Test: Super Chariot

Von Michael Prammer am 19. Mai 2018

Ein Koop-Platformer für die ganze Familie. Wir haben uns die Nintendo-Switch-Version genauer angesehen!

Das kanadische Entwicklerstudio Frima Originals war ein unbeschriebenes Blatt -  doch mit dem kleinen Indie-Hit "Chariot" sorgte es 2015 durchaus für Aufsehen am Videospielmarkt. Das kooperativ spielbare 2D-Action Adventure erschien neben der Wii U auch auf der Xbox One, der PS4 und dem PC. Nun erscheint unter dem Namen "Super Chariot" auch eine Version für Nintendo Switch.

Der König ist tot! Lang lebe der König!

Der Tod eines Königs ist für ein Königreich eine echte Katastrophe. Normalerweise wird dieser in ehrenvoller Würde beigesetzt und darf in die großen Hallen seiner Vorfahren aufsteigen. So weit die Tradition in vielen Märchen und Sagen. Bei Super Chariot ist das jedoch ein bisschen anders. Der König ist zwar über'm Jordan, jedoch will sein Geist das beste und eindrucksvollste Grab, das Menschen je gesehen haben. Seine Tochter und ihr Verlobter haben die Ehre ein solches Plätzchen für den ehemaligen Herrscher zu finden. Den Sarg packen die beiden auf einen Wagen und begeben sich in die königlichen Katakomben. Nicht nur, dass die trauernde Tochter ihren toten Vater durch die Unterwelt des Königreiches schieben muss, will der undankbare Monarch auch noch sämtliche Reichtümer, die auf dem Weg zu finden sind, um die Grabstätte prunkvoll zu gestalten. Ein ungewöhnliches wie auch aufregendes Abenteuer beginnt.


Das Spiel selbst ist ein 2D-Plattformer, das jedoch nicht auf traditionelle Sprungmechaniken setzt, sondern das physikalische Verständnis des Spielers beansprucht. Das grundlegende Spielprinzip ist recht simpel; ihr begebt euch vom Startpunkt einfach auf dem schnellsten Weg zum Ausgang und habt so das Level beendet. 

Das Problem ist jedoch der wuchtige Sarg auf Rädern, der immer dabei sein muss. Lässt man diesen unbeaufsichtigt oder entfernt sich zu weit, ist das Spiel beendet. Außerdem lassen sich Schätze nur mit dem Sarg aufsammeln. Der Spieler hat die Möglichkeit den Wagen zu schieben oder mit einem Seil zu ziehen. Da die Katakomben sehr verwinkelt sind, ergibt sich dadurch ein aufwändiger Rätselspaß. Denn der tote König ist nicht nur ein Hindernis, sondern kann auch eine Hilfe sein, um höher gelegene Plattformen zu erreichen. Der Sarg kann sich jedoch auch als außerordentlich widerspenstig erweisen. 

Da dieser den Gesetzen der Schwerkraft folgt, macht es nicht immer das, was der Spieler gerne hätte. Und so kommt es, dass manche Passagen oft probiert werden müssen, ehe ihr die richtige Methode für das Voranschreiten entdeckt. Dazu kommen verschiedene Untergründe, auf denen entweder Wagen oder Charakter sich bewegen können. Diese Kombination sorgt für zusätzliches Kopfzerbrechen und gestaltet Super Chariot als knackigen Zeitvertreib. Als würde das nicht ausreichen, kommen dann und wann Fledermäuse und stürzen sich auf die Reichtümer des Königs. Mit einem Schwert könnt ihr diese allerdings gekonnt abwehren.

Gemeinsam sind wir stark

Gespielt wird wahlweise alleine, wobei ihr hier grundsätzlich zwischen zwei Charakteren wählen dürft. Das macht jedoch leider nicht ganz so viel Spaß, da man wirklich oft vor Aufgaben steht, bei denen man sich eine helfende Hand wünscht. Der größte Spielspaß kommt deswegen erst im kooperativen Multiplayermodus auf. Denn hier wird der Sarg zu zweit bewegt und so müssen sich die Spieler an der Konsole absprechen, um erfolgreich den Levelausgang zu finden. 

Es ist übrigens nicht nur damit getan, von A nach B zu rennen, sondern es lassen sich auch abseits noch einige Geheimnisse entdecken. Das können verborgene Schätze sein, Totenköpfe als Sammelobjekte oder Baupläne, mit denen der Sarg „aufgemotzt“ werden kann. Dazu müsst ihr zudem auch Gold sammeln, um einen Händler zu bezahlen, der die Sargarbeiten für euch vornimmt.

Technisch präsentiert sich Super Chariot auch auf der Switch mehr als nur solide und weiß mit seiner schönen Comik-Grafik zu gefallen. Brillante Grafiken sollte man allerdings nicht erwarten. Auch die Musikuntermalung macht Spaß und unterstreicht das Spielgeschehen gekonnt. Die Steuerung funktionieret zudem zu jederzeit tadellos, egal ob ihr mit den Joy-Cons oder dem Pro Controller spielt.

Stellt sich zuletzt noch die Frage, warum der Titel auf der Switch noch den Beinamen "Super“ spendiert bekommen hat. Die Antwort darauf ist recht simpel: Das Spiel enthält auf der Switch bereits den DLC „Königliche-Zubehör-Paket“, der für einige Plattformen nachträglich ausgeliefert wurde. Wirklich super sind diese wenigen Zusatzinhalte jedoch nicht, sodass es sich für Kenner des Originals kaum lohnen wird, extra deswegen noch einmal einen Kauf zu tätigen. Neue Level gibt es nämlich nicht, sodass es weiterhin gilt den König durch die 25 bereits bekannten Abschnitte zu transportieren. Dafür dürft ihr nun auch mit dem skelettartigen Ladenbesitzer agieren und einige neue versteckte Baupläne erspielen, die euch wiederum eine Handvoll neuer (teils nützlicher) Items freischalten.

FAZIT:

Super Chariot ist immernoch ein tolles Spiel für Zwischendurch. Es bietet ein herrlich frisches Spielprinzip, das vor allem zu zweit sehr zu unterhalten weiß. Dank verschiedener Schätze und diversen Sammelobjekten dürfen die einzelnen Level auch mehrmals durchforstet werden. Für einen Preis von 19,99€ (im eShop) ist der Umfang durchaus gut, wenn auch die Switch-Version nur wenig Neuerungen erfahren hat. Alleine kommt jedoch leider nicht der volle Spielspaß auf und so liegt die Stärke von Chariot ganz klar im kooperativen Multiplayermodus. Jedoch bedarf es einer Menge Geduld und Nerven, da einige Passagen im Spiel relativ knackig sind. Vor allem Spieler, die es auf einen 100%-Durchlauf anlegen, werden oftmals an den Rand des Wahnsinns getrieben. Das alles soll aber nicht als abschreckend betrachtet werden, denn abseits davon bietet Super Chariot wirklich tolle Rätsel, eine schicke Präsentation und einen wirklich schönen Humor.

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Knackiger Rätselspaß, der vor allem zu zweit eine Menge Laune macht."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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1 Kommentare:


GF0P
vor 1 Monat | 0
Cool! Ich hatte von den Screenshots im eShop her irgendwie so ein 08/15 Handyport erwartet. Ich glaub das werde ich "uns" mal gönnen.