Test: Captain Toad: Treasure Tracker

Von Lars Peterke am 11. Juli 2018

Der abenteuerlustige Pilzkopf erlebt seine Abenteuer ab sofort auch auf Nintendo Switch.

Mittlerweile sollte Captain Toad jedem Nintendo-Kenner ein Begriff sein. Im Gegensatz zum agilen Super Mario ist der sympathische Abenteurer zwar recht langsam, ein wenig schreckhaft und hat ein äußerst niedliches Lachen. Mit seinem Pilzkopf und der Stirnlampe glänzt er jedoch als gewissenhafter, wenn auch etwas untypischer Schatzsucher. Wenn er durch die Level läuft, ist das nicht elegant und erst recht nicht schnell - aber trotzdem ungemein liebenswürdig. Vielleicht auch gerade deshalb, weil er sich im Gegensatz zu anderen Nintendo-Charakteren mit äußerst limitierten Mitteln durchsetzen muss. In Super Mario 3D World durften Spieler zum ersten Mal selbst die Kontrolle über Captain Toad ergreifen, um sich in kleinen Rätseleinlagen Erholung vom stressigen Jump&Run-Alltag zu gönnen. Diese Spieleinlagen verstanden sich als direkter Gegenpart zum Jump & Run-Genre und kamen so gut an, dass Nintendo sich dazu entschied, dem Captain sein ganz eigenes Spiel zu widmen. Wir sind in der neu aufgelegten Switch-Fassung von Captain Toad: Treasure Tracker abermals auf Schatzjagd gegangen.

Oh Captain, mein Captain!

Das Spielkonzept von Captain Toad ist so simpel, das man es auf einen Bierdeckel bekommt. Ihr werdet mit dem Pilzkopf in ein kubisches Level geworfen, das gerade so den Bildschirm ausfüllt und den Anschein eines Dioramas erweckt. Dort müsst ihr euch jeweils einen Power-Stern krallen, der irgendwo im Level platziert ist. Mit dem linken Analogstick steuert ihr Toad durch das Level, mit dem rechten könnt ihr die Kamera um das Level herum rotieren oder auch eine Vogelperspektive auf das Geschehen erlangen. Da Captain Toad nicht springen kann, müsst ihr euch nach Leitern, Rampen oder anderen Mechanismen umsehen, wenn ihr höheres Terrain erreichen wollt. Ihr könnt euch außerdem von Abhängen stürzen, um das darunterliegenden Areal zu erreichen.

Damit wäre dann auch schon das komplette Spielkonzept erläutert. Zumindest so, wie man es einst aus Super Mario 3D World für Wii U kennt. Für Captain Toad: Treasure Tracker musste Nintendo natürlich tiefer in der Gameplay-Trickkiste buddeln, damit das Spiel auch langfristig unterhält. Da wäre zunächst eine Rahmenhandlung. Captain Toad hat sich für seine Abenteuer nämlich weibliche Unterstützung besorgt und wird von der tapferen Toadette begleitet. Diese wird allerdings von einem Riesenvogel entführt und will nun von Captain Toad gerettet werden.

Ohne zu viel zu verraten, sei gesagt, dass die Rahmenhandlung in mehreren Etappen zum Abschluss gebracht wird. Captain Toad: Treasure Tracker teilt sich nämlich in mehrere Episoden auf, die im Hauptmenü durch Bücher repräsentiert werden. In jedem Buch wird mit dem Analogstick von Seite zu Seite geblättert, auf denen sich die einzelnen Levels zur Auswahl befinden. Das Buch ist dabei belebter als man zunächst denken mag. Hin und wieder wehen neue Seiten herein, über die ihr Zugang zu kleinen Minispielen erhaltet. Diese geben euch meist ein straffes Zeitlimit, in dem ihr möglichst viele Münzen sammeln könnt, um dadurch weitere Extraleben zu erhalten.

Switch-Recycling aus der Mario-Kiste

Damit für genug Abwechslung in den Leveln gesorgt ist, bedient sich Nintendo vieler Elemente aus Super Mario 3D World. So wird beispielsweise bei den Items größtenteils Gewohntes geboten. Es gibt rote Pilze, 1UP-Pilze und auch das Kirsch-Item findet in manch einem Level Anwendung. Sammelt ihr eine Kirsche ein, verdoppelt sich Toad, wodurch ihr an zwei Orten gleichzeitig sein könnt. Neu hingegen ist die Spitzhacke, mit der Captain Toad für eine begrenzte Zeit massive Blöcke kurz und klein hacken kann, um so neue Areale zu öffnen.

Ebenfalls neu dabei sind Grasbüschel, die ihr via A-Knopf aus dem Boden zieht. So erhaltet ihr Münzen, Items oder eine der aus Super Mario Bros. 2 bekannten Rüben. Rüben kann Captain Toad werfen, um damit beispielsweise Gegner auszuschalten. Oftmals sind dies Shy Guys, Gumbas oder Piranha-Pflanzen, doch auch viele andere Widersacher aus dem Mario-Universum finden ihren Platz in Captain Toads Abenteuer.

Man mag Captain Toad: Treasure Tracker zunächst für ein Puzzle-Spiel halten, doch der Schein trügt. Der Titel ist zu genau so großen Teilen ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem der Weg das Ziel ist. Hierzu sind in fast jedem Level Schalter in allen Formen und Farben platziert. Mit ihnen rotiert, zieht oder aktiviert man verschiedene Mechanismen, um so jeden Winkel des Levels zu erreichen. Die einzelnen Levels verstehen sich also nicht als Puzzle, sondern ähneln eher einem Uhrwerk. Der Spieler muss verstehen, wie das Uhrwerk funktioniert, welche Schalter wann zu betätigen sind und an welchen Stellen Timing gefragt ist, damit es am Ende Zwölf schlägt und der Power-Stern erreicht werden kann.

Dieser Ansatz ist übrigens nicht so ernüchternd, wie er vielleicht klingt. Sich ein auf den ersten Blick undurchsichtiges Level Stück für Stück zu erarbeiten, ist mindestens genauso spaßig wie die Lösung eines Puzzles, auch wenn dabei weniger Grips benötigt wird. In Sachen Schwierigkeitsgrad siedelt sich Captain Toad: Treasure Tracker klar in den unteren Regionen des Spektrums an. Die ersten fordernden Levels finden sich erst in der dritten Episode des Spiels.

Auch bei der audiovisuellen Präsentation hat Nintendo seine Bestände geplündert. Viele Soundeffekte und Musikstücke kennt man bereits aus Super Mario 3D World und viele Levels sehen wirklich so aus, als hätte man eine Spielwelt des Klempner-Abenteuers auf Würfelform geschrumpft. Das ist aber keinesfalls negativ aufzufassen, denn in den meisten Fällen sind die Levels so mit Details vollgestopft, dass alles sehr lebendig wirkt. In der Version für Nintendo Switch sieht das Ganze sogar noch einen Ticken besser aus, sodass unser Captain auch stets flüssig über den Bildschirm schlendern kann. Dazu gesellen sich auch genügend neue Ausgestaltungen, beispielsweise ein leicht orientalisches Setting.

Noch mehr zu tun für Captain Toad

Glücklicherweise haben sich die Entwickler nicht nur auf den Lorbeeren Super von Mario 3D World ausgeruht, sondern auch neue Aspekte in das Spiel eingebaut. Besonders hervorzuheben sind da die Lorenfahrt-Levels. Während der Fahrt im Bergwerkwagen nutzt ihr die Bewegungssteuerung der Switch, um euch in vollen 360 Grad umzusehen und mit Rüben um euch zu werfen. Das lockert den Spielablauf ungemein auf und weckt sogar ein paar Erinnerungen an das gute alte Superscope aus SNES-Zeiten.

Neben den Lorenfahrten muss hin und wieder auch ein Bosskampf bestritten werden. Diese sind super inszeniert, werden aber leider oft recycled. Ebenfalls toll ist die Verwendung der Touch-Blöcke, die sich - sofern ihr im Handheld-Modus spielt - auch über ein Antippen des Switch-Touchscreens in unterschiedliche Stellungen bringen lassen. Spielt ihr am TV, geschieht das etwas umständlicher durch einen Pointer. Bei allen Facetten bleibt das Spielprinzip im Kern aber immer gleich. Der Spieleinstieg ist einfach und nach einiger Übung flitzt man recht flott durch die Levels. Manche sind locker in unter 90 Sekunden zu absolvieren. Damit hier für den Spieler mehr zu tun ist, befinden sich in jedem Level drei Super-Diamanten, die oft auf Umwegen eingesammelt werden müssen. Sie sind nicht nur essentiell für einen komplettierten Speicherstand, sondern werden teilweise auch benötigt, um weitere Levels freizuschalten. Wer Zutritt zu den letzten Levels des Spiels erlangen möchte, ist daher gezwungen, recht gewissenhaft auf Diamantenjagd zu gehen.

Zusätzlich zu den Super-Diamanten wird pro Level eine Zusatzaufgabe gestellt. Nur wenn diese Aufgabe erfüllt wird, gilt ein Level als komplett abgeschlossen. Ärgerlicherweise wird die genaue Aufgabe erst aufgedeckt, wenn das Level bereits absolviert wurde. Entweder löst man diese Aufgabe also durch Zufall, oder man ist gezwungen, ein Level mehrmals zu spielen. Und wer es dann wirklich komplett machen will, der kann auch noch die sehr sportliche Aufgabe ins Auge fassen, die Bestzeit eines jeden Levels des Hauptspiels zu unterbieten oder sich auf die Suche nach einem versteckten Pixel im Level zu machen. Wer alle Winkel von Captain Toad: Treasure Tracker entdecken will - und dazu gehört auch so manches freischaltbare Bonus-Level - ist locker mehr als 10 Stunden mit dem Titel beschäftigt.

Ein wenig enttäuschend fallen jedoch die inhaltlichen Zusätze der Switch- bzw. 3DS-Version aus. Prinzipiell dürft ihr euch auf einige gänzlich neue Stages freuen, die auf den verschiedenen Ländern aus Super Mario Odyssey beruhen. Diese sind einerseits sehr liebevoll und kreativ gestaltet, jedoch andererseits auch sehr schnell gelöst: Es gibt lediglich vier neue Levels, die euch nach New Donk City, ins Wüstenland, ins Schlemmerland sowie ins Kaskadenland führen. Zudem ist es etwas fragwürdig, dass die neuen Level das ursprüngliche Wii-U-Gesamtpaket im Grunde überhaupt nicht erweitern. Die Odyssey-Level ersetzen lediglich vier andere Bonuslevel, die in der Originalfassung zu finden sind und auf Super Mario 3D World basieren. Wer also wirklich alle Level spielen will, müsste somit streng genommen sowohl die Wii-U- als auch die Switch- bzw. 3DS-Fassung besitzen. Eine ziemlich komische Entscheidung von Nintendo. Übrigens: Besitzt ihr mindestens einen amiibo aus der Reihe von Super Mario Odyssey, könnt ihr die neuen Extra-Level auch sofort freischalten. Andernfalls trefft ihr erst in den letzten Zügen des Spiels auf die neuen Level.

Darüber hinaus können sich Freunde und Familie nun auch gemeinsam ins Abenteuer stürzen, indem sie sich ein Joy-Con-Paar teilen. Ein Spieler steuert dabei Captain Toad, während der andere aushilft, indem er beispielsweise Rüben auf Hindernisse feuert, Gegner behindert oder Blöcke verschiebt. Zudem gibt es im Spiel nun insgesamt drei Zoomstufen, die via X-Knopf ausgewählt werden können. Abseits davon erhaltet ihr jedoch das absolut identische Abenteuer wie auf der Wii U. Das gilt auch für Käufer der 3DS-Version von Captain Toad: Treasure Tracker, die ebenfalls das gleiche Spielerlebnis spendiert bekommen; die 3DS-Version ist inhaltlich absolut identisch mit der Switch-Version. Einbußen müsst ihr lediglich bei der Optik machen, die natürlich bei Weitem nicht so gut wie auf Nintendos Hybridkonsole aussieht. Dafür dürft ihr euch auf dem Handheld aber auf einen äußerst gelungenen 3D-Modus freuen.

Fazit:

Captain Toad: Treasure Tracker ist immernoch ein toller Genremix aus Puzzle- und Geschicklichkeitsspiel, das insbesondere auf Grund der vielfältigen Inszenierung nie langweilig wird. Etwas vermisst habe ich jedoch ein paar wirklich große und besonders fordernde Levels, die auch nicht in den Switch-Zusatzlevels vorhanden sind. Außerdem ist der Recycling-Grad der verschiedenen Spielelemente teilweise etwas zu groß. Insbesondere bei den Bosskämpfen hätte ich mir ein wenig mehr Abwechslung gewünscht und auch ein paar mehr wirklich neuartige Elemente wie beispielsweise die Lorenfahrt-Level hätten dem Spiel gut zu Gesicht gestanden. So hatte ich leider ein wenig zu oft das Gefühl, nur eine alternative Fassung von Super Mario 3D World im Miniaturformat zu spielen, bei der die Hauptfigur nicht springen kann. Das verhindert zwar eine wirklich hohe Wertung, ist aber gleichzeitig auch Meckern auf hohem Niveau. Der Titel ist in jeder Ecke glattgeschliffen, poliert und ein Paradebeispiel für Nintendos Qualitätsstandards. Und der clevere Mix aus Puzzle und Geschicklichkeit innerhalb der sorgsam konstruierten Level gefällt mir persönlich besser als das für Solisten oft zu simple Super Mario 3D World. Fans des Genres dürfen also bedenkenlos zugreifen und auf Schatzsuche gehen.

Zweite Meinung von Kamil Witecy:

Ich muss gestehen, dass ich Captain Toad auf der Wii U ausgelassen habe und nun auf der Switch zum ersten Mal überhaupt gespielt habe. Und was soll ich sagen: Ich wurde angenehm überrascht. Das Spiel sieht nicht nur unglaublich charmant und glattgeschliffen aus, es macht obendrein auch noch eine Menge Spaß. Dabei eignet sich der Titel hervorragend als abendliche Unterhaltung nach der Arbeit: Es gibt wohl kaum etwas Entspannenderes als die würfelförmigen Levels in aller Ruhe um ihre Achse zu drehen, bis man auch die letzten Geheimnisse, Edelsteine und Schalter entdeckt hat. 

Zwar kann das Puzzle-Abenteuer bereits recht schnell durchgespielt, doch in jedem einzelnen Level steckt unheimlich viel Abwechslung und Liebe zum Detail: Neben den einsteigerfreundlich platzierten Klunkern gibt es auch jede Menge Goldmünzen, versteckte Pilze und andere Geheimnisse zu entdecken, die die Spielzeit erhöhen. Die insgesamt vier neuen Level mit Bezug zu Super Mario Odyssey sind eine gelungene (wenn auch nicht sonderlich lange) Ergänzung, während der neue Koop-Modus zwar ganz nett, jedoch insbesondere für unerfahrene Spieler geeignet ist. Zu kritisieren ist neben dem nicht allzu großen Umfang jedoch Nintendos zweifelhafte Entscheidung, die neuen Abschnitte anstelle der vier Mario-3D-World-Level anzubieten; diese sind somit exklusiv in der Wii-U-Fassung. Dennoch gilt: Wer Captain Toad Treasure Tracker bisher noch nicht gespielt hat, bekommt ein gelungenes Gesamtpaket und kann bedenkenlos zugreifen. Nur aufgrund der exklusiven Switch-Level erneut zuzuschlagen, lohnt hingegen wohl weniger.

Wertung:

8.0

Lars Peterke meint:

"Toller Genremix aus Puzzle- und Geschicklichkeitsspiel, das aufgrund der vielfältigen Inszenierung nie langweilig wird."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Sehr gut

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4 Kommentare:


Tobsen
vor 2 Monaten | 0
Jetzt haben wir sie auch langsam mal alle durch dann. Jetzt bitte noch Xeno X und dann ein paar neue Spiele allmählich^^'.

McClane
vor 2 Monaten | 0
Bitte mehr Portierungen! Davon kann man schlichtweg nicht genug bekommen.

TomParis
vor 2 Monaten | 0
Jaaaa, Super Mario Bros SwUtch fehlt noch und Paper-Mario-Color-Splash reloaded.
Wäre dann auch im Team #was neues bitte

Farbi11
vor 2 Monaten | 0
Wie bei Donkey Kong also keine Anreize für Wii U Kunden, noch einmal zuzuschlagen.