Test: Wolfenstein 2: The New Colossus (Nintendo Switch)

Von Michael Prammer am 05. Juli 2018

Nach DOOM bringt Panic Button den Bethesda-Hit Wolfenstein 2: The New Colossus ebenfalls auf Nintendo Switch. Ob der Titel ähnlich einschlägt, verrät unser Test.

Der nicht jugendfreie Shooter von Machine Games konnte bei dessen Release im letzten Jahr in unserem NplusX-Review eine Topwertung einfahren. Vor einigen Jahren wären solche Spiele für eine Nintendo-Konsole noch undenkbar gewesen, jetzt sind sie, so könnte man fast sagen, nur noch eine Frage der Zeit. Der Höllenshooter DOOM hat gezeigt, dass trotz technischer Abstriche auf Nintendos Hybrid-Konsole jede Menge Spaß aufkommen kann und der Titel kann sich, trotz aller kleinere Makel, mehr als nur sehen lassen. Dass Wolfenstein 2 keinesfalls das jüngere Nintendo-Publikum anspricht, zeigt bereits eine der ersten Cutscenes, die zwar hervorragend inszeniert ist, jedoch auch vor rollenden Köpfen keinen Halt macht. Auf solche und ähnliche makabere Szenen sollte man sich im Laufe der etwa zwölf Stunden andauernden Geschichte einstellen, denn mit Brutalität wird kaum gegeizt.

B.J. zum Zweiten

Auch wenn es sich hier um einen Shooter handelt und die Story für viele nur ein Beiwerk darstellt, das einige kaum interessiert, gibt es hier einige Grundinformationen zur Handlung: Wolfenstein 2 setzt die Handlung des ersten Teils der Neuauflage fort und führt den Spieler in ein Szenario, in dem ein Nazi-ähnliches Regime, das einfach nur „das Regime“ genannt wird, den zweiten Weltkrieg gewonnen hat. Der Protagonist ist wieder einmal B.J. Blazkowicz, der jedoch nach seinem glorreichen Sieg nicht mehr der Gleiche und zunächst auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Mit der Zeit wird sein Körper mittels futuristischer Militärtechnologie wieder zu einer Kampfmaschine geformt und letztlich wird ihm die Aufgabe zu Teil, sich dem Regime und der Antagonistin, Irene Engel, in den Weg zu stellen.

Das Regime hört sich im ersten Moment etwas merkwürdig an, ist allerdings ein „Opfer“ der Zensur. Man verzichtet in der deutschen Version des Spiels nicht nur auf die Worte Nationalsozialismus und Nazis, sondern auch auf deren Symbolik. Dabei ist alles genaustens angedeutet, sodass man durchaus versteht, um was es eigentlich geht. Auch die Uniformen und diverse Bilden mit der dazugehörigen Farbgebung erinnern an eine Zeit Mitte der 30er-Jahre, jedoch distanziert sich die hiesige Version explizit von detaillierter Namensgebung.

Das Spielprinzip ist schnell erklärt. In einem klassischen Ego-Shooter steuert ihr den Helden durch diverse Level und entledigt euch mehrerer Feinde. Dabei gibt es selten anspruchsvolle Ziele, sondern meistens ist die eigentliche Aufgabe bereits dann erledigt, wenn der Spieler von Punkt A nach Punkt B gelangt. Die Areale sind dennoch relativ offen und so bleibt auch etwas Platz für Erkundungen. In den Leveln sind Kommandanten anzutreffen, welche die eigentlichen Hauptziele für den Protagonisten abgeben. Schaltet man nämlich diese aus, hat man es deutlich einfacher, da eben genau diese Kommandanten in der Lager sind, Verstärkungen zu rufen und damit das Schlachtfeld schnell mit Feinden zu füllen.

Spielstil entscheidet: lautlos oder mit Gebrüll?

Das alles stellt den Spieler vor die Qual der Wahl. Schleicht man sich zu den Kommandanten, schaltet diese lautlos aus und umgeht damit einem großen Feuergefecht? Oder stürzt man sich blindlings ins Kampfgetümmel und versucht alles niederzustrecken, was einem vor die Flinte läuft? Letzteres funktioniert in den ersten beiden von zunächst vier anwählbaren Schwierigkeitsgraden noch problemlos. Allerdings werden die Gegner und auch die Anzahl der Widersacher im späteren Spielverlauf nicht nur geschickter, sondern auch zahlreicher. Dann reicht es unter Umständen nicht mehr, einfach nur mit dem Kopf durch die Wand zu breschen - Taktieren ist dann angesagt. Immer wichtig ist dabei die eigene Energieanzeige. Schnell überschätzt man sich hier und lässt sich auf ein wildes Scharmützel mit mehreren Gegnern ein, die den Spieler letztlich zu Fall bringen.

Für einen Shooter sind natürlich die Waffen ganz wichtig, wovon es leider nicht allzu viele in Wolfenstein 2 gibt. Lediglich sechs unterschiedliche Wummen werden dem Spieler angeboten, was einige Shooter-Fans unter Umständen doch etwas enttäuschend finden dürften. Dafür kann man von einigen Typen zwei auf einmal verwenden, was dann zusätzliches „Rambo-Feeling“ aufkommen lässt. Auch die Gegnervielfalt ist nicht besonders üppig ausgefallen, immerhin sind aber einige ganz schöne Brocken dabei, die wohl überlegt angegangen werden sollten. Nur soviel: nicht umsonst heißt das Spiel im Beinamen „The New Colossus“ - der Titel macht, was einige Gegner betrifft, schon in den ersten Leveln seinem Namen alle Ehre.

In etwa zehn bis zwölf Stunden sollte man durch die interessante, niemals überragende aber auch nie langweilig werdende Haupthandlung durchkommen. Ein zweiter Durchlauf lohnt durchaus, da nicht nur ein zusätzlicher Schwierigkeitsgrad freigeschaltet wird. Abseits der Wege kann B.J. einige zusätzliche Dinge, wie Aufzeichnungen, Spielzeuge oder andere Extras, finden, die dem 100%-Spieler zu Gute kommen und die Motivation, die Areale noch genauer zu erkunden, in die Höhe treiben. Spielerisch kommt jedenfalls keine Langeweile auf, zu tun hat man immer etwas und entscheidet selbst, wie lange man in einem Level verharrt. Übrigens lässt sich exklusiv auf Nintendo Switch das Spielgeschehen mit einer alternativen Bewegungssteuerung spielen, was wirklich super funktioniert hat. Unbedingt mal ausprobieren.

Wichtig für die Nintendo-Switch-Umsetzung ist natürlich der technische Aspekt. Dabei sollte man zwei Dinge berücksichtigen. Erstens ist die Switch-Version gerade einmal 20GB groß, was zwar immer noch eine üppige Datenmenge darstellt, jedoch im Vergleich zu den anderen Versionen, die mit 50GB ins Gewicht fallen, kaum der Rede wert sein dürfte. Und dann wäre da noch die technische Leistung der Nintendo Switch selbst, die einfach nicht in der Lage ist, mehr aus einem Titel dieser Größenordnung rauszuholen. Dafür allerdings wird eine ordentliche Performance geboten und die angegebenen 30 Bilder pro Sekunden laufen in den meisten Fällen flüssig. Die größte Einschränkung, mit der Nintendo-Fans leben müssen, ist die etwas verwaschene und unscharfe Optik allgemein. Es wirkt fast so, als hätte Wolfenstein 2 eine Art milchigen Schleier über den Bildschirm gelegt und man würde am liebsten mit einem Tuch drüber wischen, um mehr Klarheit zu schaffen.

Fazit:

Wolfenstein 2: The New Colossus ist ein Paradebeispiel dafür, in welcher Zwickmühle sich Nintendo Switch-Spieler befinden können. Das Spiel an sich ist mindestens sehr gut, die Handlung unterhaltsam und die Länge auch noch absolut in Ordnung, wenn man nicht einfach nur blind durch rennt. Aber es kommt an dieser Stelle wieder einmal das Problem des Preis-Leistungs-Verhältnisses auf. Spieler, die über andere Konsolen verfügen, werden hier die technisch schwächste Version bekommen, das ist Fakt. Außerdem werden eben gerade diese Spieler für diesen tollen Titel keinen Vollpreis zahlen müssen, wenn sie bis jetzt gewartet haben sollten. Auf Switch gibt es exklusiv eine Bewegungssteuerung, die gut funktioniert, jedoch eine Maus-Tastatur-Steuerung nicht ersetzen kann und dazu wie immer den Aspekt der Mobilität. Reicht das für eine Vollpreisanschaffung? Wer nur eine Nintendo-Konsole hat, sollte unbedingt darüber nachdenken, da er sonst einen der besten Shooter des letzten Jahres verpassen würde.

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Auch auf Switch ein toller Shooter, der allerdings mit Abstrichen leben muss."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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