Test: DJMAX RESPECT

Von Andreas Held am 29. März 2018

Einer der speziellsten Nischentitel aller Zeiten kommt auf der PlayStation 4 wieder ans Tageslicht.

Willkommen in der südkoreanischen Indie-Szene

DJMAX existiert als Franchise seit 2004. Nach einem Fehlstart als PC-Spiel startete die Serie 2006 unter dem Namen DJMAX Portable durch. Obwohl der PSP-Exklusivtitel offiziell nur in Südkorea erschienen ist, wurde er in weltweiten Musikspiel-Communities als echter Geheimtipp bekannt. Der Erfolg trug Früchte: Bis 2010 schaffte es die Serie auf insgesamt acht Releases, zwei davon wurden sogar für die USA lokalisiert. Danach wanderte sie mit verändertem Gameplay auf Smartphones, bis es 2013 recht still wurde. Entwickelt wurde DJMAX Portable von dem südkoreanischen Tonstudio Pentavision, heute unter dem Namen Neowiz MUCA tätig, dessen Klientel natürlich auch maßgeblich am Soundtrack des Rhythmusspiels beteiligt war.

Als alter Musikspiele-Nerd durfte ich mich sogar selbst von der Serie überzeugen. Während eines Auslandssemesters in Japan war Sonys PSP mein treuester Begleiter, und nach einer langen Suche im Nipponbashi-Bezirk (auch bekannt als Den-Den Town und Osakas Äquivalent zum berüchtigten Akihabara) fiel mir eine maßlos überteuerte Importversion in die Hände. Aber dafür hatte ich ja schließlich mein Stipendium! Insbesondere der herausragend gute zweite Teil der Serie schaffte es damals, mein Herz zu erobern. DJMAX Portable 2 zählt für mich bis heute zu den besten Spielen aller Zeiten und ist in meiner Erinnerung fest mit langen Winterabenden im Studentenwohnheim der Osaka University verbunden.

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Zurück in die Gegenwart: Wir schreiben das Frühjahr 2018. Das letzten Sommer in Asien veröffentlichte DJMAX RESPECT erscheint im europäischen PSN-Store und markiert den ersten offiziellen Release des Franchise in der ungeliebten dritten Welt der Videospiele. Das hierzulande nur als Download erhältliche Musikspiel verspricht altbewährtes Gameplay und vierzig neue Songs. Da Neowiz kein klassischer Spieleentwickler ist und sich in erster Linie der Musik widmet, fällt DJMAX spielerisch recht spartanisch aus. Die Serie verfügt weder über einen speziellen Controller, noch über aufwendige Gameplay-Gimmicks. Stattdessen fallen einfach nur Noten vom Himmel, die wir durch das Drücken der richtigen Taste mit dem richtigen Timing spielen müssen. In den Modi mit vier und sechs Knöpfen werden jeweils zwei bzw. drei Richtungstasten und Knöpfe den einzelnen Spuren zugewiesen; im besonders schwierigen Acht-Button-Modus kommen zusätzlich noch zwei Schultertasten hinzu. Etwas spezieller ist der Modus mit fünf Notenspuren: Hier kann die mittlere Note wahlweise mit der rechten Richtungstaste oder dem Viereck-Knopf gespielt werden, was für einige knifflige Situationen sorgt.

Auch die Auswahl an Spielmodi reißt keine Bäume aus. Im Arcade-Modus dürfen wir aus zufällig generierten Songlisten drei Stücke wählen und spielen, im Missions-Modus warten insgesamt 60 Setlisten mit unterschiedlichen Zielvorgaben auf ihre Herausforderer. Die meisten Spieler werden sich fast ausschließlich im Freestyle-Modus austoben, in dem alle freigeschalteten Songs zur Verfügung stehen und eine schier endlose Jagd auf möglichst viele S-Ränge, Full Combos und 100%-Wertungen gemacht werden darf. „Endlos“ ist diese Jagd vor allem deshalb, weil DJMAX RESPECT zwar für Anfänger zugänglich ist, aber auf den höchsten Schwierigkeitsgraden geradezu unmenschliche Notenfolgen heraufbeschwört. Gut veranschaulicht wird das durch den Missionsmodus: Als Belohnung für das Abschließen von lediglich 50 der insgesamt 60 Songlisten winkt eine Gold-Trophäe - und diese hatte laut PSN auch einige Wochen nach Release noch eine Erwerbsrate von exakt null Komma null Prozent. Autsch.

Künstlerische Autorität

Seinen Erfolg hat DJMAX vor allem dem Talent der am Soundtrack beteiligten Künstler zu verdanken. Die Setliste bedient nahezu alle erdenklichen Genres: Zuckersüße K-Pop-Hymnen geben aggressiven Metal-Brechern die Klinke in die Hand, während ein paar der eher experimentellen Electronic-Nummern bei den meisten Spielern für Stirnrunzeln sorgen werden. Doch ein konstanter Faktor verbindet den kunterbunten Genre-Cocktail zu einem großen Ganzen: Die immer erkennbare Liebe der Komponisten zur Musik. Kein einziger Eintrag auf der Songliste wirkt wie Füllmaterial, nichts erinnert auch nur im Entferntesten an seelenlosen Kommerz. Somit ist auch ziemlich leicht zu erklären, warum einige Stücke aus Genres, die ich mir normalerweise nicht freiwillig anhören würde, in DJMAX RESPECT plötzlich auf meiner Favoritenliste landen.

Für Serienfans halten die Entwickler übrigens noch ein ganz besonderes Extra in der Hinterhand. DJMAX RESPECT bringt nämlich den kompletten Soundtrack der ersten beiden PSP-Spiele mit. Wer vor zehn Jahren dutzende oder gar hunderte Spielstunden mit diesen Songs verbracht hat, darf sich also auf einen riesigen Nostalgieflash einstellen. Zusammen mit den 40 neuen Songs wächst der Soundtrack auf insgesamt 148 Musikstücke an - alle davon sind in vier verschiedenen Spielmodi auf meist zwei bis drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden spielbar, sodass insgesamt deutlich über 1.000 Notencharts auf ihre Bezwinger warten.

Mit allem nötigen Respekt müssen wir aber leider auch ein paar Kritikpunkte äußern, die vor allem die technische Seite betreffen. DJMAX RESPECT versucht, die mit dem Controller gespielte Tonspur etwas lauter wiederzugeben und sie nach verpassten Noten ganz verstummen zu lassen - das funktioniert aber nicht immer ohne Probleme, sodass wir uns manchmal über ein seltsames Mixing oder eine fragwürdige Tonqualität wundern müssen. Stellen wir den mit „Gameplay Volume“ beschrifteten Slider auf 50%, wird das Klangerlebnis deutlich besser - trotzdem wäre es schön, wenn sich dieses Feature auch gänzlich deaktivieren ließe. Darüber hinaus bietet uns DJMAX RESPECT nur recht rudimentäre Einstellungsmöglichkeiten zur Lag-Kalibrierung und keine Möglichkeit, Bild und Ton unabhängig voneinander zu justieren. Das ist vor allem für Besitzer von Sound-Anlagen, die für eine Verzögerung bei der Musikwiedergabe sorgen, relativ ärgerlich.

Fazit:

DJMAX RESPECT macht als Musikspiel fast alles richtig. Das Gameplay wirkt im Vergleich zu anderen Genrevertretern relativ innovationsarm, nervt seine Spieler dafür aber auch nicht mit seltsamen Gimmicks. Die üppige Songliste bietet in Kombination mit den verschiedenen Spielmodi einen riesigen Umfang, während die zahlreichen Schwierigkeitsgrade den Titel für Neueinsteiger und Profis gleichermaßen interessant machen. Der mit Abstand wichtigste Faktor ist jedoch der liebevoll komponierte Soundtrack, der DJMAX zu so viel Erfolg verhelfen konnte. Die knapp 150 neuen und alten Musikstücke sind allesamt abwechslungsreich, kreativ und ehrlich. Die technischen Mängel sind zwar ärgerlich, letztendlich aber nicht wirklich tragisch. Trotz all seiner Qualitäten ist DJMAX RESPECT natürlich immer noch ein absoluter Nischentitel. Nur die allerwenigsten PS4-Besitzer werden dem Spielkonzept etwas abgewinnen können. Musikspiel-Fans und diejenigen, die es werden wollen, dürfen aber bedenkenlos zugreifen - denn DJMAX ist eine der besten Serien, die dieses Genre zu bieten hat.

Wertung:

8.0

Andreas Held meint:

"Südkoreanische Indie-Musik trifft Musikspiel-Gameplay. Mehr Nische geht nicht."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Herausragend
Technik: Durchschnittlich

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