Test: Hidden Agenda

Nutzer-Story von prog4m3r am 25. Februar 2018

,,Was hat er da jetzt schon wieder für einen Mist gespielt?", dürfte sich nun der ein oder andere Fragen. Ob Sonys PlayLink-Titel vielleicht doch überzeugen kann, erfahrt ihr hier!

PlayLink ist die Bezeichnung für eine Reihe an exklusiven PlayStation 4 Spielen, die es erlauben, eine Smartdevice mit Android- oder iOS-Betriebssystem als Eingabegeräte zu benutzen.Dazu wird natürlich die Installation einer (kostenlosen) App vorausgesetzt. Zudem müssen sich alle Geräte im gleichen WLAN-Netz wie die PlayStation 4 befinden. Während sich der Sinn solch einer Handy Anbindung bei Titeln wie Ubisofts Just Dance oder auch Just Sing schnell nachvollziehen lässt und Sonys PlayLink Reihe vorwiegend mit Quiz- und Minispielen daherkommt, bzw. auch einen Singstar-Ableger beinhaltet, handelt es sich bei Hidden Agenda um einen etwas anspruchsvolleren Titel.Wenn ich von Supermassive Games spreche wird manch einer sich wohl dunkel an 2015 zurück erinnern, denn in diesem Jahr erschien der Teenie-Slasher Until Dawn, ein interaktiver Film der sich recht nahtlos in die vorherigen Exklusivtitel dieser Art für PlayStation-Systeme einzureihen und dem ein oder anderen womöglich die Wartezeit auf Quantic Dreams Detroid: Become Human zu verkürzen vermochte. In etwa diese Kerbe wollte Supermassive Games mit dem Thriller Hidden Agenda nun erneut schlagen, dank des PlayLink Konzepts allerdings mit deutlich reduziertem Gameplay.

Mit dem Smartphone auf Mörderjagd

Eines vorweg, selbst wenn ihr alleine spielt setzt der Titel eine Smartdevice voraus. Dies macht ab zwei Spielern zwar durchaus Sinn, da auf dem Smartphone ein entsprechendes Logbuch der Geschichte angezeigt wird, hätte im Single-Player jedoch auch leicht umgangen werden können, indem man dieses einfach per Menü auf dem TV aufruft.

Doch zunächst ein paar Worte zur Story. In Hidden Agenda seid ihr auf der Jagd nach einem Serienmörder, oder besser gesagt, es gibt Zweifel ob ihr fünf Jahre zuvor den richtigen erwischt und nun nicht in 48 Stunden das Leben eines unschuldigen Mannes per Giftspritze sein Ende finden wird. Der Plot ist natürlich nicht sonderlich originell und es sollte euch nicht weiter schwer fallen während des Spielens die richtigen Schlüsse zu ziehen, die eigentliche Herausforderung lässt sich eher mit dem durchspielen einer Visual Novel vergleichen. Schafft ihr es ein bzw. das gute/beste Ende zu erreichen? Ein Spieldurchgang von Hidden Agenda ist dabei ungefähr so lang wie ein durchschnittlicher Spielfilm, jedoch ergibt sich aufgrund zahlreicher Enden ein recht deutlicher Wiederspielwert und so solltet ihr für einen Spielabend mit dem Titel womöglich doch Zeit für eine zweite oder gar dritte Runde einplanen, weil eure Mitspieler mit dem Ende wahrscheinlich nicht zufrieden sein werden.

Doch wie spielt man nun eigentlich diesen PlayLink Titel? Hat jeder brav sein Handy weg gelegt? Nein? Gut! Im Gegensatz zu anderen interaktiven Filmen steuert hier niemand die Figuren aktiv, ihr seid in eurer Handlungsfreiheit primär auf die Wahl aus von meistens zwei möglichen Optionen begrenzt. Antwort A oder B? Schießen oder lieber doch nicht? Aufgelockert wird das ganze durch ein paar Point-&-Click Such-, wo ihr in kurzer Zeit Hinweise finden müsst, sowie Actionpassagen, in welchen ihr Umgebung und Gegner ausweichen dürft. Leider ist die App nicht einmal ansatzweise so reaktionsfreudig wie ein vernünftiger Controller und so würde man sich bei einer höheren Anzahl solcher Einlagen den Thumbstick und mitunter gar die klassischen QTE zurück wünschen. Alleine habt ihr bei sämtlichen Entscheidungen natürlich klar das sagen, da der Titel jedoch für bis zu sechs Spieler gedacht ist, funktioniert es nach dem Prinzip des Mehrheitsentscheids. Natürlich ist 1 mehr als 0, aber ihr solltet euch echt überlegen ob ihr dieses Spiel zu zweit spielen wollt – bzw. ob ihr mit dieser Person zu zweit spielen wollt. Am besten kommt man letztendlich doch mit einer ungeraden Anzahl an Spielern voran, aber die Diskussion darüber welche Entscheidung man nimmt, gehört irgendwo ja auch zum Spiel. Neben diesem Mehrheitsentscheid können Spieler die bei QTE schnell sind noch Übernahmekarten sammeln um so Entscheidungen zu beeinflussen oder gar gänzlich allein zu treffen, an sich eine nette Idee, untergräbt dies jedoch den sekundären Wettkampfmodus, in welchem Spieler Geheimaufträge erhalten und die Gruppe zu einer bestimmten Entscheidung beeinflussen sollen.

Umsetzung mit Schwächen

Motion-Capture, gute Animationen und doch, irgendwie wird man das Gefühl nicht los hier wäre mehr gegangen, dieser Eindruck liegt wohl primär darin begründet, dass die Mimik der Charaktere trotz allem steif und die Augen tot wirken. Ganz davon ab, ist die deutsche Tonspur alles andere als Lippensynchron und generell nur mittelmäßig umgesetzt. Hereinploppende und nachladende Texturen sind da schon ein kleineres Problem, aber bei einem Spielkonzept welches auch mit real gefilmten Schauspielern funktionieren würde und wo man im Prinzip perfekt vorgerenderte und glatt geleckte Videos auf dem Animations-Niveau von Final Fantasy XV Kingsglaive zeigen könnte, ohne der Konsole all zu viel abzuverlangen, wird hier wohl vor allem das Budget mehr verhindert haben. In Sachen Komfort ginge natürlich auch noch etwas mehr, zwar hat die App eine Pause Taste, doch leider fehlt ein Knopf um zurück zu spulen, falls und dass soll ja mal vorkommen, jemand seinen Mund nicht halten konnte. Auch dass die App lediglich eine Benennung der Mitspieler mit bis zu sechs Zeichen zulässt ist eher unschön - nein ich meckere jetzt nicht nur darüber weil mein Name mehr Zeichen benötigt!1!!

Fazit: 

Atmosphäre und Inszenierung wissen im Großen und Ganzen zu überzeugen, die Story erfindet sich nicht neu, trägt den Titel aber durch seine kurze Spielzeit, bevor die Motivation ein besseres Ende zu erreichen euch anspornt es noch einmal anzugehen. Der Reiz von Hidden Agenda ist jedoch klar das Spiel mit mehreren, im Single-Player hat so ziemlich jeder andere Titel dieser Art deutlich die Nase vorn. Doch, das Konzept ist interessant und entsprechende Fortsetzungen könnten die ausbaufähige Umsetzung zu etwas machen was irgendwann wie ganz selbstverständlich zwischen den Blu-Ray und den „echten“ Videospielen im Regal der Elektronikmärkte steht. Rein preislich siedelt sich Hidden Agenda jedenfalls mit einer UVP von 19,99 Euro schon einmal richtig an, bzw. ist aktuell für den einer handelsüblichen Blu-Ray erhältlich. Ob Sony dieses Konzept jedoch weiter verfolgen wird oder gar andere Entwickler ähnliche interaktive Filmen herausbringen werden, ist wohl eher fraglich.

Wertung:

6.0

prog4m3r meint:

"Elf Freunde müsst ihr sein, obwohl… dann bräuchtet ihr zwei PlayStation."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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1 Kommentare:


Terry
vor 3 Monaten | 0
Cool. Hab mich schon länger gefragt, was das für ein Titel ist, aber irgendwie immer versäumt mal nachzusehen. Danke für deine Eindrücke.