Test: Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux

Von Deniz Üresin am 29. Juni 2018

Shin Megami Tensei V für Nintendo Switch wird noch etwas länger auf sich warten lassen. Warum also nicht die Wartezeit mit einem anderen Teil der Reihe für den 3DS vertreiben?

Letztes Jahr sorgte Persona 5 in der RPG-Gemeinde für viel Aufsehen. Nicht wenige Magazine vergaben die Bestnote, Fachpresse und Fans verloren generell nichts als überschwängliches Lob an die stylische Mischung aus Lebenssimulation und klassischem JRPG mit rundenbasierten Kampfsystem. Wer durch die bis ins kleinste Detail durchdachten, wunderschön designten Dungeons von Persona 5 läuft, wird kaum glauben können, dass der Vorgänger einem noch zufällig generierte Dungeons vorsetzte, die lediglich aus leeren Gängen und Räumen bestanden. Tatsächlich startete die Persona-Reihe aber als Spinoff einer langjährigen Dungeon-Crawler-Serie mit dem Namen (Shin) Megami Tensei, deren Wurzeln in der Famicom-Adaption eines Science-Fiction-Fantasy-Romans namens Digital Devil Story liegen.

Während die Persona-Reihe sich mit jedem Teil in Sachen Präsentation, Gameplay-Mechaniken und Story weiterentwickelt hat, ist die Mutterserie ihren Wurzeln relativ treu geblieben. So ist auch Shin Megami Tensei Strange Journey, welches 2009 für den Nintendo DS erschien und zwar in Nordamerika, aber nie in Europa veröffentlicht wurde, ebenfalls ein First-Person-Dungeon-Crawler mit Monstersammelelementen. Mit dem 3DS-Remake Strange Journey Redux kommen wir Europäer nun auch endlich in den Genuss dieser seltsamen Reise, ohne den Umweg eines Imports gehen zu müssen.

Im Bann der Dämonen

Wir schreiben das überhaupt nicht klischeehafte Jahr 20XX. In der Antarktis breitet sich langsam eine Art schwarzes Loch aus, das allem Anschein nach als Portal in eine andere Dimension fungiert. Erkundungsdrohnen sendeten seltsame Bilder von einem Schlachtfeld und einem Einkaufszentrum, bevor der Kontakt abgebrochen ist. Um eine Massenpanik zu verhindern, wird die ganze Affäre von der UN geheim gehalten – allerdings droht das immer größer werdende schwarze Loch die gesamte Erde zu verschlingen.

So werdet ihr als Elitesoldat Mitglied eines Aufklärungstrupps, der herausfinden soll, was es mit der sogenannten Schwarzwelt in der Antarktis auf sich hat, ob es intelligentes Leben dort gibt und vor allem, wie man ihre Ausbreitung stoppen kann. Nach einer Notlandung aufgrund unvorhergesehener Turbulenzen bricht allerdings der Kontakt zur Erde ab und eure Truppe wird auch noch von unsichtbaren Feinden angegriffen. Alles scheint verloren, als ihr euch plötzlich in einem Raum wiederfindet, in dem euch einige mysteriöse Männer begutachten, für „interessant“ befinden und euch eine App für eure intelligente Hightech-Rüstung an die Hand geben – das sogenannte „Demon Summoning Program“. Mit diesem könnt ihr eure Feinde – die Dämonen, die in der Schwarzwelt leben – nicht nur wahrnehmen, ihr könnt sie sogar unter gewissen Bedingungen zähmen und als Kämpfer in eure Truppe aufnehmen! Gemeinsam mit den anderen Überlebenden und euren potenziellen neuen Freunden gilt es nun, eine neue Welt zu erforschen…

Etrian Odyssey meets Pokémon 

Das Gameplay von Strange Journey ist simpel, aber fordernd. Von eurem Raumschiff aus könnt ihr auf Expeditionen in die Schwarzwelt aufbrechen, die in mehrere thematisch unterschiedliche Bereiche unterteilt ist. So werdet ihr in der ersten Schicht der Schwarzwelt von einer Eiswüste begrüßt, wie ihr sie auch in der Antarktis vorgefunden hättet. Durch die aus isometrischen Gängen und Räumen bestehende Schwarzwelt navigiert ihr in der First-Person-Ansicht, wobei ihr stets auf eure Umgebung achten solltet, da versteckte Türen, Items und Fallen hinter jeder Ecke lauern. Das klingt erstmal gut, aber leider schneiden euch die Fallen oft den kürzesten Weg zum jeweiligen Ziel ab und zwingen euch fast immer, einen großen Umweg zu gehen. Die in den Dungeons umherstreifenden Dämonen sind nicht auf der Karte sichtbar. Als richtige Random Encounters kann man diese Begegnungen aber auch nicht bezeichnen, da ein Icon auf dem oberen Bildschirm des 3DS seine Farbe von blau über gelb zu rot wechselt, je näher ihr einem Schwarzweltbewohner kommt.

Die Kämpfe sind rundenbasiert, wobei ihr selbst und bis zu drei eurer dämonischen Kumpane gegen die Monstrositäten antretet. Ähnlich wie in Persona ist das Ausnutzen der Elementschwächen eurer Gegner überlebenswichtig. Feuerattacken gegen Dämonen mit einer Schwäche gegenüber Feuer sind nicht nur deutlich effektiver, andere Gruppenmitglieder gleicher „Gesinnung“ steigen mit einem Folgeangriff ein, was den Schaden noch einmal deutlich erhöhen kann. Jeder Dämon gehört entweder der Chaos- oder der Gesetzes-Fraktion an oder er ist neutral gesinnt. Eure eigene Gesinnung, die übrigens Shin-Megami-Tensei-typisch einen großen Einfluss auf das Ende der Geschichte hat, wird durch eure Antworten auf diverse Fragen, die euch Kameraden, Dämonen oder Engel während der Story stellen, bestimmt und kann sich durchaus mehrmals im Verlauf des Spiels ändern, wenn eure Antworten entsprechend ausfallen.

Das Kampfsystem mag simpel sein, aber lasst euch davon nicht täuschen. Eure Gegner, besonders die Bosse, hauen ordentlich rein, sodass eine sorgfältig aufeinander abgestimmte und entsprechend hochgelevelte Truppe von höchster Bedeutung sind. Seid ihr mit euren Kumpanen unzufrieden, könnt ihr jederzeit neue anheuern. Dafür müsst ihr während eines Kampfes nur den entsprechenden Dämonen ansprechen und seine Gunst erwerben. Jeder Dämon hat einen Pool an Fragen, die ihr richtig beantworten müsst. Habt ihr alles richtig gemacht, könnt ihr von ihm verlangen, sich euch anzuschließen, euch Geld oder ein Item zu geben. Ersteres führt oft dazu, dass der Dämon von euch im Gegenzug etwas verlangt, zum Beispiel Geld, bestimmte Items oder einen Anteil eurer Gesundheitspunkte.

Recht früh im Spiel schaltet ihr zudem die Fähigkeit frei, zwei oder drei eurer Dämonen zu fusionieren um gegebenenfalls stärkere Wesen zu erhalten. Freunde der Monstersammelei können sich hier also problemlos austoben und mit verschiedenen Zusammenstellungen experimentieren.

Redux?

Strange Journey Redux ist wie bereits erwähnt ein Remake eines Nintendo-DS-Titels, welches dank der fehlenden Regionalsperre des DS auch hierzulande auf dem 3DS problemlos auf Englisch spielbar ist. Da auch das Remake nur über englische Bildschirmtexte (und eine neue, aber nur japanische Sprachausgabe) verfügt und den 3D-Effekt des 3DS nicht verwendet, stellt sich die Frage: Was hat Redux, was das Original nicht hat? Zum Einen ist das Remake hierzulande einfacher zu bekommen und zum Anderen wartet es mit einer Reihe Extras und Quality-of-Life-Verbesserungen auf. Neben dem etwas aufgeräumteren Menü, der leicht detaillierteren Grafik (die den 3DS aber zu keiner Zeit ausreizt) und den neuen gezeichneten Charaktermodellen wurden vor allem Änderungen am Schwierigkeitsgrad vorgenommen. So könnt ihr nun nicht nur zwischen mehreren Schwierigkeitsgraden wählen, sondern euch die Herausforderung optional auch selbst jederzeit durch sogenannte Sub-Apps für euren Kampfanzug verringern. Diese Sub-Apps werden im Laufe des Spiels freigeschaltet, wenn ihr die entsprechenden Materialien für deren Herstellung gesammelt und ins Labor gebracht habt. Gegen einmalige Zahlungen erhaltet ihr dadurch jederzeit an- und ausschaltbare Optionen wie eine verringerte Encounter-Rate, höheren Geldgewinn beim Besiegen von Gegnern und vor allem die Möglichkeit, einen Kampf auch dann fortsetzen zu können, wenn euer Hauptcharakter besiegt wurde, was normalerweise unabhängig von der Verfassung eurer restlichen Crew unmittelbar zu einem Game Over führen würde. Da nur euer Hauptcharakter Items verwenden und aktive Dämonen mit denen aus der Ersatzbank austauschen kann, sind Kämpfe ohne ihn natürlich deutlich schwerer, aber in Anbetracht der Existenz von Instakill-Moves könnten so ein paar frustrierende Momente verhindert werden. All diese Features sind wie gesagt optional und können nach Erwerb jederzeit an- und ausgeschaltet werden, wodurch ihr euch den Schwierigkeitsgrad jederzeit dynamisch an eure Vorlieben anpassen könnt. Eine weitere Neuerung ist die Möglichkeit, jederzeit in einem Dungeon speichern zu können, was früher nur an bestimmten Terminals und in der Basis möglich war. Dass dadurch der eigentliche Sinn des Spiels flöten geht, eine Exkursion vorauszuplanen und entscheiden zu müssen, ob man wieder zur sicheren Basis zurückkehrt oder den Verlust des Fortschritts durch weiteres Eindringen in die Schwarzwelt riskiert, ist klar. Aber auch hier gilt: Es ist optional. Wollt ihr die sogenannte Feld-Speicherfunktion nicht verwenden, zwingt euch niemand dazu.

Neben all diesen Erweiterungen der Mechaniken gibt es natürlich auch etwas mehr Story in Strange Journey Redux. Die mysteriöse Alex, die euch auf dem Cover des Remakes grimmig anstarrt, möchte euren Tod. Warum das so ist könnt ihr durch die Erkundung eines gigantischen neuen Dungeons mit vielen einzigartigen Fallen und Mechaniken herausfinden. Der Abschluss dieser Nebengeschichte hat zudem einen kleinen Einfluss auf das Ende des Spiels.

Fazit:

Der Nintendo 3DS ist bekannt für seine enorme Vielfalt an japanischen Rollenspielen. Auch im Subgenre der Dungeon-Crawler gibt es mit den vielen Etrian-Odyssey-Teilen, Persona Q und anderen Shin-Megami-Tensei-Spinoffs genügend Futter für Fans. Strange Journey Redux bietet eine interessante Story, die allerdings zugunsten der sammelbaren Dämonen und der Erforschung der Schwarzwelt nur langsam vorangeht und den Fokus nur auf einige wenige Charaktere und deren Erlebnisse innerhalb der Dämonenwelt legt. Fans von Persona 4 und 5, die mit Dungeon Crawlern sonst wenig am Hut hatten, sollten sich unbedingt Gameplay-Videos ansehen, denn Shin Megami und Persona gehen trotz des ähnlichen Kampfsystems und der Monstersammelei in vielen Belangen in verschiedene Richtungen. Die Geheimnisse der Schwarzwelt, der individualisierbare Schwierigkeitsgrad und das Sammeln und Fusionieren der serientypischen Dämonen zählen zu den Stärken des Rollenspiels. Das oft etwas anstrengende Dungeondesign, das einen zu riesigen Umwegen durch lange Gänge voller Monster zwingt und das Fehlen deutscher Bildschirmtexte schmälern die Wertung jedoch etwas. Fans von Dungeon-Crawlern und vor allem der Shin-Megami-Tensei-Reihe können bedenkenlos zuschlagen, alle anderen sollten sich ein paar Videos ansehen, um das etwas andere Gameplay dieses Subgenres in Aktion zu sehen, bevor sie einen Kauf in Erwägung ziehen.

Wertung:

7.5

Deniz Üresin meint:

"Strange Journey Redux ist ein guter Dungeon Crawler mit anpassbarem Schwierigkeitsgrad, einer interessanten Storyprämisse und einem motivierenden Monstersammelfeature."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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3 Kommentare:


Tobsen
vor 3 Wochen | 0
Tut mir Leid, das Girl auf dem Cover ist in meinen Augen Frau Amagi.

Denios
vor 3 Wochen | 0
hat ne gewisse Ähnlichkeit :D aber glaub mir, sie ist etwas... anders drauf^^
DarthRegnat
vor 3 Wochen | 0
Der Witz wird außerdem langsam alt. An Yukiko musste ich bei dem Anblick nicht einmal denken.