Test: The Banner Saga 3

Von Michael Prammer am 27. Juli 2018

Aller guten Dinge sind drei? Nein, besser!

Der Zeitpunkt hätte für Nintendo-Switch-Besitzer kaum besser gewählt werden können. Erst vor einigen Wochen erschienen die beiden Wikinger-Rollenspiele The Banner Saga 1 und 2 für die Hybridkonsole und können jetzt, Ende Juli, in einem fulminanten Finale abgeschlossen werden. Der Vorteil für Nintendo-Fans: Sie können alle drei Spiele direkt in einer Abfolge und ohne lange Wartezeiten hintereinander spielen. Denn wieder lässt sich der Charakter importieren und wer Teil 2 gerade erst beendet hat, wird voller Freude das Finale herbeisehnen. Zurecht!

Die Story als großes Highlight

The Banner Saga steht seit dem Erstlingswerk für eine überragende Inszenierung und eine herausragend gute Story. Ohne groß spoilern zu wollen: Die Geschichte von Teil 3 stellt die beiden Vorgänger sogar nochmal in den Schatten. Die Karawane ist am Zielort angekommen und hat den letzten Zufluchtsort vor der übermächtigen dunklen Armee, der sogenannten Dredge, endlich erreicht. Alles spitzt sich auf ein packendes Finale zu und man merkt dem Spiel von der ersten Minute an, dass ein unausweichlicher Kampf bevorsteht. Hoffnungslos ist dieser allerdings nicht und so kommen einige, teils zu Beginn schon, unerwartete Wendungen zum Tragen. Macht euch also bei The Banner Saga 3 auf eine überragende Geschichte gefasst, soviel kann ich versprechen.

Jedoch gilt auch hier wieder: Teil 1 und 2 sollten zuvor dringend gespielt werden, da auch der dritte Teil nahtlos an die Geschichte anknüpft. Der Import der Charaktere des Vorgänger klappt erneut ohne Probleme und eröffnet zugleich zwei unterschiedliche Eingangssequenzen. Scheitert ihr nämlich gleich zu Beginn und werdet nicht in die Stadt gelassen, wird die Story gleich zu Anfang dramatisch. Ein neuer Spielstand hingegen lässt den Spieler sofort in der Stadt beginnen und das Abenteuer etwas gemächlicher angehen. Die Geschichte wird, wie auch in den Vorgängern, durch kleinere Dialoge und kurze Filmsequenzen vorangetrieben. Vor allem die Dialoge haben es in sich und bieten oft unterschiedliche Wendungen der vielschichtigen Charaktere.

Spielerisch bleibt auch der dritte Teil weitestgehend gleich, nur wenige Neuerungen haben es ins Spiel geschafft. Es wird also wieder einmal rundenbasiert gespielt und ihr wechselt euch mit der CPU ab. Die Angriffswerte bilden gleichzeitig eure Verteidigung und wenn man den Schild zuerst zerschlägt, kommt man leichter an die Hauptpunkte des Gegners. So weit, so bekannt. Neu sind jedoch die sogenannten Wellen. Habt ihr eine Gegnerwelle überstanden, dürft ihr entscheiden, ob ihr weiterkämpft oder die bisherigen Belohnungen einstreicht und die Flucht ergreift. Bleibt der Spieler im Kampf, erhöht sich die Chance auf noch mehr Erfahrungspunkte. Gleichzeitig wird aber auch riskiert alles bisher im Kampf Erspielte zu verlieren. Die bereits verwundeten oder ausgeschalteten Helden dürfen zwar ersetzt werden, wenn jedoch keine Helden mehr vorhanden sind, ist das Spiel vorbei. Wer durchhält und den Boss am Ende der Kämpfe besiegt, freut sich über besonders viel Ansehen und andere Extras. Ansehen darf wieder gegen Aufstiege getauscht werden und damit steht ihr erneut einige Male vor der Qual der Wahl.

Held oder Gefolgschaft?

The Banner Saga 3 bleibt zudem auch einem Prinzip treu, das es in seinem Genre recht einzigartig macht: Die eigene Moral wird weiterhin immer wieder auf eine harte Probe gestellt. Eure erhaltenen Ansehenspunkte müssen nämlich nach wie vor entweder in Nahrung für die Gefolgschaft oder aber in die Helden investiert werden, welche die harten Kämpfe austragen. Außerdem steht ihr auch im dritten Teil wieder vor der Entscheidung, Hilfsbedürftige mitzunehmen oder diese ihrem harten und unbarmherzigen Schicksal zu überlassen. Da die Ansehenspunkte nur knapp vorhanden sind und zudem hart erarbeitet werden müssen, fällt die Wahl nicht immer leicht. Vor allem dann nicht, wenn es darum geht, die Helden stärker werden zu lassen.

Bei all dem Lob kann man den Entwicklern allerdings dennoch vorwerfen, dass sie sich unter dem Strich zu wenig Neuerungen ausgedacht haben. Das Spielprinzip ist seit dem ersten Teil nahezu gleich; Aufmachung, Optik, Steuerung, Ablauf - ihr werdet auf den ersten Blick kaum Veränderungen feststellen. Wenn man alle drei Spiele nebeneinander laufen lassen würde, wären Neulinge der Serie wohl kaum dazu in der Lage, einen Unterschied zu finden. Das muss natürlich nicht unbedingt schlecht sein, denn die musikalische Untermalung, um nur ein Merkmal aufzugreifen, ist schlichtweg phänomenal. Hinzu kommt, dass auch Teil 3 als eigenständiges Spiel nicht so richtig funktioniert. Wer die anderen beiden Titel nicht gespielt hat kann sich zwar eine Rückblende ansehen, wird aber viele Zusammenhänge dennoch nicht logisch nachvollziehen können.

Fazit:

The Banner Saga 3 schließt die Trilogie mehr als nur würdig ab. Was an Story, Inszenierung und Dialogen geboten wird, zählt meiner Meinung nach zur ersten Güteklasse an Videospielen und übertrifft derzeit fast alles, was auf dem Markt zu finden ist. Bereits die ersten beiden Kapitel sind derart dramatisch und packend, dass sogar die Vorgänger nicht mithalten können. Ansonsten bleibt aber alles beim Alten, entscheidende Neuerungen bringt auch Teil 3 nicht mit sich. Fans der Serie können ihre Charaktere aus den Vorgängern wieder übernehmen und freuen sich auf ein mehr als packendes Finale. Doch was ist mit allen anderen? The Banner Saga 3 hat wieder einmal das Problem, dass es ohne große Vorkenntnisse der anderen beiden Spiele nicht das volle Erlebnis entfalten kann. Daher sollte man sich entweder die gesamte Trilogie kaufen, was sich auf jeden Fall lohnt, oder die anderen beiden Titel bereits gespielt haben. Denn es gilt: Eigenständig schöpft der Titel nicht sein volles Potential aus.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

8.5

Michael Prammer meint:

"Tolles Finale der Serie, das allerdings Vorkenntisse der Vorgänger voraussetzt."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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2 Kommentare:


Enigma22
vor 1 Monat | 0
Frage: bietet die zusammengefasste Trilogie für PS4 nicht auch die Möglichkeit des Speicherimports? Und weiß jemand, ob es Überlegungen gibt, auch für die Switch eine Retailversion der Trilogie zu veröffentlichen?

nibez
vor 1 Monat | 1
Die Banner Saga Trilogy für Switch soll (Retail) im "Sommer 2018" erscheinen. Auf ama.com steht der 21. September.