Test: Wario Ware Gold

Von Andreas Held am 04. August 2018

Nintendo bringt mit Wario Ware Gold eine Sammlung von Mikrospiele-Sammlungen als eines der letzten 3DS-Spiele.

Micro Minigames

Wario Ware setzt auf sogenannte Microgames, also Minispiele die nur wenige Sekunden dauern. In Wario Ware Gold werden diese in die Steuerungsarten „Mash“, „Twist“ und „Touch“ eingeteilt: Erstere werden mit dem Steuerkreuz und dem A-Knopf gesteuert,  bei „Twist“ kommt das Gyroskop in Verbindung mit dem A-Knopf zum Einsatz. Die letzte Gruppe wird ausschließlich auf dem Touchscreen gespielt.

Die erste große Stärke von Nintendos Spin-Off-Franchise ist der Ideenreichtum der Minispiele und die Art und Weise, wie sie aus den extrem simplen Steuerungskonzepten unglaublich viel herausholen. Mit der Tastensteuerung absolvieren wir Quick Time Events oder geben in einer Beat'em-Up-Attrappe eine Combo für eine Spezialattacke ein. Im Twist-Modus wird das Gyroskop tatsächlich nicht nur als Knopfersatz herangezogen, sondern auch für Spielideen die mit dem Schiebe-Pad nicht gut funktionieren würden; zum Beispiel, wenn wir durch die Rotation des Handhelds den Drehknopf eines Tresors steuern. Das Highlight bilden jedoch die Touch-Spiele, da selbst mit dem Stylus als einzige Eingabemethode die wildesten Dinge möglich sind. In den entsprechenden Microgames müssen wir unter anderem eine Spur in den Schnee malen, um einen Skifahrer eine Slalomstrecke herunterzuführen, oder im Rahmen eines Kalligraphiekurses Kanji nachzeichnen.

Wario Ware Gold bietet insgesamt deutlich über 300 derartiger Mikrospiele (wir haben bei unserem Test 326 gezählt). Die meisten davon wurden aus älteren Wario-Ware-Titeln übernommen, aber auch die bekannten Spiele sind zum Teil kaum wiederzuerkennen. Manche wurden vereinfacht, andere mit derselben Grundidee noch einmal komplett neuentwickelt. Das Mikrospiel „Toilet Training“, in dessen Rahmen wir in Wario Ware: Smooth Moves verzweifelte Stuhlgänger in Männlein und Weiblein einteilen mussten, ist jetzt nämlich geschlechtsneutral und wir teilen die Leute stattdessen danach auf, ob sie Klein oder Groß müssen. Dieser skurrile Einfallsreichtum der Entwickler zieht sich durch das gesamte Spiel - und Fäkalhumor ist Wario ja ebenfalls nicht wirklich fremd.

Mega Microgames

Die meisten Mikrospiele wären für sich genommen ziemlich langweilig, werden aber in einen interessanten Kontext gebracht. Wer schon einmal Wario Ware gespielt hat wird nämlich wissen, dass die Spiele in der Regel nicht einzeln gespielt werden, sondern von den Entwicklern in Gruppen zusammengefasst wurden. Im Laufe des Spiels begegnen wir insgesamt 13 verschiedenen Charakteren, von denen jeder eine Mikrospiele-Sammlung aus etwa 20 bis 25 Prüfungen mitbringt. Nach dem Start eines Levels spielen wir alle paar Sekunden ein zufällig ausgewähltes Mikrospiel aus diesem Pool und bekommen dafür einen Punkt - aber wenn wir die jeweilige Zielvorgabe versemmeln, wird uns ein Leben abgezogen. Sobald wir alle vier Leben verloren haben, ist die Runde vorbei.

Jedes Mikrospiel kommt in drei verschiedenen Komplexitätsstufen und sobald wir ein bestimmtes „Boss-Mikrospiel“ absolviert haben, wird der Schwierigkeitsgrad aller Mikrospiele für den Rest der Spielrunde angehoben. Außerdem wird die Spielgeschwindigkeit immer weiter gesteigert, bis wir irgendwann unweigerlich den Game-Over-Bildschirm gezeigt bekommen. Das schnelle Umdenken zwischen den einzelnen Mikrospielen ist der anspruchsvollste Faktor von Wario Ware - vor allem, wenn wir diese noch nicht kennen und innerhalb von Sekundenbruchteilen verstehen müssen, was die Entwickler eigentlich von uns erwarten.

Wario Ware Gold präsentiert uns einen Story-Modus mit einer denkbar skurrilen Handlung: Wario hat Hunger auf eine Tiefkühlpizza - aber kein Geld, um sich eine zu kaufen. Also veranstaltet er ein eSports-Turnier, um mit den Einnahmen reich zu werden. Die eigentlichen Szenen, in denen wir die Mikrospiele absolvieren, haben jedoch merkwürdigerweise nichts mit diesem Turnier zu tun - stattdessen helfen wir beispielsweise 5-Volt dabei, mit Küchengeräten als Hanteln diverse Fitnessübungen zu absolvieren. Die Story-Szenen werden übrigens mit einer durchgehenden Sprachausgabe unterlegt, der wir einen gewissen Fremdschämfaktor nicht absprechen können. Wario in ganzen und langen Sätzen sprechen zu hören, ist irgendwie ungewohnt.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Dieser Story-Modus ist leider bereits nach ein bis zwei Stunden durchgespielt. Danach haben wir noch die Möglichkeit, eine ellenlange Achievement-Liste abzuarbeiten und damit Ingame-Geld zu erwerben, mit dem wir wiederum einige skurrile Extras freischalten dürfen. Neben einem Tonstudio, in dem wir die Story-Sequenzen selbst synchronisieren und unsere Aufnahmen speichern dürfen, gibt es zum Beispiel auch eine Weckfunktion. Hält der Akku unseres 3DS bis zum nächsten Morgen durch, macht der Handheld zur eingestellten Weckzeit einigen Radau und wir müssen drei Mikrospiele absolvieren, bevor es wieder ruhig wird. Wie viel Mehrwert diese Extras tatsächlich bringen, ist jedoch fraglich.

Tatsächlich ist die größte Schwachstelle von Wario Ware Gold, trotz der großen Anzahl der Mikrospiele, leider die Langzeitmotivation. Nach spätestens fünf Stunden haben wir alle Games gesehen und können lediglich im Challenge-Modus nach weiteren Herausforderungen suchen. Hier spielen wir dieselben Minispiele, aber mit einigen Sonderregeln: In „Wario Watch“ kämpfen wir zum Beispiel gegen ein ständig heruntertickendes Zeitlimit und erhalten nach jedem erfolgreichen Minispiel wieder Sekunden auf die Uhr. Dazu haben wir noch die Möglichkeit, in einem Übungsmodus für jedes einzelne der über 300 Minispiele einen Highscore aufzustellen.

Unter dem Menüpunkt „Missionen“ finden wir eine riesige Liste an Achievements, die uns für jedes Story-Kapitel, jeden Challenge-Modus und den Übungsmodus diverse Zielvorgaben setzen. Diese sind jedoch generell sehr einfach zu erreichen und der durchaus vorhandene Zeitaufwand entsteht somit nicht durch den Schwierigkeitsgrad, sondern durch die bloße Masse dieser Herausforderungen. Eine kompaktere Liste mit deutlich knackigeren Zielvorgaben wäre uns an dieser Stelle lieber gewesen. Der niedrige Schwierigkeitsgrad gepaart mit der langen Spielzeit lässt schnell Langeweile aufkommen, sodass wahrscheinlich nur wenige Spieler wirklich bis zum Ende durchhalten werden. Einige der Achievements können nur im Multiplayer-Modus oder durch den Besitz spezieller amiibo freigeschaltet werden - wer diese Möglichkeiten nicht hat, wird ohnehin niemals die 100%-Marke erreichen.

Fazit:

Wario Ware Gold ist so etwas wie eine Minispielesammlung für Vielspieler. Durch das sekundenschnelle Umschalten zwischen den Mikrospielen müssen wir sehr schnell verstehen, was die Entwickler eigentlich von uns wollen - das erfordert eine gute Grundkenntnis genereller Videospiele-Mechaniken, sodass Neulinge wahrscheinlich sehr schnell den Game-Over-Bildschirm zu Gesicht bekommen und frustriert aufgeben. Wario Ware Gold verwurstet Mikrospiele aus verschiedenen Wario-Ware-Teilen und kommt somit auf eine Sammlung aus deutlich über 300 solcher Games - aber trotz des gigantischen Umfangs fällt die Langzeitmotivation eher mau aus. Das liegt vor allem daran, dass die spielinternen Errungenschaften generell sehr einfach zu erwerben sind und stattdessen über ihre schiere Masse versuchen, den Umfang zu strecken. Wer wirklich auf seine Kosten kommen will, muss sich also durch die einfache Jagd auf neue Highscores motivieren können. Leider fällt aber auch diese Motivation eher gering aus, da Wario Ware Gold keinerlei Online-Funktionen bietet und wir somit keine Möglichkeit haben, unsere Punktzahlen auf Leaderboards mit denen unserer Freunde oder des Rests der Welt zu vergleichen.

Wertung:

7.5

Andreas Held meint:

"Wario Ware Gold ist eine spaßige Mikrospielesammlung mit eingeschränkter Langzeitmotivation."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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