Pokémon: Let's Go - Das denkt die Redaktion

Von Die Redaktion am 30. Mai 2018

Nur was für Casual-Gamer oder auch für langjährige Fans? Das meinen die einzelnen Redakteure zur heutigen Ankündigung.

In der vergangenen Nacht haben The Pokémon Company und Nintendo im Rahmen einer großen Pressekonferenz in Japan einige Neuheiten zu Nintendos beliebten Taschenmonstern mit seinen Fans geteilt. Die wohl größte Ankündigung (trotz diverser Leaks im Vorfeld): Pokémon: Let's Go, Pikachu! und Pokémon: Let's Go, Evoli! erscheinen zeitgleich mit einem Pokéball-Controller weltweit am 16. November 2018. Wir haben die Ankündigung in der Redaktion besprochen und teilen euch unsere Meinungen mit.

Michi meint:
Core-Spieler dürften zunächst enttäuscht sein!

Auf den ersten Blick erscheint das neue Pokémon für Nintendo Switch wie eine stationäre Pokémon-Go-Variante. Ein Spiel, das den Casual-Smart-Device-Spieler, der das kleine Handy-Game lange Zeit gesuchtet hat, zu einem Nintendo-Switch-Kauf verleiten soll. Die Entwickler bedienen sich immerhin einer recht ähnlichen Spielmechanik und lassen beide Versionen miteinander „kommunizieren“. Die große Frage für mich ist jedoch: Wird Nintendo damit auch Erfolg haben oder ist der Pokémon-Go-Hype mittlerweile zu sehr abgeflacht?

Core-Spieler dürften jedoch zunächst enttäuscht sein. Ein Online-Modus, der aus meiner Sicht zwingend erforderlich wäre, wurde nicht angekündigt. Stattdessen lediglich ein lokaler Multiplayer, der zwar ganz nett werden könnte, jedoch auf den ersten Blick nur halbgar wirkt. Auch Zufallskämpfe wird es nicht geben, sodass man mit seinem Charakter wohl einfach nur umherstreift und mit Wurfbewegungen kleine Taschenmonster einsammelt. Zumindest sieht es nach aktuellem Stand stark danach aus. Einzig die Tatsache, dass es sich wohl indirekt um eine Neuauflage von Pokémon: Gelbe Edition handelt, wird den ein oder anderen sicherlich neugierig machen. Wie man es aber auch dreht und wendet: die beiden neuen Switch-Pokémon-Spiele richten sich meiner Meinung nach klar an die Gelegenheitsspieler, die dank Pokémon Go zum ersten Mal mit der Serie konfrontiert wurden. Man darf gespannt sein, ob Nintendo noch das ein oder andere Ass im Ärmel hat, um den Titel auch an die Vielspieler zu richten.

Kamil meint:
Das Videospielangebot der Pokémon-Reihe wird sinnvoll erweitert.

Aufgrund der zahlreichen Leaks im Vorfeld konnte der interessierte Videospieler längst erahnen, in welche Richtung ein Spiel namens Pokémon: Let's Go, Pikachu! gehen würde. Und genauso ist es nun auch gekommen: Nintendo und Gamefreak erweitern mit diesen Titel das Videospielangebot der Pokémon-Reihe, um Fans mit unterschiedlicher Spielerfahrung gerecht zu werden. So besteht kein Zweifel daran, dass die beiden Titel insbesondere für Spieler entwickelt wurden, die abseits der beliebten Smartphone-App zum ersten Mal in die Welt der Pokémon-Videospiele aufbrechen. Rein wirtschaftlich betrachtet die absolut logische Entscheidung.

Heißt das damit aber automatisch, dass Spieler die alle bisherigen Pokémon-Spiele gespielt haben mit den ersten Spielen für Nintendo Switch keinen Spaß haben können? Das denke ich nun nicht unbedingt. Natürlich erscheint das Gameplay auf den ersten Blick reduziert, weil es die klassischen Kämpfe wohl nur noch bei den Trainer-Duellen und nicht mehr beim Fangen der Pokémon selbst geben wird. Allerdings erscheint mir die Rückkehr nach Kanto dennoch reizvoll, eben weil es eine Kombination aus einem ganz neuen Pokémon-Erlebnis und dem Wiedersehen mit den ersten 151 Pokémon ist, die man aus den frühen Kindheitstagen noch immer auswendig kann. Auch die Möglichkeit eines kooperativen Multiplayers und die charmante Optik, die stark an die TV-Serie erinnert, wissen durchaus zu gefallen. Versteht mich nicht falsch: Natürlich freue ich mich auf das neue Hauptreihen-Pokémon im Jahr 2019 mehr. Aber dennoch sehe ich keinen Grund, warum man diesem neuen Pokémon-Erlebnis von vornherein keine Chance geben sollte, nur weil es anders ist. Ich für meinen Teil bin gespannt auf weitere Informationen zum Titel.

Nico meint: 
Gamefreak macht alles richtig, führt neue Fans an die Hauptreihe heran und gewinnt für diese mehr Entwicklungszeit.

Für mich persönlich hätte es kaum besser laufen können: Ich wollte neue Hauptspiele frühestens 2019 - ich bekomme neue Hauptspiele 2019. Mit den beiden Let's-Go-Titeln kann Gamefreak die Technik der Nintendo Switch kennenlernen und so eventuelle Schwierigkeiten bei der Entwicklung der 8. Generation umgehen. So wird beispielsweise das im aktuellen Trailer noch starke Kantenflimmern bei den Hauptspielen eventuell abgestellt. In Sachen Gameplay könnten die Spiele rund um Pikachu und Evoli zu den stärksten Spin-Off-Titeln des Franchises werden - auch wenn die Pokémon Company den Begriff Spin-Off vermeiden will, sind sie doch durch die Verbindung mit Pokémon GO genau das. Die abgeschafften Zufallskämpfe und herumlaufende wilde Pokémon dürften einerseits aus dem Konzept von Pokémon GO abgeleitet worden sein, andererseits aber auch als Nebenprodukt der Entwicklung der nächsten Hauptspiele gelten, in denen es höchstwahrscheinlich auch so zugehen wird. Der lokale Mehrspielermodus ist nebenbei sicher eine ausreichende Kompensation für fehlende Online-Modi.

Da die beiden Titel ganz klar als Casual-Variante platziert werden und sie offensichtlich keine Ressourcen von der 8. Generation abgraben, können auch langjährige „Core“-Fans kaum Kritik ausüben. Marketingtechnisch ist die ganze Sache ohnehin ein gelungener Coup. Die immer noch riesige Anzahl der Pokémon-GO-Spieler wurde direkt auf diese Fusion aus Hauptspiel und GO hingewiesen und den ersten Reaktionen nach zu urteilen steht eine neue Welle an Switch-Käufen unmittelbar bevor. Hier ist es natürlich kein Zufall, dass es nach Kanto geht und nur die ersten 151 Taschenmonster im Spiel zu finden sein werden (wie beim Launch von Pokémon GO). Auch das Drumherum stimmt: Schon der Pokéwalker, der damals HeartGold und SoulSilver beigelegt war, kam super bei den Kunden an. Somit dürfte auch der optionale Pokéball-Controller seine Fans finden, zumal dessen Verarbeitung zumindest im Trailer hochwertig erscheint.

Lars meint: 
Gut so - Nintendo schlägt den letzten Sargnagel in den Nintendo 3DS!

Die wichtigste Ankündigung ging im Schatten vom Pokémon: Let's Go fast unter: 2019 erscheint der nächste Ableger der klassischen Pokémon RPG-Reihe. Für Nintendo Switch. Damit schlägt Nintendo nach einigem Hin und her endlich den letzten Sargnagel in den Nintendo 3DS. Nun wird die Switch also zur Pokémon-Konsole. Denn die heutigen Ankündigungen bedeuten, dass die Switch nicht bloß ein, sondern gleich zwei größere Pokémon-Titel bekommt. 

Dass man vor dem Release der großen neuen Editionen nun ein Remake der gelben Edition mit Integration von Pokémon GO veröffentlicht, macht durchaus Sinn. Der Titel bietet gerade genug Komplexität um Neulinge von Pokémon GO mit einem attraktiven Spiel auf die Nintendo Switch zu locken und für das kommende „Profi-Pokémon“ bereit zu machen, ohne sie dabei jedoch zu überfordern. Damit setzt Nintendo nun mit voller Kraft den hintergründigen Plan seiner Smartphone-Offensive in die Tat um. Businessmäßig ist das extrem clever, aus Kundensicht fühle mich nicht unnötig verprellt. Denn das Spiel sieht unglaublich knuffig und ansprechend aus, sodass selbst ich als Pokémon-Veteran direkt wieder Lust auf einen Ausflug nach Kanto bekomme. Dabei ist der Couch Co-Op ein cooles neues Feature und ich bin gespannt, wie sehr Nintendo das Potential dieses Multiplayer-Ansatzes ausreizen wird. Also let's go, Pikachu! Ich wäre soweit!

Deniz meint:
Ein Spiel für Neulinge und Profis zugleich?

Pokémon GO konnte mich genau einen Tag bei der Stange halten, dann hatte ich keine Lust mehr. Warum lauter Pokémon fangen, wenn ich damit nichts anfangen kann? Allerdings sind viele vor allem jüngere Spieler, die mit GO in die Pokémon-Welt eingestiegen sind, genau das gewohnt und weder Nintendo noch die Pokémon Company sind bekannt dafür, ihre Zielgruppe in irgendeiner Weise zu überfordern. So haben sie die perfekte Strategie ausgearbeitet: Das Gameplay des Smartphonespielchens wird beibehalten und um ein paar Trainerkämpfe erweitert. Pokémon-Veteranen, die sich nach dem „richtigen“ neuen Hauptteil sehnen, können sich die Wartezeit mit einem kleinen Urlaub in der bisher schönsten Version von Kanto verkürzen (und haben einen Grund mehr, sich dieses Jahr noch eine Switch zu kaufen, wenn sie es bisher noch nicht getan haben). Ende 2019, wenn es dann so weit ist, sind alle nötigen Vorbereitungen für eine der erfolgreichsten Pokémon-Generationen abgeschlossen – neue Fans wurden durch Let’s Go herangezüchtet und geschult, alteingesessene Fans wurden mit Nostalgie gelockt und bei der Stange gehalten.

Ich hoffe aber sehr, dass man nicht einfach nur die gelbe Edition nachspielen und dabei die Fangmechanik von GO verwenden wird – ein paar Neuigkeiten und Extras müssten für mich schon noch dazukommen, um mich vollends zu überzeugen. Der lokale Multiplayer ist ein Beispiel für eine coole Neuerung. Veteranen dürften am ehesten mit einem umfangreichen und herausfordernden Postgame zufrieden gestellt werden, wenn ihnen schon der Onlinemodus verwehrt bleibt.

Stefan meint:
Sehr schön! Nun mit noch mehr Geräten mit Freunden unterwegs sein.

Natürlich beäugelte man es mit Skepsis, als der Name „Pokémon: Let's Go“ im Internet kursierte. Wird der nächste Pokémon-Titel erst mal wieder nur ein Füller? Ist es ein Metroid: Federation Force, dessen Signifikanz für den eingefleischten Fan mehr einer Beleidigung gleicht? Fast schon ohne Zweifel kam es nun zur Ankündigung dieser Pokémon-Titel und die Erwartungen waren niedrig. Aber als Pokémon-Enthusiast, der auch Pokémon GO gerne gespielt hat, bin ich tatsächlich entzückt und interessiert. Allerdings: Zu dieser Meinung kam ich erst nachdem klar war, dass es sich hierbei nicht um den Hauptableger handelt, der uns nun schon seit einiger Zeit wässrige Münder bereitet.

Es ist völlig klar, dass Nintendo sich hauptsächlich den Markt abholen möchte, den sie sich über die Smartphone-Nische aufgebaut haben. Wenn auch nur ein Bruchteil der Pokémon-GO-Zocker, die bisher ihr Leben ohne heimische Nintendo-Konsole verbracht haben, sich nun auch auf die Nintendo Switch stürzen, dürfte dies zu immensen Profiten führen. Obwohl einige Spielereien wie die Motion-Controls, der Pokémon-Ball oder auch die Multiplayer-Optionen mich jetzt nicht wirklich zum Kauf locken, finde ich es einfach schön, die Pokémon-GO-Erfahrung nun auch mit einem komplexeren Videospiel zu verknüpfen. Man nehme sich mal wieder ein, zwei Kollegen zur Hand, macht einen Spaziergang und daddelt dann gemütlich an einem schönen Spot in der Natur oder daheim weiter und genießt die Beute, die man sich am Smartphone verdient hat und vice versa. Pokémon war vom Design her schon immer sozial, schön wenn wir dies auf neuen Wegen auch heute ausreizen können!

Nintendo hat also einige Wochen vor der E3 durchaus überrascht und mit den heutigen Ankündigungen zur Pokémon-Franchise einige Dinge vorweggenommen, mit denen man locker eine halbe E3-Show füllen könnte. Gut so! Denn somit bleibt natürlich mehr Platz für andere Spiele - man darf nämlich jetzt davon ausgehen, dass diese Pokémon-Titel in Los Angeles abseits des Nintendo Treehouse kaum Erwähnung finden werden. Ob die beiden Switch-Titel im November das Weihnachtsgeschäft für Nintendo jedoch stemmen können, oder Nintendo noch einen weiteren Hit für das Weihnachtsgeschäft im Köcher hat, muss sich hingegen noch zeigen. Die E3 wird weiter spannend!

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2 Kommentare:


Nintendofan
vor 2 Jahren | 0
Bin gespannt, wie die Kämpfe und das Leveln der eigenen Pokémon gehandhabt werden. Denn bisher konnte man ja auch beim Kampf gegen wilde Pokémon gut aufleveln, das scheint hier wegzufallen. Also kann man den wilden Pokémon auch gleich aus dem Weg gehen, sobald man ed schon gegangen hat. Kämpfe gegen Trainer gibt es aber offenbar (zum Glück) noch. Daher rechne ich auch mit Arenen, Top 4 etc.

Chrissi
vor 2 Jahren | 0
Vielleicht wird das Aufleveln ähnlich wie in PoGo sein. Da bekommt man für das Fangen Pokemonspezifische Bonbons und durch das Füttern damit steigt der Level der Pokemon. Dann sollte man auch keinen wilden Pokemon aus dem Weg gehen.