Test: Toki Tori 2+: Nintendo Switch Edition

Von Mark Schäfer am 02. März 2018

Toki Toris knackiges Rätselabenteuer jetzt auch für Nintendo Switch.

Im Jahr 2008 war Toki Tori eines der Launchspiele für WiiWare und konnte daher einiges an Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das Remake des gleichnamigen Titels für den Game Boy Color bot dutzende Level, in denen ihr den Titelhelden Toki Tori zahlreiche Hindernisse überwinden ließt, um im Level verteilte Eier einzusammeln. Nun ist das gelbe Küken in Toki Tori 2+ auch auf Nintendo Switch unterwegs. Bei dem Nachfolger, der bereits seit 2013 für Wii U erhältlich ist, haben sich die Entwickler von TwoTribes von abgeschlossenen Levels, verschiedenen Items und den zu sammelnden Eiern komplett verabschiedet. Stattdessen setzen sie auf eine offene 2D-Spielwelt, die Interaktion mit Tieren und Objekten in der Umgebung und auf Toki Toris beschränkte Fähigkeiten: stampfen und pfeifen.

Ein einziges Rätsel

Ein Rätsel, das ist Toki Tori 2+ in der Tat. Von Beginn an seid ihr auf euch allein gestellt. Ohne Titelbildschirm direkt ins Spielgeschehen geworfen, findet ihr nur rudimentäre Hinweise zur Steuerung in der digitalen Spielanleitung. Diese beschränken sich auf die Tastenbelegung fürs Stampfen und Pfeifen und den Hinweis, dass die Welt in Toki Tori 2+ mit zahlreichen Tieren und Objekten versehen ist, die auf diese beiden Aktionen reagieren. Alles weitere gilt es selbst zu entdecken, das meinen auch die Entwickler: „Wir sagen dir, welche Knöpfe du benutzen musst, den Rest machst du!“

Also heißt es ausprobieren: Schon nach wenigen Metern mit Toki Tori stoßt ihr auf die ersten Hindernisse, die einem den Weg versperren. Was tun? Schnell findet ihr heraus, dass Tiere durch das Pfeifen angezogen und durch das Stampfen weggescheucht werden können. Krabben, die eine Holzkiste als Haus nutzen, können so zum Beispiel an gewünschte Positionen geleitet werden, um Stufen zu bilden oder Lücken im Boden zu füllen. Das Rätselniveau zieht jedoch schnell an: Toki Tori 2+ ist gespickt mit unzähligen trickreichen Stellen, die euch einiges an Hirnschmalz abverlangen.

Wie eingangs bereits erwähnt, bietet Toki Tori 2+ eine offene Spielwelt. Es gibt keine einzelnen, voneinander abgetrennten Level, die ihr nach und nach durchlauft und auch keine vorgegebene Route. Stattdessen sind alle Abschnitte durch viele Tore direkt miteinander verbunden, wodurch sich eine sehr verzweigte Spielwelt ergibt. Eine Weltkarte schafft etwas Orientierung, verhindert aber nicht, dass ihr vor einem Rätsel auch mal umkehren müsst, um eine andere Route zu finden. Dann heißt es die Beine in die Hand nehmen und den kompletten Weg zurücklaufen.

Etwas Abhilfe schaffen jedoch vereinzelt platzierte große Steine, welche als Art Portal dienen. Einmal im Spiel entdeckt, kann Toki Tori mit langen und kurzen Tönen eine Melodie pfeifen und sich damit von jedem Checkpoint von einem großen Vogel zu diesen Portalsteinen fliegen lassen. Die Checkpoints sind dabei sehr großzügig im Spiel verteilt und nahezu nach jedem Rätsel zu finden, sodass ihr auch nach Spielunterbrechungen direkt an der gleichen Stelle weiterspielen könnt, an der ihr unterbrochen habt. Die Chekckpoints helfen euch auch dabei, einzelne Rätsel zu wiederholen, etwa wenn ein zur Lösung notwendiges Tier beim vorherigen Versuch sein Leben lassen musste. Die Switch-Version geht sogar noch einen Schritt weiter und lässt euch beliebige Speicherpunkte erstellen, um ohne Angst vor Verlusten in den Rätseln experimentieren zu können.

Genie und Wahnsinn

Relativ schnell werdet ihr glauben, im Spiel eine Sackgasse erreicht zu haben. Das ist zunächst nicht problematisch, da sich gerade zu Beginn des Spiels viele alternative Wege auftun und ihr so einfach eine andere Route wählen könnt. Zum Problem wird es erst, wenn sich auch diese Wege als vermeintliche Sackgasse herausstellen. In solchen Momenten kann das Spiel sehr schnell frustrieren. Denn obwohl Toki Tori lediglich pfeifen und stampfen kann, sind die Rätsel, die einem den Weg versperren, alles andere als einseitig und vor allem nicht einfach. Häufig werdet ihr dann erstmal andere Stellen im Spiel vorziehen, um später einen zweiten Versuch zu starten oder legt eine Pause ein, um mit klarem Kopf erneut zu versuchen, ein Hindernis zu überwinden. So tauchen an einer Stelle des Spiels etwa Totenköpfe auf, die Toki Tori bei Berührung direkt sterben lassen und vermeintlich nicht umgangen werden können. An einer anderen Stelle des Spiels betretet ihr dagegen eine Höhle, die von diesen Totenköpfen nur so wimmelt, findet jedoch schnell heraus, dass sie vom Licht eines Glühwürmchen handzahm werden. Aufmerksames Beobachten und Erforschung der Umgebung führt also auf lange Sicht zum Ziel.

Von solchen Momenten gibt es viele im Spiel. Sehr häufig werdet ihr also bereits besuchte Abschnitte erneut betreten und nach alternativen Wegen absuchen und dabei immer wieder nützliche Hinweise entdecken. Je länger ihr euch an diesen Stellen die Zähne ausgebissen habt, desto größer ist später das Erfolgserlebnis, sie gemeistert zu haben. Dieser Erfolg wird stets begleitet von einem „Aha-Effekt“, denn alle Rätsel sind logisch aufgebaut und problemlos lösbar, wenn man denn erstmal herausgefunden hat, wie.

Die Verbesserungen der Switch Edition

Toki Tori 2+ sieht klasse aus - auch auf Nintendo Switch! Es bietet eine sehr liebevoll gestaltete Spielwelt, schöne Animationen, eine knallbunte Optik und läuft dabei konstant mit 60 fps, auch im Handheld-Modus. Im TV-Modus liegt die Auflösung bei 1080p, im Handheldmodus bei 720p. Die Nintendo Switch Edition des Puzzlers unterstützt zudem die HD-Vibrationsfunktion sowie die Videoaufnahmefunktion.

Die Plus-Version bringt gegenüber dem urspünglichen Toki Tori 2 einige neue Inhalte sowie vor allem einen Level-Editor, mit dem ihr eigene kleine Puzzles bauen und online mit anderen Spielern teilen können

Genügen euch die knackigen Rätsel des Spiels noch nicht, könnt ihr InGame-Erfolge sammeln oder es euch zur Aufgabe machen, den Tokidex zu füllen. Ähnlich einem Pokédex ist es das Ziel, alle Tiere und Objekte des Spiels zu fotografieren und zu katalogisieren. Egal ob Vogel, Frosch, Goldstück, Steine oder Toki Tori selbst, von jedem relevanten Objekt könnt ihr ein Foto machen, sobald die dazu nötige Melodie im Spiel gefunden wurde. Dann heißt es entspannt fotografieren statt knackiger Rätsel.

Fazit:

Toki Tori 2+ bietet sehr gute Rätselkost. Zu Beginn wirft es einen zunächst ins kalte Wasser: nur wenige Sifnos zur Steuerung müssen reichen und ehe man sich versieht, steht man in der ersten Sackgasse. Die Erfolgserlebnisse kommen aber häufig und schnell und motivieren immer wieder aufs Neue. So stört es mit der Zeit immer weniger, bereits absolvierte Passagen erneut zu durchlaufen, um alternative Wege zu finden, finden sich dabei doch ebenso häufig auch Lösungen zuvor „unlösbarer“ Rätsel. Die zuvor angesammelte Frustration ist dann wie verflogen und macht Platz für die Motivation, weitere Stellen zu knacken.

Wertung:

8.0

Mark Schäfer meint:

"Toki Tori 2+ ist eine harte Nuss! Wer knackige Rätselkost sucht und sich nicht so leicht frustrieren lässt, wird mit dem kleinen Küken sehr viel Spaß haben."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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