Test: Shining Resonance Refrain (Nintendo Switch)

Von Deniz Üresin am 05. August 2018

Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Ein weiteres JRPG für die Nintendo Switch ist bei uns heute auf dem Prüfstand.

Die Shining-Reihe gehört zu den wandelbarsten JRPG-Franchises, die bis heute überlebt haben. 1991 startete die Serie mit Shining in the Darkness, einem Dungeon-Crawler mit rundenbasiertem Kampfsystem für das Sega Megadrive. Den Shining-Force-Teilen lag ein rundenbasiertes Taktik-RPG-Gameplay ähnlich wie Fire Emblem zugrunde. Die neueren Ableger der Reihe hingegen sind oft Action-RPGs, wie auch das 2014 nur in Japan für PlayStation 3 erschienene Shining Resonance. Das Remaster für Nintendo Switch, PlayStation 4 und Xbox One schafft es als erstes Shining-Spiel seit Langem auch wieder in den Westen. Wir haben die Switch-Version für euch auf Herz und Nieren geprüft.

Tales of Dragons?

Der Anime-Look und das actionbasierte Kampfsystem des Enthüllungstrailers ließen den einen oder anderen JRPG-Fan sicher zuerst an BandaiNamcos Tales-Reihe denken. Aus diesem Grund möchte ich direkt zu Beginn des Tests klarstellen: Shining Resonance ist kein Tales-Spiel und ähnelt auch nur in den allerwenigsten Punkten dieser Serie.

In Shining Resonance Refrain geht es vor allem um drei Dinge: Drachen, Musik und hübsche Anime-Damen. Die Handlung ist wenig spektakulär und wird noch weniger spektakulär präsentiert, hat aber ein paar nette Wendungen und kann sicher den einen oder anderen Fantasy-Fan davon überzeugen, am Ball zu bleiben. Ihr schlüpft in die Rolle des extrem unsicheren und schüchternen Yuma Ilvern, der vor Beginn des Spiels von der Armee des Kaiserreichs Lombardia gefangen genommen wurde und an dem diverse Experimente vollzogen werden. In Yuma schlummert nämlich die Seele des Shining Dragon, des mächtigsten aller Drachen, der vor Urzeiten gegen den finstren Deus und seine Dracomachina kämpfte. Dieser und den Seelen anderer großer Drachen will sich das Kaiserreich bedienen, um die Invasion auf die benachbarten und verbündeten Königreiche Astoria und Wellant zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Natürlich lassen sich das die anderen beiden Parteien nicht gefallen und so befreien Sonia, die Prinzessin von Astoria und Kirika, eine Elfe aus Wellant, den armen Jungen mit der Drachenseele. Nach einem heftigen Kampf mit der Lombardischen Prinzessin Excella, in der Yuma sich zum Erstaunen aller kurzzeitig in den Shining Dragon verwandelt, können die drei fliehen und in Marga, der Hauptstadt von Astoria, in Ruhe die weitere Vorgehensweise besprechen.

Im weiteren Verlauf der Handlung stoßt ihr auf viele weitere Verbündete und Feinde und versucht, die Pläne des Imperiums zu durchkreuzen. Die Story ist wie bereits erwähnt nichts, was man nicht schon einmal woanders gesehen hat, aber durchaus unterhaltsam, auch wenn es viel zu oft viel zu lange Dialoge zwischen zwei Charakteren gibt und Cutscenes generell extrem rar sind. Die meiste Zeit über werden einfach nur die gerade sprechenden Figuren eingeblendet, was gerade während der vielen Kämpfe sehr schade, aber wahrscheinlich dem niedrigen Budget des Entwicklerteams geschuldet ist.

Elfen-Dating-Sim

Marga, die einzige begehbare Stadt im Spiel, fungiert fortan als Basis für eure Ausflüge in die Wildnis. In der Stadt gibt es zwar keine begehbaren Häuser, dafür aber einige NPCs, die durch die Straßen wandern und euch entweder Dinge verkaufen oder Nebenquests auftragen können. Auch eure Partymitglieder stehen herum und äußern sich zu den zuletzt geschehenen Events. Mit ihnen könnt ihr euch auch zu persönlichen Gesprächen und, im Falle der weiblichen Begleiter, sogar zu Dates verabreden. Auf diese Mechanik haben die Entwickler offensichtlich ihr Hauptaugenmerk gelegt, denn die Gespräche sind vielseitig und vor allem in vielen Fällen realistisch. Yuma beschwert sich in einem Gespräch mit Agnum beispielsweise über Blasen an seinen Füßen, weil er nach der langen Gefangenschaft in Lombardia das viele Laufen nicht gewöhnt ist. Kirika hingegen hasst Karotten, worüber sich die anderen Partymitglieder gern während der gemeinsamen Abendessen lustig machen. Manchmal stellen euch Gesprächspartner auch Fragen, bei denen ihr für die richtige Antwort eine kleine Belohnung bekommt. Die vielen Gespräche und Interaktionen der Partymitglieder machen sie sympathisch und lebendig und sind eine willkommene Abwechslung zum restlichen Gameplay.

Für Astoria!

Die Spielwelt außerhalb der Hubstadt ist in große, voneinander durch kurze Ladezeiten getrennte Bereiche und Dungeons aufgeteilt, von denen im Laufe der Story immer mehr freigeschaltet werden. Gegner laufen auf der Oberwelt herum und verfolgen euch meist bei Sichtkontakt. Berührt ihr sie, wird ein Kampf initiiert, in welchem ihr eine von euren bis zu vier aktiven Kämpfern selbst steuert. Jeder Charakter verfügt über Standard-Combos und einige Spezialattacken, die sogenannten Forces. Sind eure Forces zu Beginn aufgrund der eher langen Angriffsanimation und des verhältnismäßig geringen Schadens noch eher nutzlos, lernen eure Charaktere mit fortschreitendem Level immer mächtigere und nützlichere Skills und Zauber, unter denen sich auch Heilzauber, Buffs und diverse Elementangriffe befinden. 

Jeder Gegner hat eine oder mehrere Schwächen gegenüber bestimmten Elementen. Trefft ihr ihn mit dem richtigen Element oder setzt ihr ihm, während er verteidigt, über einen bestimmten Zeitraum mit starken Attacken zu, versetzt ihr ihn in den sogenannten Break-Status, der ihn für einige Sekunden bewegungsunfähig macht. Yuma kann sich, wenn ihr ihn steuert, außerdem noch in den Shining Dragon verwandeln, der mächtige Angriffe parat hat, aber konstant MP (Manapunkte, werden für die Verwendung von Spezialattacken verwendet) kostet. Leert sich eure MP-Leiste, während ihr in der Drachenform seid, verliert Yuma die Kontrolle und greift für den Rest des Kampfes automatisch sowohl Freund als auch Feind an. Ein weiterer Aspekt des Kampfsystems ist das sogenannte B.A.N.D.-System. Jede Waffe in Shining Resonance ist nämlich gleichzeitig auch ein Instrument: So kann Agnum beispielsweise seine Axt blitzschnell in eine Gitarre umfunktionieren. Im Spielverlauf erlernte Lieder können bei entsprechend gefüllter B.A.N.D.-Leiste performt werden, die für die Dauer des Songs einen positiven Effekt auf die gesamte Party hat, wie beispielsweise erhöhte Verteidigung oder eine höhere kritische Trefferrate.

Auf der Oberwelt gibt es abseits von Gegnern, Schatzkisten und herumliegenden Items nicht viel zu entdecken, die Gebiete bleiben stets übersichtlich, Rätsel oder Geschicklichkeitseinlagen gibt es keine. Da das Spiel über keine Schnellreisefunktion verfügt und ihr nur an dafür vorgesehenen Speicherpunkten euren Spielstand sichern könnt, gibt es allerdings in manchen Gebieten noch Campingplätze, an denen ihr übernachten, speichern, Items per Alchemie herstellen und mit euren Partymitgliedern sprechen könnt. Recht früh werdet ihr auch ein Item kaufen können, mit dem ihr immerhin von der Weltkarte aus zurück in die Stadt teleportiert werden könnt. Zurück zur aktuellen Mission müsst ihr allerdings wieder zu Fuß laufen. Damit eure Laufwege für Grindingsessions - die recht bald nötig werden, da eure storybedingten Widersacher anfangs zwar sehr schwach, aber sehr schnell deutlich härter werden - nicht zu lang werden, leveln alle normalen Gegner mit euch mit. So könnt ihr auch direkt außerhalb der Stadttore kämpfen und erhaltet eine angemessene Anzahl an Erfahrungspunkten. Außerdem schalten sich mit der Zeit immer mehr optionale, mit Gegnern vollgestopfte Dungeons frei, die ihr immer wieder besuchen und etwas in seinem Schwierigkeitsgrad und anderen Aspekten beeinflussen könnt.

Refrain? 

Neben dem „normalen“ Storymodus könnt ihr das Spiel auch im sogenannten Refrain-Modus starten. Dieser lässt euch früh im Spiel zwei zusätzliche Charaktere für eure Party rekrutieren, gegen die ihr im Laufe der Story aber das eine oder andere Mal kämpfen werdet. Aufgrund der Spoiler, die durch optionale Gespräche mit diesen Charakteren für Neulinge entstehen können, wird dieser Modus nicht für den ersten Spieldurchlauf empfohlen. Abseits davon sind sämtliche DLC-Inhalte (die größtenteils kosmetischer Natur sind und Dinge wie Bikinis oder Schuluniformen für die spielbaren Charaktere umfassen) des Originals sowohl im normalen, als auch im Refrain-Modus enthalten.

Der erweiterte Port des PS3-Spiels auf Switch ist gut, aber nicht herausragend. Die Auflösung bleibt bei 1080p im TV-Modus und bei 720p im Handheldmodus, die Framerate von 30 Bildern pro Sekunde ist größtenteils stabil. Lediglich bei Kämpfen mit hohem Gegneraufkommen bricht die Bildrate gelegentlich etwas ein, was aber keine große Auswirkung auf das Gameplay hat und eher im TV-Modus als im Handheldmodus geschieht. Der Anime-Grafikstil ist nicht unbedingt schlecht gealtert, aber optisch sind die PS3-Wurzeln auf jeden Fall nicht zu verleugnen. Dafür ist die Musik, die storybedingt auch eine größere Rolle spielt, verspielt, abwechslungsreich und nutzt viele verschiedene Instrumente, um die jeweilige Situation bestmöglich zu untermalen. Die Lokalisierung ist gelungen: Viele erfahrene Synchronsprecher, die auch schon Charaktere aus Persona 5, diversen Fire-Emblem- und Tales-of-Titeln ihre Stimme geliehen haben, treten hier auf den Plan. Die Bildschirmtexte sind aber, wie üblich für Spiele des Genres mit nicht allzu großem Budget, nur auf Englisch verfügbar.

Fazit:

Shining Resonance Refrain ist offensichtlich ein Low-Budget-Titel. Die Cutscenes sind rar und selten aufwändig animiert, es gibt nur eine kleine Hubstadt mit einer Handvoll NPCs zu erkunden und das Kampfsystem ist neben dem Look das Einzige, das ein wenig an die Tales-of-Reihe erinnert. Die Story bleibt stellenweise recht lange im Hintergrund, um den gut ausgearbeiteten und detaillierten Charakteren nicht die Show zu stehlen. Wer gerne eine hübsche Elfendame oder eine Kriegerprinzessin daten will, kann bedenkenlos zugreifen, aber angesichts der Fülle an guten japanischen Rollenspielen, insbesondere auf PlayStation 4 und Nintendo Switch, fällt es schwer, dieses Spiel guten Gewissens zu empfehlen.  

Wertung:

6.0

Deniz Üresin meint:

"Shining Resonance Refrain ist ein durchschnittliches Action-RPG, das zwar charmante Charaktere bietet, dafür aber in einigen anderen Aspekten weniger ausgefeilt ist."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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5 Kommentare:


Tobsen
vor 2 Monaten | 0
Jetzt erstmal nur noch Monster Hunter XX und dann ist die erste große Switch-JRPG-Welle leider vorerst abgefrühstückt.
:-(

Denios
vor 2 Monaten | 0
naja, Disgaea 1 Remake, Caligula Effect Overdose, RPG Maker, Labyrinth of Refrain, The World Ends With You und paar andere kommen noch in den nächsten Monaten ;)

Tatze
vor 2 Monaten | 0
Falls den Schrott wer haben will - ich verkaufe gerne meine Steelbook Edition :'D

prog4m3r
vor 2 Monaten | 0
Haha, schließe mich da an... was für ein Müll und keine 6/10, Deniz ist hier einfach von dicken Elfentitten verblendet!

Nakuri
vor 2 Monaten | 1
Die Shining Serie endete mit Shining Force 1-3 und Gaiden, Camelot ging rüber zu Nintendo und Sega did Sega things und packte Shining in die Discount Abteilung. Absolut nicht zu ertragen und schade. Hiroyuki Takahashi von Camelot Software äußerte er würde gerne an einem Shining Force IV arbeiten.