Test: Mario + Rabbids Kingdom Battle Donkey Kong Adventure

Von Nico Zurheide am 28. Juli 2018

Die erste große Erweiterung zum ungewöhnlichen Crossover bietet eine ganz neue Story.

Damals, vor und während der E3 2017, war die Verwunderung über diese Form der Zusammenarbeit zwischen Ubisoft und Nintendo zurecht enorm. Das Über-Maskottchen Mario darf von einem fremden Entwickler für ein Spiel verwendet werden, in dem die Protagonisten mit immerhin semi-realistischen Waffen um sich schießen? Eigentlich war das immer undenkbar - doch wie wir alle wissen hat Ubisofts Idee von Shigeru Miyamoto höchstselbst den Daumen nach oben bekommen und im August letzten Jahres erschien die kunterbunte Rundenstrategie exklusiv für Nintendo Switch. Die Qualität stimmte auch: Im NplusX-Review gab es eine 8.0 und bei den Game Awards 2017 den Titel „Best Strategy Game“. Nach einigen kleineren DLCs, die verschiedene Waffen und einen Versus-Modus in das Spiel brachten, erschien nun eine größere Story-Erweiterung rund um Marios frühesten Rivalen Donkey Kong.

Neue Helden, alte Feinde

Der Endboss des ersten Kapitels des Hauptspiels, Rabbid Kong, wurde nach seiner Niederlage direkt in eine andere Dimension geschleudert und landete auf einer abgelegenen Insel, die bereits von den hyperaktiven Rabbids bevölkert war. Die Hasenversion von Donkey Kong mauserte sich ob seiner schieren Größe und Körperkraft schnell zum Häuptling des hiesigen Rabbidstammes und steigerte seine Kraft anschließend immer weiter durch den Verzehr von „Bug-Bananen“. Auf dieser Insel landet durch einen Unfall auch Rabbid Peach, auf die Rabbid Kong nach dem Kampf im Hauptspiel - zugegebenermaßen nicht ohne Grund - eine Riesenwut hat. Rabbid Peach verbündet sich schnell mit den beiden neuen Protagonisten, Donkey Kong und Rabbid Cranky, nachdem die Smartphone-süchtige Hasendame vom bösen Kong in die Erde gestampft wurde. Ab diesem Zeitpunkt bietet der DLC dann im Grunde „more of the same“, einige Neuerungen gibt es aber dennoch.

Das Spielprinzip der neuen Kampagne orientiert sich am Hauptspiel: Unser Trio bewegt sich von einem Knotenpunkt aus durch schlauchartige Welten und kann sich zwischen den rundenbasierten Kämpfen mit verschiedenen Umgebungsrätseln die Zeit vertreiben. Diese Schalter- und Schieberätsel sollten normalerweise keinen Spieler vor unlösbare Aufgaben stellen und halten dementsprechend nach ihrem Abschluss auch nur für das Gameplay unerhebliche Sammelitems bereit. Ab und zu gibt es für komplexere Aufgaben aber auch mal eine Rune, die wie gewohnt für das Freischalten und Verbessern von Aktionen und Attributen im Fähigkeitenbaum der Protagonisten verwendet werden kann. Nebenbei gibt es hier natürlich statt der aus Mario bekannten Münzen die aus Donkey Kong bekannten Bananen zum Einsammeln.

Der Kong ist King

Das Kampfsystem ist für Spieler des Hauptspiels natürlich auch schon bekannt. Abwechselnd treten die drei Helden und die gegnerische Hasenbande ihre Züge an, jeder Protagonist kann sich während einer Runde über das Feld bewegen, Feinde umgrätschen, sich für eine höhere Reichweite von Kollegen katapultieren lassen, mit einer von zwei Waffen schießen und eine von zwei Spezialfähigkeiten einsetzen. Anders als in der eigentlichen Story rund um Mario sind wir hier aber auf unsere drei Helden beschränkt - trotzdem kommt während der etwa zehnstündigen Story keine Langeweile auf.

Rabbid Peach hat zwar keine anderen Fähigkeiten bekommen und ist damit weiterhin für die Teamheilung zuständig, kann dafür aber auf neue Waffendesigns zugreifen. Der neue Charakter Rabbid Cranky verfügt mit seiner Shotgun-ähnlichen Armbrust und seiner Fassbombe über eine ansehnliche Durchschlagskraft, zusätzlich kann er Feinde durch seine langweiligen Monologe für eine Runde schlafen lassen und automatisch Gegner angreifen, die sich in seiner Reichweite bewegen. Letztere Fähigkeit hat auch Donkey Kong im Arsenal, der berühmte Affe kann außerdem durch sein virtuoses Bongospiel Feinde direkt zu ihm antanzen lassen. Das kommt seiner AoE-Attacke Bodenkracher entgegen, daneben kann er auf einen Bananen-Bumerang zurückgreifen, der durch Querschläger zu einer effektiven Waffe wird.Donkey Kong ist dabei ganz klar der Star in jeder Schlacht. Er kann beinahe jeden Feind, seine zwei Freunde und fast jeden Block auf dem Spielfeld greifen, mitnehmen und anschließend in eine beliebige Richtung schmeißen. Dazu gibt es spezielle DK-Rampen, durch die der Primat große Distanzen überwinden kann. Kombiniert man diese Möglichkeiten noch mit Röhren, wird Donkey Kong beinahe zum agilen Alleskönner, der eine schwierige Partie mit dem richtigen Einsatz auch mal ganz alleine enscheiden kann. Die Fähigkeiten von Rabbid Cranky und dem Schlipsträger helfen außerdem in einigen Missionen, wenn man Lieferanten von Bug-Bananen daran hindern muss, ein bestimmtes Feld zu erreichen. Generell wechseln die Siegbedingungen in den einzelnen Kämpfen munter durch, sodass stets eine neue Taktik erforderlich wird. Wirklich herausfordernd werden die Kämpfe - wie schon im Hauptspiel - aber höchstens bei Bosskämpfen. Wer es dennoch lieber einfach hat, kann vor jedem Gefecht 150% Gesundheit für die Helden aktivieren.

Auch beim Drumherum haben sich die Entwickler von Ubisoft nicht lumpen lassen. Die tropische Insel ist ebenso liebevoll ausgearbeitet wie die Gebiete des Hauptspiels und an jeder Ecke stellen die Rabbids verrückte Dinge an. Ab und zu wunderten wir uns beim Spielen sogar, wie viele Rätsel zwischen zwei Kämpfen platziert wurden. Die drei Helden kommen dabei durchaus charmant rüber, obwohl der kleine Roboter Beep-O die einzige Sprechrolle innehat und das auch nur mittels Textboxen. Rabbid Peach kann hier besonders hervorgehoben werden - sie hat deutlich mehr Persönlichkeit als ihr Vorbild aus dem Pilzkönigreich.

Fazit:

Für die 15 Euro, die Ubisoft für den DLC außerhalb des Season Passes verlangt, bekommen wir hier eine etwa zehnstündige Kampagne, die im Grunde mehr Gameplay des Hauptspiels bietet. Dazu gibt es aber zwei ganz neue Charaktere, neue Waffen und Fähigkeiten, neue Gegner und einige Mechaniken, die die Kämpfe abwechslungsreich gestalten. Die Ausarbeitung der Spielwelt und Rätsel kann ganz klar mit dem großen Abenteuer rund um Mario mithalten, technisch gibt es ohnehin nichts zu beanstanden. Lediglich einige Zoomstufen für die Kamera wären hilfreich gewesen, um das Kampfgeschehen leichter überblicken zu können. Dennoch gibt es hier einen DLC, bei dem Fans des Hauptspiels bedenkenlos zuschlagen können.

Wertung:

8.0

Nico Zurheide meint:

"Eine gelungene Erweiterung, die einfach mehr Gameplay des Hauptspiels bietet."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Sehr gut

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