#Herzhaft: Wie Splatoon meine Liebe zurückgewann

Von Michael Prammer am 23. März 2018

Eine merkwürdige Überschrift? Vielleicht. Ja, ich habe meine Zuneigung - wenn ich das so sagen darf - zu Splatoon kurzzeitig verloren. Doch jetzt ist sie wieder da und ich weiß nicht einmal genau, warum das überhaupt so ist. 

Doch der Reihe nach: Ich war ein Splatoon-Spieler der allerersten Stunde und schon direkt Feuer und Flamme, als der Shooter im Jahr 2015 angekündigt wurde. In den Nachwehen der E3-Messe begab ich mich zu Nintendo nach Frankfurt und durfte den Titel auf dem Post-E3-Event zum ersten Mal auf Wii U spielen. Und was hatte ich damals für einen Spaß mit dem Spielprinzip. Es war herrlich frisch, komplett neu und aufregend unaufgeregt -  genau das, wofür Nintendo all die Jahre bekannt war. Dann trudelte das Testmuster in der Redaktion und es war für mich damals keine Frage, dass außer mir selbst niemand für diesen Test in Frage käme. Geprügelt habe ich mich fast darum, das Spiel vor allen anderen spielen zu dürfen und letztlich gab die Redaktion auch nach.

Es vergingen unzählige Stunden, Update um Update wurde eingespielt und schließlich gab es da noch die Splatfeste, die mich vollends begeistern konnten. Splatoon war endlich das Spiel auf Wii U, dass mich kaum mehr los ließ. Doch die Ära Wii U verging schneller als erhofft und die Nintendo Switch drängte im März 2017 mit Wucht in den Markt. Und mit dieser Konsole kamen die (vermeintlichen) Ports. Splatoon 2 sollte kein Port sein, haben sie gesagt. Splatoon 2 ist ein eigenständiges Spiel, haben sie gesagt. Mir war das ganze Marketinggerede herzlich egal, für mich war das Spiel schon bei dessen Ankündigung ein sicherer Day-One-Kauf. Doch schon damals kamen erste Zweifel auf. Es war von einem kostenpflichtigen Onlinemodus die Rede, außerdem sollten einige Neuerungen, etwa der Salmon-Run, nur zeitlich begrenzt verfügbar sein. All das, was ich an Splatoon so schätzte - Innovation und ein guter, kostenloser Onlinemodus - sollte bereits zum Launch des Nachfolgers auf eine gewisse Probe gestellt werden. Aber zur diesem Zeitpunkt überwiegte noch die Vorfreude und im Juli 2017 lag das Spiel am Erscheinungstag bei mir im Briefkasten.

Es war allerdings von Anfang an nicht so eine enge Gamer-Beziehung, wie sie es noch mit dem ersten Teil gewesen war. Irgendwie war unser Verhältnis nicht so „leidenschaftlich“ wie ich das erwartet hatte. Lag es an dem alles überstrahlenen The Legend of Zelda: Breath of the Wild, mit dem ich immer noch beschäftigt war? Oder war es einer der vielen anderen Titel, die inzwischen auf der Hybrid-Konsole verfügbar waren und mich interessierten? Daran lag es wohl kaum, Splatoon kann man schließlich immer wieder spielen und gerade die portable Nintendo Switch eignet sich doch perfekt dafür, sich für ein paar Stunden in der Woche jederzeit in eine Farbschlacht zu stürzen. Dennoch wollte der Spielspaß-Funke nicht so recht überspringen. Der mühsame Aufstieg die Rangleiter oder die Levelstufen hinauf fühlte sich stets an, als hätte ich eine Last zu bewältigen, und da der Einzelspielermodus mir schon im ersten Teil keinen Spaß bereitete lagen meine Hoffnungen im Salmon Run.

Doch obwohl dieser Modus teilweise wirklich toll unterhielt, führte ausgerechnet er dazu, dass ich Splatoon 2 letztlich beiseite legte. Wenn ich Zeit zum Spielen hatte, war der Modus nicht verfügbar und die Belohnungen konnte ich teilweise nur als Witz verstehen. Wie sollte ich mich denn je wieder motivieren, diesen Modus lange zu spielen? Dann kamen auch noch ständige Verbindungsabbrüche hinzu, die meine Wertung negativ beeinflussten, ohne dass ich Einfluss darauf nehmen konnte. Das war für mich der berühmte Tropfen zu viel und Splatoon 2 landete im Regal. Bis vor einigen Tagen.

Dann nämlich kam die Nintendo Direct. Mein Fokus lag auf Octopath Traveler von Square Enix und dem neuen Mario Tennis, aber durch den fetzigen Trailer konnte dann doch vor allem Splatoon 2 mein Interesse erregen. Ich habe mir die ganze DLC-Thematik nochmals vor Augen geführt und festgestellt, wie großartig dieses Splatoon 2 doch eigentlich ist. Da kamen und kommen so viele hervorragende Dinge, die kostenlos angeboten wurden und nun bietet Nintendo dem Spieler für knapp 20 Euro noch mehr davon an. Und obwohl ich mir die Erweiterung wahrscheinlich nicht zulegen werde, habe ich Splatoon 2 wieder in meine Konsole geschoben und den von mir zuletzt so verhassten Salmon Run gestartet. Die Abstände der Aufträge sind kürzer, die Spieler sind geschickter und plötzlich kann ein Team da echt was auf die Beine stellen. Und mit den erworbenen Tickets und den Snacks ergibt auch das Hochleveln wieder einen Sinn - so führte schließlich das Eine zum Anderen.

Es musste mit der Ankündigung kostenpflichtiger Inhalte also erst ein Bruch kommen, eine Thematik, die Splatoon nie wirklich betroffen hatte. So fair diese auch sein mögen - Splatoon 2 hat so viel Content, der bereits kostenfrei zu haben ist, dass ich dem Spiel unrecht täte, würde ich es nur im Regal verstauben lassen. Und vielleicht führen mich ja die nächsten Matches sogar zu der Erkenntnis, dass die kommende Erweiterung eine Chance verdient und mich noch länger an das Spiel fesselt. Dann hätte Nintendo mit dem DLC bei mir in doppelter Hinsicht gewonnen. Und meine Beziehung zur Splatoon-Reihe wäre gerettet.

Schreibe einen Kommentar:

2 Kommentare:


Matthew1990
vor 6 Monaten | 0
Also, meine Leidenschaft ging für Splatoon 2 nie verloren. Es war schon recht klar, dass sich Splatoon 2 von einem *Schein-Port* zu einer Fortsetzung entwickelt. War zu Splatoon doch nicht anders: Operation Goldfisch kam später auch dazu, diverse Maps, Menüfunktionen, etc.
Es ist nichts ungewöhnliches.
Meine Faszination habe ich seit Release nicht verloren und bekam den kompletten Wandel mit und habe weiterhin sehr viel Spaß damit. Egal, ob es spaßige Runden im Revierkampf sind unter Freunden, nette Runden in Duo oder spannende Matches zu viert im Ligakampf, Privatrunden oder Turnieren.

Buttergebäck
vor 6 Monaten | 1
Splatoon 2 ist für mich das Mehrspielerspiel schlechthin, selbst Mario Kart finde ich im Vergleich dazu langweilig, und auch das habe ich jahrelang regelmäßig mit großem Genuss gespielt. Umso mehr freut es mich, wenn jemand seine Freude daran wiedergefunden hat.