Test: Attack on Titan 2

Von Michael Prammer am 05. April 2018

Mit Attack on Titan 2 werden die ersten beiden Staffeln der Anime-Serie in einem Videospiel vereint. Auf NplusX lest ihr unseren Test dazu.

Das Beste aus den ersten beiden Staffeln

Dabei handelt es sich nicht um das erste Videospiel, das die Anime-Serie als Vorlage verwendet. AOT: Wings of Freedom hatte durchaus seine Fangemeinde und so soll Attack on Titan 2 einige Neuerungen bieten, um diese Spieler bei Laune zu halten. Erzählerisch gibt es, wie bereits eingangs erwähnt, die Story aus den ersten beiden Staffel der Serie. Dadurch können auch Neulinge mit dem Spiel etwas anfangen, wobei der Titel inhaltlich einige Schwächen aufweist und sich gelegentlich widerspricht. Informationen zu Titanen, Charakteren oder Hintergründen gibt es aus Tagebucheinträgen und Ladebildschirmen. Während des eigentlichen Spiels erfahren wir relativ wenig vom Spielgeschehen.

Doch um was geht es eigentlich in Attack on Titan? Die Erde, auf denen die Menschen leben, wird von mächtigen Titanen besiedelt. Der letzte Zufluchtsort ist eine gigantische Stadt, die aus drei großen Verteidigungsmauern besteht. Seit über 100 Jahren ist es den Titanen nicht gelungen, auch nur eine dieser Mauern zu überwinden - bis plötzlich die äußerste Mauer fällt. Fortan müssen sich die Wachen der Stadt an die äußeren Grenzen aufmachen und das weitere Vordringen der Kolosse unterbinden.

Das eigentliche Spiel beginnt mit einem Charaktereditor, bei dem wir uns einen Kämpfer einer Spezialeinheit erstellen können. Dabei dürfen wir uns nach Herzenslust austoben, werden allerdings bei der Kleidung stark eingeschränkt und können nur eine gewisse Spieleruniform anpassen. Anschließend wird die Spielmechanik mittels eines Tutorials vertraut gemacht. Diese hat es nämlich in sich und ist auf den ersten Blick mehr als nur stupides Koloss-Gemetzel. Jeder Krieger hat eine sogenannte 3D-Manöver-Ausrüstung, mit der er sich mittels Drahtseilen durch die Lüfte schwingt. Das hilft nicht nur bei der Fortbewegung, sondern ist auch elementar wichtig für den Kampf. Einige Spieler mögen sich an dieser Stelle einem rot-blauen Spinnenmann aus dem Hause Marvel nahe fühlen - die Ähnlichkeiten sind kaum von der Hand zu weisen.

Innovative Steuerung, träge KI

Die Kampfsteuerung wirkt ähnlich innovativ. Wir visieren zunächst einen Titanen an und entscheiden uns für eine Körperstelle. Der Krieger zieht sich dann in die Richtung der ausgewählten Stelle. Dann muss im richtigen Moment die erforderliche Taste gedrückt werden, um den Schlag auszuführen. Es bleibt dabei dem Spieler überlassen, mit welcher Taktik er vorgeht. Wir können dem Titanen zunächst einen Schnitt in die Kniekehle verpassen, um diesen unbeweglich zu machen und ihn leichter besiegen zu können, oder wir attackieren direkt den Kopf. Was sich hier vordergründig als innovatives Kampfsystem ausgibt, spielt sich leider viel zu einfach und verzeiht so ziemlich alle Fehler. Das liegt daran, dass die Gegner-KI einfach nur dämlich ist. Die Titanen sind behäbig, träge und watscheln fast schon lustlos in der Gegend herum. Wenn ein Angriff misslingt, starten wir ihn einfach von vorne, ohne große Konsequenzen befürchten zu müssen. Lediglich im sogenannten „Gefahrenmodus“, der entsteht, wenn man direkt vor den Augen des Titanen auftaucht, wird der Koloss schneller und stärker. Dann ist Gefahr im Verzug und man sollte sich neu sortieren.

Abseits der Kämpfe bietet Attack on Titan 2 solide Rollenspielkost, die kaum Wünsche offen lässt und Genre-Fans voll auf ihre Kosten kommen lässt. Es gibt jede Menge zu sammeln und zu verbessern, dazu kommt eine Art Basis-Bau. An speziellen Punkten im Spiel können wir Geschütztürme oder Nachschublager errichten, die im Kampf gegen die Titanen unterstützend genutzt werden können. Das ist zwar eine nette Idee, für das eigentliche Spiel aber leider irrelevant und somit nur ein nettes Gimmick. Interessanter ist da schon das Beziehungssystem. Durch Gespräche vertiefen wir stetig die Freundschaften innerhalb der Truppe und können so unsere Begleiter, die wir im Kampf gegen die Titanen zur Unterstützung mitnehmen, verstärken.

Wer sich nicht alleine mit den Titanen herumschlagen will, der nimmt einen Freund mit dazu. Offline geht das an einer Konsole, aber auch online darf zusammen mit einem Mitstreiter gedaddelt werden. Zusammen sind die Titanen noch einfacher zu erlegen, hier kann man sich taktisch clever absprechen und gezielt auf verschiedene Angriffszonen einigen. Zusätzlich gibt es noch einen separaten Online-Modus: im sogenannten „Auslöschungsmodus“ kämpfen jeweils zwei Vierer-Teams gegen eine Horde Titanen und versuchen innerhalb einer bestimmten Zeit möglichst viele Kolosse auszulöschen und dadurch eine höhere Punktzahl als das gegnerische Team zu ergattern. Anstatt seines eigenen Charakters greift man hierbei auf einen von 30 Charakteren der Anime-Vorlage zurück.

Technisch präsentiert sich Attack on Titan 2 mit einer schicken Anime-Optik, die durchaus ihre Stärken hat. Die Charaktere wirken gut detailliert und vor allem die Protagonisten, also die Titanen, haben optisch einiges auf dem Kasten. Weniger schön sind bei hektischen Schwenks mit der Kamera die Bildrateneinbrüche und die leichten Ruckler. Außerdem macht die Kamera manchmal Probleme - stürzen wir uns auf einen Titanen, kann es vorkommen, dass die Kamera unglücklich hinter dem Spieler positioniert ist, sodass wir den richtigen Moment des Angriffs unweigerlich versäumen. 

Fazit:

Attack on Titan 2 dürfte für Fans der Anime-Serie auf jeden Fall ein interessantes Videospiel sein. Die ersten beiden Staffeln werden geschichtlich noch einmal zusammengefasst und dürfen mit einem selbsterstellten Charakter nachgespielt werden. Das eigentlich innovative Fortbewegungs- und Kampfsystem macht dabei auf den ersten Blick ziemlich Laune und bietet mehr als nur stupides Titanen-Kloppen. Leider sind die Widersacher etwas zu träge ausgefallen und senken durch ihr teilweise dümmlich wirkendes Verhalten den Schwierigkeitsgrad merklich. Auch die Neuerungen im Vergleich zum ersten Teil, wie das Basis-Bau-System, sind nett, aber keinesfalls ausschlaggebend für mehr Abwechslung. So fehlt es uns bei dem Titel etwas an Langzeitmotivation - hauptsächlich dank der Rollenspielelemente konnten wir uns zum Weiterspielen animieren.

Wertung:

7.0

Michael Prammer meint:

"Fans der Anime-Serie und RPG-Freunde werden hier nicht enttäuscht."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

Schreibe einen Kommentar: