren. So gibt es nun etwa Bonuspunkte für die Abarbeitung von Rezepten in der korrekten Reihenfolge. Dies ist uns besonders beim Solo-Spiel aufgefallen. Obwohl Overcooked 2 wie sein Vorgänger als Multiplayer-Spiel gedacht ist, kann man es auch alleine spielen. Dabei steuert man allerdings zwei Köche simultan und wechselt mit der R-Taste zwischen den Köchen. Das ist zwar nach wie vor extrem ungelenk und eher mittelspaßig, aber mit dem verbesserten Balancing ist es auch in dieser Konstellation möglich, hohe Wertungen einzufahren und den Story-Modus weiterzuspielen, falls mal keine Suchefs zur Hand sein sollten.

Neue, verbesserte Rezeptur! Jetzt noch leckerer!

Overcooked 2 ist schlicht und ergreifend in allen Belangen besser als sein Vorgänger. Man merkt dem Spiel an, dass Publisher Team 17 viel Manpower zur Entwicklung beigesteuert hat. Das Spiel läuft wesentlich flüssiger, die Grafik wurde merklich aufgebohrt und die Menge und Variationen in den Leveln und Rezepten ist nicht von der Hand zu weisen.

Wem das noch nicht reicht, der bekommt mit dem Online-Multiplayer dann den Kaufgrund schlechthin serviert. In Overcooked 2 kann auch online mit mehreren Leuten gespielt werden, sodass es wesentlich leichter wird, eine komplette Truppe an Köchen zu versammeln. Damit die Kommunikation auch dann klappt, wenn sich die Spieler keine Couch teilen, gibt es ein Emoji-System, über das ihr Kommandos hereinrufen könnt. 

Wenn ihr euch irgendwann sicher genug fühlt, könnt ihr auch kompetitiv in Teamduellen antreten. Für kleinere Runden gibt es zudem einen neuen Arcade-Modus, bei dem zuerst eine Spielwelt ausgewählt wird und das Spiel einen dann vor zufallsbasierte Herausforderungen stellt. So kann man munter losspielen, ohne dass man sich durch die Weltkarte des Story-Modus wühlen muss. Kleiner Nachteil: Der Spieler-Login und das Controller-Setup erfolgen beim Spielstart und sind ansonsten nur über die Tastenkombination L+R im Hauptmenü zu erreichen. Wer dieses Detail nicht kennt, muss vermutlich jedes Mal das Spiel neu starten, wenn ein Spieler aussteigen oder dazukommen will.

Fazit:

Für Overcooked 2 können wir eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. Das Spiel ist in allen Aspekten besser und ausgereifter als sein Vorgänger und bietet mit dem Online-Multiplayer und vielen neuen Gameplay-Elementen genügend Kaufargumente. Allerdings gilt wie beim Vorgänger: Da es sich im Kern um ein kooperatives Multiplayer-Spiel handelt, ist es für Solisten kaum interessant. Der Team-Versus bringt zudem erstmals auch ein wirklich kompetitives Element ins Spiel, wodurch das Gesamtpaket weiter abgerundet wird.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

9.0

Lars Peterke meint:

"Overcooked 2 präsentiert sich in allen Aspekten geschmackvoller als sein ohnehin gelungener Vorgänger. Ein Pflichttitel für Multiplayer-Freunde."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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