Test: Tiny Metal

Nutzer-Story von JoWe am 09. Januar 2018

Die guten alten Zeiten: Panzer über Hexagonfelder in rundenbasierter Strategie in den Krieg führen und sich in polygonen Zwischensequenzen pixelige Explosionen anschauen - so sahen nächtelange Battle-Isle Runden aus. In "Tiny Metal" können endlich wieder Infanterie, Boden- und Luftfahrzeuge über das virtuelle Schlachtfeld gejagt werden.

In Tiny Metal verpackt der japanische Entwickler Area35 ein klassisches, rundenbasiertes Strategiespiel mit Anime-Elementen und kreiert eine Story rund um den aufstrebenden Lieutenant Nathan Gries. Dieser führt seine artemisianische Armee während 20 Missionen (14 reguläre, 6 freischaltbare Bonusmissionen) mit einigen Wendungen zum Sieg gegen die fiesen Zipang.
OSiHfss-3.jpgDie Geschichte wird dabei in Dialogen der Protagonisten in Textboxen erzählt. Die Qualität der Zeichnungen (Hintergründe und Charaktere) ist durchaus sehenswert, wenn auch nicht allzu innovativ. Dasselbe gilt für den Artstil des Spiels auf dem Schlachtfeld - die Ansicht von schräg oben ist in drei Stufen zoombar (wobei die höchste Zoomstufe selbst im Handheldmodus viel zu nah dran am Geschehen ist) und verschafft so einen Überblick über die niedlich gestalteten Einheiten. Auch der Umgebungsstil ist "tiny" gehalten, sodass die Einheiten und Umgebungen in der gerasterten Welt wie "cartoonige" Spielzeuge wirken.

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15 verschiedene Einheiten (vom Schützen über Panzer und Luftunterstützung bis hin zu Artillerie) lassen sich im Verlauf des Spiels befehligen und - abhängig von Geldmitteln, die mit gekaperten Gebäuden aufgestockt werden - an bestimmten übernommenen Gebäuden beliebig nachproduzieren. Dazu kommen noch spezielle "Heldeneinheiten", die verschiedene Eigenschaften mitbringen. Hierbei wird man linear von Mission zu Mission geführt und kämpft auf hochgerechnet 10 Quadratkilometern großen Schlachtfeldern, die unterschiedliche Terrainelemente aufweisen (Wald, Hügel, Gebäude), Verteidigungsboni bieten oder für spezielle Einheiten unpassierbar sind. Die Umgebungen und Terrainelemente sind leider immer dieselben. Zudem gibt es keine Wettereffekte - dafür aber einen Fog-of-War, der für mich der eigentliche Gegner im Spiel war und den Schwierigkeitsgrad durch die geringe Sichtweite halbwegs hochhielt.

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Die Missionen sind genauso abwechslungsreich wie die Maps: Ihr müsst alle Einheiten des Gegners zerstören oder das Hauptgebäude besetzen, um zu gewinnen. Eskort-, Rettungs- oder Überlebensmissionen gibt es leider nicht. Taktisch bieten sich dank des erweiterten Stein-Schere-Papier-Prinzips (Spähpanzer schlägt Infanterie, Kampfflugzeuge sind effektiv gegen andere Luftvehikel - erstere können aber keine Bodeneinheiten angreifen, etc.) Vorteile bei Flanken- oder Rückangriffen, Vorzüge durch konzentriertes Feuer von zwei Einheiten auf einen Gegner und das Terrain viele verschiedene Möglichkeiten.

JJx1Tss-7.jpgDiese taktischen Möglichkeiten werden jedoch leider nicht konsequent genug ausgenutzt. Der Schwierigkeitsgrad passt sich der Spielzeugoptik an und ist nur sehr selten wirklich fordernd. Die KI ist relativ einfach auszuhebeln (z. B. mit schwachen Einheiten gegnerische Verbände in Artilleriefeuer locken) und bei konsequenter Besetzung von Gebäuden kommt ihr nie in Geldnot. Zwar sind hin und wieder einige Vorstöße aus unerwarteten Richtungen zu beobachten, aber dies auch nur von zwei bestimmten Einheiten, welche schnell ausgehebelt waren, weil sie sich im konkreten Fall nur auf meine Einheiten konzentriert haben, anstatt z. B. meine Gebäude zu besetzen bzw. die Produktion meiner Einheiten zu behindern.
W5GSvss-6.jpgNach Beendigung der Kampagne bietet sich die Möglichkeit des NewGame+ an. Ich persönlich denke aber, dass ich nach Abschluss der linearen Kampagne nicht motiviert genug bin, das Spiel noch einmal durchzuspielen. Bei dem noch ausstehenden Mutliplayer gegen menschliche Gegner sieht das allerdings schon wieder ganz anders aus! Leider ist der Modus aktuell noch nicht verfügbar - würde aber die sich eher wie ein Tutorial spielende Kampagne rechtfertigen.

Sehr schön ist hingegen das Sounddesign (Waffensounds) und auch die grundlegende Musik (komponiert von Tomoki Miyoshi) passt gut zu den Szenen. Technisch gibt es ebenfalls nichts zu bemängeln. Einen Framerate-Einbruch kann man höchstens nur beim Intro bemerken, wenn die Switch sich mit dem Internet verbindet - ansonsten laufen Kamerabwegungen und die Zwischenanimtionen der Kämpfe auch im Handheld-Modus stets flüssig ab. 

Fazit:

Tiny Metal ist ein nettes rundenbasiertes Taktikspiel, dem es spielerisch und optisch leider an Abwechslung fehlt. Ein PvP- oder Koop-Modus ist zwar angedacht, aber leider noch nicht verfügbar, sodass die eingängigen Missionen gegen die K(Un)I nicht lange motivieren können.

Getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

6.0

JoWe meint:

"Kein Rohrkrepierer, aber auch keine Atombombe - Area35 schickt TinyMetal leider mit Platzpatronen ins Rennen. In dem noch nicht veröffentlichtem Mutliplayer wird dann hoffentlich mit scharfer Munition geschossen."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Mangelhaft
Technik: Gut

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3 Kommentare:


Kanta
vor 3 Monaten | 0
Ist aktuell (09.01.) im eShop nicht zum Kauf verfügbar, haben es wohl zurück gezogen. Auch auf de Nintendo-Seite wird es nicht mehr angezeigt. Kann es nur in meiner Wunschliste sehen.

JoWe
vor 3 Monaten | 0
hm, habe es am ein paar Tage vor Weihnachten geladen. Eventuell schraubt Area35 ja am Multiplayer? Fehler, Bugs oder Abstürze hatte ich - wie gesagt - nicht. Unter https://www.nintendo.com/games/detail/tiny-metal-switch ist es noch aufgeführt
Kanta
vor 3 Monaten | 0
Bei RElease / Weihnachtszeit habe ich es auch gesehen und überlegt, ob ich es kaufe. Dann erstaml auf die Wunschliste gesetzt, auf der ich es noch sehe aber eben nciht im eShop zum Kauf. Gehe auch von einem Relaunch mit Multiplayer aus.