Unplugged: Brettspiel-Klassiker

Von Lars Peterke am 13. Februar 2018

In unserer ersten Ausgabe von Unplugged geht es um "Essentials". Ihr wisst nicht worum es hier geht? Dann klickt hier

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Und nun zu unserem Auftakt. Den machen bei uns natürlich die großen Brettspiel-Klassiker. Dabei sprechen wir allerdings ausschließlich von modernen Klassikern. Traditionelle Spiele bleiben außen vor. Wer in diesem Artikel also “Schach”, “Skat”, “Mensch ärgere dich nicht”, “Mühle” odere “Backgammon” erwartet, wird vermutlich enttäuscht.  

Im Gegensatz zu einem Großteil der Spiele aus unserer Unplugged-Reihe (die ihr oft nur in gut sortierten Fachgeschäften oder im Internet findet) können die folgenden drei Klassiker in jedem größeren Kaufhaus erworben werden. Vermutlich befindet sich auch schon das eine oder andere Spiel aus diesem Artikel im Familienbesitz.

Monopoly

Den Anfang macht der Brettspiele-Klassiker aus den USA. Monopoly ist erstmals im Jahre 1935 erschienen. Wir kamen allerdings erst Mitte der 50er Jahre in den Genuss des großen Spiels der Rezession. Gegen die Erstveröffentlichung von Schmidt Spiele aus dem Jahr 1936 hatten die Nationalsozialisten unter Goebbels etwas einzuwenden. In der DDR war Monopoly übrigens nicht erhältlich, sodass Kollektiv-Deutschland sich erst seit der Wiedervereinigung am Wohnzimmertisch um die Schlossallee prügelt. 

Das Prinzip von Monopoly ist dabei schnell erklärt. Bis zu sechs Spieler erhalten ein Startkapital in Form von kleinen Papier-Geldscheinen und beginnen im Anschluss reihum zu Würfeln und ihre Spielfigur entsprechend der Augenzahl auf dem Spielfeld zu ziehen. Dabei geht es endlos im Kreis, wobei es nach jeder Umrundung eine kleine Finanzspritze gibt. Man “zieht über Los”, ein Begriff den im Alltagsgebrauch wohl jeder zuordnen kann, so populär wurde Monopoly über die Jahre. Gespielt wird nach der Variante “Last Man Standing”. Wer kein Geld mehr hat fliegt, wer zuletzt übrig bleibt ist der Gewinner.

Fast jedes Feld auf dem Spielbrett trägt einen Straßennamen. Spieler können im Verlauf des Spiels Straßen kaufen, verkaufen, tauschen, mit Hotels bebauen oder eine Hypothek aufnehmen, um neues Geld flüssig zu machen. Landet ein gegnerischer Spieler auf einem Straßenfeld in eurem Besitz, dürft ihr abkassieren. Ereignisfelder und Aktionskarten runden die Spieldynamik ab. Auch wenn die Regeln selbst nicht zu komplex sind, lohnt sich ein Blick in die Anleitung. Über die Jahre haben sich nämlich so viele Hausregeln entwickelt und verbreitet, dass ein Beipackzettel in neueren Editionen inzwischen auf die größten Regelirrtümer hinweist. 

Für uns gehört Monopoly ganz klar in jede Spielesammlung. Der Mix aus Strategie und Glück ist sehr ausgewogen und die Regeln sind schnell erklärt und erlernt, bieten aber dennoch genug Tiefe und Raum für Taktik. Der größte Vorzug ist aber wohl der soziale Aspekt. Denn genau wie eine gute Runde Mario Kart profitiert auch Monopoly von der Interaktion der Spieler abseits der Hauptregeln miteinander. Darüber hinaus fördern Spielablauf und Regelwerk das Schmieden spontaner Allianzen. Schwächen gibt es für uns nur in der Spielbalance. Falls falsche Planung und Unglück zusammenkommen, kann es passieren, dass ein Spieler relativ früh aus dem Spiel ausscheidet und danach für recht lange Zeit zusehen muss, wie die verbleibenden Kontrahenten den Sieger unter sich ausmachen.

Eine zweite Schwäche ist das eher trockene Setting rund um Finanzen. Hier haben die Macher allerdings Abhilfe geschaffen. Inzwischen gibt es Monopoly nämlich in unzähligen Varianten und Variationen, die auch für Gamer besonders spannend sein können. Da ist allen voran das Zelda-Monopoly zu nennen, bei dem die Ausgestaltung hochwertiger ausfällt als beim Basisspiel und sich um das Königreich Hyrule dreht. Auch Fans anderer Nerd-Franchises finden mit Editionen zu Fallout, Assassin’s Creed oder Game of Thrones das passende Paket.

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Risiko

Was dem Amerikaner sein Monopoly ist, das ist dem Franzosen sein Risiko. Erstmals erschien Risiko im Jahre 1957 und hat sich seitdem zu einem absoluten Spieleklassiker hochgearbeitet. Vielleicht liegt das auch am Setting, denn mit Risiko kann man sich den waschechten Krieg an den Wohnzimmertisch holen und dabei à la Napoleon die Welt erobern. Risiko vereint dabei taktische Entscheidungen mit einer gewissen Portion Glück und Planungstalent.

Der große Reiz des Spiels liegt in den Missionskarten, von denen zu Spielbeginn jeder Spieler genau eine zieht. Die Missionskarte muss geheim gehalten werden und gibt die Siegbedingungen für jeden einzelnen Spieler vor, beispielsweise “Erobere Asien” oder “Vernichte die rote Armee”. Das führt dazu, dass keiner zu Beginn so recht weiß, wie sich das Spiel entwickelt. Einzig die Truppenstärke der einzelnen Spieler ist dank der vielen Figuren immer gut erkennbar. 

So schmieden die Spieler schnell Allianzen, nur um sich später mitunter in den Rücken zu fallen. Das ist spannend und motiviert über viele Spielrunden hinweg. Langfristig kann das jedoch etwas langweilig werden, denn wer regelmäßig spielt, der kennt irgendwann alle Missionskarten. Dementsprechend schneller fällt dann der Groschen und es lässt sich leichter antizipieren, welche Pläne die einzelnen Spieler wohl verfolgen.

Genau wie Monopoly hat es auch Risiko in die Popkultur geschafft, weshalb der geneigte Spieler zwischen vielen Editionen wählen kann. Für Gamer sind sicherlich die Editionen zu Star Wars, StarCraft oder Halo Wars interessant. Wer lieber bei der Basis-Ausführung bleiben will, der kann zwischen der aktuellen, modernisierten Auflage sowie Risiko Classic wählen. Denn auch bei Risiko gibt es inzwischen unzählige Regel-Variationen und Spielbrett-Layouts.

Während Monopoly sich einer großen Frischzellenkur bislang verwehrte, wurde Risiko vor einiger Zeit sehr erfolgreich modernisiert. 2011 verpasste der Spiele-Designer Rob Daviau dem Konzept einen neuen Anstrich und erfand dabei eine völlig neue Brettspiel-Gattung: Legacy-Games. Während sich normale Brettspiele metaphorisch wohl eher mit einem guten Film vergleichen lassen, sind Legacy-Games Fernsehserien. In einem Legacy-Spiel sind die Anzahl an Spielsitzungen fest vorgegeben. Dabei wird das Spielbrett bemalt, beklebt und ramponiert. Nach jedem Sitzung oder bei bestimmten Spielaktionen können Events auslösen, die alle nachfolgenden Spielsitzungen beeinflussen. Die Legacy-Variante hört bei uns auf den Namen “Risiko Evolution” und spielt in einem postapokalyptischen Setting. Das Spiel ist auf 15 Sitzungen ausgelegt, kann danach aber mit den bis dahin eingeflossenen Modifikatoren weitergespielt werden. Wer also regelmäßig mit einer festen Gruppe spielt, sollte sich “Risiko: Evolution” unbedingt einmal ansehen. 

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Catan - Das Spiel

Der letzte große Klassiker kommt aus Deutschland und hat es trotz seines relativ jungen Alters inzwischen ebenfalls zum Weltruhm geschafft. Erstmals 1995 unter dem Namen “Die Siedler von Catan” erschienen findet sich die Aufbausimulation von Klaus Teuber heute in so ziemlich jedem gut sortierten Spieleschrank. Das Spielprinzip ist simpel: drei bis vier Spieler versuchen die Insel Catan zu besiedeln. Dazu sammeln sie Rohstoffe, um Straßen und Siedlungen zu bauen. Letztere lassen sich später auch zu Städten erweitern. Boni gibt es für die längste Straßenkette oder die größte Rittermacht. Alle Errungenschaften schlagen sich dabei in Siegpunkte nieder. Wer zuerst die benötigte Anzahl an Siegpunkten erreicht, gewinnt.

Der hohe Spielspaß von Catan fußt im Wesentlichen auf zwei Faktoren. Zunächst ist jedes Spiel anders. Denn vor jedem Spielbeginn wird die Insel Catan aus den vielen einzelnen Hexagon-Feldern neu zusammengebaut. Jedes Feld entspricht gemäß seiner Abbildung einem Typ und wirft die entsprechende Ressource (Lehm, Holz, Erz, Wolle oder Getreide) ab. Nach dem Aufbau bekommt jedes Feld per Zufall noch einen Zahlenwert zugewiesen, die beeinflusst wie ertragreich die einzelnen Felder sind. Außerdem darf der aktive Spieler jederzeit mit allen anderen Spielern Handel treiben und Ressourcen tauschen. Kooperation, spontane Bündnisse und Austausch sind also zentrale Elemente, die Catan zu einer sehr geselligen Angelegenheit machen.

Von allen drei Klassikern ist Catan für uns spielerisch besonders rund. Die Regeln sind ungemein leicht verständlich und eingängig und trotz viel Spieltiefe wird es selten zu komplex. Wer dann irgendwann Blut geleckt hat, der kann die Komplexität mit diversen erhältlichen Erweiterungen nach eigenem Belieben anpassen. “Die Seefahrer” und “Städte und Ritter” erweitern das Spielerlebnis mit einer größeren Spielwelt (Seefahrer) oder bauen ganze Teile des Basisregelwerks um und führen neue Ressourcentypen ein (Städte und Ritter). Für das Basisspiel und die Erweiterung gibt es zudem Upgrade-Pakete, damit man auch mit fünf oder sechs Spielern spielen kann. 

Neben der “Trilogie” aus Catan und seinen beiden Erweiterungen hat sich das Universum inzwischen auf eine beachtliche Größe erweitert. So gibt es mit den Erweiterungen “Händler und Barbaren” und “Entdecker und Piraten” weitere Ergänzungen, die sich in erster Linie auf neue Szenarien oder neue Modi konzentrieren. So wird mit der Händler-und-Barbaren-Erweiterung auch ein Spielmodus für zwei Spieler eingeführt. Wer es etwas nerdiger mag, der kann sich in Catan-Varianten im Universum von Star Trek oder Game of Thrones austoben. Während die Star-Trek-Variante bis auf wenige Kniffe einfach eine andere Art des Basis-Spiels ist, kann in der Variante zu Game of Thrones neben dem Basisspiel mit "Die Bruderschaft der Nachtwache" auch ein komplett neuer Modus gespielt werden.

Catan - Das Spiel bei Amazon

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Wir hoffen unser erster Ausflug in die analoge Spielwelt hat euch gefallen. Dazu wollen wir von euch wissen: welche Klassiker dürfen eurer Meinung nach auf gar keinen Fall fehlen? Zu welchen Spielen wollt ihr in Zukunft etwas lesen? Schreibt uns einen Kommentar!

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14 Kommentare:


Samus_Aran
vor 6 Monaten | 0
Teaser: in der nächsten Unplugged-Ausgabe geht es in eine weit entfernte Galaxis...

JoWe
vor 6 Monaten | 0
Sehr interessantes Format. "Monopoly" und "Siedler von Catan" mit Erweiterungen habe ich oft gepielt, Risiko noch nie.
Interessant fände ich mal einen Artikel über diese Coop-Brettspiele, bei denen man nicht gegeneinander, sondern zusammen gegen das Spiel spielt (Pandemie - oder wie das heißt - fällt mir da gerade nur ein) ...

_Kate_to_Switch_
vor 6 Monaten | 0
Meinst du sowas wie die Escape-Rooms als Brettspiele?
Samus_Aran
vor 6 Monaten | 1
Das Pandemie-Universum bekommt irgendwann in den nächsten Wochen sicherlich auch einen eigenen Artikel gewidmet :)

Sam
vor 6 Monaten | 1
Coop-Brettspiele gibt es in den letzten Jahren zu Hauf. Schade, dass das einzige, das wirklich große Wellen geschlagen hat, Pandemie ist (insbesondere mit dem spannenden Pandemic Legacy, das in den letzten Jahren raus gekommen ist. Aber die Liste guter kooperativer Brettspiele ist mittlerweile wirklich lang).
Ich hoffe, dass sich die Reihe auch etwas in die Tiefe bewegt, also bspw. über Pandemie hinaus geht. Auch wenn manche Spiele (Villen des Wahnsinns, Zombicide, Winter der Toten,...) erstmal durch einen hohen Kaufpreis abschrecken können. Die meisten sind es wert. :)


Matthew1990
vor 6 Monaten | 0
Richtig cooles Format. Ich würde mich da noch über richtige Perlen freuen abseits der altbekannten Klassiker. Hatte bei Freunden oft coole Spiele gesehen, die Abseits des Allbekannten lagen, wie Zombicide oder Das Ding. :)

Bei Monopoly hätte vielleicht eher das Mario Monopoly gepasst mit den zusätzlichen Änderungen via Items und Fähigkeiten. :D

Samus_Aran
vor 6 Monaten | 1
Du meinst sicher Monopoly Gamer. Das habe ich mir auch angesehen, aber spielerisch ist das ziemlich flach, kein Vergleich zu Risiko Evolution. In einer der nächsten Artikel habe ich auch was mit Zombies auf der Liste ;)
Matthew1990
vor 6 Monaten | 0
Ja, genau! Das meinte ich. :)
Echt? Vom Lesen wirkte es wie eine gute Abwechslung zu Monopoly.
Wobei ich hörte, es soll auch "DLC"s haben. XD


Clessidor
vor 6 Monaten | 0
Sehr schönes Format. Als jemand der regelmäßig Brettspielabende veranstaltet, freue ich mich schon auf die kommenden Ausgaben.
Die einzige Frage ist, ob ihr bei Unplugged auch die kleine Ausnahme in Sachen stromlos machen könnt und in einer Ausgabe solche Geschichten wie X-Com das Brettspiel oder Die Alchemisten behandelt könnte, welche ja dann App-basiert sind, aber an sich auch recht interessant sind.

Samus_Aran
vor 6 Monaten | 1
Ja, da machen wir locker eine Ausnahme, tatsächlich gibt es bei einem der Spiele für die kommende Ausgabe eine Companion-App für Smartphones mit denen ein reines Koop-Spiel realisiert wird, sowas findet dann natürlich Erwähnung :)

michi1894
vor 6 Monaten | 0
Risiko und Catan sind aus diesem Artikel meine beiden Spiele, die ich am meisten mit meiner Familie gespielt habe.
Das verrückte Labyrinth kommt dann gleich danach, war allerdings in jüngeren Jahren.

Hakuo
vor 6 Monaten | 0
Bei uns sind die Klassiker die gerne gespielt werden: Risiko, Catan und Cluedo. Monopoly nur ab und zu.
Erstaunlicherweise hatte ich mir bei Catan auch die Game of Thrones Variante angeschaut, allerdings hat mich da das stark gewandelte Spielprinzip sehr abgeschreckt.
Wo ich die Got Variante allerdings vollstes empfehlen kann sind Cluedo, Risiko und Monopoly.
Cluedo bietet zwei Karten mit unterschiedlichen Figuren (Mereen/Roter Bergfried), Risiko (aber leider nur als CE) ist der Wahnsinn: mit bis zu sieben Spielern auf Westeros UND Essos kämpfen. Und Monopoly bietet eben bekannte Orte und Ereignisse :))
Mein Favorit ist da klar die Risiko Version, allerdings muss man hier tief in die Tasche greifen: die deutsche CE ist vergriffen und kostet locker über 100€ in der Bucht.
Geheimtipp (so hab ichs gemacht), wenn ihr englisch könnt und die englischen Orte kennt: Kauft Risiko GoT in der englischen Variante, direkt bei Winning Moves (die vertreiben sowohl deutsche als auch englische Version in D). Im englischen gibt es keine CE, sondern das volle Spiel für sieben Leute ist standart. Bestellt man das da bekommt man noch ne deutsche (original-)Anleitung beigelegt.

Abraten würde ich auf jedenfall von der "Gefecht" Version, da sie wohl keine Missionen enthält...

Asinned
vor 6 Monaten | 0
Risiko habe ich die Herr der Rimge Variante, aber kommen nie dazu es zu spielen. Catan wird bei uns auch viel gezockt.

Im Moment stehen wir aber auf einen etwas moderneren Klassiker: Dominion

treib0r
vor 6 Monaten | 0
Wird diese Kolumne demnächst auch etwas "nerdiger"? Es gibt dermaßen gute und interessante Brettspiele, dass die allseits bekannten mal locker außer Acht gelassen werden können.