Test: Furi für Nintendo Switch

Von Michael Prammer am 26. Januar 2018

Spiele, die sich lediglich auf Bossgegner beschränken, sind selten, können aber dennoch ziemlich reizvoll sein. Furi ist eines dieser Spiele. Wir haben es für Nintendo Switch getestet.

Furi schert sich nicht um eine Story und lässt den Spieler bestenfalls an einer groben Rahmenhandlung teilhaben. Als namenloser Held erwacht ihr eines Tages in einem Gefängnis, werdet von einem merkwürdigen Wesen im Hasenkostüm aus den Fesseln befreit und dürft euch sogleich dem ersten Widersacher entgegenstellen. Damit gelangt der Spieler ohne Umwege zur eigentlichen Kernmechanik in Furi: dem Bekämpfen von insgesamt zehn Bossen.

Zwischen Twin-Stick-Shooter und Schwertkampf

Diese Herausforderung gestaltet sich bei jedem Kampf ähnlich und gliedert sich in mehrere Phasen ein. Zunächst muss der Feind mit Schüssen aus der Ferne ordentlich angeknockt werden. Dies erfolgt in ähnlicher Manier wie bei einem klassischen Twin-Stick-Shooter und stellt sich in der Praxis noch als eine der leichteren Übungen heraus. Erst danach beginnt in der zweiten Phase der eigentliche Kampf und ihr tretet dem Boss mit eurem Schwert gegenüber. Von Auge zu Auge. Nahkampf ist angesagt. Mit verschiedenen Angriffsmustern brescht der Gegner auf euren Helden ein und versucht ihn zur Strecke zu bringen. Die Angriffsmuster müssen dementsprechend von euch erlernt werden, damit ihr nicht allzu schnell das Zeitliche segnet. Durch taktisches Ausweichen, cleveres Parieren der gegnerischen Schläge und gut getimten Schwertangriffen bändigt ihr euren Widersacher Stückchen für Stückchen.

Das ist mitunter allerdings eine ganz schön zähe Angelegenheit, erfordert eine Menge Geduld, ganz viel Übung und sehr viel Frustresistenz. Denn Furi ist bockschwer, unbarmherzig und verzeiht kaum einen Fehler. Schnell wird man im Eifer des Gefechts überheblich und will noch flink den letzten Schlag setzen, ohne aber dabei die eigene Energie im Blick behalten zu haben. Doch dann ist es häufig zu spät: Game Over. Habt ihr jedoch eine Phase überwunden und einen der Kontrahenten in die Schranken gewiesen, lädt sich der eigene Energiebalken glücklicherweise wieder auf. Das macht das ganze Unterfangen allerdings dennoch kaum leichter, da ihr selbst nur drei Leben habt, während die Bossgegner mindestens über die doppelte Anzahl an Gesundheit verfügen.

Hart, aber fair

Dennoch ist Furi keinesfalls unfair. Das liegt vor allem an der tadellos funktionierenden Steuerung. Egal, ob zu Beginn im Twin-Stick-Modus oder später in den Schwertduellen - die Befehle sind präzise und gehen prima von der Hand. Auch die Lernkurve von Furi ist relativ steil, wenn ihr euch denn darauf einlässt. Scheitert man zu Beginn noch regelmäßig an eigenem Unvermögen und nicht selten an aufkommender Ungeduld, so wird der Spieler nach dem Studieren der einzelnen Bewegungsmuster der Feinde durchaus zügig erste Erfolge feiern.  

Leider bietet Furi abseits der insgesamt zehn Bosskämpfe kaum weitere Inhalte. Von einem zum anderen Kontrahenten sind teils langatmige Fußmärsche in Kauf zu nehmen, die zwar gnädigerweise übersprungen werden dürfen, jedoch keinerlei Sinn machen. Anstatt irgendwelche Sammelobjekte oder Ähnliches in der Furi-Welt zu verstreuen, gibt es wirklich gar nichts zu entdecken. Deshalb bietet Furi auch kaum einen Wiederspielwert und kann nach einmaligem Durchspielen getrost zu den Videospiel-Akten gelegt werden – wenn man es denn überhaupt durchschafft bzw. überhaupt durchschaffen möchte. Denn spätestens ab dem dritten bzw. vierten Bosskampf werden viele Spielsituationen ähnlich wirken, allzu viel Abwechslung sollte man danach nicht mehr erwarten. Furi bleibt somit eine Aneinanderreihung von bockschweren Bosskämpfen, die immer nach dem selben Schema ablaufen. Immerhin hat es in die von uns getestete Switch-Version der DLC „One More Fight“ geschafft, der einen Kampf mehr ins Spiel bringt als das Original.

Aus technischer Sicht gibt es hingegen nichts zu bemängeln. Furi sieht optisch ansprechend aus und läuft stets flüssig über den Bildschirm. Die rasanten Kämpfe, die mit knallbunten Effekten aufwarten, wissen zu gefallen, auch wenn der Stil des Spiels auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig wirkt und sicherlich nicht jedermann gefallen wird. Der Elektrosound, der das Spielgeschehen untermalt, passt zudem wie die sprichtwörtliche Faust auf's Auge.

Fazit:

Furi ist ein Spiel, das keinesfalls die breite Masse ansprechen dürfte. Das liegt auf den ersten Blick an der außergewöhnlichen Aufmachung, in letzter Konsequenz aber vor allem am Spielprinzip. Denn Furi ist sehr schwer und wer nicht dazu bereit ist ein wenig Frust in Kauf zu nehmen und das Spiel „zu erlernen“, wird wenig Freude mit dem Titel haben. Außerdem muss akzeptiert werden, dass das Spiel nur aus Bosskämpfen besteht und diese zudem oftmals nach ähnlichen Mustern ablaufen. Dennoch machen die knackigen Kämpfe sehr viel Spaß und es gibt kaum eine größere Genugtuung, als wenn ihr einen Widersacher nach vielen Versuchen endlich gelegt habt und zum nächsten Kampf aufbrechen könnt. Darin liegt der große Reiz des Spiels, vielmehr sollte man hingegen auch nicht erwarten.

Wertung:

7.0

Michael Prammer meint:

"Von knackigem Bosskampf zu noch knackigeren Bosskämpfen im außergewöhnlichen Grafikstil. Nicht mehr und nicht weniger."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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