Test: Payday 2

Von Michael Prammer am 03. März 2018

Wie wäre es, wenn ihr in einem Videospiel den Schurken heraushängen lassen könntet und das wahlweise sogar mobil? Die Switch-Version von Payday 2 ermöglicht genau das.

Die dunkle Seite des Gesetzes

In Payday 2 folgt ihr weniger einer Geschichte als vielmehr kleinen Story-Häppchen. Das Spiel gliedert sich in sogenannte Heists, was übersetzt Raubüberfälle bedeutet. Damit ist klar, auf welcher Seite des Gesetztes ihr euch befindet. Egal ob Banken ausrauben, mit Drogen handeln, Sicherheitscodes knacken oder Tresore leer räumen – in Payday 2 ist so ziemlich alles erlaubt, was sonst verboten ist. Die Hüter des Rechts sind dementsprechend euer größter Feind und Spielverderber und versuchen dem bunten Treiben ein jähes Ende zu setzen. Bei einem Einbruch entdeckt oder von einem Polizisten über den Haufen geschossen zu werden ist gleichbedeutend mit eurem Karriereende.

Es handelt sich bei Payday 2 um einen Shooter, gespielt wird aus der Ego-Perspektive und alle Missionen beginnen gleich. Zunächst setzt man seine Maske auf, dann begibt man sich auf die Suche nach schmutzigen Geschäften. Die Aufträge gliedern sich dabei vielfältig und beinhalten unterschiedliche Aufgaben. Mal darf man alles kurz und klein ballern und muss auf nichts und niemand Rücksicht nehmen, andere Aufträge verlangen dagegen Vorsicht und Verborgenheit. Gegner werden hier zwar auch erschossen, müssen aber dann versteckt werden. Hinzu kommt eine Pager-Funktion, die bei einem ausgeschalteten Feind beantwortet werden muss, da sonst Alarm geschlagen wird. Ein ausgelöster Alarm oder ein entdeckter Spieler beenden solche Aufträge, was diese Art von Missionen deutlich schwerer macht, als die eingangs erwähnten.

Großer Umfang...

Ein Auftrag endet nach einem oder mehreren Tagen und Checkpoints werden erst am Ende dieser Tage gesetzt. Stirbt man vorher oder wird, je nach Auftragsart, entdeckt, beginnt man den jeweiligen Tag von vorne. Das ist nicht weiter schlimm, da die einzelnen Abschnitte nie besonders lange sind und somit kein besonders großer Frust aufkommt, allerdings erhält man erst nach Beenden alle Abschnitte eine Belohnung. Diese wird in Form von Geld ausgeschüttet, das für das aufleben verantwortlich ist. Steigt man einen Level auf, gibt es Skill-Punkte, die dem Charakter neue Fähigkeiten verleihen. Neben der Charakterentwicklung, mit der man verschiedene Skills wie Heilfunktionen, Schießen, Code-knacken, etc. erweitert, investiert man sein hart verdientes Geld in neue Waffen, Kleidung oder Masken. Die Masken sind ein spielerisch unwichtiger, aber optisch interessanter Faktor im Spiel und so haben die Entwickler unzählige Gesichtsbedeckungen eingebaut, außerdem gibt es eine beachtliche Anzahl unterschiedlich ausbalancierter Waffen zu erwerben. Der Umfang ist allgemein gigantisch und es herrscht genug Motivation, sich mit den Aufträgen auch ein zweites Mal zu beschäftigen. Neben 17 spielbaren Charakteren gibt es knapp 50 Missionen zu entdecken. Das Belohnungssystem und die vielen Möglichkeiten, seine Knete sinnvoll anzulegen, sind zweifelsohne ein Highlight in Payday 2.

...dämliche KI...

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, um Missionen zu bestreiten. Offline mit der CPU ist zwar möglich, jedoch ist die KI gelinde gesagt strohdumm und man kann mit seinen Helfern wenig bis gar nichts anfangen. Das geht soweit, dass die Kumpanen nicht nur im Weg stehen, sondern sich teilweise ins Schussfeld stellen und töten lassen. Eine wirkliche Hilfe stellen die Begleiter in dieser Form nicht dar und so geht dem Spiel alleine ganz schnell die Puste aus. Besser funktioniert der lokale Mehrspielermodus, bei dem ihr allerdings auf mehrere Konsolen angewiesen seid. Hat man sich dann mit drei Freunden in einem Raum versammelt, macht das Spiel am meisten Spaß und entfaltet sein ganz großes Potential. Die Raubzüge und die Einbrüche sind mit gezielten Absprachen ein wahres Fest. Und dann wäre da noch der Online-Modus...



...ohne Voice-Chat

Ach, Nintendo, es ist das alte Lied. Man kann den Herstellern keinen Vorwurf machen. Vermutlich würden sie gerne, aber können nicht. Es fehlt der Voice-Chat, und ohne Voice-Chat und Absprachen kommt es zu Irrtümern und Misserfolgen. Es gibt zwar Tastenbefehle, mit denen man Kurzkommentare versenden kann, diese sind allerdings nicht präzise genug und helfen in vielen Situationen nicht wirklich. So muss man unter dem Strich sagen, dass der Online-Modus zwar nett ist, auch weil er in unserer Testphase ohne Verbindungsabbrüche auskam, jedoch nicht den Spaß bringt, den er sollte.

Aus technischer Sicht war Payday 2, das bereits im Jahr 2013 erschien, noch nie eine Wucht. Man muss der Nintendo-Version jedoch attestieren, dass man die Portierung gut umgesetzt hat. Technische Fehler gibt es keine zu bemängeln, die ganz große Grafikpracht bekommt man allerdings auch nicht auf den Bildschirm. Dazu kommt, dass die Switch-Version etwas dunkel wirkt und der Detailgrad der Modelle, Animationen und Hintergründe nicht besonders hoch ist. Dafür weiß der Soundtrack zu begeistern und stellt einen echten Höhepunkt im Spiel dar.

Fazit:

Payday 2 ist auf Nintendo Switch angekommen und findet mangels Alternativen durchaus eine Daseinsberechtigung. Das Spiel macht einiges richtig und kann in vielen Punkten auftrumpfen. Der gigantische Umfang und das motivierende Belohnungssystem sind zusammen mit dem großartigen Soundtrack die Kaufargumente für Payday 2. Wer noch zwei bis drei Switch-Besitzer in seinem Freundeskreis zählt, die ähnliche Vorlieben für Raubzüge hegen, denen sei das Spiel wärmstens ans Herz gelegt. Wer allerdings alleine unterwegs ist, muss sich mit einer saudummen KI herumärgern und online auf einen Sprachchat verzichten. Auf einen optischen Leckerbissen sollte man sich so oder so nicht freuen. Payday 2 verschenkt Potential , ein Schuss in den Ofen ist das Spiel deshalb allerdings noch nicht.

Wertung:

7.0

Michael Prammer meint:

"Mobile Raubzüge mit großem Umfang, die alleine leider wenig Spaß machen."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Herausragend
Technik: Durchschnittlich

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