Test: Typoman: Revised

Von Nico Zurheide am 22. Februar 2018

Augenblck mal. Eni deutscher Entwickler bringt ein Spiel heruas, in dem es hauptsächlich um Sprache und Wörter geht, und bitet keine deutshe Übersetzung an? Ja, denn das wäre hier wirklich schwierig geworden. In Typoman sind die Buchstaben direkt in die Spielwelt eingebunden und beeinflussen je nach Zusammensetzung ihre Umgebung oder den Protagonisten. Eine Voraussetzung für ein erfolgreiches Abschließen des Spiels sind also grundlegende Englischkenntnisse. Und natürlich sollte man mit Buchstaben jonglieren können. Ob sich ein Ausflug in die Welt des 2D-Puzzlers lohnt, erfahrt ihr in den folgenden 3593 Schriftzeichen - dann auch garantiert ohne lästige Tippfehler.

Buchstabensuppe auf dem Bildschirm

Die schwarzen Lettern bestimmen das äußerliche Bild der Spielwelt, die ansonsten eher trist erscheint. Trotz der unscheinbaren Art ist merklich viel Arbeit in die Gestaltung der Umgebung geflossen - überall sind kleine Buchstaben versteckt, die zusammengesetzt die jeweiligen Dinge bilden, auf denen sie abgebildet sind. Auch der Protagonist Hero ist aus seinen vier Bestandteilen gebildet. Dann gibt es natürlich noch die großen Buchstaben, mit denen ihr Wörter bilden müsst, um Rätsel zu lösen und weiter vorwärtszukommen. Die Auswahl ist dabei im Gegensatz zu einem Scribblenauts bewusst begrenzt, es lassen sich nur vorgegebene Buchstaben verwenden. Diese stehen entweder direkt in der Gegend herum oder kommen aus Druckmaschinen. Werden die Buchstaben in einer sinnvollen Reihenfolge zusammengeschoben, aktiviert sich der beschriebene Effekt sofort. ON lässt nahe Plattformen aktivieren, Regen versiegt mit einem zusätzlichen D (RAIN - DRAIN) und gewährt so neue Wege, STOP deaktiviert fiese Fallen und so weiter und so fort.

Das Handling mit den Buchstaben, die in etwa so groß wie unser kleiner Hero sind, gestaltet sich recht langsam. Zwar merkt man damit einerseits, dass der Protagonist gerade eine Last trägt, doch in schnelleren Sequenzen fällt die träge Steuerung doch etwas zur Last. Immerhin hat der Entwickler hier Abhilfe geschaffen. Immer wenn Hero an einem Haufen Buchstaben steht, lassen sich diese mit Y schnell anordnen, während das Spiel pausiert - das spart Zeit und funktioniert reibungslos. Gegen den Frust gibt es zusätzlich zwei Hinweise auf die Lösung des jeweiligen Rätsels, erst einen poetischen Wink mit dem Zaunpfahl, anschließend wird auf Wunsch die richtige Anordnung angezeigt.

Nicht nur die Bewegung der wichtigen Schriftzeichen fällt dem Protagonisten schwer, auch die eigene Agilität ist im Vergleich zu anderen Platformern stark eingeschränkt. Das macht während der Rätsel zwar nichts aus, doch immer wiederkehrende Geschicklichkeitspassagen werden dadurch erschwert. In kurzen Action-Sequenzen muss Hero schnell vor bedrohlichen Buchstabenmonstern fliehen und hat keine Chance, sich ihnen zur Wehr zu setzen. Während dieser Abschnitte verfällt das Spiel außerdem zu oft dem Trial & Error, um derlei Hetzjagden noch rechtfertigen zu können. Eine panische Flucht verliert deutlich an Intensität, wenn sie zu oft wiederholt werden muss.

Revised-Version schränkt technische Schwächen ein

Neben der unhandlichen, wenn auch nicht akut störenden Steuerung des Helden fallen leider kleinere technische Mängel auf. Beim Weiterscrollen der Level kommt es immer wieder zu kurzen Rucklern. Von Neustarts einzelner Level aufgrund von Bugs oder gar kompletten Konsolenabstürzen ist auf Nintendo Switch aber nichts mehr zu sehen - auf Wii U waren diese Probleme durchaus vorhanden.

Im Vergleich mit den Originalfassungen der anderen Spielversionen ist die Spielfigur außerdem etwas agiler unterwegs und kann weiter springen, dadurch wurden den eben angesprochenen Schwächen aber nur notdürftig entgegengearbeitet. Die Revised-Edition erschien bereits 2016 auf PC, PlayStation 4 und Xbox One, bietet aber auch auf Switch keine neuen Spielinhalte. So werdet ihr nach drei bis vier Stunden schon den Abspann über den Bildschirm laufen sehen. Immerhin gibt es im Hauptmenü noch zwei Minispiele, diese können aber nicht lange unterhalten.

Fazit:

Brainseed Factory aus Bonn hat mit Typoman einen vielversprechenden Puzzle-Platformer geliefert, der sich letztendlich aber leider etwas selbst im Weg steht. Dem originellen Spielkonzept, der toll eingefangenen melancholischen Stimmung und dem stimmigen Niveau der Worträtsel stehen eine träge Steuerung, kleinere technische Mängel und vor allem eine zu kurze Spielzeit gegenüber. Die Abwesenheit einer Story soll für einen Puzzler nicht zu einem Negativpunkt werden, doch werden im Verlauf des Spiels kleine „Häppchen“ gezeigt; hier sollte man dann doch die „ganz oder gar nicht“-Schiene fahren. Wer gerne ein paar Worträtsel spielerisch lösen möchte, über gute Englischkenntnisse verfügt und sich vom trägen Drumherum nicht stören lässt, bekommt hier einen netten Knobler für Zwischendurch.

Wertung:

7.5

Nico Zurheide meint:

"Puzzler mit toller Spielidee, dem es aber etwas am Feintuning mangelt."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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