Test: LIMBO (Nintendo Switch)

Von Nico Zurheide am 24. Juli 2018

Wenn ein Tanz zum Videospiel wird.

Naja, mit dem Limbo-Tanz hat der Debuttitel des dänischen Entwicklers Playdead eher wenig zu tun - vielleicht mal abgesehen von der Ähnlichkeit zwischen der tristen Grundstimmung des Spiels und dem eigenen Gemütszustand, sollte man sich unverhofft und ohne den richtigen Alkoholpegel plötzlich in einer Partie Limbo wiederfinden. Viel eher ist Limbo ein kurzer Puzzle-Platformer, der nach seinem Release 2010 auf Xbox 360 zu einem der Grundsteine für den Aufschwung der innovativen Spielkonzepte unabhängiger Entwickler wurde. Jetzt kann der Titel auch unterwegs auf Nintendo Switch gespielt werden.

Wir übernehmen hier die Kontrolle über einen namenlosen Jungen, der auf der Suche nach seiner Schwester zu Spielbeginn mitten in einem dichten Wald erwacht. Das Spiel gibt uns allerdings nicht einmal diesen simplen Storyansatz - unsere Motivation besteht im Grunde nur darin, von links nach rechts zu laufen, um zu sehen warum der Junge alleine im Wald unterwegs war. Die Spielfigur ist dabei nicht mit besonderen Talenten ausgestattet - sie kann einen kleinen Sprung ausführen und Dinge greifen, um sie mitzunehmen oder zu verschieben. Mit diesen Aktionen können wir jedes Rätsel lösen, dass die Entwickler uns auf unserem Trip durch die triste Welt in den Weg stellen.

Die kleinen Aufgaben sind die meiste Zeit recht einfach gestrickt und selbst ungeübte Spieler dürften in vielen Fällen schnell auf die geforderte Lösung kommen. Hier muss eine Kiste verschoben werden, dort muss eine Bärenfalle ausgelegt werden, da muss eine Kiste über mehrere Ebenen transportiert werden. Generell beschäftigen wir uns überwiegend mit dem Verschieben von Gegenständen, die zusätzliche Schwierigkeit im späteren Verlauf des Spiels entsteht durch die komplexere Levelarchitektur. Kämpfen können wir dem Jungen selbstverständlich nicht und so sind wir den wenigen Feinden, die wir auf unserer Reise treffen, so lange hilflos ausgeliefert, bis wir das richtige Hilfsmittel beschafft haben.

Gefährliche Fallen

Die größte Bedrohung geht aber von den zahlreichen Fallen aus, die den Jungen fast immer direkt töten und uns zum letzten Checkpoint zurückschicken, der allerdings nie weit entfernt liegt. Die zahlreichen Bildschirmtode sind vom Entwicklerteam als integraler Bestandteil des Gameplays geplant worden. Playdead bezeichnet das Spielkonzept demnach sogar als „Trial and Death“. Die Todesszenen werden absichtlich relativ heftig dargestellt (der Junge wird beispielsweise geköpft oder gevierteilt), um den Spielern ganz eindeutig von falschen Lösungsansätzen abzulenken. Für diese Szenen gibt es im Spiel einen Filter, der das Bild beim Tappen in eine Falle schwärzt - dennoch wurde Limbo von der USK ab 16 Jahren freigegeben.

Auch die reichlich bedrückende Atmosphäre ist nichts für jüngere Spieler. Der Titel ist durchgehend in schwarz-weiß und grau gehalten, dazu ist die Spielwelt in dichten Nebel gehüllt und die Kamera flimmert wie in alten Filmen. Die wenigen Menschen, die wir erst im Wald und später in der Stadt antreffen, sind entweder bereits tot, laufen vor uns weg oder greifen uns sogar an. Vor allem Leute mit Arachnophobie werden wohl ihre helle Freude an Limbo haben. Der sphärische Soundtrack von Martin Stig Andersen passt dabei perfekt zu dem visuellen Minimalismus. 

Die sehr dunkle Umgebung sorgt übrigens dafür, dass der spiegelnde Bildschirm der Switch im Handheld-Modus zum ärgerlichen Problem wird, sollte man nicht gerade in einer ebenso dunklen Umgebung spielen. Wir empfehlen auf jeden Fall den TV-Modus - negativ aufgefallen ist die Technik des Spiels in keiner Variante. Auf Nintendo Switch kostet der Titel 9,99 Euro, das sind immerhin fünf Euro weniger als zum Start auf anderen Plattformen.

Fazit: 

Playdead hat mit Limbo einen wahren Hit gelandet. Allerdings lag das sicher nicht an der reinen Qualität des Gameplays: Das Platforming ist häufig recht anspruchslos und nicht gerade aufregend, die Puzzle simpel gehalten und an vielen Stellen sogar eher langweilig. Die vielen Fallen, die man oft gar nicht sehen kann bevor man sie auslöst, bewirken ein ständiges Trial & Error, wobei Error hier direkt den virtuellen Tod bedeutet. Damit ziehen die Entwickler die eigentliche Spielzeit von nur etwa einer Stunde noch etwas in die Länge. Ein zweiter Spieldurchlauf würde das ständige unverschuldete Sterben zwar teilweise aufheben, allerdings fehlt aufgrund der fehlenden Story jegliche Motivation, Limbo nach dem ersten Durchspielen noch einmal zu starten.

Warum wurde das Spiel also überhaupt so bekannt? Es kam zum richtigen Zeitpunkt und sah 2010 einzigartig aus. Die Kritiken überboten sich mit Lobpreisungen, erstmals platzierte sich bei etlichen Preisverleihungen ein kleiner Titel prominent neben all den üblichen AAA-Blockbustern. Heutzutage allerdings wären das „besondere Erlebnis“ und die gelungene Atmosphäre die einzigen Gründe, Limbo zu spielen. Wer es noch nicht getan hat, kann dies aber gut und gerne jetzt nachholen; an der Version für Nintendo Switch gibt es nämlich nichts zu beanstanden.

Wertung:

6.5

Nico Zurheide meint:

"Der Startschuss der Indie-Ära ist inzwischen eher ein klassischer Liebhabertitel."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Mangelhaft
Technik: Gut

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4 Kommentare:


Falcon
vor 1 Jahr | 2
Danke für den Test! Und schön, dass ihr keine Hypewertung vergebt. Unter dem Strich ist das halt ein wahnsinnig atmosphärischer, aber auch sehr kurzer und spelerisch linearer Plattformer. Dennoch sollte es jeder irgendwie mal gespielt haben - hätte wohl ne 7 vergeben.

CaptainSatan
vor 1 Jahr | 1
Spielerlebnis: Herrausragend
Umfang: Mangelhaft

Objektiv ist das vollkommen richtig, ein Spiel das sich in einer Stunde durchspielen lässt und kaum Mehrwert bietet es weiter zu spielen, sollte eigendlich im Regal liegen bleiben.
„eigendlich“
Limbo ist Kunst
Limbo ist ein Ausnahmespiel
Limbo ist zeitlos, egal ob 2010 erschienen oder 1980. Die audiovisuelle Präsentation ist zeitlos und wird durch modernere Konsolen nicht besser.
Hier wird mit minimalistischen Sound und einfachsten Gameplaymechaniken mehr Atmosphäre und Spannung erzeugt wie in jedem anderen stundenlangen AAA Titel.
Ich weiß das Meinungen auseinander gehen aber hier ist es mir nicht verständlich was euch geritten hat eine 6,5 zu vergeben.
;)

nibez
vor 1 Jahr | 1
Ich stimme dir zu, Limbo ist (oder zumindest: war zum Zeitpunkt des Erscheinens) ein einzigartiger Titel. Jeder sollte das Spiel einmal probieren oder sich wenigstens darüber informieren.
Die besondere Atmosphäre habe ich auch mit einem "Spielerlebnis: Herausragend" quittiert, OBWOHL die Rätsel kaum der Rede wert sind, das Leveldesign nicht besonders einfallsreich ist und das (schwammige) Platforming eher pro forma stattfindet.
Limbo ist kein ganz herkömmliches Spiel (als solches wäre es auch enttäuschend), deshalb ist die Einordnung in ein klassisches Wertungsschema natürlich schwierig. Aber mit Blick auf unsere Wertungserklärungen ist der Titel mMn so ganz ordentlich eingestuft.
Vyse
vor 1 Jahr | 0
Es gibt halt genug Spiele die Limbo in diesen Aspekten ebenbürtig sind, aber obendrein noch wirklich gutes Gameplay und das zwanzig- bis fünfzigfache an Umfang zu bieten haben.

Zum Beispiel Hollow Knight, Dust oder Ori, wenn man nur mal im Genre der 2D-Platformer bleibt.

Ich hatte mir 2010 die XBLA-Demo von Limbo geladen und die audiovisuelle Aufmachung hat mich überhaupt nicht angesprochen. Und da mich dieser Faktor kalt gelassen hat, war der Titel aufgrund des schlechten Gameplays für mich ein Totalausfall. Aus meiner Sicht ruht sich der Titel auf seiner Präsentation aus und tut in allen anderen Aspekten (insbesondere Gameplay und Umfang) nur das Nötigste, um als funktionierendes Spiel bezeichnet werden zu können. Das ist für mich durchaus kritikwürdig.