Grinder's Guide Level 6 - Final Fantasy XV - Teil 1

Nutzer-Story von Deniz Üresin am 25. März 2018

Es gibt da ein Spiel, das wirklich einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Und das, ohne herausragend gut oder krass schlecht zu sein. Manche Dinge hat es besser gemacht als alles, was ich bisher zockte. Andere Dinge gefallen mir einfach überhaupt nicht. Dieser (und der nächste) Grinder’s Guide beschäftigt sich mit Final Fantasy XV.

Mit Final Fantasy XV habe ich Ende 2017 endlich das letzte für mich wichtige Game des Jahres 2016 abgeschlossen. Es war eine besondere Erfahrung und ich bin froh, sie gemacht zu haben, auch wenn ich leider lange nicht so glücklich mit dem Game geworden bin, wie ich es mir erhofft hatte. Da meine Ausführungen zum Spiel den Rahmen eines gewöhnlichen „Zuletzt Durchgespielt“-Posts sprengen würden, ich aber auch nicht wirklich ein mehr oder weniger objektives Review zusammenschustern möchte (bzw. kann?), habe ich mich dazu entschlossen, dem Spiel ganze zwei Ausgaben des Grinder’s Guide zu widmen. Vielleicht überzeugt der folgende Text ja noch einen Unentschlossenen, das Abenteuer anzugehen – oder er hält ihn davon ab.

Bitte bedenkt, dass ich hier nur meine eigene Meinung und meine eigenen Erfahrungen mit dem Spiel teile – sollte ich etwas wichtiges übersehen haben oder sogar etwas falsches sagen, dann liegt das einfach daran, dass ich es falsch verstanden habe oder meine Erinnerungen daran schon zu verblasst sind.

Prolog: Nix Ganzes und nix Halbes? Boten des Unheils am blauen Horizont

FFXV ist ein gewaltiges, tatsächlich noch nicht komplett abgeschlossenes Projekt. Das merkt man an der Aufmachung, der riesigen Welt und den vielen, vielen Details, von denen die meisten Spieler wahrscheinlich nur einen Bruchteil mitbekommen haben werden (mich eingeschlossen). Die Story ist wirklich komplex und gut, die Charaktere sind das absolute Highlight, die Musik gefällt mir sehr und die allgemeine Präsentation und Inszenierung wichtiger Events, Kämpfe, etc. sind allesamt Filmreif. Leider merkt man aber auch an einigen Stellen, dass das Spiel tatsächlich etwas zu lange in Entwicklung war und wohl mehrfach mittendrin die Richtung gewechselt wurde, denn einige Elemente passen meiner Meinung nach einfach nicht so gut zusammen, bzw. „flowen“ nicht so gut.

Ich habe nicht einmal 40 Stunden für das Spiel gebraucht, was vor allem daran liegt, dass ich an einem bestimmten Punkt einfach damit aufgehört habe, weitere Sidequests und Jagdaufträge zu machen und nur noch der Story gefolgt bin. Content für viel längere Spielzeiten war auf jeden Fall vorhanden und ich hätte auch wirklich gern weiter gemacht, aber Zockzeit wird immer kostbarer und es flehen noch so viele JRPGs danach, gezockt zu werden, da möchte ich mich nicht extrem lange mit einem aufhalten, dessen Gameplay mir einfach nicht so sehr zusagt. Aber jetzt erstmal schön eins nach dem anderen: Was ist Final Fantasy XV?

Halb Roadtrip-Open-World-RPG mit starkem westlichen Einfluss in Bezug auf Gameplay und Weltdesign, halb storyfokussiertes, sehr lineares, modernes Action-JRPG mit cineastischer Präsentation – so kann ich das ambitionierte Spiel wohl am besten beschreiben…

Kapitel I: Overkill! Viele Köche verderben den Brei. 

Ihr begleitet Noctis, Prinz des Königreichs Lucis und seine drei besten Freunde/Bodyguards auf einer politischen Mission: Ihr sollt Lunafreya, Prinzessin von Tenebrae und eure Kindheitsfreundin, als Teil der Friedensverhandlungen zwischen Lucis und dem Imperium Niflheim heiraten. Unterwegs hört ihr über das Radio jedoch, dass euer Königreich von Niflheim angegriffen und euer Vater getötet wird. Nun gilt es, euren Thron zurückzuerobern, und zwar nicht nur um Rache zu üben, sondern vor allem um ein höheres, für euch bestimmtes Schicksal zu erfüllen.

Die Story ist eines der schönsten Beispiele dafür, dass Final Fantasy XV sich an ziemlich allen Stellen übernommen hat. Im Fokus steht die Geschichte einer Freundschaft zwischen vier Typen, die gemeinsam jede noch so harte Widrigkeit überwinden und sich gegenseitig Halt geben und aufeinander passen, auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind. Darüber hinaus gibt es einen Plot über eine Fantasy/Sci-Fi-Welt, die sich gerade in einer politisch sehr angespannten Situation befindet und in der Noctis als Prinz eines großen Königreichs natürlich auch eine Rolle spielt. Das Ganze wird dann noch einmal fast subtil umstrickt von einer alten Prophezeiung um den Wahren König, der die Welt mit Hilfe von Göttern vor einer finstren Bedrohung aus dem All retten wird. Diese vielschichtige Handlung hat einiges an Substanz, hat mich aber erst im Nachhinein mit ihrer Tiefe verblüfft, denn so toll die Story in FFXV auch ist, so schlecht wird sie meiner Meinung nach erzählt. 

Wie schon gesagt, im Fokus liegt die Freundschaft von Noctis, Prompto, Ignis und Gladiolus, aber unter dieser Fokussierung leiden alle anderen Storyaspekte und die meisten anderen Charaktere. Von der Dämonenplage, die den gesamten Planeten in große Gefahr bringt und gegen die jeder politische Zwist und jedes Einzelschicksal quasi Peanuts sind, bekommt man erstmal nur in Infotexten während der Ladebildschirme etwas mit und auch sonst rückt diese Storyschicht nie wirklich in den Vordergrund. Es wurde sich zwar die Mühe gemacht, die Herkunft der Dämonen und die fortschreitende Verdunkelung der Atmosphäre naturwissenschaftlich zu erklären, aber die Lösung des Problems ist dann doch wieder ein unerklärt gebliebener Magie-asspull. Um nicht zu spoilern kann ich leider nicht weiter darauf eingehen, aber gerade dieser Teil der Story, der hier so vernachlässigt behandelt wurde, hat mich am meisten interessiert. Sehr schade. 

Vom Machtkampf zwischen den Ländern bekommt ihr im Spiel zwar etwas mehr mit, allerdings wurden auch hier sehr seltsame Entscheidungen getroffen. So tauchen viele Charaktere, die für die Story eigentlich wichtig gewesen wären, nur mal kurz am Rande auf und sind dann entweder für immer weg, sterben off-screen oder machen weiß der Geier was. Sie werden einfach ausgeblendet und man hört nie wieder etwas von ihnen. Dann gibt es Charaktere wie Ravus, Lunas Bruder, der einfach so mitten im Game auftaucht und ein Arsch ist und man weiß beim besten Willen nicht, wieso, weil das Spiel es einem eben nicht sagt. Antworten findet ihr nur, wenn ihr euch den FFXV-Film Kingsglaive reinzieht, was ich nicht getan habe, da ich darauf keine Lust hatte. Das gleiche gilt für den Anime Brotherhood – ich hab es ganz gerne, wenn eine Videospielstory auch ohne Zuhilfenahme von Sekundärliteratur und anderen Multimediaproduktionen in sich geschlossen und verständlich ist.

Interludium I: Getrieben von Habgier 

Generell ist Ravus meiner Meinung nach der Charakter mit dem am krassesten verschwendeten Potenzial im ganzen FFXV-Universum. Ein winzig kleines bisschen Wiedergutmachung leisten die Entwickler mit einem bestimmten DLC- aber zu denen komme ich noch an anderer Stelle. Was ich eigentlich sagen will: Irgendwie sind so gut wie fast alle Charaktere in dem Spiel vollkommen egal, weil Noct und seine Buddies sie in ihrer endlosen Guy Love einfach ausblenden. Die ist dafür aber wirklich genial geschrieben – ich hab noch nie eine so „reale“ Party in einem RPG gespielt. Wie die vier Homies miteinander interagieren, wie sie sich necken, wie sie Scherze machen, wie sie sich streiten, das alles ist einfach unglaublich gut gemacht und tatsächlich auch der Hauptgrund dafür, dass ich FFXV nicht als schlechtes Spiel bezeichnen kann. Leider wussten das die Entwickler wohl und bauten DLC-Episoden, die genau diese Stärke von FFXV auszunutzen versuchen. Während der Story verschwindet nämlich jeder eurer Kumpel einmal für eine kurze Zeit und schließt sich euch später wieder an – was dem jeweiligen Charakter in der Zwischenzeit widerfahren ist, könnt ihr nur erfahren, wenn ihr den entsprechenden DLC gekauft und gespielt habt. Das ist offensichtlich während der Entwicklung des Hauptspiels geplanter DLC-Content, der bewusst zurückgehalten wurde, um später noch etwas mehr Geld damit zu verdienen und das finde ich nicht so schön. Spielerisch sollen die Teile auch nicht unbedingt glänzen (habe ich zumindest gehört, habe sie nicht selbst gespielt!) und ihr Beitrag zur Story ist eher gering, es soll wirklich nur darum gehen, mehr über die Charaktere zu erfahren, wobei wie oben bereits erwähnt auch Ravus nochmal kurz zum Zug kommen darf, nämlich in Ignis‘ Episode. Über den DLC, der in der Windows- und in der kürzlich erschienen Royal Edition für Konsolen enthalten ist oder in der Standardversion dazugekauft werden kann, möchte ich aber nicht allzu viele Worte verlieren, denn es gibt noch ein paar Aspekte, die ich abhandeln wollte, bevor der Text zu lang wird und keiner mehr liest.

Kapitel II: Mit der Hand am Steuer! Holprige Fahrt auf rauer See

Bei einem Videospiel sollte man vielleicht auch das Gameplay erwähnen, auch wenn ich mich hier damit etwas schwer tu, denn ich habe es offensichtlich nicht ganz verstanden. FFXV spielt in einer großen offenen schön gestalteten Spielwelt, die aber leider so groß ist, dass man quasi gezwungen wird, mit dem Auto zu fahren – daher der Roadtrip-Teil in der Beschreibung des Spiels. Gegner werden hier direkt auf der Oberwelt in Echtzeit bekämpft, ohne die Kämpfer in eine Kampfarena oder Ähnliches zu schicken. Inzwischen wurde das durch ein Update geändert, aber als ich FFXV spielte, konnte ich nur Noctis steuern, während die anderen drei Hanseln machten, was sie wollten, da keinerlei Einfluss auf ihre Handlungsweisen möglich war bis auf die Aktivierung eines Spezialangriffs hier und da. Noctis kann mit verschiedenen Waffen wie Schwertern und Lanzen kämpfen, sich teleportieren und Magie in Form von Granaten benutzen. Das actionbasierte Kampfsystem hat dabei eine Besonderheit: Combos werden nicht durch wiederholtes Drücken verschiedener Angriffstasten ausgeführt, sondern einfach durch das Gedrückthalten der einen Angriffstaste. Genauso weicht Noctis so lange den meisten Angriffen der Gegner aus, wie ihr die Ausweichtaste gedrückt haltet. Teleportieren könnt ihr euch an viele verschiedene markierte Warp Points auch einfach per Knopfdruck. Klingt megasimpel und ist es eigentlich auch, aber hier kommt mein größtes Problem mit dem Spiel, das alle anderen Probleme locker in den Schatten stellt: Ich hab das Kampfsystem einfach nicht gecheckt. Hielt ich die Ausweichtaste gedrückt, wich Noctis eben nicht allen Angriffen aus und ich bekam aufs Maul. Griff ich an, bekam ich aufs Maul. Versuchte ich mich wegzuteleportieren, musste ich zu lang mit der Kamera rumfummeln, um den Warp Point anzuvisieren und ich bekam aufs Maul. Versuchte ich, eine Magiegranate zu werfen, steckte ich meist versehentlich mein gesamtes Team in Brand, aber selten den Gegner. Und anschließend bekam ich aufs Maul. 

Während die ersten Stunden noch ziemlich einfach waren, da sich die Gegner kaum wehrten und man einfach die Angriffstaste gedrückt halten konnte, bis alle tot waren, strapazierten ab der Mitte des Spiels einige Bosse (und sogar einige kleinere Gegner) meine Nerven, da sie ständig meine Partymitglieder killten und ich einfach nicht richtig klar kam. Nach ein paar verzweifelten Versuchen gab ich es schließlich komplett auf, erfüllte einige einfache, aber lukrative Nebenaufgaben und stopfte meine Tasche mit Heiltränken voll. Diese kann man nämlich jederzeit während des Kampfes in aller Ruhe einsetzen, da das Aufrufen des Menüs das Spielgeschehen pausiert. Selbst wenn Noctis‘ HP auf 0 gesenkt werden, habt ihr noch einiges an Zeit, um ins Menü zu gehen und ihm einen Heiltrank reinzuwürgen. Mit genügend Tränken in der Tasche ist es damit faktisch unmöglich, Game Over zu gehen. Das habe ich ausgenutzt, denn ich wollte das Spiel durchspielen, aber ich hatte keine Lust mehr, mich in das Kampfsystem in irgendeiner Weise reinzufuchsen. Ich hätte es aber wahrscheinlich so oder so nicht wirklich lieb gewonnen, also war es mir egal. 

Fast schon glücklicherweise muss ich hier sagen, reißt einem das Spiel ab einer gewissen Zeit das Ruder nahezu komplett aus der Hand, sodass mir weitere Ärgernisse dieser Art erspart blieben – dafür kamen jedoch viele neue hinzu…

An dieser Stelle muss ich einen kleinen Cut machen, denn ich glaube, irgendwann ist auch mal gut mit Wall of Text. Bisher haben wir also gelernt, dass ich die Hauptfiguren zwar wirklich abgöttisch liebe, mich das übertriebene Kuddelmuddel aus nur kurz angeschnittenen Storyelementen und die aus dem Spiel geschnittenen DLCs jedoch nicht gerade in Ekstase versetzt haben. Auch vom eigentlich simplen Kampfsystem bin ich überhaupt kein Fan (was aber auch an meiner eigenen Unfähigkeit liegen kann, das gebe ich zu!) Was die offene Spielwelt, den optionalen Kram, die Präsentation des Spiels und weitere Details angeht, werde ich in der in Bälde erscheinenden nächsten Ausgabe des Grinder’s Guide besprechen. Vielen Dank fürs Lesen bis hierher schonmal und bis demnächst! 

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4 Kommentare:


Tobsen
vor 3 Monaten | 1
Die beste Kolumne auf npx ist wieder da!

Denios
vor 3 Monaten | 0
<3 ich gebe mir Mühe, regelmäßiger zu posten^^ also auch nachdem ich FFXV fertig gebasht habe

JoWe
vor 3 Monaten | 0
Sehr schön geschrieben, thx!
Mit dem Kampfsystem hatte ich aber überhaupt keine Schwierigkeiten, soweit ich mich erinnern kann. Magiegranaten habe ich immer erstmal aus der Ferne genutzt, wenn man dann in den Nahkampf ging, habe ich dann halt mit den Königswaffen gespielt und gewarped. Mit den Teamkommandos ging das auch ganz gut

Denios
vor 3 Monaten | 0
danke :) jo, wie gesagt, ich hab da irgendwas nicht begriffen, ka...kam einfach nicht klar^^