Test: Burnout Paradise Remastered

Von Jeremiah David am 28. März 2018

Paradiesisches Rennspiel oder Burnout-Syndom?

Burnout war mein erstes Rennspiel auf dem Gamecube. Es zeigte sich als flotter Arcade-Racer mit schicker Optik und ich war zum Beginn Nintendos vierter Konsolengeneration rundum zufrieden damit. Ich schreibe „zum Beginn“, denn das nur ein Jahr später veröffentlichte Burnout 2: Point of Impact war dem Vorgänger in allen Belangen überlegen und führte rasch dazu, dass ich dem ersten Teil keine Beachtung mehr schenkte. Burnout 3 sollte dies so weiterführen, wurde von mir jedoch aus einem simplen Grund nicht angefasst: Es bekam nie eine Portierung auf den Gamecube. Ein Publisherwechsel von Acclaim zu Electronic Arts hatte zur Folge, dass die Serie Nintendo den Rücken zukehrte, was wiederum zur Folge hatte, dass ich selbiges mit der Serie tat. Erst mit Burnout Revenge fand ich auf der Xbox 360 den Weg zurück zur brachialen Rennspiel-Action.

Paradise ist der fünfte und bislang letzte Teil der Serie (Handheld-Ableger nicht mitgezählt), und seit kurzem ist der 2008 erstmals erschienene Titel als Remastered-Version auf der PlayStation 4 und der Xbox One spielbar. EA hat dem Spiel nicht nur eine Frischzellenkur verpasst, sondern auch alle DLC-Pakete des Originalspiels mit auf die Disc gepresst – Grund genug, um noch einmal oder gar zum ersten Mal durch die fiktive Großstadt Paradise City zu düsen?

Burnout Paradise war und ist nur bedingt mit sämtlichen Vorgängern vergleichbar. Anders als die anderen Teile der Serie handelt es sich hier um ein Open-World-Rennspiel, es wird also nicht auf abgegrenzten Strecken gefahren. Stattdessen rasen wir in Burnout Paradise durch eine frei befahrbare, subtropische Stadt, die in ihrer Aufmachung trotz fehlender Passanten eher an einen GTA-Teil als an ein Rennspiel erinnert. Wie in jedem anderen Rennspiel gilt zwar meist: Fahre möglichst schnell von Punkt A nach Punkt B, aber der Weg ins Ziel ist in keiner Weise vorgegeben. Wer noch nie ein Open-World-Rennspiel wie Forza Horizon, The Crew oder gar die Originalversion von Burnout Paradise gezockt hat, der wird sich erst mehr oder weniger mühsam an dieses Spielprinzip gewöhnen und dabei ständig auf die Mini-Map oder die große Karte im Pausenmenü schauen müssen. Das kann vor allem zu Beginn des Spiels durchaus frustrierend sein, und das nicht nur weil es den Spielfluss stört. Während eines Rennens war ich mir beispielsweise hundertprozentig sicher, mit großem Abstand als Erster ins Ziel zu rasen, bis ich feststellte, dass besagtes Ziel sich auf einer Brücke befand, mich mein ausgewählter Weg allerdings unter dieselbe Brücke geführt hatte. Statt Erster wurde ich Letzter.

Anders als in neueren Open-World-Rennspielen lassen sich auf der Karte keine Markierungen setzen und auch ein Schnell-Reise-System existiert nicht, wodurch zum Starten bestimmter Aktivitäten oft lange Strecken zurückgelegt werden müssen. Die Ampelanlagen, die als Startpunkte dienen, sind kreuz und quer über die Karte verteilt. Hier hätte EA durchaus Änderungen am Original vornehmen dürfen. Wer Burnout Paradise Remastered kauft, bekommt das Originalspiel mit all seinen Stärken, aber leider auch sämtlichen Schwächen. Anders als man es in letzter Zeit von EA gewohnt ist - *hust* Loot-Boxen *hust* -, sind fast alle Änderungen rein kosmetischer Natur.

Neben klassischer Rennen bietet Burnout Paradise noch Road-Rage-Missionen, bei denen wir eine vorgegebene Anzahl an Gegnern von der Straße rammen müssen, sowie Marked-Man-Rennen, die praktisch das genaue Gegenteil darstellen: Hier müssen wir möglichst schnell ein Ziel erreichen, ohne dabei von Kamikaze-Fahrern ins virtuelle Jenseits befördert zu werden. Auch Rennen gegen die Uhr, sogenannte Burning-Routes, sind verfügbar. In Stuntrennen geht es außerdem darum, für besonders waghalsige Stunts – verrückte Sprünge, Drifts und Turbo-Boosts – Punkte zu sammeln. Auch außerhalb der Rennen gibt es Punkte für das Zerstören von Toren, Zäunen oder Werbeplakaten. Jede Aktivität ist spaßig - sogar einfach nur durch die Stadt zu cruisen, um Abkürzungen oder versteckte Gebiete zu erforschen, macht Laune.

Die gewonnenen Rennen, beziehungsweise gesammelten Stuntpunkte, dienen der Verbesserung der Fahrerklasse und damit dem Freischalten neuer Fahrzeuge. Zusätzliche Wagen bekommen wir des Weiteren, indem wir spezielle Autos, die nach und nach einfach in der Spielwelt auftauchen, mit einem „Take Down“ aus dem Verkehr ziehen. Ein lustiges Feature beim Aufleveln: Wer eine Playstation-Kamera oder Kinect besitzt, darf für jeden Führerschein ein neues Photo von sich schießen.

Spektakuläre Unfälle gehören seit jeher zur Burnout-Serie und so werden auch in Burnout Paradise häufig Blech, Aluminium und Stahl gewaltsam verformt. In schön inszenierten Crash-Sequenzen sehen wir, wie die Rennboliden regelrecht zerfetzt werden. Glassplitter fliegen in alle Richtungen davon, Karosserieteile verabschieden sich mit Krachen und Bersten. Ein demoliertes Fahrzeug können wir allerdings in Sekundenschnelle reparieren lassen, indem wir am Straßenrand durch die beidseitig offene Garage einer auffällig markierten Werkstatt fahren. Ebenso bunt gekennzeichnete Tankstellen füllen die Turbo-Anzeige. An fünf verschiedenen Schrottplätzen, die mit großen gelben Junk-Yard-Schildern versehen sind, wechseln wir mit Hilfe eines Menüs die Wagen. Fahrzeuge aus den DLCs, wie zum Beispiel Motorräder oder Spielzeugautos, sind dort übrigens von Anfang an verfügbar. Lackierereien fahren wir ebenso wie die Schrottplätze während der Rennen besser nicht an, dazwischen können wir dort allerdings jederzeit neue Fahrzeugdesigns bekommen, um die Optik unserer Rennwagen zu verschönern.

Apropos Optik: Während Electronic Arts am Kern des Spiels praktisch nichts verändert hat, wurden fast alle Texturen ordentlich aufpoliert. Das hat zur Folge, dass die Remastered-Version deutlich schärfer aussieht als das Original, aber noch immer als Last-Gen-Titel erkennbar ist. Das Spiel ist mitnichten hässlich, aber die Fahrzeug- und Umgebungsmodelle, sowie die Licht- und Partikeleffekte sind zehn Jahre alt und das sieht man zum Teil deutlich. Neben moderneren Rennspielen sieht Burnout Paradise altbacken und stellenweise sehr detailarm und leer aus. Die Ladezeiten könnten angesichts der Technik kürzer sein und sind speziell in den Menüs bei der Fahrzeugwahl ziemlich lästig. Lobenswert ist dagegen die konstant hohe Framerate.

Akustisch gibt es wenig zu meckern, sofern einem der eigene Musikgeschmack nicht in die Quere kommt. Das Dröhnen der Motoren klingt durchweg klasse. Die fetzigen Lieder von Avril Lavigne, Killswitch Engage, Depeche Mode und 37 anderen Bands werden dagegen vielen, aber nicht allen Spielern gefallen. Besonders häufig läuft im Hintergrund übrigens - wer hätte es gedacht - „Paradise City“ von Guns N’ Roses. Anfangs fand ich das noch cool, aber nach dem x-ten Mal ging mir das fast 7 Minuten lange Musikstück doch etwas auf die Nerven.

Die Steuerung ist sehr direkt und geht gut von der Hand. Sie unterstreicht den Arcade-Charakter des Spiels, eine Rennsimulation sollte hier absolut niemand erwarten.

Fazit:

Burnout Paradise war 2008 ein sehr gutes Spiel. Zehn Jahre später büßt es trotz neuer Texturen zumindest das Wörtchen „sehr“ ein. Technisch ist es Konkurrenzprodukten nach all der Zeit natürlich unterlegen und verdient sich in der Kategorie „Technik“ nur mit Ach und Krach noch ein „Durchschnittlich“, spielerisch macht es dagegen nach wie vor viel richtig. Die Rennen sind spaßig und der Umfang ist dank der DLC-Pakete groß genug, um mindestens 20 Stunden offline oder auch online gut zu unterhalten.

Von uns getestet: PlayStation-4-Version

Wertung:

7.5

Jeremiah David meint:

"Technisch angestaubte, aber spielerisch sehr solide Renn-Action. "
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Durchschnittlich

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