Test: Shantae: Risky’s Revenge Director’s Cut

Von Michael Prammer am 12. April 2016

Im vergangenen Jahr erschienen viele Spiele für den eShop von Nintendos Heimkonsole Wii U, dabei erlebte vor allem das Genre der Jump’n’Runs eine regelrechte Flut. Ausgerechnet in diesem gut bestückten Segment kristallisierte sich unser Download-Titel des Jahres 2015 heraus. Die Rede ist von Shantae and the Pirate’s Curse aus dem Hause Way Forward. Ein Nachfolger ist bereits via Kickstarter erfolgreich finanziert worden, lässt jedoch noch auf sich warten. Etwas überraschender ist angesichts des Sequels die Neuauflage des Vorgängers mit dem Namen Risky’s Revenge. Dieser wurde kurzerhand für Wii U umgesetzt und soll wohl so die Wartezeit auf das nächste Abenteuer verkürzen. Ob auch der zweite Ausflug von Shantae auf Wii U ein voller Erfolg wurde, erzählen wir euch in diesem Test.

Risky macht Ärger

Wer Pirate’s Curse gespielt hat, könnte etwas verwirrt sein, wenn er diesen Titel startet. Risky Boots ist nämlich plötzlich nicht mehr die nette Piratin von nebenan, sondern die erbitterte Widersacherin unserer Bauchtänzerin. Das liegt daran, dass die Neuauflage des DSi-Klassikers der Vorgänger von Pirate’s Curse ist und sich somit in der Geschichte bereits viele Dinge verändert haben. Schatzjäger Onkel Mimic findet eine mysteriöse Lampe, vor der er sich selbst zu fürchten scheint. Ehe er diese bei einer bevorstehenden Auktion wieder verschwinden lassen kann, taucht Risky auf und entwendet das Fundstück kurzerhand. Schnell wird klar, dass dieser Umstand eine Menge Ärger bedeutet. Shantae hat nun die Aufgabe die Verfolgung aufzunehmen und das gute Stück wieder nach Hause zu bringen.
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Wer schon einmal einen Titel der Serie gespielt hat, wird sich sofort heimisch fühlen. Fast schon zu heimisch möchte man sagen, denn vieles erinnert an Pirate’s Curse. Man startet in Scuttle Town und bricht von dort in die verschiedenen Regionen auf. Kürbisfelder, Wüste und ein düsterer Wald dürften dem Spieler des ersten Wii U-Ausfluges bereits bekannt vorkommen. Das darf man dem Remake aber keineswegs als Kritikpunkt anrechnen, denn immerhin stammt das Original aus dem Jahr 2011 und hat einige Jährchen mehr auf dem Buckel, als das Piratenabenteuer aus dem Jahr 2015.

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Alles neu im Remake?

Auch das Spielprinzip leuchtet sofort ein. Es handelt sich um einen klassischen 2D-Sidescroller. Die mächtige Waffe ist wieder einmal die lila Haarpracht der Protagonistin. Später kommen weitere Eigenschaften hinzu, die das Abenteuer im weiteren Verlauf der Geschichte erleichtern. So müsst ihr verschiedenste Gegner aus dem Weg räumen, Sprungpassagen meistern und Rätsel lösen. Shantae kann sich außerdem via Bauchtanz in verschiedene Tiere verwandeln, die euch im Abenteuer weiterhelfen. Aber gerade die Gegner können in diesem Teil ziemlich nerven. Nicht weil sie besonders fies oder hartnäckig sind, sondern weil sie teilweise sehr unglücklich spawnen. Entledigt man sich nämlich eines Gegners und verlässt den Bildabschnitt, kehrt dieser bereits nach kurzer Zeit wieder zurück. Das hat teilweise einen unangenehm überraschenden Effekt und führt auch hin und wieder zum virtuellen Tod der Heldin.
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Durch den Beinamen Director’s Cut gibt es natürlicherweise im Vergleich zum Original einige Veränderungen. Doch reichen diese aus, um gegebenenfalls den Titel noch einmal zu kaufen? Da wäre ein Warpsystem, welches die Reise auf der Oberwelt etwas erleichtert. Außerdem gibt es einen freispielbaren Modus, der unsere Heldin in ein sexy Wüstenkostüm zwängt und neue Eigenschaften parat hält. Zu guter Letzt lässt sich der Bildschirmmodus in verschiedene Größen anpassen. Leider fehlen einige Dinge, die wir uns bei einem Wii U-Port gewünscht hätten. Eine Karte auf dem GamePad zum Beispiel wäre von Vorteil gewesen. So muss man immer wieder umständlich ins Menü schalten, um die Orientierung zu behalten. Letztenendes reichen diese wenigen Neuerungen fast nicht aus, um einen Besitzer des Originals zum nochmaligen Kauf zu überzeugen.

Shantae will auch bei ihrem zweiten Wii U-Auftritt mit Retro-Charme verzaubern. Statt hochauflösender Grafiken setzt man bewusst auf pixelige 16Bit-Optik. Das hat in Pirate’s Curse schon funktioniert und klapp auch hier ohne Probleme. Ob man diesen Stil mag oder nicht, entscheidet dann der eigene Geschmack. Der Sound ist hingegen ohne Zweifel grandios. Die orientalischen Musikstücke passen einfach wunderbar zum Stil des Spiels. Die Steuerung bietet hier ein weiteres Highlight; sie klappt einfach tadellos und könnte für ein Jump’n’Run genauer fast nicht sein. Wie auch schon die anderen Titel der Serie ist Shantaes Abenteuer nichts für Weicheier. Das Spiel ist knackig und fordernd, wird dabei aber fast nie unfair. Lediglich die Gegner-Respawns können das Erlebnis etwas trüben und erschweren das Spiel künstlich.

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FAZIT:

Shantae: Risky’s Revenge Director’s Cut ist genau wie der erste Wii U-Ausflug der Bauchtänzerin ein toller Vertreter des Jump’n’Run-Genres. Tolle Präsentation verschmilzt mit einer präzisen Steuerung zu einem gelungenem Titel. So ganz an Pirate’s Curse kommt der Titel allerdings nicht ran. Daran sind kleinere Fehler Schuld, wie zum Beispiel die unglücklichen Respawns der Gegner. Außerdem hat man das Gefühl, alles irgendwie schon einmal erlebt zu haben. Wer noch nie ein Spiel der Serie gespielt hat und auf knackige Hüpfspiele steht, wird absolut glücklich. Besitzer des Originals bekommen allerdings zu wenig Neuerungen, die einen erneuten Kauf wirklich rechtfertigen.

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Shantae überzeugt ein weiteres Mal mit ihrem Charme. Mit ihrem Piratenausflug kann das Abenteuer leider nicht mithalten."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Sehr gut

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