Test: Lost Sphear

Nutzer-Story von Matthew1990 am 09. Juli 2018

Konsole: Nintendo Switch

Release: 23.01.2018

Abschlussdatum: 07.07.2018

Spielzeit: ca. 130 Stunden


Spieleinhalt

Ich habe sowohl das Hauptspiel als auch das Postgame abgeschlossen, dazu alle Charakter-Nebenaufgaben. Ich habe das Tagebuch komplett auf 100% mit allen Einträgen vervollständigt.


Spieleranzahl

Das Spiel lässt sich nur alleine durchspielen.


Story

"Den Legenden zufolge erschuf der Mond die Welt. Dieses Märchen hörte ich vor sehr langer Zeit. Meine Mutter war damals noch am Leben ... Angeblich wird die Welt wieder und wieder zerstört und dann wiedergeboren ... Ich sehe es noch vor mir, das Bild des Mondes in meinem Märchenbuch. So groß ... So kalt ... Schön ... und entsetzlich. Aber das war nur ein Märchen. In Wahrheit ist der Mond stumm. Er tut nichts. Und so ist es schon immer gewesen."

Review

Nach einem kurzen Tutorialkampf mit Storygrundlage und Introtext beginnt auch schon das Abenteuer mit Kanata, dem Protagonisten der Geschichte. Er lebt mit seinen beiden Freunden Locke und Lumina in einer kleinen Stadt bis diese eines Tages sich auflöst. Nur mithilfe von Erinnerungen kann Kanata seine Heimat zurück holen, wodurch sein Abenteuer seinen Lauf nimmt.
Eine solide Geschichte, die ihre Höhen und Tiefen hat, mir aber persönlich gefiel. Auch die Charaktere sind sympathisch und ein gut gemischter Haufen.

Die Welt differenziert sich in zwei Bereiche. Wir haben eine überschaubare Weltkarte, auf dem alle Dungeons und Städte vermerkt sind. Dort laufen wir von Ort zu Ort, können über funkelnde Stellen Items finden, verlorene Orte wieder zurück holen oder Artefakte errichten, welche euch passive Fähigkeiten bescheren. Darunter fallen Kampffähigkeiten, aber auch Nützliches für den Komfort, wie das Heilen an Speicherpunkten, Weltkarte oder Erfahrungsboosts. Die zweite Ortskategorie sind dann die Dungeon und Städte selbst, in denen ihr euer Abenteuer angeht. Auch hier könnt ihr die Gegend nach funkelnden Stellen oder Schatztruhen absuchen, an Angelspots Fische einholen oder unterhält sich in Städten mit NPCs bzw. Bekämpft Gegnergruppen in Höhlen und Ruinen. Da Lost Sphear sich an klassische JRPGs orientiert, findet ihr  auch hier die klassischen Elemente, wie Händler, Level Up durch Attributsteigerungen und Ausrüstungsoptionen.

Aus euren Leuten könnt ihr eine Kampfgruppe aus vier Kämpfern zusammeln stellen, die alle individuelle Fähigkeiten haben und euch sichtlich im Spiel folgen. Solltet ihr in eine Gegnergruppe geraten, wird der Bereich abgeschottet und es startet eine Kampfsequenz. Dort könnt ihr, wie gewohnt, eine Auswahl zwischen Kampf, Fähigkeiten und Items auswählen. Es ist nichts Neues, dass der Kampf euch in eine Nahkampf-Standardattacke schickt, die Fähigkeiten für Zauber und Spezialmanöver, die entweder für Flächenschaden oder Heilungs- bzw. Elementareffekte bewirken, sind und Objekte zur Auswahl stehen, die eure Gruppe heilen – soweit alles bekannter Stoff.
Zwei Spielmechaniken bauen das Kampfsystem hier aus: Das Setsuna-System und Vulcosuits.

Das Setsuna-System erlaubt euch im Hauptmenü eure Waffe und Fähigkeiten mit Steinen auszurüsten und mit Zusatzeffekten zu versehen. Sollte euer Timing im Kampf stimmen, könnt ihr dann die ausgerüsteten Attribute zur Fähigkeit mit ausführen, wodurch ihr eure Gruppe zusätzlich heilt oder Statuseffekte, wie Gift oder Verwirrung, auf den Gegner übertragen könnt.

Die Vulcosuits sind mechanische Kampfanzüge, die eure Helden im Spielverlauf finden können. Diese könnt ihr außerhalb, aber auch innerhalb des Kampfes anziehen, um eure Fähigkeiten ohne Manaverbrauch zu verwenden. Stattdessen braucht ihr VP (Vulco Points) auf. Sinkt diese auf 0, entfernt sich vorübergehend euer Anzug. Es lassen sich mit den Vulcosuits keine Standardangriffe ausführen, da der Menüpunkt im Kampf durch eine Spezialoption ersetzt wird. Diese ermöglicht euch starke Effekte auszuführen. Damit kann Kanata Teamangriffe durchführen oder Lumina erhält Zugriff auf eine stärkere Version ihrer Fähigkeiten. Einzige Voraussetzung ist das Aktivieren der Türme auf der Oberwelt.

Das Kampfsystem finde ich völlig in Ordnung, wird jedoch durch zwei Problematiken zerstört. Da hätten wir den Statuseffekt "Insta-Death", welche euren Charakter, unabhängig von der Stärke oder Lebensenergie, sofort tötet. Diese Fähigkeit führt gerade dann zum Frust, wenn man in eine größere Gegnergruppe gerät oder auf einen Gegner trifft, der multiple Ziele anvisieren kann, und dabei die Hälfe eurer Gruppe ausschaltet ohne, dass ihr euch dagegen wehren könnt. Da die Gegner ihre Ziele vollkommen zufällig wählen, ist es auch basierend auf Glück, ob ihr noch starke Mitglieder übrig habt, ein Heiler dabei ist oder für Folgeangriffe nicht mehr ausreichend gerüstet seid und ein Game Over euch entgegen winkt.
Das andere Problem ist Langatmigkeit von Statusveränderungen. Diese wirken manchmal so sehr unbalanciert, dass ich einen Kampf verloren habe, ohne dass er je richtig begonnen hat. Hierzu ein Beispiel eines Bosskampfes: Ich habe eine Runde Zeit mit jedem Charakter eine Fähigkeit auszuführen. Danach war der Kampf entschieden. Der Boss verwirrte meine Gruppe und sie griffen sich durchgehend an. Bevor ich die Kontrolle wieder bekam, folgte schon ein Charme-Angriff, wodurch meine Gruppe sich weiterhin gegenseitig fertig machte. Dies ging solange bis auch der letzte Held umgefallen ist.
Da ein Game Over damit bestraft wird, dass ihr zum Titelbildschirm gebracht werdet und vom letzten Speicherpunkt fort fahrt, kann dies sehr schnell zum Frust führen.

Ein weiteres Element, was Lost Sphear ausmacht, ist die Erinnerungsmechanik, worauf auch die Geschichte aufbaut. Orte, Personen und Gegenstände fangen an zu verschwinden und nur ihr seid in der Lage mithilfe von Erinnerungen diese Sachen zurück zu holen. Diese Erinnerungen sucht ihr in Büchern oder Gesprächen mit Personen. Dort wird ein Wort unterstrichen und zieht dort die Gefühle der Erinnerung raus. Leider kommt dies viel zu selten vor, denn der Großteil der Erinnerungen sind Materialien, die ihr von Monstern erhaltet. Dadurch verschleißt sich die interessante Erinnerungsmechanik zu einer für Rollenspielen übliche Materialsuche.

Als letzten Punkt möchte ich dies nicht als negative Kritik ansetzen, da es wohl ein Kunstgriff der Entwickler werden sollte, jedoch ungünstig umgesetzt wurde. Solltet ihr den finalen Boss erlegen und die Credits fangen an zu laufen, beendet das Spiel noch nicht, denn es ist gerade mal bei der Hälfte angekommen. Die Geschichte hört mitten drin auf bzw. lässt euch mit einem unbefriedigtem Ende zurück, worauf es nach dem Abspann direkt weiter geht.

Wertung:

7 / 10

Matthew1990 meint:

"Lost Sphear ist ein solides Rollenspiel mit sympathischer Geschichte und Charakteren."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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