Test: Hyrule Warriors: Definitive Edition

Von Andreas Held am 22. Mai 2018

Das Zelda-Spinoff kommt für Nintendo Switch zurück - mit überraschend vielen Änderungen im Vergleich zur 3DS-Version.

Hyrule Warriors erschien vor knapp vier Jahren für Wii U und wurde von Omega Force entwickelt, die vor allem für die Musou-Serie (im Westen u.a. Dynasty Warriors und Samurai Warriors) bekannt sind. Das Spin-Off vereinte das Hack-and-Slash-Gameplay der Musou-Serie mit Charakteren, Gegnern, Items und Spielmechaniken aus dem Zelda-Universum und war insgesamt der vielleicht beste Ableger der gesamten Warriors-Produktlinie. Die vergleichsweise abwechslungsreichen Kämpfe gegen große Gegner und riesige Endbosse sowie ein sehr umfangreicher und fordernder Abenteuer-Modus machten das Crossover vor allem für Vielspieler und Langzeit-Fans der beiden Serien interessant. Hyrule Warriors wurde durch einen umfangreichen Season Pass und weitere DLCs erweitert: Kostenlos für alle Käufer wurden die drei Antagonisten Cia, Volga und Wizzro spielbar gemacht, gegen einen Aufpreis gab es ganze drei neue Adventure-Karten.

Hyrule Warriors Legends

Anfang 2016 erschien Hyrule Warriors Legends für den 3DS. Die 3DS-Adaption war deutlich mehr als nur ein einfacher Port: Der Story-Modus wurde um das schon für Wii U erhältliche Kapitel mit Hauptfigur Cia erweitert, dazu gab es weitere Schlachten mit der neuen Figur Linkle und ein Add-On-Kapitel, das an The Wind Waker angelehnt ist - komplett mit neuen Charakteren, neuen Endbossen und neuen Schlachtfeldern. Allein der Umfang des Story-Modus wurde durch diese Erweiterungen fast verdoppelt. Zusätzlich gab es zwei neue Adventure-Karten im Wind-Waker-Gewand; als Teil eines zweiten Season Passes erschienen weitere Maps für den Abenteuer-Modus, die an die Handheld-Zeldas Link's Awakening, Spirit Tracks und A Link Between Worlds angelehnt waren. Die Menge der spielbaren Charaktere wurde schließlich auf 29 erhöht - viele davon können aus mehreren Waffen wählen, die ihnen Zugang zu völlig unterschiedlichen Movesets verschaffen.

Die tiefgreifendste Veränderung im Handheld-Ableger war der My-Fairy-Modus. In einer Art Tamagochi-System durften Spieler auf den Adventure-Karten gefundene Feen füttern, deren Design verheerend an die italienische Animationsserie Mia and Me erinnert. Diese Feen wurden im Abenteuer-Modus zu ständigen Begleitern und, richtig trainiert, zu einer echten Übermacht: Lediglich eine volle Magieleiste war nötig, um eine Art Atombombe zu zünden, die in einem großen Radius um die Spielfigur nicht nur hunderte gegnerische Fußsoldaten, sondern auch die meisten Offiziere auf Knopfdruck dem Erdboden gleichmachte. Diese Änderung wirkte sich vor allem auf den in der Wii-U-Version doch sehr happigen Schwierigkeitsgrad des Adventure-Modus aus: Mit den nuklearen Explosionen ließen sich vor allem die Zeit- und K.O.-Vorgaben, die für das Erreichen eines A-Rangs erfüllt werden mussten, sehr leicht erreichen.

Hyrule Warriors: Definitive Edition

Nintendo bewirbt seine Definitive Edition damit, dass sie alle für die beiden Vorgängerversionen veröffentlichten Erweiterungen und DLC-Inhalte enthält. Als einzige offizielle Neuerung bringt das Spiel zwei neue aus Breath of the Wild entnommene Outfits für Link und Zelda mit. Tatsächlich enthält die Switch-Version aber noch einige weitere Veränderungen, die ein etwas zügigeres Durchspielen des Abenteuer-Modus ermöglichen. Durch neue Schadensformeln ist das Erreichen von A-Rängen in der Switch-Version noch etwas einfacher geworden, denn wir dürfen jetzt ungefähr doppelt so viele Treffer einstecken, bis uns der erlittene Schaden die Höchstwertung kostet. Außerdem können feindliche Basen jetzt viel schneller eingenommen werden und einer der in der Schmiede herstellbaren Orden, der es uns erlaubt auch blockenden Gegnern etwas Schaden zuzufügen, ist in dieser Version so mächtig dass die Gegner sogar noch zusätzlichen Schaden nehmen, wenn sie unsere Angriffe abblocken.

Eine noch tiefgreifendere Anpassung haben die Entwickler sehr gut versteckt: Mit der Plus-Taste können wir auf der Adventure-Karte einen neuen Shop aufrufen, in dem wir uns Kopien aller bisher erspielten Item-Karten für einen kleinen Obulus nachkaufen dürfen. Statt etliche Male die immer selben Levels zu spielen, um die erforderliche Anzahl an Kompassen, Kerzen und Bomben zu farmen, können wir diese Gegenstände jetzt also auf Knopfdruck nachbestellen. Damit ersparen uns die Entwickler sehr viel Grinding, senken aber auch die zum Abschließen jeder Adventure-Karte benötigte Spielzeit. Wer alle neun Maps zu 100% beenden möchte, wird trotzdem auf eine Zeitinvestition deutlich jenseits der 200 Stunden kommen - unter anderem auch deshalb, weil der Schwierigkeitsgrad der späteren Karten stellenweise immer noch recht happig werden kann.

Auch abseits dieser Eingriffe ins Balancing gibt es ein paar Detailänderungen zu beobachten. Die Feen im My-Fairy-Modus wurden für die Switch-Version offenbar noch einmal komplett neu gestaltet - sie sind nun hochauflösender, erinnern dafür aber noch mehr an eine billige Animationsserie für Kinder. Vor allem auf dem Ergebnisbildschirm wirken die neben den Charakterportraits schwebenden 3D-Gestalten, die aussehen wie ein Spielzeug aus einem Happy Meal für Mädchen, äußerst deplatziert. Midnas Sprach-Sample nach einem Weak Point Smash wurde in der 3DS-Version ausgetauscht - in der Definitive Edition haben wir nun wieder das Original zurück. Ebenfalls zurückgekehrt sind leider die Performance-Probleme der Wii-U-Version: Bei hohem Gegneraufkommen schaltet das Spiel in einen Zeitlupen-Modus. Dazu kommen kleinere und größere Grafikbugs in Form von Pop-Ups und seltenen "Lichtblitzen", die entstehen wenn sich großflächige Texturen ein paar Frames lang weiß färben.

Fazit:

Nintendo hat die Definitive Edition von Hyrule Warriors nicht großartig beworben. Umso überraschender ist es, dass die Switch-Version kein einfacher Port des 3DS-Ablegers ist, sondern einige Balancing-Änderungen beinhaltet, die vor allem auf einen zügigeren Spielfluss im Abenteuer-Modus abzielen. Diese Anpassungen waren angesichts des Umfangs der Switch-Portierung fast unumgänglich: Trotz des schnelleren Gameplay ist Hyrule Warriors: Definitive Edition für 100%-Spieler eines der umfangreichsten Spiele aller Zeiten. Ob sich das Spiel den Zusatz "Definitive Edition" wirklich verdient hat, müssen wir nach unserem Test aber leider anzweifeln. Der dritte Release vereint nämlich nicht nur alle Inhalte, sondern auch alle Schwachstellen der Vorgängerversionen auf einem Modul. Der umstrittene My-Fairy-Modus, der uns stilistisch unpassende und übermächtige Feen an die Hand gibt, ist genauso zurück wie die instabile Spielgeschwindigkeit der Wii-U-Version. Durch den gigantischen Umfang und die Möglichkeit, mit dem Pro Controller in HD-Auflösung zu spielen, ist Hyrule Warriors: Definitive Edition aber trotzdem ganz klar die beste der drei erhältlichen Versionen.

Wertung:

8.0

Andreas Held meint:

"Hyrule Warriors kommt mit einem gigantischen Umfang und gewohnt gutem Gameplay zurück. Technische Schwächen und ein gesenkter Schwierigkeitsgrad stellen den Zusatz 'Definitive Edition' aber leider in Frage."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Herausragend
Technik: Durchschnittlich

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3 Kommentare:


Denios
vor 1 Monat | 1
ich werde es mir auch noch ein drittes mal holen. habe es auf wiiu geliebt, die 3ds version war noch besser, aber technisch dafür doof... jetzt bekommt man alles^^ der niedrigere schwierigkeitsgrad ist für mich überhaupt kein problem, also ist es damit für mich auch die definitive edition ;)

GF0P
vor 1 Monat | 0
Ich habe es seit letztem Freitag hier liegen und bin eigentlich heiß drauf, habe es aber noch nicht mal aus der Folie genommen!
Auf der WiiU habe ich den Titel ausgelassen. Hatte auf einen Preisverfall gehofft und wurde dann überrascht, dass zeitweise sogar das Gegenteil der Fall war! Auf dem 3DS hat mich der Titel nicht gereizt. Also musste er JETZT her, aber ich habe keine Zeit! Hatte eigentlich auf einen schnellen "für mal eben zwischendurch"-Brawler gehofft, aber euer Test ließt sich da irgendwie anders.

Knusel
vor 4 Wochen | 0
Richtig geiles Spiel....

Ich hab's auch zum 3. Mal gekauft ...
Die Wii-u mochte ich nicht so gerne Ober besser gesagt das klobige Ding mit dem man gesteuert hatte ...

Auf dem 3ds wurde es mir in den späteren Missionen einfach zu ruckelig und unübersichtlich.... und die Steuerung nerfte ....

Auf der Switch ist aber das spielgefühl perfekt ...

Schade das es nicht mehr exklusive Inhalte gibt ...
Eine ganz neue map ...
Evtl. Ein neues Itim ein paar neue Alternative Waffen und ein neuer Kämpfer samt neuen Storry Strang währen klasse gewesen ....