Test: The Legend of Zelda – Twilight Princess HD

Von Tim Herrmann am 02. März 2016

Wir haben versucht, andere Zelda-Spiele für Wii U umzusetzen. Tatsächlich haben wir das mit Twilight Princess und Skyward Sword getan. Und das Ergebnis war, hmm … Das waren halt halbrealistische Darstellungen der Zelda-Welt. Wir waren nicht wirklich überrascht.

Das Zitat kommt von Eiji Aonuma, dem Produzenten der Zelda-Reihe; es stammt aus dem Sommer 2013. Damals machte Aonuma Werbung für sein HD-Remake von The Legend of Zelda: The Wind Waker und schwärmte vom technischen Sprung, den das Spiel mit neuen Lichteffekten und HD-Grafik vollführt habe – und den andere Zelda-Titel eben nicht hätten machen können.

„Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern – nichts hindert mich, weiser zu werden.“ Das sagte wiederum nicht Eiji Aonuma, sondern einst der erste Bundeskanzler der BRD, Konrad Adenauer. Aonuma könnte aber gut einstimmen. Denn jetzt erscheint The Legend of Zelda – Twilight Princess HD entgegen aller Beteuerungen eben doch für Wii U, das bereits zweite Zelda-Remake auf der Konsole. Ist Aonuma wirklich weiser geworden? Oder ist die Neuauflage nicht mehr als eine schnelle Überbrückung bis zum mysteriösen neuen Zelda-Abenteuer?

Klassische Zelda-Brillanz

Düster, mystisch, eher realistisch, ein bisschen okkult und bei alldem doch spielerisch voll und ganz Zelda: The Legend of Zelda – Twilight Princess war all das, was The Wind Waker nie sein wollte. Und wurde dafür 2006 von Fans heiß erwartet, die seit Majora’s Mask (2000) oder gar Ocarina of Time (1998) nach einem „echten Next Generation-Zelda“ lechzten. Schon die legendäre Präsentation auf der E3 2004, die Serienvater Shigeru Miyamoto mit Schwert und Schild anführte, zog sie sofort in ihren Bann.

Und so begab sich die Nintendo-Welt im Jahr 2006 wieder auf eine epische Reise – mit einem auserwählten Jüngling im grünen Gewand, der mit der Macht der Göttinnen antrat, um die Welt vom Bösen zu reinigen. Denn eine düstere Parallelwelt hat sich über das friedliche Land Hyrule gelegt und seine Bewohner und Schutzmächte in ihre finsteren Krallen genommen. Nach und nach bereist der Spieler als Zipfelmützenträger Link die Welt, befreit ihre Völker und erlebt die kleinen und großen Geschichten in Hyrule und der Schattenwelt.

Das Zwielicht spielte nicht nur stilistisch eine Rolle. Erstmals konnte der Spieler auch eine andere Gestalt annehmen und auf den Tatzen eines grauen Wolfs durch die (Schatten-)Welt reisen. Begleitet wurde er dabei von Midna, der wahrscheinlich interessantesten Begleitfigur der Zelda-Geschichte. Die schnippisch-zwielichtige Gestalt spielte den Gegenpol zum selbstlosen Heroen und trug damit viel zur Atmosphäre des Spiels bei. Sie stellte zudem den Link zur düsteren Welt her, die die klassische Zelda-Formel um neue spielerische Ideen erweiterte. Diese neuen Ideen gab es diesmal auch abseits der klassischen Dungeons: Wilde Verfolgungsjagden in der Steppe, Flugpassagen, Backtracking-Elemente, Fluchtsequenzen oder kleine Minigames sorgten für Abwechslung.

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Davon abgesehen orientierte sich der Titel aber weitgehend am klassischen Zelda-Standard, reihte Dungeons und Spielaufgaben in einer festen, nahezu unumgänglichen Folge aneinander und baute alle (Neben-)Charaktere und Schauplätze ein, die Fans der großen ersten 3D-Zeldas zu sehen verlangten: Zoras ebenso wie Goronen, Kakariko genauso wie eine ganz klassische Prinzessin in Not. Dabei glänzte er vor allem in seinen Dungeons mit dem gewohnt exzellenten Level- und Rätsel-Design, das in sich so logisch, stringent und befriedigend ist, wie es kaum einer anderen Spieleserie gelingt.

Ein bisschen Wii, ein bisschen GameCube, ein bisschen Wii U

Das gut neun Jahre alte Spiel dürfte vielen Nintendo-Fans bereits bekannt sein. Vor allem stellt sich bei der mit „HD“ betitelten Wii U-Version daher die Frage nach der technischen Neuumsetzung des Klassikers. Das australische Studio Straight Right Games hat sie durchgeführt, Nintendo hat lediglich den Auftrag erteilt. Das erklärt auch, warum Eiji Aonuma so gut wie nie über das Remake gesprochen hat, das er eigentlich nie wollte.

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The Legend of Zelda – Twilight Princess HD einzuordnen, ist schwierig. Es ist keine Portierung, die lediglich auf Wii U zum Laufen gebracht wurde. Es ist aber auch kein Remake, das mit einer neuen Grafik-Engine erneut entwickelt oder um relevante neue Spielinhalte ergänzt worden wäre. Es ordnet sich am ehesten dazwischen ein: The Legend of Zelda – Twilight Princess HD ist behutsam an technische Standards des Jahres 2016 angepasst worden, aber im Ganzen dennoch klar als Spiel aus dem Jahr 2006 zu erkennen – technisch wie spielerisch.

Die Wii U-Version nimmt Elemente aus beiden Klassiker-Varianten auf. 2006 erschien der Titel angesichts des anstehenden Generationenwechsels schließlich fast gleichzeitig für GameCube und Wii. Die Neuauflage verfügt jetzt über die Wii-exklusive und heute nicht mehr wegzudenkende 16:9-Darstellung, aber präsentiert sich mit der GameCube-exklusiven Knopfsteuerung und ihrer linkshändigen Auslegung. Die Wii-Bewegungssteuerung fehlt in der Neuauflage vollkommen, sie ist auch nicht optional vorhanden. Zumindest mit Blick auf die rudimentäre Schüttel-Schwertsteuerung ist das aber auch kein großer Verlust. Die Pointer-Funktionen werden heute (optional) durch die Gyro-Sensoren des Wii U GamePads ersetzt, was gut funktioniert.

Straight Right Games hat zudem die Auflösung von verschwommenen 480p der Wii-Version auf 1080p Full-HD hochgeschraubt. Entgegen weitläufig verbreiteter Ansicht wurde allerdings nicht die Framerate verbessert. Die Bildwiederholungsrate, die die Flüssigkeit der Darstellung bestimmt, bleibt auf Wii U bei 35 Bildern pro Sekunde, was angesichts des langsamen Spieltempos nicht negativ ins Gewicht fällt.

Besser, aber nicht sehr gut

Nun hat Full-HD-Auflösung natürlich erst einmal nichts mit Schönheit zu tun. Full-HD bedeutet mehr Details – egal ob von etwas Schönem oder etwas Hässlichem. The Legend of Zelda – Twilight Princess war mitnichten hässlich, aber doch limitiert durch die Hardware-Leistung von Wii und GameCube. Die Entwickler wollten realistisch aussehende Welten, konnten sie mit ihrer Technologie aber nicht abbilden. Die Texturen, also die Darstellung von Wänden, Unter- oder Hintergründen, bestanden deshalb aus einem Mischmasch verschiedener Grün- oder Grautöne. Diesen Matsch nun auf Wii U in Full-HD anzuzeigen, hätte nichts geholfen. Also hat Straight Right Games die Texturen durch detailliertere, feiner ausgearbeitete Tapeten ausgetauscht; statt grünem Nebel sieht man jetzt kleine Blättchen, Moostupfer oder Furchen in Steinwänden.

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Das macht sich durchaus bemerkbar: Twilight Princess HD ist im Direktvergleich mit dem Wii-Original deutlich angenehmer anzusehen. Das liegt vor allem daran, dass das technisch bedingte Verschwimmen der ohnehin matschig-unscharfen Umgebungsgrafiken ausgemerzt werden konnte und das Bild jetzt immer scharf dargestellt wird. Die neuen Texturen sind ein Mehrwert.

Die „große Lösung“ haben Straight Right Games und Nintendo jedoch nicht gewählt. Im besten Fall hätte man sich beim Blick auf die neuen Bilder fragen müssen: „Halten die grafischen Umgebungs- und Charaktermodelle einem genauen Hinsehen und einer HD-Darstellung stand?“ Und man hätte antworten müssen: „Nein.“ Gegner, Bäume, Wände, Tiere, Kliffs oder Mauern sind lediglich schärfer. Doch es sind noch die gleichen (oder zumindest ähnliche) Modelle wie auf der Wii-Konsole. So wirken die Spielwelt und ihre Charaktere oft eckig, kantig und strukturlos, wie es das heutige Spielerauge nicht mehr gewohnt ist. Früher sind viele dieser Kanten in der Unschärfe verschwunden. Jetzt werden sie deutlich sichtbar und lassen keinen Zweifel daran, dass dieses Spiel aus einer anderen Generation stammt. The Legend of Zelda – Twilight Princess HD sieht stellenweise wirklich altmodisch aus.

Dazu tragen auch die (Haupt-)Charaktere bei. Sie waren schon 2006 mit recht vielen grafischen Details versehen, die spätestens jetzt auch sichtbar werden. Doch an die grafisch und technisch schwierigen Stellen hat man sich nicht herangewagt. Die Mimik der Charaktere bleibt vollkommen platt, ihre Haare behalten den altmodischen Plastik-Look. Selbst der Wolfspelz bleibt eine verwaschene Grauschattierung – hier hätte Straight Right Games sich mehr Mühe geben können, um mehr grafische Authentizität herzustellen.

Nur das Nötigste für die HD-Version

Diese Beobachtungen spiegeln ein grundsätzliches Problem dieser HD-Version wider: Nintendo hat nicht das Budget freigegeben, um Twilight Princess wirklich fit fürs Jahr 2016 zu machen. Es hätte wahrlich genug Stellen – technisch ebenso wie spielerisch – gegeben, an denen man hätte ansetzen können. Doch sie wurden bewusst nicht angefasst. Nicht, um irgendeinen Retro-Stil zu bewahren, sondern weil die Anpassungen zu aufwändig gewesen wären.

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Die „offene Spielwelt“, für deren Größe man sich 2006 gerühmt hatte, ist für heutige Verhältnisse hoffnungslos veraltet, da in weiten Teilen völlig unbelebt und lediglich als eintönige freie Grünfläche zu beschreiben. In einem Remake hätte man mehr Geheimnisse einbauen können – und nebenbei die völlig aus der Zeit gefallenen Ladezeiten zwischen den Arealen abschalten können. Auch die Steuerung hat Potenzial zur Verbesserung, angefangen bei der hakeligen Pferdsteuerung über die manchmal etwas hektischen Wolf-Moves bis zur Idee, das gelungene Sprint-System aus The Legend of Zelda – Skyward Sword für das Remaster zu prüfen. Doch das hätte auch neue Animationen für Link bedeutet: zu teuer.

Stattdessen hat Nintendo Straight Right mit der Integration der amiibo-Figuren beauftragt. Verschiedene Zelda-Figuren spendieren bei Berührung des Wii U GamePads Zusatzherzen oder Verbrauchsmaterial wie Pfeile und Bomben. Der Ganondorf-amiibo schraubt den durch Feinde verursachten Schaden nach oben. Und der exklusiv für dieses Spiel entwickelte Wolf-Link-amiibo schaltet eine Challenge frei, die es aber in nahezu identischer Form auch schon im Ur-Spiel gab. Zudem ermöglicht er eine Schnellstartfunktion, die aber nur wenige Sekunden pro Spielstart einspart und deshalb kaum Mehrwert bringt. In The Legend of Zelda für Wii U sollen diese Speicherdaten in irgendeiner Form weiterverwendet werden.

Die einzigen halbwegs nennenswerten Neuerungen beschränken sich auf ein Item, das eine optionale Sonderaufgabe erleichtert (Geisterlampe), versteckte Miiverse-Stempel und eine verringerte Anzahl von Sammelobjekten („Strahlentau“), die ihr an drei Stellen im Spiel zum Weiterkommen braucht. Das ist aber fast belanglos. Erwähnenswert ist noch der Heldenmodus, der diesmal schon beim ersten Spielstart zur Verfügung steht. Hier ziehen Gegner euch bei einem Treffer doppelt so viele Herzen ab. Heilen könnt ihr euch nur mit Feen oder Herztränken, denn unterwegs ist keine Energie zu finden.

Das Wii U GamePad verfügt, typisch für eine Neuauflage eines alten Spiels, über keine kreativen Funktionen. Auf dem Zusatzbildschirm wird die Karte eingeblendet, außerdem können Spieler dort ihre Items verwalten und sich auf Knopfdruck zum Wolf verwandeln, was knapp eine Sekunde pro Vorgang einspart.

The Legend of Zelda – Twilight Princess HD verlässt sich also auf seine Stärken, die es als Videospiel zweifellos hat. Es baut darauf aber an keiner Stelle in wirklich wesentlichem Maße auf.

FAZIT:

Was ist The Legend of Zelda – Twilight Princess HD nun also? Ein grandioses Spiel für 2006er-Verhältnisse? Ein immer noch sehr gutes Spiel für 2016er-Verhältnisse? Ein schwaches Remake? Ein anständiges Remaster? Wahrscheinlich eine Mischung aus alldem. The Legend of Zelda – Twilight Princess HD ist noch immer ein Klassiker der Spielegeschichte mit unbestreitbaren Qualitäten im Game-Design und in der Spielbarkeit. Ein Klassiker, der durch die Anpassung auf Wii U noch besser und damit – natürlich – zur besten Version geworden ist. Aber sie ist nicht so gut, wie sie hätte werden können, wenn Nintendo sich zu mehr als ein paar oberflächlich-kosmetischen Anpassungen hätte hinreißen lassen. Ja, Twilight Princess HD sieht deutlich besser und angenehmer aus als auf Wii und GameCube; wer ihm diese Verbesserungen abspricht, hat die technische Qualität der Ur-Versionen falsch in Erinnerung. Aber es sieht für ein Spiel des Jahres 2016 eben nicht gut aus. Und vor allem: Es hätte noch deutlich schöner aussehen können, wenn man Zeit und Geld in einen tiefergreifenden Überarbeitungsprozess gesteckt hätte. Twilight Princess HD ist also „nur“ eine relativ teure Remastered-Edition. Stört euch nicht? Dann greift zu. Denn das Spiel an sich lohnt sich nach wie vor.

Wertung:

8.0

Tim Herrmann meint:

"Ein Videospiel für die Geschichtsbücher, das auf Wii U zwar merklich besser ist, aber noch besser hätte werden können."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Sehr gut
Technik: Durchschnittlich

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1 Kommentare:


Belphegor
vor 5 Jahren | 0
Ein tolles Game welches ich erst jetzt für mich entdeckt habe. Es war - wie so viele Nintendo-Spiele - seiner Zeit voraus und ist nicht umsonst ein Meilenstein der Videospielgeschichte und wurde zuletzt unter den Zelda-Fans als das Beste Zelda aller Zeiten (noch vor OoT) gewählt. 10/10 herausragenden Spieleerlebnissen!