Test: Toki Tori

Von Nico Zurheide am 02. April 2018

Mit Toki Tori 2 hat Two Tribes bereits eines der Rätselspiele um das gelbe Küken auf Nintendos neue Konsole gebracht. Jetzt kommt auch das Original. Das zweite rätsellastige Spiel um den kleinen Vogel Toki Tori konnte in unserem Test durchaus gut abschneiden. Die Entwickler von Two Tribes machen kein Geheimnis daraus, dass sie großes Interesse an Nintendos Konsolen haben. Und da die Absatzzahlen ihrer Titel stets zufriedenstellend waren, portiert das Studio fleißig weiter Spiele für die Switch-Konsole. In diesem Test werfen wir einen Blick auf den Vorgänger von Toki Tori 2, Toki Tori, der als Remake des GameBoy-Color-Klassikers bereits für 3DS, Wii U und Wii erschien.

Kleines Küken auf großer Mission

Ist das Spiel einmal gestartet, geizt Two Tribes traditionell mit allzu langen Erklärungen. Ihr spielt Toki Tori, ein gelbes Küken, und steuert es auf der Suche nach seinen Familienangehörigen durch viele verschiedene in sich geschlossene Areale. Da die Verwandtschaft allerdings noch in ihren Eiern verweilt und keine Anstalten macht zu schlüpfen, übernimmt der kleine Vogel kurzerhand die Verantwortung und sammelt alle kleinen Geschwister eigenhändig auf. Dies ist auch dringend notwendig, denn die wehrlosen Eier werden von allerlei fiesen Monstern wie Igeln und Schnecken bedroht. Diese erschweren natürlich auch Toki Tori den Eierlauf. Um überhaupt an den Feinden vorbeizukommen, bedient sich der Piepmatz allerlei unterschiedlicher Objekte und Fähigkeiten. Zum Beispiel kann der Spieler nach einem missglückten Versuch die Zeit beliebig weit zurückdrehen, um direkt einen neuen Anlauf zu starten. Das ist einerseits nützlich, da man so keine längeren Unterbrechungen während des Spielens hat und sich voll und ganz der Rätselkost hingeben kann. Andererseits gehen dadurch jegliche negative Konsequenzen eines digitalen Ablebens verloren.

Bis auf die eben angesprochene Rückspulfunktion sind alle Hilfsmittel in ihrer Anzahl beschränkt und penibel genau abgezählt in den Levels verteilt. Hierbei gibt es auch nur wenige Ausnahmen. Durch diese Limitierung hätte der Entwickler den Spieler dazu zwingen können, sich vor jeder Aktion genau zu überlegen, ob diese auch nötig ist und ihn weiterbringen würde. Jetzt muss man nur auf einen Knopf drücken und schon sind jegliche Fehler nie geschehen. Davon einmal abgesehen bereichern die verschiedenen Aktionen wie „Teleporter“ oder „Brücke bauen“ das Spielgeschehen ungemein, da sich in so gut wie allen Levels hierdurch mehrere Herangehensweisen ergeben. Hinzu kommt noch, dass Toki Tori in jeder der fünf Welten unterschiedliche Spezialfähigkeiten hat. Friert er Gegner im Wald noch mit einer Eiskanone zu Blöcken und benutzt sie so teilweise, um auf höhere Ebenen zu gelangen, fängt er in den Burglevels schon Gespenster mit seiner trickreichen „Geisterfalle“. Das Ausschalten solcher Feinde ist außerdem oft zwingend für den weiteren Fortschritt erforderlich.

Der Schwierigkeitsgrad schwankt im Verlauf des Abenteuers einige Male vom einfachen Durchlauf bis zur schwer zu knackenden Rätselnuss. Dem Spielfluss tut das allerdings keinen Abbruch, zu Beginn einer neuen Welt führen die Entwickler neue Items und Gegner mit leichteren Aufgaben ein. Die Lernkurve steigt dann genauso rapide an wie die Schwierigkeit und die Komplexität der Rätsel. Dadurch werden selbst geübte Spieler keinesfalls unterfordert sein. Generell sollten die normalen Levels, die zum weiteren Spielfortschritt erfolgreich beendet werden müssen, aber niemanden vor ernsthafte Probleme stellen. Gar nicht leicht zu lösen sind hingegen die in jeder Welt vorhandenen schweren- sowie Bonuslevel, die euch sicher einiges an Hirnschmalz abfordern. Solltet ihr übrigens während eures Abenteuers einmal gar nicht weiterkommen, hält das Spiel einen Joker bereit, mit dem ihr ein Level überspringen könnt. Dieser Freifahrtschein steht danach erst dann wieder zur Benutzung bereit, wenn ihr das übersprungene Areal selbst lösen konntet. Die Lösung eines Rätsels wird euch dieses Extra nämlich nicht anzeigen.

Der Entwickler Two Tribes hätte Toki Tori auf Nintendo Switch in vielerlei Hinsicht noch verbessern können: Zum einen wäre da die Musik des Spiels, die zwar recht fröhlich vor sich hin zwitschert, dabei aber auf Dauer hektisch und nervtötend wirkt. Für ein Rätselspiel wie dieses wäre eine etwas ruhigere Musikauswahl einfach angemessener gewesen. Erschwerend kommt dabei noch hinzu, dass in jedem Level immer nur ein Remix desselben Gedudels ertönt, wirkliche Variation gibt es nur im Hauptmenü des Spiels. Die intuitive Touchsteuerung funktioniert zwar irgendwie, reagiert im Vergleich zur herkömmlichen Bedienungsmethode aber eher träge. Bevor man mittels Fingerdruck anständig in ein Rätsel starten könnte, wäre die Lösung mit der normalen Sticksteuerung sicher schon greifbar nahe.

Potenzial wurde auch beim Umfang des Titels verspielt. Wenn einmal alle gut 80 Levels geschafft wurden, bieten sich keine weiteren Spielmodi zum Erforschen an. Ein einfacher Leveleditor zum Erstellen eigener Rätsel hätte die Spielzeit sicher um einiges steigern können. Auch wenn man bei den schwierigeren Extramissionen schon mal etwas länger nachdenken muss, beläuft sich die reine Spielzeit je nach Spieler bis zum Abschließen des Abenteuers auf nur etwa fünf bis sechs Stunden. Bei aller inhaltlichen Kritik sollte allerdings nicht vergessen werden, dass das Spiel als HD-Remake eines GameBoy Color-Spieles nicht zwingend mehr Content bieten muss als das Original - zumal für den sehr schmalen Preis des Spiels.

Zu loben ist auf jeden Fall der Aufbau der Rätsel, der dank der vielen verwendbaren Gegenstände von simpel bis zu äußerst komplex variieren kann. Der Spieler bekommt für jedes Item eine kleine Einführung, muss dann aber schon recht schnell größere Knobelanlagen in Angriff nehmen. Die liebevoll gestalte Grafik des Spiels tut für den unterhaltsamen Rätselspaß ihr Übriges.

Fazit:

Toki Tori setzt seinen Spielern von Anfang bis Ende gut durchdachte Rätselkost vor. Ob man nun ab und zu in der Zeitung ein Sudoku löst oder niemals eine Denkaufgabe auslässt, die - zugegebenermaßen etwas kleine - Palette an Levels bietet für jedermann etwas. Der größte Pluspunkt des Titels sind natürlich seine Rätsel, die in allen Formen und Varianten daherkommen. Vor allem durch die vielen verschiedenen Fähigkeiten des gelben Kükens gleicht kaum ein Lösungsweg dem anderen. Die hektische Musik ist zwar Geschmackssache, aber so detailverliebt, wie sich das gesamte Spiel präsentiert, kann man darüber guten Gewissens hinwegsehen. Dank des kleinen Preises wird wohl kaum jemand einen Kauf dieser Rätselsammlung bereuen. Und Liebhaber des Nachfolgers Toki Tori 2 können ohnehin bedenkenlos zugreifen.

Wertung:

7.0

Nico Zurheide meint:

"Schöner Rätselspaß fürs Osterfest, der auch geübte Knobler fordern wird."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Durchschnittlich

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