Test: South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe (Switch)

Von Mark Schäfer am 29. April 2018

Mit sechs Monaten Verspätung darf nun auch auf Switch South Park unsicher gemacht werden. Wie schlägt sich der Port?

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South Park: The Fractured But Whole ließ einige Zeit auf sich warten. Ursprünglich für das Weihnachtsgeschäft 2016 angesetzt, wurde der Titel recht kurzfristig verschoben und erschien schließlich fast ein ganzes Jahr später als geplant, jedoch vorerst nicht für Switch. Während eine Switch-Version noch vor einem Jahr sogar explizit ausgeschlossen worden ist, wurde der Port kurzfristig während der letzten Nintendo Direct Anfang März angekündigt.

Das nun erhältliche Spiel ist ein Produkt, dem man sofort anmerkt, dass es von Ubisoft stammt. In der Gestalt eines frei editierbaren Charakters erforschen wir die aus der Fernsehserie bekannte Stadt und lösen extrem einfache Aufgaben, um uns Zugang zu hunderten Collectibles zu verschaffen. Anstelle von Flaggen oder Schatzkisten sammeln wir in South Park Yaoi-Zeichnungen oder die umstrittenen Memberberries, schießen Selfies mit den Bewohnern und kacken jedes Klo voll, das wir finden können. Dieses Open-World-Füllmaterial hat wenig bis gar keinen spielerischen Anspruch und dient offensichtlich dazu, die ansonsten recht kurze Spielzeit ordentlich aufzublähen. Immerhin: Als Belohnung erhalten wir haufenweise Superhelden-Outfits, die zum Teil wirklich genial sind. The Fractured But Whole spielt nämlich zu dem Zeitpunkt, als Cartman die „Coon and Friends“ anführt und alle bekannten Kinder von South Park in mehr oder weniger skurrilen Kostümen ihr heldenhaftes Unwesen treiben. Dabei darf der mitunter derbe Humor der Serienvorlage natürlich nicht fehlen, und so wird z.B. der auf Krücken angewiesene, stark stotternde Jimmy - im Vorgänger noch ein singender Barde - nun zum Blitzfreak, der - ganz in Anlehnung an The Flash - unbeschreiblich schnell zu Fuß, oder in diesem Fall „zu Krücke“ ist und nebenbei das Schnellreisesystem der Stadt betreibt.

Zu Beginn der Story hat sich die Heldentruppe zerstritten und einige der Kids sind unter Mysterions Führung zu den Freedom Pals abgewandert. Beide verfolgen das gleiche Ziel: Die vermisste Katze Mr. Scrambles aufzutreiben, weil auf sie ein Finderlohn von 100 Dollar ausgesetzt ist. Beide Gruppen sind sich sicher: Wer dieses Startkapital für sich gewinnen kann, dem winkt eine blühende Zukunft mit diversen Kinofilmen und Netflix-Serien. Doch in South Park ist selten alles so unscheinbar, wie es sich zunächst präsentiert, und so kommen die Helden recht schnell einer Supermafia auf die Spur. Die Handlung reißt in The Fractured But Whole keine Bäume aus und lässt den knallharten, gesellschaftskritischen Humor aus der Serie weitgehend vermissen. Stattdessen geht es um Fürze, Alkohol, Drogen... und noch mehr Fürze. Trotzdem gibt es immer wieder Highlights, beispielsweise wenn Tweek und Craig bei Mr. Mackey eine extrem fragwürdige Paartherapie durchmachen.

South Park Tactics

Einer der zentralen Gameplay-Aspekte von The Fractured But Whole ist das neue Kampfsystem. Auf einem meist etwa 20 bis 30 Felder großen Schachbrett könnt ihr bis zu vier Mitstreiter frei bewegen, denen jeweils vier verschiedene Aktionen zur Verfügung stehen. Die Kämpfe gestalten sich zu Beginn recht simpel, doch auf der höchsten Stufe steigt der Schwierigkeitsgrad im Laufe des Spiels auf ein angenehm forderndes Niveau und die Fülle der taktischen Möglichkeiten entpuppt sich als überraschend groß. Ab diesem Punkt müsst ihr nicht nur größtmöglichen Schaden anrichten, sondern auch etwas vorausplanen und eure Charaktere geschickt positionieren. Durch kurze, Paper Mario-artige Quick-Time-Events könnt ihr euch weitere kleine Vorteile verschaffen. Viele Kämpfe bringen zudem eigene Regeln ins Spiel - in der ersten Story-Mission müssen wir uns beispielsweise einen langen Korridor entlangkämpfen, während ihr von einem extrem starken Gegner verfolgt werdet. Im Laufe des Spiels wächst eure Party immer weiter an und ihr erhaltet Zugriff auf die verschiedensten Superhelden und Klassen, die alle mit ihren eigenen, teils aberwitzigen Spezialangriffen ausgestattet sind.

Letztendlich ist das Lizenzspiel aber trotz des guten Kampfsystems, wenn man das Open-World-Füllmaterial hinzurechnet, spielerisch nur Mittelmaß. Das Hauptargument in Ubisofts Repertoire ist der exzessive Fanservice, der fast im Minutentakt auf irgendeinen Aspekt aus der Serie anspielt. Für Liebhaber ist es natürlich schon cool, einen Titel zu spielen, der den markanten Grafikstil der Serie originalgetreu umsetzt, und dabei mit fast allen bekannten Charakteren interagieren zu können. Die Entwickler haben die Spielwelt jedoch zusätzlich noch mit unzähligen Details vollgestopft, die volles Kapital aus der starken Lizenz schlagen. Auf der Suche nach Items finden wir in Cartmans Badezimmerschrank eine Flasche Chipotlaway, in Randys Kommode das Gedicht „I Was Not the Bullet“ und hören überall in South Park bekannte Lieder aus der Serie - von „Gay Fish“ bis „Feeling Good On a Wednesday“.

Ein weiterer Pluspunkt für deutsche Fans dürfte sein, dass The Fractured But Whole im Gegensatz zum Vorgänger mit den originalen Synchronsprechern der Serie komplett auf Deutsch vertont wurde. Dieser Bonus ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn mit der Übersetzung des Skripts wurde offensichtlich mal wieder eine Agentur beauftragt, die diesen Job möglichst günstig erledigen konnte. Nutzer der deutschen Spracheinstellung müssen also mit Formulierungen Vorlieb nehmen, die sich sehr nah am englischen Original befinden und somit oft gestelzt und unnatürlich klingen. Das ist in Videospielen eigentlich normal, aber in The Fractured But Whole eben doch ein wenig enttäuschend, da die Leistung der guten Synchronsprecher unter der schlechten Übersetzung leidet. Wer des Englischen mächtig ist und der deutschen Sprachausgabe eine Chance gibt, wird daher vermutlich schon nach wenigen Minuten wieder auf die originale Synchronisation umschalten, insbesondere dann, wenn man als Fan der Serie auch diese im Originalton schaut.

Umsetzung mit Mängeln

Natürlich ist es erstmal erfreulich, dass The Fractured But Whole nach vorheriger Dementi überhaupt noch auf Switch erschienen ist. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, wenn man trotz eines späteren Releases tiefer in die Tasche greifen muss, als es inzwischen bei Versionen für andere Plattformen der Fall ist. Ein Punkt, der zurzeit immer wieder Stoff für Diskussionen bietet. Dabei hätte Ubisoft dem Spieler hier leicht entgegenkommen und bei Vollpreis zumindest die schon erschienen DLCs kostenlos beilegen können. Stattdessen wurde schon im Ankündigungstrailer auf die kostenpflichtigen Zusatzinhalte hingewiesen, die im eShop erworben werden können. Auch auf einen Port des Vorgängers „The Stick of Truth“, der auf anderen Plattformen kostenlos beilag, wurde verzichtet.

Auch technisch gibt es mitunter Probleme. Zwar sind optisch auf den ersten Blick keine Unterschiede zu den bereits erhältlichen Versionen des Spiels sichtbar und man glaubt auch auf Switch, eine South Park-Episode vor sich auf dem Bildschirm zu haben. Auf den zweiten Blick ist aufgrund der geringeren Auflösung von nur 900p im Docked-Modus, besonders im direkten Vergleich mit der bereits von uns getesteten PS4-Version, aber eine leichte Unschärfe erkennbar, welche im Handheld-Modus durch die Nähe zum Bildschirm besonders auffällt. Größere Unterschiede zwischen Docked- und Handheld-Modus findet man aber vor allem in der Performance. Während auf dem TV in der Regel alles flüssig läuft, kommt es mobil ab und an zu spürbaren Rucklern. Störender sind jedoch die teils langen Ladezeiten, die von wenigen Sekunden beim Betreten von Räumen, bis zu 15 Sekunden beim Verlassen von Häusern und beim Eintritt in Kämpfe andauern. Auch hier hat die PS4-Version die Nase vorn, welche mit deutlich weniger sowie deutlich kürzeren Ladescreens auskommt und so den Spielfluss kaum stört.

Fazit:

South Park: The Fractured But Whole ist ein Lizenzspiel, das nur für Fans der Serie wirklich interessant ist. Das Kampfsystem entfaltet auf den höheren Schwierigkeitsgraden ein überraschendes Potential und gestaltet sich durch einen taktischen Tiefgang, der in dieser Form nicht zu erwarten war, angenehm fordernd. Das restliche Gameplay beruft sich jedoch auf das typische Füllmaterial in Form von Collectibles, das Ubisoft in all seinen Open-World-Spielen einsetzt. Somit lebt das RPG vor allem von seinem Fanservice: Die vielen bekannten Charaktere und die schiere Masse an aus der Serie bekannten Items sollten genug sein, um jedem Serienfan zumindest ein kleines Lächeln abzugewinnen. Wer jedoch an der Comedy-Vorlage keinen Gefallen finden konnte und einfach nur ein gutes RPG spielen will, wird mit The Fractured But Whole definitiv nicht glücklich werden. Ohne die South-Park-Lizenz würde dieses Spiel vermutlich keine Beachtung finden.

Wertung:

7.5

Mark Schäfer meint:

"Als RPG nur durchschnittlich macht die grandiose Nutzung der South-Park-Lizenz das Spiel zum Pflichtkauf für Fans der Serie."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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3 Kommentare:


Matthew1990
vor 1 Monat | 1
"Umsetzung mit Mängeln" - Der ganze Abschnitt kann man mit einem Satz erklären:
Ubisoft halt.

Tobsen
vor 1 Monat | 0
Ich kaufe nichts von Ubisoft und dabei bleibt es!

Buttergebäck
vor 1 Monat | 0
Spiele es seit drei Tagen und bis jetzt gefällt es mir richtig gut. Es vermittelt richtig gutes Southpark-Feeling und das Kampfsystem hat wirklich unerwartete taktische Tiefe und macht auch einfach großen Spaß. Man sollte aber wirklich Fan der Serie sein, sonst kann man mit den Charakteren und Gags wohl nichts anfangen.