Test: Quantum Break

Von Michael Prammer am 21. April 2016

Das wichtigste Grundbedürfnis der Menschen ist nicht etwa das tägliche Brot oder Wasser. Logisch, ohne Nahrung können wir nicht sehr lange überleben, aber dennoch gibt noch etwas Fundamentaleres, von dem wir nicht genug bekommen können. Die Rede ist natürlich von der Zeit.  Kein anderer Faktor bestimmt unser Leben so sehr. Und von keinem anderen Faktor wünscht man sich mehr – mehr Zeit für Familie, Freunde, Reisen oder Freizeitaktivitäten.

Mit dieser Thematik beschäftigen sich seit jeher auch zahllose Kunstwerke. Chrono Trigger für das Super Nintendo oder der Hollywood-Streifen In Time deine Zeit läuft ab mit Justin Timberlake zum Beispiel, um nur wenige zu nennen. Der finnische Entwickler Remedy hat nun Videospiel und Film in einem Projekt vereint und sich dabei dem Thema Zeit ausgiebig gewidmet. Herausgekommen ist Quantum Break, das vor einigen Tagen exklusiv für XBOX One und PC erschienen ist. Wir schauen uns den Titel genauer an.

Die Zeit – ein mächtiger Gegner

Hauptdarsteller Jack Joyce kehrt nach Riverport zurück, um seinen alten Freund Paul Serene bei einem Experiment zu unterstützen. Paul lockt Jack außerdem mit dem Versprechen in seine alte Heimat, dass sein Bruder Will dem Projekt beiwohnt. In Wirklichkeit hat Paul eine Zeitmaschine gebaut, die er nun mit Jacks Hilfe testen möchte. Das Experiment geht schief, Paul wird in die Zeitmaschine gezogen und das Raum-Zeit-Gefüge erleidet einen empfindlichen Riss. Dieser führt zu verschiedenen Anomalien, die das Ende der Zeit einleiten. Jack bekommt bei der ganzen Sache eine ganze Menge Chronopartikel ab und kann fortan das Zeitgeschehen beeinflussen. Er ist es nun, der den Riss in der Zeit schließen muss, um die Menschheit zu retten.

Hollywood trifft Videospiel

Was sich zunächst wie ein mittelmäßiger Samstag-Abend Thriller im Free-TV anhört, ist in Wirklichkeit aufwändig inszeniertes Hollywood-Kino. Das liegt vor allem an den hochkarätig besetzten Figuren im Spiel. Jack wird von Shawn Ashmore gespielt, den viele als Iceman aus den X-Men-Filmen kennen dürften. Sein Gegenspieler Paul bekommt sein Aussehen von Aidan Gillen spendiert, der als Sir Petyr Baelish alias Littlefinger aus Game of Thrones bekannt ist. Und dann wäre da noch Dominic Monaghan, der Will Joyce spielt und unter anderem als der Hobbit Merry Brandiboc in den Der Herr der Ringe-Filme zu sehen war. Dazu kommen noch eine ganze Menge anderer Charaktere, die den Hauptakteuren in Sachen Schauspielkunst in nichts nachstehen.

Wie bereits anfangs erwähnt, ist Quantum Break eine Mischung aus Videospiel und Film. Dabei wird das Spielgeschehen in insgesamt fünf Akte aufgeteilt, die am Ende einer jeden Episode immer mit einer rund 20-minütigen Reality-Episode weitererzählt wird. Diese kurzen Filmepisoden erzählen spannende Hintergrundgeschichten aus der Welt von Quantum Break, die die recht komplexe Story einleuchtender erklären und den Spieler noch tiefer eintauchen lassen wollen. Alle Filmepisoden lassen sich optional zwar überspringen und ihr könnt euch so auch wahlweise lediglich dem Spiel als solches widmen, es lohnt sich jedoch, die spannenden Geschichtshappen nach jedem Akt anzuschauen.  Diese sind bereits auf der Disc vorhanden, deshalb werden unnötige Ladezeiten vermieden.

Hauptsächlich schlüpft ihr im spielerischen Part in die Rolle von Jack Joyce. Das Spiel selbst präsentiert sich als Action-Adventure, bei dem zwei Hauptaufgaben im Vordergrund stehen. Zum einen müsst ihr die Welt erkunden und diverse Gegenstände aufspüren, mit deren Hilfe ihr euch einen Weg durch die linear aufgebauten Levels bahnen könnt. Da das nicht immer friedlich möglich ist, wechselt das Spiel zum anderen aber regelmäßig in Kampf- beziehungsweise Shooting-Einlagen. Zu den sammelbaren Gegenstände gehören zudem Tagebücher, Videos und Dokumente, die Hintergrundinfos zu den Charakteren bereithalten. Diese sind optional und dienen lediglich dem tieferen Verständnis der Story. Wichtiger sind die Chronoquellen, mit denen sich Jack besondere Fähigkeiten aneignen oder bestehende verbessern kann. So ist er dazu in der Lage, die Zeit kurz zu stoppen, mit einem Zeitblick verschiedene Gegenstände aufzuspüren oder sich selbst zu heilen. Außerdem steht euch die Funktion "wooshen" zur Verfügung, mit der ihr schnell kurze Distanzen zurücklegt.

Spielerisch war mehr drin

Die eben genannten Zeitfeatures sind vor allem in den Kämpfen sehr wichtig. Denn die Gegner werden zügig stärker und haben bereits ab dem zweiten Akt teilweise die gleichen Zeitfähigkeiten wie euer Protagonist. Diese erhalten die Zeitfeatures durch spezielle Anzüge, die von Paul Serene's Firma entwickelt wurden.

In diesen Situationen ist Quantum Break ein klassischer Third-Person-Shooter. Mit dem linken Trigger wird anvisiert, mit dem rechten Trigger das Projektil abgefeuert. Dazu kommt eine automatische Deckungsfunktion, die jedoch nicht immer tadellos funktioniert. So kann es passieren, dass ihr ab und an schutzlos vor euren Gegnern steht, da die automatische Deckung in die Hose ging. Außerdem sind die meisten Kämpfe wenig herausfordernd, lediglich einige große Brocken sorgen für echtes Kopfzerbrechen. Das liegt zum einen daran, dass ihr sehr schnell lernt, wie die einzelnen Fähigkeiten am besten gegen die unterschiedlichen Gegner angewendet werden. Zum anderen könnt ihr dank der automatischen Heilfunktion und Munition im Überfluss den Standard-Kämpfen recht sorgenfrei entgegentreten. Teilweise bekommt man sogar das Gefühl, dass man durch kontinuierliches Einsammeln aller Chronoquellen zu schnell zu stark wird. 

Die Zeitfeatures spielen jedoch nicht nur in den Kämpfen eine große Rolle, sondern werden auch in regelmäßigen Rätseln genutzt. So müssen die Fähigkeiten von Jack dazu verwendet werden, Hindernisse aus dem Weg zu räumen oder durch einen kurzen Blick in die Vergangenheit neue Wege zu entdecken. Das macht grundsätzlich Spaß und bringt Würze ins Spiel, nutzt sich aber im Laufe der Zeit etwas ab. 

Was im gesamten Leveldesign hingegen stört, ist die sture Geradlinigkeit. Ihr habt stets einen streng vorgegebenen Pfad und könnt lediglich ein paar Meter abweichen, um einige Extras zu finden. Das ist ziemlich schade, aber bei Titeln dieser Art längst keine Besonderheit mehr. Hier muss wohl jeder für sich selbst entscheiden, ob er zugunsten einer cineastischen Inszenierung auf Erkundungsfreiheiten verzichten kann.

Das schränkt jedoch auch die Spieldauer etwas ein, die in Quantum Break mit Blick auf das Genre aber ausreichend ist. Nach etwa zehn Stunden ist der Abspann zu sehen; dank einiger Wahlmöglichkeiten innerhalb der Geschichte lohnt ein zweiter Durchgang. An einigen sogenannten Knotenpunkten, an denen ihr ausnahmsweise die Kontrolle über Paul Serene übernehmt, könnt ihr zwischen zwei Zukunftsvisionen wählen. Die nachfolgenden Reality-Episoden ändern sich dadurch zwar nur minimal, interessant ist das Prinzip jedoch auf jeden Fall. Wer das ganze Spiel nicht noch einmal von vorne beginnen möchte, kann die besagten Szenen auch mittels eines Zeitstrangs abspielen, der im Hauptmenü zur Auswahl steht.
Die Steuerung klappt dabei fast tadellos. In einigen Spielszenen wirkt man jedoch etwas eingeschränkt und kann beispielsweise nicht immer dann springen, wenn man das gerne möchte. Auch das automatische Deckungssystem in der Nähe von Hindernissen nimmt etwas Dynamik aus den Kämpfen.

Die Präsentation hingegen ist eine echte Wucht. Grafisch gibt es ordentlich was zu sehen und man merkt der XBOX One hin und wieder an, dass sie an ihre Grenzen stößt. In einigen Kamerafahrten und Actionszenen sind dann kurze Ruckler zu bemerken. Auch die teilweise unverschämt langen Ladezeiten lassen sich kaum verschweigen. Vor allem zwischen den Akten und beim virtuellen Tod des Charakters können sie auftreten.

Die Soundkulisse ist hingegen reif für Hollywood und auch die deutschen Synchronsprecher machen fast ausnahmslos einen tollen Job. Wer kein Problem mit der englischen Sprache hat, sollte die Tonspur umstellen. Denn die Originalstimmen sind dennoch eine Spur besser als ihre übersetzten Versionen.

FAZIT:

Quantum Break liefert insgesamt ein wirklich tolles Spielerlebnis. Die Story hätte locker das Zeug für einen Hollywood-Streifen. Die Schauspieler sind gut ausgewählt und man identifiziert sich sofort mit den Darstellern. Die Verschmelzung aus Videospiel und Action-Serie ist super gelungen und die Episoden sind unterhaltsam, sodass sie den Spielfluss nicht stören. Leider ist das eigentliche Spiel meist „nur“ gehobenes Mittelmaß. Das liegt vor allem an der sehr geradlinigen Spielwelt, die kaum Raum für Erkundung zulässt. Außerdem sind viele Kämpfe zu unspektakulär und nur hin und wieder muss man die Zeitfähigkeiten wirklich geschickt nutzen, um die Fehden zu gewinnen. So bleibt ein spielerisch solider Titel, der jedoch dank herausragender Aufmachung seinen Kauf durchaus wert ist.

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Herausragend präsentiert und hochkarätig besetzt – spielerisch jedoch mit etwas Luft nach oben."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Sehr gut

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3 Kommentare:


prog4m3r
vor 3 Jahren | 3
Allein wegen der Erwähnung von Chrono Trigger schon der beste Test auf der neuen Seite ;)

KonoeA.Mercury
vor 3 Jahren | 1
Habe leider erst angefangen, aber bin schon sehr beeindruckt von der Technik. Definitiv das beste was ich bisher auf Konsolen gesehen habe.

Bin mal gespannt wie es weiter geht. Test liest sich gewohnt klasse.

XParasX
vor 3 Jahren | 1
Der Test liest sich echt super, bin noch am überlegen ob ich zugreifen soll oder nicht!