Test: All-Star Fruit Racing

Nutzer-Story von prog4m3r am 19. Juli 2018

Fruchtiger Fahrspaß oder eher ein Fall für die Biotonne? Erfahrt es im NplusX-Test!

Mario Kart, der König unter den Funracern. Seit Jahrzehnten gibt es dutzende Imitatoren, manche versuchten am Thron des Giganten zu rütteln, andere wiederum wollten einfach nur ein ähnliches Spielerlebnis auf die Plattformen der anderen Hersteller bringen oder schlicht die Abwesenheit eben jener für sich ausnutzen. Und dann gibt es da All-Star Fruit Racing, welches neben dem PC auch für Xbox One, PlayStation 4 und eben Nintendo Switch erscheint - wohlgemerkt nachdem bereits ein Mario Kart veröffentlicht wurde. Eine gute Entscheidung?

Startet ihr das Spiel zum ersten Mal wird euch die Option, ein Tutorial zu absolvieren, angeboten. Ja, es gibt tatsächlich ein Tutorial in einem Funracer. Zwar gestaltet sich das eigentliche Fahren und das Driften nicht sonderlich kompliziert, allerdings wurden ein paar eigene Elemente eingebracht, welche in ihrem Grundgedanken zwar ganz interessant sind, aber vor allem der Zugänglichkeit eher schaden. Dabei ist die Tatsache, dass zu langes driften zu einer Überhitzung des Motors und in Folge dessen einer Drehung des Fahrzeugs führt, allerdings nicht so bedeutsam, als dass man ihr zwingend ein Tutorial hätte widmen müssen. Erklärungsbedürftig ist jedoch das eigenwillige Power-Up-System von All-Stars Fruit Racing.

Mixer aus dem Teleshopping

Im Spiel besitzt ihr immer vier Frucht-Tanks die ihr über A/B/X/Y mit einem Mixer verbinden beziehungsweise trennen könnt. Um diese zu füllen, müsst ihr anders als bei Mario Kart nicht nur eine Item-Box treffen - wobei es einen Spielmodus namens „Random-Juicer“ gibt, welcher genauso funktioniert - sondern mehrere kleine Bläschen mit Fruchtfüllung einsammeln. Durch das freie Kombinieren dieser Tanks erhaltet ihr Zugriff auf 14 unterschiedliche Power-Ups oder aber bei vier vollen Tanks auf eine Spezialfähigkeit (ähnlich der Fahrerfähigkeiten aus Mario Kart Double Dash!!), welche bei jeder Fahrerin individuell ist. Und ja, richtig gelesen: Es gibt hier keine männlichen Fahrer. Diese bevorzugen wohl eher ein schönes Stück Fleisch statt einen Obstsalat. 

Während ihr für einen grünen Panz… ähm Tornado lediglich einen Tank befüllen müsst, erfordert ein roter Pan… ich meine ein „komischer fliegender klecks Wasser“ bereits die Kombination von zwei der vier Tanks. Leider unterscheiden sich die Fahrerinnen abseits ihrer Spezialfähigkeiten, die unter anderem eine riesige Kokosnuss oder eine Melonen-Hai-Flosse beinhalten, in spielerischer Hinsicht nicht. Unterschiedliche Gewichtsklassen, wie man sie von Mario Kart kennt, sucht man hier vergeblich. Auch bei den Fahrzeugen sieht es nicht anders aus. Zwar kann man die wenigen Karosserien mehr oder weniger individualisieren, letztendlich fährt aber jeder Teilnehmer mit der gleichen Leistung. Dies ist ein Umstand, der wohl mein größter Kritikpunkt an All-Stars Fruit Racing ist, da unerfahrene Spieler so dazu gezwungen werden mit dem Fahrverhalten klar zu kommen oder letztendlich frustriert den Controller in die Ecke werfen.

Anders als in die Karts und Fahrer wurde bei der Entwicklung offensichtlich mehr Aufwand in die insgesamt 21 Stecken, welche sich auf fünf thematische Inseln verteilen, gesteckt. Eine der ersten Strecken im Spiel nennt sich Yellow Soft Fruit. In Kombination mit einem Mount Fruitmore im Hintergrund fragt man sich natürlich unweigerlich, ob die Italienischen Entwickler mal auf eine Karte der USA geguckt haben, da der Yellow Stone Nationalpark etwas über 400 Meilen weit vom Mount Rushmore entfernt sein sollte. Aber man sollte die Geografie in einem Funracer wohl nicht zu wichtig nehmen. Dennoch sind die Strecken optisch sehr ansprechend und auch in spielerischer Hinsicht einigermaßen gut durchdacht; und vor allem: sehr abwechslungsreich. Verzweigungen, Loopings, Tunnel, spiralförmige Kurven und diverse Sprungschanzen sorgen dafür, dass ihr durchaus aufmerksam sein solltet.
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Die Früchte des Early-Access 

Eigentlich ist es mir unverständlich, wieso einige Aspekte in All-Stars Fruit Racing durchaus ausgereift sind, andere wiederum überhaupt nicht. Denn ursprünglich startete All-Stars Fruit Racing als Early-Access Titel, der durchaus positiv aufgenommen wurde und bei dem die Entwickler laut Steam-Reviews auch auf die Community eingegangen sein sollen. Offensichtlich konnte aber wohl niemand mehr etwas gegen die überladenen Menüs sagen, die es gerade jüngeren Spielern nicht leicht machen werden, ihren Lieblingsspielmodus zu finden. 

Auch der Soundtrack wird in frühen Steam-Reviews unter anderem als „nicht störend“ beschrieben. Ich hingegen würde ihn als absolut uneingängig bezeichnen. Hinzu kommt, dass es die Entwickler wohl etwas zu gut gemeint haben und man mitunter fünf Runden auf Strecken drehen muss, die bei weitem nicht so kurz sind wie der Baby-Parkder Soundtrack irgendwann einfach endet. So kommt es nicht selten vor, dass ihr die letzte Runde auch schonmal in Stille und nur mit den Ausrufen der Fahrerrinnen zu Endebringen müsst. 

Begleitet wird das fruchtige Karten von kleineren technischen Rucklern. So stockt das Bild hin und wieder durchaus spürbar, was den Spielspaß trübt. Auch die Ladezeiten sind für ein Spiel dieser grafischen Dimension geradezu lächerlich lang. Aber vielleicht wollten die Entwickler den Spielern auch einfach nur genügend Zeit einräumen, um in Ruhe die Frucht-Trivia zu lesen, die während der Ladezeiten stets eingeblendet wird.

Fazit:

All-Star Fruit Racing ist ein bunt gemischter Obstsalat, in welchem viele bekannte Elemente aus anderen Funracern, ein eigenwilliges Power-Up-System, viel Liebe beim Streckendesign und eine eher schwache technische Umsetzung miteinander vermengt wurden. In der Summe ergibt das einen durchaus nett spielbaren Racer, der aber aufgrund einiger Unzulänglichkeiten einen eher faden denn fruchtigen Geschmack im Mund hinterlässt. Nintendo-Switch-Besitzer finden in Mario Kart 8 Deluxe einen weitaus reiferen Genrevertreter. Alle die keine Nintendo Switch zuhause haben können sich den Funracer bei sehr starker Genre-Präferenz durchaus einmal ansehen, sofern sie sich der Schwächen des Titels bewusst sein. Ansonsten bleibt nur noch das Abwarten auf den neuesten Ableger des Sonic-Racing-Franchise, der Mario Kart 8 ja vielleicht vom Genre-Thron werfen kann. All-Star Fruit Racing schafft dies trotz einiger guter Ansätze leider nicht.

Getestet: Xbox-One-Version

Wertung:

5.5

prog4m3r meint:

"Schön designter Funracer, der jedoch aufgrund einiger Fruchtfliegen im Obstsalat weder spielerisch noch technisch am Genrethron kratzen kann."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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3 Kommentare:


Terry
vor 1 Monat | 1
Danke für deinen gelungenen Test! John McClane würde neidisch sein.

McClane
vor 1 Monat | 0
Ein Test, so süß wie ein Fruchtaufstrich mit Fruchtfliegen.

nibez
vor 1 Monat | 1
Frrrruchtiges Review! Leider ist das Obst wohl schon faul :(