Test: Sword Art Online: Fatal Bullet

Von Michael Prammer am 12. März 2018

Der neueste Ableger der beliebten Anime-Serie ist erschienen und wir haben das JRPG etwas genauer unter die Lupe genommen.

Das Spiel im Spiel

Für Fans der Serie wird schnell klar, wo der aktuelle Titel anzusiedeln ist. Wer Staffel 2 noch nicht kennen sollte, wird auf die Gepflogenheiten des Schusswaffengebrauchs in Sword Art Online zunächst etwas befremdlich reagieren. Staffel 1 setzte ausschließlich auf Schwertkämpfe, welche zwar auch in diesem Titel zum Einsatz kommen, jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Story des Spiels ist schnell erklärt: Als absoluter Neuling im Spiel „Gun Gale Online“ trifft man aus Zufall auf ein absolut seltenes Item - eine KI, die den Spieler ab sofort begleitet. Das zieht viel Neid der anderen Spieler auf sich, da einige dem selbst erstellten Held Cheating unterstellen. Dennoch schart man eine ordentliche Truppe um sich und beginnt in dem „Spiel im Spiel“ voranzukommen.

Sword Art Online ist, für alle, die das Prinzip und die ursprüngliche Story nicht kennen sollten, ein VRMMO. Die Spieler treten in einer virtuellen Realität gegeneinander an und begeben sich auf die Suche nach Abenteuern und Kämpfen. „Gun Gale Online“, das quasi ein neues Spiel im „SAO“- Universum darstellt, ist nun eine neue Art des Spielens und erweitert das ursprüngliche Konzept um Schusswaffen. Waren die Vorgänger der Serie noch auf Schwert und Schild ausgelegt, kommen hier also hauptsächlich Wummen aller Art zum Einsatz. Gespielt wird aus der dritten Person oder Schulter-Perspektive. Dabei ist man immer mit mindestens einem Begleiter unterwegs und erledigt im Rollenspiel-Stil verschiedene Aufgaben und Quests.

Eintöniger Spielablauf...

Der Ablauf ist dabei relativ eintönig. Man hat eine Hauptquest zu erledigen, die meistens das Vernichten eines Gebietsmonsters beinhaltet. Jetzt könnt ihr euch in das Gebiet stürzen, den dazugehörigen Dungeon suchen und dem Widersacher den Garaus machen. Wer etwas dazu verdienen möchte, nimmt noch ein paar Quests mit auf den Weg. Hier gibt es unterschiedliche Aufgaben, wie Sammelaufgaben, Monsterkämpfe oder Kämpfe gegen andere Spieler. Diese bringen bestimmte Belohnungen mit sich, vor allem Geld - notwendig sind diese Quests allerdings nicht. Ein gewisser Suchtfaktor schleicht sich bei all dem dennoch ein und man nimmt dann doch die kleinen Aufgaben mit auf den Weg.

Das Spiel beginnt mit der Charaktererstellung zweier Charaktere. Zunächst erstellt ihr euren Spieler und später seine KI. Hier bieten sich zahlreiche Möglichkeiten und auch, wie es sich für ein japanisches Rollenspiel gehört, einiges an „Fanservice“. Dass man den Damen beispielsweise überdimensional große Brüste verpassen kann gehört bei Spielen dieser Art zum guten Ton. Überhaupt gibt es wieder viel nackte Haut zu bestaunen und in den Dialogen viele zweideutige Anspielungen. Beziehungen lassen sich ebenfalls eingehen und ausbauen; diese führen allerdings nicht zu dem, was manch ein spätpubertierender Spieler wohl gerne hätte.

Mit den gesammelten Erfahrungspunkten können der Charakter und die KI verstärkt werden. Zu den beiden könnt ihr euch noch zwei weitere Spieler mit in die Party einladen, sodass ihr maximal zu viert unterwegs seid. Das Verhalten der Begleiter lässt sich dabei unterschiedlich einstellen und so kann man entscheiden, ob die Mitstreiter eher auf Angriff oder Verteidigung, beziehungsweise Heilung, getrimmt sind. Das ganze Prinzip lässt sich auch online mit anderen Spielern erledigen, wenn man sich zu Kooperations-Spielen entschließt. An Umfang soll es jedenfalls nicht mangeln und Spieler werden mehrere hundert Stunden mit dem Titel verbringen können – egal ob online oder offline.

...der trotzdem süchtig macht

Sword Art Online: Fatal Bulett ist, wie man es wohl in der Gamer-Sprache ausdrücken würde, ein klassischer Grinder. Man „grast“ eine Gegend ab, sammelt allerhand Gegenstände, Geld und Erfahrung und wertet seine Charaktere auf. Waffen dürfen verstärkt werden, man kann diese auch zerlegen und gänzlich neue Kombinationen erforschen. Auch Munition gibt es nicht wie Sand am Meer und zu Beginn jedes Ausflugs muss der Vorrat neu aufgefüllt werden. Im Shop lassen sich zwar neue Waffen kaufen, hier gibt es allerdings einen gewaltigen Haken. Man kann teilweise Waffen kaufen, für die der Charakter noch nicht geeignet sind und bekommt auch keinerlei Hinweise dazu angezeigt. Das ist insofern ärgerlich, da man dadurch mitunter Unsummen an Knete aus dem Fenster wirft und mit der vermeintlichen Super-Wumme dann doch nichts anfangen kann.

Die einzelnen Quests, in denen man sich auf der Suche nach Ausrüstung, Waffen, Geld und Erfahrung macht, sind meistens relativ eintönig und bieten wenig Abwechslung. Töte x-beliebig-viele Monster davon, finde den und jenen Schatz, schalte diesen und jenen Super-Schurken aus. Die Einsätze bringen zwar Cash und hin und wieder auch einen Bonus-Gegenstand, tragen aber wenig zur Unterhaltung bei. Die eigentlichen Hauptquests bestehen ausschließlich aus dem Erledigen der Gebietsbosse. Diese sind in unterschiedlichen Dungeons versteckt, die eine Vielzahl an Gegnern enthalten. Hat man sich einmal durch die Gegnerhorden geballert wartet am Ende der Gebietsboss. Diese starken Widersacher wissen durchaus zu begeistern, sie sind in ihrem Konzept einigermaßen unterschiedlich und erfordern verschiedene Waffen und Herangehensweisen. Einmal ist der Distanzkampf mit dem Scharfschützengewehr von Vorteil, beim nächsten Gegner die geballte Explosionskraft eines Raketenwerfers.

Technisch gesehen ist Sword Art Online: Fatal Bullet allerdings nur Mittelmaß. Die Charaktere sind zwar durchaus hübsch anzusehen, die Spielwelten wirken daneben aber etwas karg und fallen durch lieblose Gestaltung auf. Leichte Schnitzer wie Bildrateneinbrüche und aufploppende Grafiken gibt es leider ebenfalls zu bemängeln, dazu stört die etwas unsaubere Kollisionsabfrage. So kann es vorkommen, dass man einen Gegner im automatischen Visier hat, die Schüsse vermeintlich auch das Ziel zu treffen scheinen, der Gegner jedoch keinen Schaden nimmt. Das ist ärgerlich, denn so kann es vorkommen, dass man ohne eigenes Verschulden im Eifer des Gefechts das Zeitliche segnet.

Fazit:

Sword Art Online: Fatal Bulett ist zwar ein solider, letztlich aber nur mittelmäßiger Rollenspiel-Ableger geworden, der sich an manchen Stellen zudem selbst ins Bein schießt. Für Fans von japanischen Rollenspielen wird eine Menge geboten – vor allem sehr viel Fanservice. Man kann sich hunderte von Stunden hochleveln, neue Ausrüstungen suchen und Quest um Quest erledigen. Das kann zwar unter Umständen etwas eintönig werden, weil die optionalen Aufgaben wenig Abwechslung bieten. Dafür wissen die Hauptaufgaben zu begeistern und die Story darf als relativ gelungen betrachtet werden. Aus technischer Sicht reißt der Titel keine Bäume aus und einige technische Patzer stören sogar das Gesamtpaket. Unter dem Strich dürften Fans japanischer Rollenspiele dennoch auf ihre Kosten kommen und für lange Zeit beschäftigt werden.

Von uns getestet: PlayStation-4-Version

Wertung:

7.0

Michael Prammer meint:

"Netter Rollenspiel-Grinder, der vor allem für Fans interessant sein dürfte."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Herausragend
Technik: Durchschnittlich

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1 Kommentare:


Tobsen
vor 6 Monaten | 1
Cooler Test zu einem abseitigen Spiel!
Genauso hatte ich es mir vorgestellt - einfach ein OKes Spiel. Da ich aber mit der Vorlage Null anfangen kann und somit aller Fanservice für mich wegfällt, werde ich es auslassen.