Test: de Blob 2

Von Michael Prammer am 10. März 2018

Der sympathische Farbklecks ist wieder da und bringt mit de Blob 2 die Serie zum zweiten Mal ins HD-Zeitalter. Ob die Faszination des Originals noch immer anhält, verrät unser Test.

Das Selbstplagiat

Mit einem fetten Farbklops durch eine graue Stadt schlawinern und dabei zu funkiger, jazziger oder rockiger Musik Gebäude einfärben? Ein Konzept, wie es skurriler kaum sein könnte, wurde im Jahr 2008 zu einem echten Überraschungshit: de Blob verkaufte sich weltweit fast eine Million Mal und überraschte Spieler mit seinem optisch und akustisch toll ausbalancierten Gute-Laune-Gameplay. Worum es in de Blob geht, ist damit bereits kurz angerissen, damit aber eigentlich auch schon voll abgehandelt: Zusammen mit merkwürdigen farbigen Kreaturen befreit ihr eine entfärbte Stadt von einem grauen Terrorregime, indem ihr der Metropole ihre Farbe und damit ihr Leben zurückgebt. Das hat im ersten Teil so gut funktioniert, weil die liebevoll lebendige Optik so perfekt mit dem turbulenten Sound zusammengearbeitet hat: Je farbiger die Stadt wurde, desto lauter und lebhafter wurde auch die Hintergrundmusik, die den Spieler in ihren Bann zog und zum Weitermachen animierte. Und immer wenn ein Gebäude seine Farbe zurückbekam, erklang ein charakteristischer Sound, abhängig von der Blob-Farbe.

Zu seiner Ankündigung hieß der Blob-Nachfolger mit Untertitel noch „The Underground“. Großes neues Feature des Nachfolgers sollten 2D-Passagen unter der Stadt und in Gebäuden sein – und tatsächlich haben es diese 2D-Passagen auch ins fertige Spiel geschafft, auch wenn der Untertitel wieder gestrichen wurde. Diese 2D-Abschnitte jetzt lang und ausführlich zu beschreiben, könnte schwierig werden. Das Gameplay bleibt in den 2D-Passagen nämlich identisch, lediglich die Kamera wechselt für die Dauer des Abschnitts, der durch Ein- und Ausgang klar vom Rest der Spielwelt abgetrennt ist, in die 2D-Ansicht. Hier sind dann einige Schalterrätsel zu lösen, bevor es wieder nach draußen in die dritte Dimension gehen kann, wo man in den meisten Fällen Veränderungen durch Bereisen des 2D-Abschnitts hervorgerufen haben wird.

Ansonsten ist das Spiel - nett formuliert - eine konsequente Fortführung seines Vorgängers. Hart formuliert ist es ein Plagiat seiner selbst. Im Spielbetrieb bleibt alles vollkommen unverändert. Die zu befreiende Stadt heißt jetzt nicht mehr Chroma City, sondern Prism City. Der Hauptbösewicht heißt nicht mehr Genosse Schwarz, sondern zunächst Papa Bleich und die Gegner sind die Bleichen und nicht mehr die Tintis. Am Hauptinhalt ändert das aber nichts: Nach und nach durchlauft ihr verschiedene Abschnitte von Prism City und färbt die Gebäude ein.

Dass de Blob 2 dabei kein sprühendes Innovationsfeuerwerk mehr ist, ändert aber letztendlich nichts daran, dass das Prinzip weiterhin genial und herrlich erfrischend ist. Es verfügt über einen tollen Humor, der mit allerhand Slapstick besonders in den Filmsequenzen zwischendurch für einige Lacher sorgt. Erfreulicherweise gibt es von diesen Zwischensequenzen jetzt recht viele, regelmäßig tauchen sie vor oder nach den Levels auf und treiben die Geschichte voran.

Neue Levels, alte Fehler

de Blob 2 ist im Vergleich zum Erstligswerk hauptsächlich eine Sammlung aus neuen Levels. Und – das muss man dazu sagen – Recycling gab es zum Glück wirklich nur beim Gameplay, nicht bei den eigentlichen Stages. Dafür hat es ein alter Missstand weiter ins Spiel geschafft, der damals schon zu beklagen war: Die Levels sind zu lang, teilweise sogar langatmig und verlangen dem Spieler zu viel Zeit ab. Möchtet ihr ein Level in Ruhe komplett und mit einigen Extras und der nötigen Erkundung durchspielen und dabei nicht nur von einer relevanten Story-Mission zur nächsten hetzen, braucht ihr eine gute Stunde für jede Stage. Dazwischen können Spieler den Fortschritt nicht fest speichern, es gibt lediglich einige Checkpoints, an denen ihr nach Pausen das Spiel wieder aufnehmen könnt. Das nervt besonders solche Spieler, die gern alle Extras suchen, alle Zusatzaufgaben erledigen und alle 100-%-Details auffinden wollen. Sie müssen einen beträchtlichen Teil des Nachmittags für ein kleines Level opfern und werden von der mangelnden Speicherfähigkeit als Geisel genommen.

Die Levels sind dabei ähnlich aufgebaut wie im Vorgänger: Jedes Level repräsentiert einen Stadtteil von Prism City. Dieses Viertel wiederum ist aufgeteilt in verschiedene Abschnitte, die der Blob nach und nach betreten kann. Von einem kleinen Roboter namens Pinky bekommt er zahlreiche storyrelevante Aufträge gestellt, die das Befreien von Stadtbewohnern, das Besiegen von kleinen Gegnern oder das Einfärben verschiedener Gebäude in unterschiedlichen Farben umfassen. Ist alles das erledigt, erscheint ein Transformator, der einen Abschnitt sozusagen abschließt und den nächsten öffnet. Ein wenig lästig ist dabei, dass der Spieler besonders am Anfang so penetrant an die Hand genommen wird, dass er sich in das zarte Alter von fünf Jahren zurückversetzt fühlt. „Hey Blob, probier‘ doch hier mal den Wandlauf aus“. „Hey Blob, färb‘ diese Gebäude ein“. „Hey Blob, siehst du diesen Schalter da? Du musst grün sein, um ihn zu bedienen“. „Hey Blob…“. Danke, ich kann auch selbst spielen, denkt man sich da, und möchte lieber auf eigene Faust erkunden, als ständig von einem pinken Roboter zum Handeln genötigt zu werden, um weiterzukommen. Der pinke Cyborg bietet sich Teamspielern übrigens auch in einem Koop-Modus an, wo ein Freund dann auf Gegner schießen und dem Blob noch auf andere Weisen unter die Arme greifen kann.

Nachdem man alle Pflichtaufgaben erledigt hat, bieten sich den 100-%-Komplettionisten noch allerhand abwechslungsreiche Zusätze an. Zum einen stellen euch die befreiten Stadtbewohner kleine Aufgaben, zum anderen geht es darum, wirklich alles einzufärben, jeden Baum, jedes Haus, jeden gefangenen Bewohner. Dabei hilft ein kleiner Kompass, der den Weg zu den Zielen weist. Hier stellt sich allerdings wieder die oben angesprochene Zeitproblematik –besonders im Freestyle-Modus, in dem es keine Story im Hintergrund gibt. So oder so kann man die Spielzeit auf gut und gerne 15 bis 20 Stunden ausweiten, was für einen Plattformer absolut spitze ist.

de Blob bleibt ein Hit

Nun hat man in diesem Test bisher durchaus viel Kritisches gelesen: Selbstplagiat, gleiche Fehler wiederholt, wenig Innovation. Doch hinter all diesen nüchternen Analysen steht weiterhin das Spiel von 2008, das damals begeistert hat. Und auch heute noch überzeugt das Konzept, das mit einer unheimlichen Lebendigkeit, einem ganz gewissen Charme und einem eingängigen Spielprinzip unkomplizierte und fröhliche Unterhaltung verschafft. Die abwechslungsreichen Aufgabentypen reichen vom Einfärben auf Zeit über kleine Wettrennen bis hin zu Suchaufgaben und schmücken das ohnehin schon bunte Gameplay noch weiter aus. Und verschiedene Extras verleihen dem Blob unendlich viele Farbpunkte, Unverwundbarkeit oder Regenbogenfarben.

Technisch gibt es bei de Blob 2 nicht allzu viel auszusetzen. Wie bereits schon in der HD-Version des Vorgängers, die Ende letzten Jahres erschien, haben die Entwickler saubere Arbeit geleistet. Die Bildrate läuft sauber und kommt gänzlich ohne Einbrüche aus und die Hintergründe und Kulissen wurden schön ausgearbeitet. Einzig aufpoppende Objekte in der Ferne stören etwas und zeigen, dass man das Spiel nicht komplett bearbeitet, sondern nur aufgewertet hat. Das ist für Xbox-One-Besitzer relativ bitter, denn die XBOX 360-Version lässt sich dank Abwärtskompatibilität auch auf der aktuellen Konsole spielen. Die technischen Unterschiede sind nur minimal, dafür bekommt man den Titel günstiger. Die musikalische Untermalung ist allerdings auch in der HD-Version das ganz große Highlight im Spiel.

Fazit:

de Blob 2 macht auch auf den aktuellen Konsolen eine gute Figur. Der Titel macht nach wie vor sehr viel Spaß und bietet ein sympathisches Jump'n'Run-Vergnügen, das so schnell nicht wieder loslässt. Die Musik im Zusammenspiel mit der Farbdekoration funktioniert auch bei der Fortsetzung prächtig und schafft von Beginn an ein "Gute-Laune-Gefühl". Viele neue Innovationen sollte man allerdings nicht erwarten und im Vergleich zum ersten Teil hat sich nicht sonderlich viel getan. Auch als aufgehübschte HD-Version ist de Blob 2 zwar detaillierter anzusehen, das Rad wurde allerdings nicht neu erfunden. Und so sieht man dem Spiel nur bei genauerem Hinsehen die Grafikpower der aktuellen Konsolengeneration an. Das alles soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass de Blob 2 noch immer ein gelungener Platformer ist, mit dem man einige schöne Stunden verbringen kann.

Getestet: Xbox-One-Version

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Gute-Laune-Plattformer mit toller Soundkulisse, der auch in HD begeistert."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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