Test: Disc Jam

Von Michael Prammer am 19. März 2018

Disc Jam inszeniert eine schnelle und futuristische Sportart für bis zu vier Spieler nun auch auf Nintendo Switch. Doch kommt ein Videospiel, das gänzlich auf Mehrspieler-Action ausgelegt ist, bei der heutigen Spielerschafft überhaupt an? In unserem Test gehen wir dieser Frage nach.

Disc Jam bietet weder eine Rahmenhandlung noch einen klassischen Einzelspielermodus. Beim Multiplayer-Hit Rocket League waren die Vorraussetzungen sehr ähnlich und der Erfolg hat gezeigt, dass durchaus Potential für derartige Mutiplayer-Spielkonzepte besteht. Aber der Reihe nach, denn ihr könnt Disc Jam durchaus auch gemütlich alleine spielen. Doch welche Sportart verkörpert Disc Jam eigentlich?

Tennis mit einem Frisbee

Das Spielprinzip von Disc Jam ist relativ simpel, aber durchaus genial. Es stehen sich in einer Arena ganz wie im Tennis jeweils zwei oder im Doppel vier Spieler gegenüber und versuchen einen Frisbee oder Diskus - wie auch immer man das Spielgerät nennen will - auf die jeweils andere Seite zu bugsieren. Dabei sollten Spieler das Spielgerät natürlich nicht in den Händen behalten und stets versuchen, das Spielgerät hinter den Gegner zu werfen. Dann nämlich, und wenn der Gegenüber den Frisbee nicht fängt, erhaltet ihr Punkte dafür. Eine Barriere gibt es dabei nicht und so dienen die Wände als Bande, die taktisch mit einbezogen werden können, um den Widersacher zu übertölpeln. Wer zuerst 50 Punkte hat, wobei die Anzahl der Punkte je nach Spielzug variiert und abhängig von Anzahl der Würfe und Skills der Spieler unterschiedlich hoch ausfällt, gewinnt einen Satz. Nach zwei gewonnenen Sätzen im klassischen „Best-of-3“-Prinzip ist das Spiel vorbei.

In einem Tutorial bekommt ihr die grundlegenden Techniken zunächst vermittelt und dürft euch in einem erweiterten Training etwas genauer in die Materie entführen lassen. Dank einiger Kniffe und Tricks lassen sich unterschiedliche Skills vollführen, die dem Gegner das Leben schwer machen. Dazu kann man auch diverse Rettungstaten vollführen, um die Scheibe im letzten Moment zu erhaschen. Im richtigen Moment dann wieder losgelassen, überrascht man den Gegner und vollführt so einen geschickten Konter. Langes Lamentieren ist bei Disc Jam nicht drin, ihr müsst ständig in Bewegung bleiben. Durch Richtungsänderungen verleiht ihr den Scheiben Drall und aufgrund der Banden müsst ihr die Physik des Spiels zunächst etwas erlernen, ehe ihr den Dreh raus habt.

Das funktioniert am besten im sogenannten „Ghost Arcade“, dem einzigen Einspielermodus in Disc Jam. Hier spielt man gegen relativ einfach gestrickte Bots und kann sich in Ruhe mit der Spielmechanik auseinandersetzen. Außer ein wenig Ingame-Währung, mit der man neue Charaktere oder Jubelposen, Kleidung und Skins freischaltet, ist dieser Modus eigentlich nur zu reinen Übungszwecken gedacht. Leider merkt man bereits hier die teils schwammige Steuerung. Die Richtungsänderungen der Scheibe und die Dralls, die man dem Spielgerät bewusst mitgeben möchte, geschehen eher aus Zufall und scheinen wenig beeinflussbar. Außerdem ist die Kollisionsabfrage ungenau. So passiert es häufig, dass ihr die Scheibe zwar erreicht, aber dennoch ins Leere rutscht, obwohl die Rettungstat auf den ersten Blick gelungen schien. Was im Einzelspielermodus noch relativ egal ist, weil die Gegner teils strohdumm sind, kann online richtig nerven und zu Frust führen. Der einzige Vorteil ist, dass beide Seiten mit diesen Problemen zu kämpfen haben und damit keine Nachteile entstehen.

Mehrspieler ist Trumpf

Der Hauptfokus liegt im Mehrspielerbereich und im Onlinemodus. Dank Cross-Play spielt man zusammen und gegen PC-Spieler und hat kaum Probleme, Kontrahenten zu finden. Was allerdings Probleme bereitete, waren nervige Verbindungsabbrüche, mit denen wir immer wieder zu kämpfen hatten. Diese führten zwar nicht zu Punktabzügen, was bei Onlinespielen durchaus vorkommen kann, Spaß kam so allerdings trotzdem nicht wirklich auf. Viel zu gewinnen gibt es Online ohnehin nicht, außer Ingame-Währung und Ranglistenplätze. Richtig viel Freude machen Mehrspielerpartien an einer Konsole oder mit mehreren Geräten. Bis zu vier Spieler können im Splitscreenmodus gemütlich auf der Couch gegeneinander spielen. Dank der beiden Joy-Cons ist auch immer ein „1-gegen-1“ unterwegs im Tabletmodus drin.

Eine große Schwäche bei Disc Jam zeigt sich im Umfang. Man kann zwar ein paar Charaktere freispielen und neue Skins, Siegerposen, etc. erwerben, die Grundausstattung ist allerdings dürftig. Es scheint im ganzen Spiel nur eine Arena zu geben und diese ist nicht sonderlich aufregend designt. Außerdem gibt es nicht besonders viele Charaktere und die Langzeitmotivation ist daher für Solisten nicht gerade hoch. Spartanisch ist auch die Präsentation: Man vermisst neben einem Publikum oder einen Kommentator eine ansprechende Soundkulisse. Hier hat man sich auf ein Minimum beschränkt. Auch die Optik zeigt nur das Nötigste, läuft dafür allerdings, abseits der Online-Partien, relativ flüssig.

Fazit:

Disc Jam ist ein ungewöhnlicher Multiplayer-Titel geworden, der für Solisten relativ uninteressant sein dürfte. Das liegt vor allem auch daran, dass online nicht alles reibungslos funktioniert und mit nervigen Verbindungsabbrüchen zu rechnen ist. Mit Freunden auf der Couch macht das Spiel dafür richtig Laune und kann für einigen Partyspaß sorgen. Die minimalistische Aufmachung und der spartanische Umfang trüben allerdings das Gesamtpaket und sollten vor der Anschaffung bedacht werden. Wer hin und wieder eine Partie mit Freunden aufs Parkett legen möchte, darf gerne zuschlagen.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

6.0

Michael Prammer meint:

"Spartanischer Multiplayerhit, der alleine kaum in Schwung kommt."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Mangelhaft
Technik: Durchschnittlich

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