Test: Assassin's Creed Rogue: Remastered

Von Andreas Held am 04. April 2018

"Macht dasselbe Spiel nochmal!" - "Okay, dasselbe Spiel nochmal! Und los!"

Die vermeintliche Resterampe

Assassin's Creed Rogue erschien zum ersten Mal vor gut dreieinhalb Jahren - etwa zeitgleich mit Assassin's Creed Unity. Da die neue Konsolengeneration aufgrund des mangelhaften Spieleangebots zu diesem Zeitpunkt noch am Straucheln war, präsentierte Ubisoft seinen Fans, die den Sprung zu PlayStation 4 und Xbox One noch nicht vollzogen hatten, eine Alternative zu seinem Next-Gen-Titel. Es war eine Ironie des Schicksals, dass Rogue zu dem Zeitpunkt der technisch überlegene Titel war. Während die Early Adpoter der neuen State-of-the-Art-Hardware bestaunen durften, wie Arno Dorian immer wieder durch den französischen Erdboden ins Nichts fällt, bekamen Käufer von Rogue ein zwar innovationsloses, aber zumindest funktionierendes Produkt. Der einzige Haken: Rogue ist ein direkter Nachfolger von Assassin's Creed IV: Black Flag, der neben der Engine und dem Gameplay auch viele Assets einfach aus seinem Vorgänger übernommen hat. Ein bisschen fühlt sich Rogue also wie ein Stand-Alone-DLC zum vierten Hauptteil an.

In der Rolle eines namenlosen Abstergo-Mitarbeiters, der von seiner Vorgesetzten nur mit „Numbskull“ angeredet wird, durchleben wir im Animus die Erinnerungen von Shay Patrick Cormac, der zur Zeit des siebenjährigen Krieges auf dem nordamerikanischen Kontinent unterwegs war. Statt durch die Karibik segeln wir diesmal durch das kanadische Eismeer und das nahe der Great Lakes liegende River Valley. Mit New York ist auch eine größere Stadt enthalten, die uns ganz klassisches Assassin's-Creed-Gameplay bietet. Der Rest des Spiels folgt der gleichen Formel, die Black Flag erfunden hatte. Mit dem Schiff können wir allerlei kleinere Inseln ansteuern und dort nach Collectibles und Nebenaufgaben suchen. Nur dass wir diesmal eben kein Piratenschiff steuern, sondern die englischen und französischen Schiffe „einfach so“ plündern.

Back to the Roots

Da Assassin's Creed Rogue bereits einige Jahre auf dem Buckel hat, müssen wir auf die Engine-Verbesserungen aus Origins leider verzichten. Das betrifft vor allem die Nahkämpfe. Rogue nutzt das gleiche vielkritisierte Kampfsystem, das in Origins fast komplett ausgetauscht wurde. Mehr als ein Gedrückthalten der Kreis-Taste zum Blocken aller gegnerischen Angriffe sowie das Platzieren von Gegenangriffen verlangt uns die Engine nicht ab. Auch die Laufsteuerung könnte kaum simpler sein. Mit dem Analogstick geben wir die Richtung vor und halten die Sprint-Taste gedrückt, Kletter- und Sprungpassagen regelt das Spiel dann automatisch. Das macht die Assassin's-Creed-Serie für ein breites Publikum maximal zugänglich, aber Vielspieler müssen sich des Öfteren darüber ärgern, dass die automatischen Manöver nicht so ablaufen, wie sie sich das vorgestellt hatten. Dann interagiert Shay mit Objekten oder läuft an Wänden hoch, obwohl man eigentlich nur an diesen vorbei laufen wollte - oder er springt gegen den Willen des Spielers von einem Gebäude oder ins Wasser.

Das eigentliche Gameplay verläuft kaum anspruchsvoller. Das Einsammeln von hunderten auf der Minimap eingezeichneten Collectibles ist eher eine Fleißaufgabe als eine Herausforderung. Die Hauptmissionen können sich durchaus etwas schwieriger gestalten - beispielsweise dann, wenn sie mit einem Zeitlimit versehen sind oder Shay nicht entdeckt werden darf. Im Falle eines Scheiterns werden wir zum letzten Checkpoint zurückgeschickt, der in der Regel nur 20 bis 30 Sekunden weit zurückliegt. In der Open World hat ein virtuelles Ableben übrigens gar keine Konsequenzen mehr: Shay erwacht nach einer kurzen Zeit wieder zum Leben und darf selbst unmittelbar vor seinem Tod erworbene Items und Collectibles behalten. Das führt die „Stalker“, die in New York herumlaufen und den Protagonisten aus Hinterhalten umbringen wollen, ad absurdum - denn wenn sie Shay mal erwischen, hat das keinerlei Auswirkungen auf den Spielverlauf.

Zwischen Add-On und Vollpreisspiel

Assassin's Creed Rogue wurde nach seinem Release deutlich kritisiert, weil es viele Inhalte aus Black Flag einfach kopierte. In Nordamerika klettern wir auf dieselben Bäume, versenken dieselben Schiffe und sammeln dieselben Collectibles, die wir auch schon aus dem Karibik-Abenteuer kennen. Auch die Brettspiele Mühle und Dame wurden einfach aus dem Vorgänger kopiert - sogar inklusive der Wettereffekte, sodass es vorkommen kann, dass in einer überdachten kanadischen Kneipe plötzlich ein Tropensturm losbricht und das Spielbrett unter einer Wasserschicht bedeckt. Dass diese Elemente in der Remastered-Version jetzt zum dritten Mal auftauchen, macht die Sache nicht besser. Das haben wohl auch die Verantwortlichen bei Ubisoft realisiert, weshalb Assassin's Creed Rogue: Remastered immerhin zum fairen Budgetpreis in den Läden steht.

Was man bei Rogue allerdings nicht kritisieren kann, ist der Umfang. Selbst ein einfaches Durchspielen der Haupthandlung lässt sich nicht mal eben an einem Wochenende erledigen, und wer den Titel zu 100 Prozent abschließen will, kann gut und gerne 50 Stunden investieren. So gesehen bietet Rogue also ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch das Gameplay selbst ist, bei aller Kritik an den vielen Vereinfachungen, weit von einem Totalausfall entfernt. Ubisoft schafft es sehr gut, mit seinen Titeln zwar ein extrem breites Publikum anzusprechen, gleichzeitig aber auch Vielspieler nicht völlig zu unterfordern. Ein klares Regelwerk und knifflige Zusatzaufgaben verhindern, dass ein Durchspielen des Action-Adventures zum Selbstläufer wird. Technisch wurde das Spiel seit seinem Release auf PS3 und Xbox 360 kaum aufpoliert, läuft aber immerhin mit einer stabilen Framerate und ohne nennenswerte Bugs.

Fazit:

Fans von Assassin's Creed, die Rogue in seiner Ur-Version noch nicht gespielt haben, dürfen sich auf „more of the same“ einstellen. Auf die Engine-Verbesserungen aus Origins müssen wir in diesem Remastered leider verzichten - dafür adaptiert der Franchise-Ableger das Gameplay aus dem sehr beliebten vierten Teil ohne größere Abstriche. Die extrem simple Steuerung, sowohl während der Kletterpassagen als auch während der Kämpfe, und das auf Sammelaufgaben ausgelegte Open-World-Gameplay sorgen für einen eher geringen Anspruch - trotzdem schafft es Ubisoft, auch Vielspieler nicht komplett zu unterfordern. Technisch liegt das Spiel eine Konsolengeneration zurück, läuft dafür aber mit einer robusten Framerate und ohne größere Fehler über den Bildschirm. Unterm Strich bekommen Käufer von Assassin's Creed Rogue: Remastered ein durchweg solides Action-Adventure, das vor allem durch seinen stattlichen Umfang überzeugen kann und noch dazu zum Budgetpreis verkauft wird. Das ist sicherlich kein schlechtes Angebot.

Wertung:

7.5

Andreas Held meint:

"Assassin's Creed Rogue spielt sich wie ein Stand-Alone-DLC zu Black Flag - besitzt aber den Umfang eines Vollpreisspiels."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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4 Kommentare:


2null3
vor 6 Monaten | 0
Sieht nach einem perfekten Titel für die Switch aus. Schade, dass es da nicht auch veröffentlicht wurde.

Knusel
vor 6 Monaten | 0
Ich würde sooo gerne mal wider assessins creed spielen.... aber ich habe nur eine switch ....

Tobsen
vor 6 Monaten | 0
Einfach nur frech von Ubisoft, dass das nicht auf Switch kommt. Gut, dann kaufe ich es eben nicht.

Knusel
vor 6 Monaten | 0
Schauen wir mal ob es nicht doch noch kommt ... switch Spiele kommen ja gerne etwas später raus ...

Könnte auf der e3 oder einer direkt von nintendo angekündigt werden ...