#Schmerzhaft: The Last of Us (Remastered)

Nutzer-Story von prog4m3r am 15. Februar 2018

Gibt es Spiele die man kennen muss? In die 101 des NplusX-Videospielkanon hat es The Last of Us jedenfalls geschafft und so gab ich letztendlich dem drängen von Kommentarschreiber Tobsen nach und schob Naughty Dogs gefeiertes Meisterwerk in meine PlayStation 4.

Wieso verfasse ich aber nun ein Schmerzhaft über diesen Titel, welcher in der akkumulierten Metacritic-Wertung immerhin respektable 95 Punkte einfahren konnte? Ist The Last of Us etwa gar nicht so gut wie alle behaupten oder will ich einfach nur austesten, ob Kamil wirklich den Bannhammer schwingt wenn ich ein #Schmerzhaft zu diesem Titel verfasse? 

Das „Naughty Dog“-Problem

Ich kann vorwegnehmen: The Last of Us ist kein schlechtes… Spiel, bzw. das Gesamtpaket rechtfertigt die Tendenz der Wertungen, als auch die Beliebtheit des Titels bei der Spielergemeinschaft. Wieso es mich trotzdem enttäuschte und wieso Kommentarschreiber Tobsens Behauptung es wäre zehnmal besser als Uncharted 2: Among Thieves – dem meiner Meinung nach besten Naughty Dog Spiel, welches mit 96 Punkten auf Metacritic auch dort eine leichte Führung hält – schlicht falsch ist, erfahrt ihr nach einer kurzen Werbeunterbrechung.

Na, wer von euch hat gedacht ich mache hier jetzt Werbung für The Last of Us? So witzig der Werbespot zu Uncharted 2 aber auch ist, er passt wesentlich besser auf jedes nach Uncharted 2 erschienene Naughty Dog Spiel – vor allem Uncharted 4, aber über diesen spielbaren Film will ich mich an dieser stelle nicht erneut aufregen, #$@&%*! Während das erste Uncharted noch eine Aneinanderreihung von nicht enden wollenden Feuergefechten war, setzte Uncharted 2 neue Standards in Sachen Inszenierung, während es leichtfüßig die Gratwanderung zwischen dieser und befriedigendem Gameplay meisterte und somit eine Punktlandung in erhöhten Wertungsregionen vollbringen konnte, lassen viele Videospiele die es ihm gleichtun wollten diese Balance vermissen. Bereits mit Uncharted 3 schlug die Waage in Richtung Überinszenierung aus. The Order 1886, welches klare Inspiration von Naughty Dogs Werken bezieht, verkam bisweilen gar zum QTE-Fest und über Uncharted 4 verliere ich jetzt mal keine weiteren Worte. The Last of Us reiht sich recht deutlich in diesen Trend ein, die Story steht klar im Fokus, das Gameplay ist nur ein Nebendarsteller.

„Oh no…“

Verlieren wir zunächst aber ein paar Worte zur Story. Jeder der über etwas mehr Empathie verfügt als ich, ist wohl bereits direkt am Anfang der Geschichte durch den vermutlich bewegenden Tode Joels kleiner Tochter Sarah an Naughty Dogs erzählerischen Haken. Alle die da etwas abgestumpfter sind, müssen sich ein sarkastisches „Oh no...“ jedoch nicht verkneifen, denn der Spieler selbst hat nach gefühlt zwei Minuten Spielzeit einfach keine Verbindung zu diesem Charakter, welchen Naughty Dog hier so unelegant für den ersten Zombie-Apokalypse Schock umbringt und natürlich um Joel eine traurige und nicht sonderlich tiefgründige Hintergrundgeschichte zu geben. Zum Glück bekommt Joel in Form von Ellie recht früh im Spiel Ersatz, was sollten wir auch ohne ein kleines Mädchen tun? Generell bleiben die Hauptcharaktere in Sachen Hintergrundgeschichte jedocherstaunlich blass, selbst der DLC „Left Behind“, welcher sich so halb mit der von Ellie beschäftigt fügt dem ganzen nur minimal mehr Tiefe hinzu. Auch im frühen weiteren Verlauf des Spiels lässt sich Naughty Dog leider nichts besseres mehr einfallen, hier hatte es Uncharted 2 mit seinen Aktion geladenem und humoristischen Ansatz aber auch deutlich einfacher, als The Last of Us mit seiner emotionalen Schiene. Doch genug der Nörgelei, The Last of Us erzählt eine grundsolide und eben auch emotionale Geschichte, deren Elemente man zwar schon in diversen anderen Zombies thematisierenden Werken gesehen hat, die keine besonders überraschenden Wendungen bereit hält und welche als simpler Film nicht funktionieren würde (ja, okay, ich nörgle gerne), aber wir reden hier immer noch über ein Videospiel und Videospiele nehmen einen mit auf die Reise, lassen einen das Abenteuer miterleben, man ist nicht der unbeteiligte Zuschauer, sondern mittendrin statt nur dabei. So kommt im Verlauf des Spiels doch noch eine Verbindung zustande, die einen zumindest ein wenig mit fiebern lässt und im letzten Drittel dann tatsächlich sogar noch richtig mitreißend wird. Da der ganze Spaß sehr brutal und blutig inszeniert und von diversen auch heute noch gut aussehenden Cutscenes untermalt wird, ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Titel eine allgemein durchaus positive Resonanz erhielt. Der eigentliche Knackpunkt an Naughty Dogs The Last of Us ist jedoch…

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Das BESCH...eidene Gameplay

Man sollte meinen in einem Spiel wo Munition und Ressourcen rar gesät sind, ist ein offensives vorgehen nicht immer die beste Lösung, leider lässt The Last of Us jedoch ein klitzekleines Element vermissen, denn vernünftige Stealth-Elemente sucht man vergeblich. Als großer Deus Ex Fan bin ich diesbezüglich wohl ohnehin fürs Leben verzogen und selbst mit der eigentlich grundsoliden Dishonored-Reihe nicht gänzlich zufrieden zu stellen, aber The Last of Us liefert kaum mehr Joels im hocken seicht gegen die Deckung gedrückten Hände um zu implizieren, dass man gerade versteckt ist. Nährt sich ein Charakter von hinten? Guckt ein Gegner in deine Richtung? Der Spieler weiß es nicht, was der ganze Situation zwar einen gewissen Realismus verleiht,spielerisch aber schnell ermüdend wird. Ellies zugerufene Warnungen kommen meist zu spät, entweder weil die eigentlich klickenden Insta-Death Zombies sich trotz dessen unbemerkt von hinten an geschlichen haben oder weil ein menschlicher Gegner einen entdeckt hat ohne dass man auch nur die Chance hatte seine Position zu wechseln, woraufhin natürlich jeder sofort weiß wo man gerade ist und man mit seinen zwölf Kugeln wieder unzählige Gegner erledigen muss. Die offensichtlichen Steatlh-Passagen mal beiseite geschoben, sind die Momente in denen man Zombie Horden abwehren muss ebenso ermüdend. Hauptgrund hierfür ist neben dem häufigen Mangel an Munition – obwohl Kommentarschreiber Tobsen felsenfest behauptet man würde genug finden wenn man sucht… NEIN! – und den ständig zerbrechenden Schlagwaffen schlicht und ergreifend der Stufe 3 Infizierte Insta-Death Zombie, welcher im Spiel als Clicker bekannt ist. Sofern man nicht gerade bis an die Zähne bewaffnet ist kann es auch schon mal vorkommen, dass man sich lediglich mit dem Jagdgewehr verteidigen muss und die Gegner sich auch weigern irgendetwas anderes zu droppen. Dies wird vor allem dann problematisch wenn einem die Stufe 2 Infizierten Runner zu nahe kommen, man mit ihnen ringt und in der Zwischenzeit ein Clicker auf biss Reichweite an einen heran kommt. Die unzähligen Bildschirmtode dank dieser Viecher sind zwar alle eindrucksvoll blutig inszeniert, dieses mitunter durch eine Sequenz durch sterben ist aber meiner Meinung nach schlicht und ergreifend unbefriedigend und nach dem zweiten oder gar dritten Anlauf indem einem dann doch noch eine Clicker kurz vor Ende zu nahe kam, auch einfach nur noch nervig. Naughty Dog macht auch nicht davor halt, dass ein Clicker einem in einer gescripteten Sequenz in der der Spieler keine Kontrolle mehr hat doch noch zerreißt, also seid vorsichtig und erledigt diese verdammten Viecher am besten alle, nicht dass ihr noch einmal von Anfang an die ganze Sequenz absolvieren dürft. Hab ich was zum Crafting gesagt? Egal, es funktioniert und ist nun wirklich nicht erwähnenswert, gibt es doch eh nur das aufzusammeln was von den Entwicklern platziert wurde. Abseits des soliden 3rd-Person-Shooter Gameplay und dem nicht wirklich vorhandenen Stealth-Gameplay „lockert“ The Last of Us den ganzen Spaß noch mit ein wenig, Brett, Leiter und Paletten Management auf. Okay sind wir fair, manchmal schiebt man auch Mülltonnen durch die Gegend. Aber die „Rätsel“, welche beinah allesamt darauf hinaus laufen Ellie  irgendwie von Punkt A nach B zu bringen um sie einen Schalter umlegen, eine Leiter runter werfen zu lassen oder eine Tür öffnen zu lassen, werden schnell langweilig und im Verlauf des Spiels selten einfallsreicher.

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Wer bis hierhin gelesen hat sollte zumindest eine grobe Idee haben, weshalb ich von The Last of Us leicht unterwältigt bin. Naughty Dogs hoch gelobtes „Meisterwerk“ ist natürlich keineswegs ein schlechtes Spiel, jedoch trifft hier eine meiner Meinung nach solide Story – mit einem emotionalen Ende, lediglich auf eher zweckmäßiges Gameplay, welches einen die Reise durch dieses lineare Spiel zwar ermöglicht, aber wenig Raum zur spielerischen Entfaltung bietet. 

Liebes Naughty Dog, macht euch doch bitte ein paar Notizen bei den Jungs von Eidos Montreal und gerne auch Crystal Dynamics um aus The Last of Us 2 spielerisch etwas mehr zu machen. Danke.

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4 Kommentare:


Tobsen
vor 7 Monaten | 1
" [...] obwohl Kommentarschreiber Tobsen felsenfest behauptet man würde genug finden wenn man sucht… NEIN!"

Doch.

Matthew1990
vor 7 Monaten | 3
Zusammengefasst:
"Mimimimi - The Last of Us ist kein Uncharted 2". :P

Falco
vor 7 Monaten | 0
Zwar argumentierst du deine Position, aber irgendwie kann ich sie schlecht nachvollziehen.
Ich frage mich, wann du das letzte Mal Uncharted gespielt hast, was meines Erachtens ein viel anstrengenderes Gameplay hat :D

Terry
vor 6 Monaten | 0
Ein bescheidener Text.