Monster Hunter World: Ein Erfolgsrezept für den Westen?

Von Andreas Held am 21. Januar 2018

Capcom kommunizierte nach dem Release von Monster Hunter Generations, dass der Publisher nicht zufrieden mit den im Westen erzielten Verkaufszahlen sei. Monster Hunter World soll das nun ändern.

Ein Reboot für Neueinsteiger

Das PS4- und Xbox-One-Debut, mit dem die Serie zum ersten Mal seit 2011 wieder auf eine Nicht-Nintendo-Plattform zurückkehrt, soll vor allem das festgefahrene Image der Serie aufbrechen und den Eindruck beseitigen, dass sich Monster Hunter ausschließlich an eine kleine Zielgruppe richtet, die dutzende Stunden mit dem Erlernen der Spielmechaniken zubringt und danach hunderte Stunden lang trainieren muss, um überhaupt eine Chance gegen die stärksten in der Spielwelt lebenden Monster zu haben. Die kostenlosen Beta-Versionen, die in den vergangenen Wochen im PSN auftauchten, waren für viele Spieler der allererste Kontakt mit Monster Hunter - und das wusste Capcom auch. Sie hatten daher nicht nur die Aufgabe, Neulinge anzulocken, sondern mussten darüber hinaus sicherstellen, dass diese nicht sofort wieder frustriert aufgeben.
Der Umfang an Neuerungen, die wir schon nach dem ersten Anspielen dieser Beta-Versionen ausmachen können, ist reichlich. Der Charakter-Editor ist zwar noch nicht enthalten, aber die verfügbaren Presets verraten schon einmal, dass die gestalterischen Möglichkeiten sehr umfangreich ausfallen werden. Einige der Designs richten sich eindeutig an einen westlichen Geschmack und unterscheiden sich somit stark von dem, was in den Vorgängern zu sehen war. Eine zweite Neuerung, über die wir schon vor dem eigentlichen Spielstart aufgeklärt werden, betrifft die Palicos. Diese katzenähnlichen Wesen hatten in vielen älteren Serienablegern eine Support-Rolle und bewirtschafteten unter anderem eine Farm, auf der der Spieler Pilze und Käfer züchten durfte. In der jüngeren Vergangenheit gab es außerdem die Möglichkeit, Palicos auf eine Jagd mitzunehmen, wo sie Monster attackieren oder den Spieler heilen konnten. In Monster Hunter World erstellen wir nun zusätzlich zu unserem Charakter auch einen uns fest zugewiesenen Palico, der sein eigenes Ausrüstungsset trägt und als KI-Helfer an jeder Jagd teilnehmen wird, bei der weniger als drei menschliche Spieler präsent sind - also auch im Einzelspielermodus.

Easy Mode

Sobald wir auf den Jagdgründen angekommen sind, werden die wirklich zentralen Neuerungen des Spieldesigns deutlich. Eine namenlose Begleiterin versorgt uns mit Tutorial-Nachrichten und erklärt fast jeden einzelnen Schritt des Spiels: Dass wir Items aufsammeln können, dass wir mit Rohstoffen weitere Items herstellen können und wie wir unsere Beute aufzuspüren haben. Später im Kampf wird sie sich jedes Mal zu Wort melden, wenn das Monster in den Rage Mode wechselt, wir es zu Boden geworfen haben, unsere Waffe geschliffen werden muss oder wenn unsere Lebensenergie niedrig ist. Große Grafiken auf der Mitte des Bildschirms zeigen auf, welche Item-Symbole wir auswählen und welchen Knopf wir drücken müssen, um die entsprechenden Aktionen durchzuführen. Eine noch wichtigere Neuerung sind die sogenannten Scoutflies, eine Art Glühwürmchen-Rasse. Diese Insekten fliegen automatisch in Form kleiner Glitzerstreifen von der Spielfigur aus zu allen Sammelobjekten und sorgen dafür, dass diese Neongrün in der Spielwelt aufleuchten. Sie zeigen uns außerdem diverse Fußabdrücke und andere Spuren des gesuchten Monsters auf - haben wir eine bestimmte Anzahl davon untersucht, führen uns die Scoutflies direkt zu unserer Beute.
Bei so vielen Spielhilfen ist es nicht verwunderlich, dass die Kämpfe selbst ebenfalls deutlich einfacher ausfallen. Den Barroth, der in Monster Hunter 3 Ultimate recht früh im Spiel auftauchte und für viele Spieler schon eine wirklich große Hürde darstellte, habe ich in der Beta von Monster Hunter World beim ersten Versuch besiegt, ohne ein einziges Item benutzen zu müssen. Dass ich komplett ohne Potions auskam lag auch daran, dass mein spitzohriger Begleiter während der Auseinandersetzung zwei Heilzauber ausgesprochen hat, die den bis dahin erlittenen Schaden jeweils annulierten. Die Kampfstärke eines deutlich schwierigeren Monsters, das in der Vollversion wohl erst in der zweiten Hälfte des Spielverlaufs auftauchen wird, entsprach gefühlt etwa der des Qurupeco aus Monster Hunter 3 Ultimate. Mit dem Einsatz von Heiltränken stellte jedoch auch dieser Kampf keine Gefahr dar - problematisch wurde hingegen das mit 20 Minuten sehr knapp bemessene Zeitlimit.

Ein Erfolgsrezept?

Capcom hatte offenbar große Angst davor, dass potentielle Neulinge nach dem Anspielen von Monster Hunter World wieder abspringen könnten, weil sie irgendeinen Aspekt des Spiels verwirrend oder zu schwierig finden. Dass Serienfans durch die neue Zugänglichkeits-Offensive gelangweilt und schließlich vergrault werden könnten, sieht der Publisher hingegen offenbar nicht als Risiko an. Die Entwickler haben in Interviews bestätigt, dass man die Scoutflies auch in der Vollversion nicht abstellen kann. Ebensowenig gibt es Anzeichen dafür, dass die Vollversion einen klassischen Schwierigkeitsgrad, Optionen zum Ausschalten der Spielhilfen oder einen echten Solo-Modus ohne Palicos beinhalten könnte. Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist diese Herangehensweise verständlich: Monster Hunter war im Westen nie sonderlich erfolgreich, und japanische Langzeit-Fans können auf Monster Hunter XX HD ausweichen.
Ob Capcom damit wirklich ein Erfolgsrezept gefunden hat, bleibt fraglich. From Software wehrt sich erfolgreich gegen die Einführung eines Easy Modes in Dark Souls - und ist damit wahrscheinlich recht gut beraten. Denn mit einem niedrigen Schwierigkeitsgrad wäre das Action-RPG plötzlich ein ziemlich schlechtes und belangloses Spiel, das sich in keinem Aspekt von genreverwandten Titeln abhebt und in sehr vielen Bereichen sogar unterlegen sein würde. Capcom geht bei Monster Hunter World also das Risiko ein, dass seine Monsterhatz vom hiesigen Mainstream plötzlich mit westlichen Action-Titeln wie The Witcher III oder Horizon: Zero Dawn verglichen wird, in denen es zeitweise auch um die Jagd auf riesige Kreaturen ging. Und in dieser Gegenüberstellung zieht es natürlich den Kürzeren, da das Reboot nicht annähernd mit den Production Values dieser westlichen Großproduktionen mithalten kann. Monster Hunter hinkt grafisch immer noch weit hinterher, spielt sich eher steif und undynamisch, hat eine bestenfalls rudimentäre Story und wirkt in seiner generellen Präsentation einfach ein bisschen altbacken. Wer bis jetzt kein Interesse an Monster Hunter hatte, könnte beim Spielen des PS4-Ablegers recht schnell die Reizüberflutung westlicher Action-Produktionen vermissen.

Mein persönliches Fazit zur Beta

Dass dieser Artikel nun insgesamt sehr negativ klingt, liegt sicherlich auch daran, dass mein allererster Eindruck von der Beta mit einer großen Enttäuschung endete. Es war zwar abzusehen, dass sich Capcom das Ziel "Neukundengewinnung" ganz oben auf die Prioritätenliste geschrieben hat, aber die Art und Weise, wie dieses in der Anspiel-Version umgesetzt wurde, ist dann doch etwas ärgerlich. Es stört mich nicht, wenn sich Monster Hunter für Neulinge öffnet - selbst der harte Kern der Serienfans würde im Idealfall von höheren Verkaufszahlen profitieren, da Capcom mit größeren Budgets immer umfangreichere Nachfolger liefern könnte. Zu einem persönlichen Problem wird diese herangehensweise erst, wenn die Konzernspitze auf die Idee kommt, dass der vergleichweise kleine Anteil der Serienveteranen wirtschaftlich zweitrangig ist und er deshalb plötzlich aus der angepeilten Zielgruppe ausgesperrt wird. Solange die Vollversion nicht in den Regalen steht kann natürlich nur darüber spekuliert werden, ob dies bei der Entwicklung von Monster Hunter World passiert ist. Aber nach dem jetzigen Stand ist es nahezu ausgeschlossen, dass das fertige Spiel mit Optionen für höhere Schwierigkeitsgrade oder zum Ausschalten der Spielhilfen ausgestattet sein wird.
Gleichzeitig gibt es aber noch keinen Grund, wirklich den Teufel an die Wand zu malen. Mein zweiter Anlauf an die Beta, gegen ein stärkeres Monster und mit dem Wissen, was mich erwartet, brachte die Vorfreude auf den Release am kommenden Freitag zumindest zum Teil zurück. Serienfans müssen sich darauf einstellen, dass sie mit Monster Hunter World einen gut spielbaren Action-Titel bekommen, der die hohe Intensität der Vorgänger aber leider vermissen lässt. Den angepeilten Neueinsteigern würde ich hingegen noch eher zur Skepsis raten. Denn wer bisher nichts mit Monster Hunter anfangen konnte, wird sich nicht plötzlich in den Titel verlieben, nur, weil er jetzt deutlich leichter ist. Dafür unterscheidet sich die Serie noch in zu vielen anderen Punkten von den westlichen Action-Großproduktionen, die hierzulande den Markt dominieren. Ohne eine umfangreiche Story mit langen Cutscenes, ohne eine effekthascherische Präsentation und ohne hektische, halb-gescriptete Gameplay-Sequenzen wird sich der westliche Massenmarkt wohl kaum erobern lassen. Dafür wirkt Monster Hunter World trotz der sichtbaren grafischen Verbesserungen immer noch zu altbacken.

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3 Kommentare:


CeSp-oNe
vor 2 Jahren | 0
Nachdem ich auch die Beta dieses Wochenende gespielt hab, bin ich überzeugt davon das ich die Vorbestellung nicht bereuhe.

Es macht mir immernoch Spaß und wirkt nach den ganzen Vorgängern einfach etwas frischer.

Also ich freu mich auf Freitag und hoffe das ich auch nächste Woche noch Urlaub hab :D

Ribesal
vor 2 Jahren | 1
Also wodurch genau Monster Hunter World altbacken aussehen soll kann ich nicht so ganz erkennen.
Und dass der Barroth in der Beta jetzt relativ einfach war dürfte zum großen Teil daran liegen dass man einfach Waffen von Monstern wählen konnte die idR erst einige Zeit nach ihm dran sind (wie das Langschwert hier in den Bildern)
Bei meinem ersten Versuch damals ihn um zuhauen lief mir einfach die Zeit davon (ja, 50 Minuten =D), zurück gegangen, Ausrüstung zusammen gesammelt, und da lag er doch schon nach halber Zeit.

Wie "einfach" das nun wirklich wird, wird sich zeigen. Zumindest das vierte Questviech aus der letzten Beta war doch... seeeeeeeeehr aggressiv und stark. Habs einfach nich hinbekommen den alleine zu zerlegen. Und selbst 4er Gruppen sind zum Großteil an ihm gescheitert.

Evtl. könnte man dieser Stelle für den einen oder anderen interessierten das Adopt-a-Hunter Programm erwähnen, einfach mal googlen.

Falco
vor 2 Jahren | 1
Ich finde die Idee vom Reboot an sich gut. Die Marke hat das Potential, ein großes Franchise außerhalb von Japan zu sein. Mit World geht man bereits den richtigen Weg.

Ich glaube, dass der Schwierigkeitsgrad für Anfänger trotzdem noch genug sein wird.
Ich weiß noch, dass ich bei Tri auf der Wii solche großen Schwierigkeiten beim Barroth hatte. Das war mein Einstieg in die Serie.
Paar Jahre später auf Tri U habe ich den ohne Rüstung gemacht, weil ich keine Lust hatte, irgendwas halbnützliches zu farmen. Genauso bei den HR Quests. Nichts gefarmt und in den G Rank geschleppt und da an Ausrüstung gearbeitet.
Man entwickelt nun mal einen Grundskill und es ist schwer, den Schwierigkeitsgrad objektiv zu beurteilen. Dementsprechend würde ich da kein böses Omen sehen.
Ich bin bei dem Titel trotzdem raus, weil Monster Hunter für mich auf die Switch gehört. Auf dem 3DS XL war es mir zu klein, auf der WiiU hatte ich sehr viel Spaß mit dem Titel. Daher warte ich Capcom :)