Test: The Banner Saga 2

Von Michael Prammer am 02. Juli 2018

Nachdem der erste Teil der Saga erfolgreich auf Nintendo Switch gestartet ist, zieht die Karawane nun auch in der Fortsetzung auf Nintendos Hybridkonsole weiter. Wir haben den Test dazu.

The Banner Saga konnte uns im NplusX-Test beinahe auf ganzer Linie überzeugen. Daher ist es umso erfreulicher, dass die anderen beiden Teile, inklusive des noch nicht veröffentlichten dritten Teils, ebenfalls für Nintendo Switch erscheinen werden. Wer sich jedoch erst jetzt mit dem RPG beschäftigt, dem sei an dieser Stelle dringlichst dazu geraten, vorher den Vorgänger zu spielen - andernfalls wird man mit Teil 2 nur wenig anfangen können. Deutlich wird dieser Umstand mit dem Beginn der Story in The Banner Saga 2, die einfach mit Kapitel 8 beginnt. Wer den ersten Teil auf einem anderen System gespielt hat oder wem die Geschehnisse des ersten Werkes nicht mehr ganz so stark in Erinnerung geblieben sind, der bekommt immerhin eine kurze Rückblende.

The Banner Saga 1.5?

Der zweite Teil der Taktik-Rollenspiel-Saga holt uns in die einzigartige Fantasy-Welt des Vorgängers zurück. In der nordisch angehauchten Welt von The Banner Saga 2 stemmen sich die aus ihrer Heimat vertriebenen Flüchtlinge mit ganzer Kraft gegen ihren Untergang. Dabei knüpft das Spiel hinsichtlich Story, Charakteren und Schauplätzen direkt am Vorgänger an, in dem wir mit knapper Not der größten Dredge-Invasion seit Menschengedenken entkommen sind. Alleine schon deswegen fühlt sich The Banner Saga 2 im ersten Augenblick eher wie ein großes Update denn komplett neues Spiel an.  

Auch das Spielprinzip bleibt identisch. Immer noch zieht ihr mit der Karawane durch das Land und besucht unterschiedliche Schauplätze. Diese erzählen die Geschichte weiter und lassen diverse Interaktionen zu. Entweder werden Helden aufgewertet, Nahrung gekauft oder Kämpfe ausgetragen. All das kennt man bereits vom ersten Teil der Saga. Wer den ersten Teil bereits auf der Switch gespielt hat, darf sich zudem freuen: Ein Import der Daten lässt die aufwendig aufgelevelten Charaktere direkt ins neue Spiel übertragen und vereinfacht das Spiel zu Beginn deutlich.

Jedoch ist das nicht nur ein Vorteil. Je nachdem, wie ihr Teil 1 beendet und mit welchen Entscheidungen der Spieler die Story bewältigt hat, werden auch sämtliche Nachteile dieser Entscheidungen in den zweiten Teil geladen. Man sollte also zu Beginn gut überlegen, ob man seinen ersten Wikinger-Ausflug als gelungen betrachtet und darauf aufbauen möchte oder doch lieber von vorne beginnt und das Abenteuer ohne vorherige Entscheidungen genießt. Die Wahl liegt bei euch.

Alte Stärken bleiben erhalten

Im Laufe der Reise durch die Fantasy-Welt kommt wieder all das zum Vorschein, was The Banner Saga zu einem sehr guten Spiel gemacht hat. Die Reiseabschnitte mit den zahlreichen Entscheidungen prägen das Spielgeschehen von der ersten Minute an. Stärkt ihr eure Helden oder hilft ihr euren Untertanen? Hebt man die Moral der eigenen Gefolgschaft oder handelt man im Sinne der Krieger? Nehmt ihr Flüchtlinge auf und werdet somit stärker oder überlässt ihr diese der Wildnis und spart euch dadurch wertvolle Ressourcen? The Banner Saga 2 macht es dem Spieler mit vielen Entscheidungen keineswegs einfach und versprüht dadurch den gleichen Reiz wie Teil 1.

Die Kämpfe im Spiel werden Kenner gleich wieder erkennen und sofort beherrschen. Es geht wie gehabt rundenbasiert zu Werke und zu Beginn der Partie solltet ihr euch stets Gedanken darüber machen, in welcher Reihenfolge ihr eure Charaktere zum Einsatz bringt. Abwechselnd ziehen wir und der Gegner dann mit einem Kämpfer über das Schlachtfeld, und versuchen, unsere Angriffe und Spezialfähigkeiten möglichst sinnvoll zu kombinieren. Es gilt dabei stets abzuwägen: Greift ihr erst die Rüstung des Gegners an, um diesen zunächst zu schwächen oder zielt ihr direkt auf seine Lebenspunkte ab? Während weniger Rüstung den Feind für weitere Angriffe anfälliger macht, schwächt eine Attacke auf die Lebenspunkte gleichzeitig auch die Angriffskraft eures Kontrahenten. Allerdings prallt dabei ein Großteil des Schlags an der Rüstung ab. Daher ist es wichtig einen Gegner mit starker Rüstung erst einmal zu schwächen, einen angriffsstarken Krieger dagegen schnell um seine Lebenspunkte bzw. seine Angriffskraft zu bringen. All das kennt man ebenfalls bereits aus dem Vorgänger, macht allerdings nachwievor sehr viel Spaß und ist sehr fordernd.

Nur wenig Neuerungen

Ein paar Neuerungen haben es dann aber dennoch ins Spiel geschafft. In den Schlachten könnt ihr neuerdings auch einfach den Boss der gesamten Truppe ausschalten, wenn ihr nicht mehr alle Feinde auf dem Bildschirm auslöschen möchtet. Auch so gilt die Schlacht als gewonnen. Zudem begegnen euch einige gänzlich neue Gegnertypen auf dem Schlachtfeld, die das Spielgeschehen etwas abwechslungsreicher gestalten. Diese sind, im Vergleich zu den zahlreich vorkommenden Dredge-Kriegern, deutlich zäher und somit schwieriger zu bekämpfen. Alleine kommen die neuen Gegnertypen allerdings nie vor und können somit, mit dem Ausschalten des Bosses, im Prinzip auch komplett umgangen werden.

The Banner Saga 2 macht ansonsten auch bei der Inszenierung exakt dort weiter, wo Teil 1 aufgehört hat. Das Spiel sieht genauso hübsch aus und wird durch den malerischen 2D-Look fantastisch in Szene gesetzt. Zusätzlich werten kleinere Zwischensequenzen und Dialoge, die das Geschehen erzählerisch vorantreiben, die allgemeine Inszenierung merklich auf. Auch die Steuerung wurde aus dem Vorgänger übernommen und so dürft ihr euch wieder wieder über die gelungene Touch-Steuerung freuen, die etwas besser von der Hand geht als die Eingabe über den Pro Controller oder die Joy-Con. Die Musik ist gnadenlos gut, die englischen Synchronsprecher erneut überragend und die Untertitel glücklicherweise wieder auf deutsch - so ist auch der zweite Teil der nordischen Saga ein Hochgenuss.

Fazit:

The Banner Saga 2 macht exakt dort weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat; und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der Titel beginnt im 8. Kapitel und knüpft somit nahtlos an die Story an, übernimmt zudem das komplette Spielgeschehen des Vorgängers und wirkt auf den ersten Blick daher eher wie eine große Erweiterung. Erst beim genaueren Hinsehen fallen ein paar Neuerungen auf, die jedoch kaum nennenswert ins Gewicht fallen. So ist The Banner Saga 2 für Fans von Teil 1 im Prinzip ein absoluter Pflichtkauf, während Spieler, die bereits mit dem Erstlingswerk nichts anfangen konnten, auch diesmal nicht glücklich werden. Für Neueinsteiger, die Interesse bekunden, gilt: Spielt unbedingt zuerst Teil 1, importiert beim Gefallen euren Spielstand und setzt dann das Abenteuer fort – so lohnt sich The Banner Saga 2 wirklich.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Direkte Fortsetzung ohne größere Neuerungen, die ähnlich gut wie der Vorgänger unterhält. Zuvor unbedingt Teil 1 spielen! "
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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1 Kommentare:


Falcon
vor 2 Wochen | 0
Ich glaub, ich sollte der Reihe mal eine Chance geben. In Kürze kommt ja sogar auch noch Teil 3