Test: Runbow

Von Michael Prammer am 14. Juli 2018

Im Gegensatz zur Vorgängerkonsole gibt es auf Nintendo Switch wirklich genügend Nachschub an frischen Spielen. Aber auch viele ältere Titel finden ihren Weg auf die Hybridkonsole. Mit Runbow von Entwickler 13AM Games erschien zuletzt auch ein Platformer, der einst exklusiv für Wii U entwickelt wurde, inzwischen aber quasi für jeden Toaster zu haben ist. In Runbow erhalten zahlreiche Helden anderer bekannter Indietitel einen kurzen Gastauftritt und sollen so für ein kunterbuntes Spielvergnügen sorgen.

Laufen, Hüpfen, Schlagen

Das Spielprinzip des Titels aus dem Hause 13AM Games ist schnell erklärt. Runbow ist ein 2D-Platformer, der mit einer Zweiknopf-Steuerung auskommt. Laufen, Springen, Schlagen – mehr gibt es im Grunde nicht zu tun. Dabei bewegen wir uns von links nach rechts oder umgekehrt. Die Besonderheit sind die unterschiedlichen Hintergrundfarben in den Leveln, die für den eigentlichen Kick sorgen. In verschiedenen Rhythmen ändern sich diese nämlich und so erscheinen oder verschwinden immer wieder Plattformen der entsprechenden Farbe. Damit ergibt sich eine ganz besondere Herausforderung, da wir die Muster der Farben und Plattformen teilweise ganz genau studieren müssen, um das Level zu beenden und nicht einen der zahlreichen Bildschirmtode zu finden.

Zusätzlich kommen hin und wieder auch unterschiedliche Items zum Einsatz, die den Spielverlauf im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf stellen. Dann muss beispielsweise plötzlich umgedacht und das Spielgeschehen von oben betrachten werden. Außerdem sind in manchen Leveln entsprechende Geschwindigkeitsitems zu finden, die uns in einen wahren Adrenalinrausch versetzen und flinke Reaktionen erfordern. Um es ganz klar zu sagen: In diesen Passagen werdet ihr wirklich oft das virtuelle Ableben erleiden. Sehr oft. Und weil das nicht ausreicht, schickt euch das Spiel gleich noch einen frechen Spruch hinterher. Fies!

Großer Umfang

Runbow bietet eine Menge unterschiedlicher Modi. Ein Singleplayer-Modus führt den Spieler auf eine Reise durch verschiedene Level, die aber im Wesentlichen immer nur eines von drei Zielen beinhalten. Entweder ihr schnappt euch die Trophäe, die am Ende der Level bereitstehen oder aber ihr sammelt innerhalb der Welt eine bestimmte Menge an Münzen ein. Zusätzlich gibt es noch die Aufgabe, eine gewisse Anzahl an Gegnern zu besiegen oder einen „Boss“ zu eliminieren, der jedoch fast nie eine echte Herausforderung darstellt. Die Ziele sind also nicht besonders aufregend - dafür jedoch die Wege dorthin umso mehr. Die Level in Runbow könnten kaum unterschiedlicher sein. Mal rennt ihr vor einer Wand voller Dornen davon, mal seid ihr im Dunklen unterwegs - und schon im nächsten Moment kämpft ihr euch durch ein Labyrinth unterschiedlicher Farbwände, die im Rhythmus verschwinden und neu erscheinen. Für genügend Abwechslung ist jederzeit gesorgt. Die Level sind dabei grundsätzlich in drei Schwierigkeitsgrade aufgeteilt, wobei selbst die schweren Level zwar sehr fordernd sind, jedoch nie unfair werden. 

Der Singleplayermodus bietet außerdem die Möglichkeit je nach Geschwindigkeit des Levelabschlusses bis zu drei Münzen zu erhalten. Highscorejäger kommen so auf ihre Kosten. Für besonders hartgesottene Spieler gibt es zusätzlich noch den Bowhemoth-Modus. In diesen herausfordernden Leveln wird unser Fortschritt nicht gespeichert und jeder Tod wird im Counter vermerkt. Dafür gibt es für das Abschließen aller Abschnitte hier auch eine kleine Belohnung.

Das ganz große Highlight des Spiels ist aber zweifelsohne der Mehrspielerpart, der für zwei bis acht Spieler konzipiert wurde. Dabei gilt: Je mehr Spieler, desto besser. Klingt chaotisch? Ist es auch und es macht jede Menge Spaß. Dabei hat man die Wahl zwischen kooperativem Gehüpfe oder dem ständigen Kampf gegen seine Mitspieler. Je nach Modus versuchen wir, die Trophäe am Ende des Levels gemeinsam zu erreichen (Run), einen bestimmten Punkt vor unseren Kontrahenten zu verteidigen (King of the Hill) oder als letzter Spieler auf dem Feld zu stehen und die anderen Mitstreiter aus dem Level zu befördern (Arena). Das Wii-U-exklusive GamePad-Gameplay existiert natürlich auf der Switch nicht mehr, dafür sieht das Spiel auch auf dem kleinen Bildschirm super aus. Da nicht jeder immer acht Mitspieler findet, gibt es die kompletten Multiplayermodi auch online. Leider ist gerade bei voller Besetzung die Performance nicht immer einwandfrei und man hat gelegentlich mit kleineren Rucklern zu kämpfen, die für unnötige Tode sorgen können.

Zusätzlich müssen wir bei Runbow noch die vielen unterschiedlichen Charaktere erwähnen. Egal ob Juan aus Guacamelee, der Shovel Knight, Commander Video aus Bit.Trip Runner oder Rusty aus Steam World Dig; die Entwickler haben so ziemlich alles an Charakteren mit in das Spiel gepackt, was der populäre Nindiemarkt zu bieten hat. Zwar handelt es sich bei den verschiedenen Figuren lediglich um Skins ohne eigene, besondere Fähigkeiten - doch da diese erst Verlauf des Spiels nach und nach freigeschaltet werden, sorgen sie für eine große Sammel-Motivation. Zusätzlich können auch noch diverse Artworks erspielt werden, die dafür sorgen, dass man Runbow immer mal wieder startet. An Umfang und Langzeitmotivation wird es euch deshalb nicht fehlen.

Technisch wirkt Runbow sauber, abgesehen von den kleineren Aussetzern im Onlinemodus. Die Grafik ist dabei jedoch sehr zweckmäßig und wirkt trotz der verschiedenen Farbwechsel insgesamt recht eintönig. Die Hintergründe sind oft nur sehr schlicht gehalten und hätten etwas mehr Ausarbeitung vertragen können. Einzig die verschiedenen Charaktere bringen designtechnische Abwechslung ins Spiel. Die Musikuntermalung ist dafür umso genialer. Der Rock-, Jazz- und Swing-lastige Soundtrack unterstreicht das schnelle und oftmals hektische Spielgeschehen hervorragend. Auch bei der Steuerung gibt es nichts zu meckern.

Fazit:

Runbow ist ein toller Platformer, der eigentlich alles bietet, was sich Fans von 2D-Jump'n'Runs wünschen. Schnelle und knackige Herausforderungen, eine Vielzahl an Levels und freischaltbaren Extras sowie eine Riege an Indie-Charakteren stehen auf der Tagesordnung. Die musikalische Untermalung ist sehr gelungen und passt ideal zum Spielgeschehen. Die Steuerung funktioniert einwandfrei und dank Onlinemodus spielt man bei Bedarf auch nie alleine. Dieser ruckelt bei maximaler Spieleranzahl jedoch gelegentlich und sorgt in diesen Momenten für einige Frustmomente. Schade ist zudem die fehlende Option auf KI-Gegner, falls man doch mal alleine spielen will. Auch grafisch könnte man mehr erwarten, das Spiel wirkt optisch bei aller farbigen Vielfalt doch sehr minimalistisch. All das sollte jedoch Fans von spaßigen Jump'n'Runs nicht von einem Kauf abhalten, da Runbow vor allem mit mehreren Freunden ein absoluter Partykracher ist.

Wertung:

8.5

Michael Prammer meint:

"Gelungener Plattformer mit vielen Charakteren, großem Umfang und genialem Sound. Partyspaß garantiert."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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1 Kommentare:


Terry
vor 4 Monaten | 0
Sehr schöner Text zu einem coolen Spiel! Danke!