Angespielt: PlayerUnknown's Battlegrounds

Von Michael Prammer am 06. Januar 2018

Im letzten Jahr sorgte ein Shooter für einen ganz besonderen Hype:  PlayerUnknown's Battlegrounds. Wir haben uns etwas näher mit dem Titel beschäftigt.

"Ihr seid ja früh dran", werden sich jetzt einige Leser denken, denn bislang haben wir uns mit dem Multiplayershooter noch kaum auseinandergesetzt. Allerdings startete vor knapp drei Wochen die XBOX One-Version als „Preview“-Fassung, während die PC-Variante den Beta-Status verlassen hat und sich nun ein vollständiges Spiel nennt. Spätestens jetzt wird es auch für uns allerhöchste Eisenbahn denjenigen den Titel vorzustellen, die vielleicht schon davon gehört haben, jedoch noch nichts damit anzufangen wissen.

PUBG, so die Kurzform von PlayerUnknown's Battlegrounds, existiert seit März 2017 und wurde damals als Early-Access-Version für den PC veröffentlicht. Bis zum heutigen Tage ein voller Erfolg, denn zusammen mit den Verkäufen der vollwertigen Spielversion kommt PUBG inzwischen auf über 30 Millionen Spieler. Das eigentliche Spiel wird immer noch ständig optimiert und verbessert, dennoch sind die Entwickler bereits von dieser Vorab-Variante so überzeugt, dass man dem Kunden für die Xbox-One-Version knapp 30€ abknüpft. Führt man sich vor Augen, dass es sich hierbei streng genommen bislang noch um eine Demo handelt, sollte man doch leicht ins Grübeln kommen. Wir haben uns jedoch genau diese Version zugelegt und verraten euch, ob ihr das Geld besser anderweitig anlegen solltet oder ob sich die Investition lohnt.

Was ist PUBG?

Viele hier kennen sicherlich die Filmreihe „Die Tribute von Panem“. Der erste Teil handelte von den „Hungerspielen“, welche die Grundlage der kompletten Geschichte darstellen. Eben genau diese Hungerspiele bilden auch das Spielprinzip in PUBG. Ihr erstellt zunächst in einem wenig umfangreichen Editor einen individuellen Charakter. Viele Auswahlmöglichkeiten gibt es allerdings nicht und so gelangt ihr schnell zur Modi-Auswahl.. Doch auch hier werdet ihr keine allzu große Auswahl vorfinden.. Entweder alleine, als Duo oder als Vierer-Team könnt ihr euch auf ein Schlachtfeld begeben, das den 50er-Jahren nachempfunden ist. Dabei gibt es keine Levelauswahl, ihr spielt immer auf der ein- und derselben Karte, die aus einer Hauptinsel und einer kleineren Insel besteht. Ohne Munition, Waffen oder Ausrüstung werdet ihr mit einem Flugzeug über diesem Areal abgeworfen und somit beginnt das Spiel.

Eure erste Aufgabe ist die Landung. Ihr dürft den Zeitpunkt des Absprungs sowie den Fallschirm, den ihr netterweise spendiert bekommen habt, selbst bedienen. Seid ihr halbwegs unbeschadet gelandet, kann der eigentliche Wahnsinn beginnen. Auf der Insel befinden sich bis zu 100 Mitspieler und duellieren sich nach nur einer Regel: Wer stirbt, fliegt raus. Battle Royale sozusagen. Jeder hat dabei die gleichen Vorzeichen; alle starten beinahe nackt. Eben ganz wie in den Hungerspielen von „Die Tribute von Panem“. Es gilt also jetzt schnellstmöglich an Waffen, Munition, Ausrüstung und Medipacks zu kommen und das möglichst vor allen anderen Spielern. Schnell sein kann über Leben und Tod entscheiden, denn mit einer Waffe steht ihr deutlich besser da als lediglich mit den blanken Fäusten.

Das Areal auf dem ihr euch befindet ist groß. Sehr groß. Es kann vorkommen, dass ihr keine Seele trifft, euch in aller Ruhe mit Munition eindecken könnt und dann auf Gegnerjagd geht. Es kann aber auch schon bei der Landung mit dem Fallschirm ein Feind am Boden warten und das Spiel nach wenigen Sekunden beenden.

Um das ganze Spektakel noch etwas interessanter zu gestalten, werden nach einiger Zeit die Spielbereiche eingeschränkt. So reicht es nicht einfach, sich irgendwo am Spielfeldrand zu verstecken und zu warten, bis die Gegner wie die Fliegen sterben, sondern ihr müsst darauf achten, euch im Spielbereich zu befinden. Dies wird rechtzeitig und mit mehreren Einblendungen angekündigt. Dadurch ergeben sich mehrere taktische Finessen für einen Spieldurchgang. Wer sich in der Mitte der Karte absetzen lässt, der erreicht zwar am schnellsten die Spielzonen, die bei jedem Spiel variieren, muss sich dafür aber mit vielen Spielern auf einmal herumärgern, da man meist nicht alleine auf diese Idee kommt. Etwas außerhalb abgesetzt hat man zwar Anfangs Frieden, dafür später im Spiel Hektik, um das Spielfeld zu erreichen. Läuft die Zeit ab, geht die Lebensenergie langsam flöten, bis man schließlich das Zeitliche segnet. Dieser Mechanismus stellt eine natürliche Auslese im Spiel dar, um die Durchgänge nicht ins Unendliche zu ziehen. Die Spielbereiche werden von Mal zu Mal kleiner, sodass die Spieler sich automatisch auf die Pelle rücken und sich gegenseitig eliminieren.

Die Spielwelt ist ziemlich groß und bietet unterschiedliche Merkmale. So gibt es zum Beispiel einen verlassenen Flughafen, Wälder, jede Menge verlassene Häuser und Fahrzeuge. Letztere können benutzt werden, um sich schneller fortzubewegen. In den Häusern gibt es Munition und Waffen. Sucht man Feinde, findet man sie vor allem bei Gebäuden. Eine Übersichtskarte und eine kleine Minikarte helfen bei der Orientierung. Diese ist auch nötig, da man sich sonst leicht verlaufen kann. Nun gilt es, möglichst als letzter Spieler auf der Karte zu bleiben, um den Sieg davonzutragen.

Geniales Spielprinzip – technisch unsauber

Das Spielprinzip ist simpel aber absolut genial. Da jeder Spieler mit den gleichen Voraussetzungen beginnt, lässt sich schwer vorhersehen, wie eine Partie ausgeht. Der Tod lauert jedoch hinter jedem Baum, in jedem Haus und zwischen jedem Grashalm. Überall kann sich ein Gegner verstecken und für das vorzeitige Ende sorgen. Man könnte PUBG mit Dark Souls vergleichen, bei dem jeder Fehler der letzte sein könnte. Der Unterschied ist allerdings, dass man sich nicht mit CPU-Gegnern duelliert, die irgendwann berechenbar werden, sondern mit menschlichen Spielern. Diese können dann auch mal unberechenbar vor einem Spieler auftauchen und als Kanonenfutter flanieren, weil sie gerade keine Waffe parat haben.

Die Preview-Fassung auf Xbox One dürfte zwei grundlegende Probleme haben. Da wäre zunächst einmal der Umfang. Für 30 Euro bekommt man eine Karte und eine handvoll Spielmodi, die immer auf das gleiche Prinzip hinauslaufen. Zwar läuft jeder Kampf anders ab, viel Abwechslung findet man jedoch kaum. Das zweite Problem ist die Technik. Man merkt dem Spiel den Early-Access-Status ziemlich deutlich an. Dazu gehören Fehler in der Physik, zum Beispiel dass man nicht durch dünnes Holz schießen kann, oder mit dem Fahrzeug an Hindernissen hängen bleibt, die gar nicht da sind. Aber auch viele Grafikfehler machen dem Spiel zu schaffen. Pop-Ups soweit das Auge reicht, flackernde Texturen in den Gebäuden und unsaubere Animationen bei den Figuren sind nur einige Beispiele. Besitzer einer Xbox One oder Xbox One S werden außerdem gravierendere technische Probleme hinnehmen müssen als Käufer der neuen Xbox One X.

Chang Han Kim, der CEO hinter PlayerUnknown's Battleground, sprach mit VG247 über die Konsolenexklusivität des Multiplayer-Titels. Seiner Aussage zufolge möchte er das Spiel auf „jede Plattform“ bringen, kann jedoch noch keine PS4-Version anbieten, da Sony im Gegensatz zu Steam und Microsoft kein Preview-Programm anbiete. Diese Aussage widerspricht jedoch der Tatsache, dass seit Mai 2017 eine öffentliche Beta des Kartenspiels Gwent im PSN-Store angeboten wird. Es darf also davon ausgegangen werden, dass Sony den Release des Spiels in seinem eigenen Netzwerk aufgrund dessen Unfertigkeit schlicht ablehnte. Spekulationen zufolge möchte Sony vermeiden, dass der Release einer stark ruckelnden und verbuggten Version den Eindruck erwecken könnte, dass die Hardware der PS4 zu schwach für das Spiel sei.

Kaufen oder nicht Kaufen?

Wer bereit ist, 30 Euro in die Hand zu nehmen und eine Preview-Version eines Spiels zu kaufen, der muss sich darüber im Klaren sein, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Wer aufgrund des hohen Kaufpreises denkt, dass er ein weitestgehend fertiges und poliertes Spiel bekommt, irrt sich leider. Der Preis ist für das gebotenene Paket schlichtweg zu hoch - es ist auf der Konsole technisch unsauber, wenn nicht sogar unfertig und inhaltlich einfach zu dünn. Aber PUBG kann begeistern. Und ich kann zumindest teilweise verstehen, woher der Hype um das Spiel kommt. Der Kick, die Spannung und die pure Freude, wenn man zu den letzten Überlebenden zählt, ist jedes Mal aufs Neue da. Man muss schon beide Augen zudrücken und dem Spiel zu Gute halten, dass es sich noch in der Entwicklung befindet, um zu einem guten Fazit zu gelangen. Wenn man damit leben kann, für seine 30 Euro erst in einiger Zeit den vollen Gegenwert zu erhalten, bekommt man ein tolles Spielerlebnis, das als fertiges Spiel sicherlich herausragend werden könnte.

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7 Kommentare:


NRF
vor 3 Monaten | 1
Hi, schöner Beitrag zum Game.
Da ich das Spiel selber besitze, möchte ich kurz meinen Senf dazu zu geben:

Kritisch betrachtet ist das Spiel definitiv wie im Artikel beschrieben unsauber, fehlerhaft und bei weitem noch nicht perfekt, was das Argument rechtfertigt warum 30€ zu viel sind.
Ich persönlich jedoch finde, dass letztendlich 30€ weder zu viel noch zu wenig sind. Warum? Ganz einfach:
Wenn ich mal 30€ in Kinobesuche umrechnen würde, was würd ich da erhalten? Ca. 3 Filme , sprich 5~8 Stunden Vergnügen.
In PUBG hab ich bereits 42 Spielstunden investiert (besitze es seit Weihnachten), was für mich somit die 30€ vollkommen rechtfertigt.
Letzten Endes kommt es doch nur darauf an, ob das Spiel Spaß macht oder nicht, schließlich sind Spiele genau dazu da, um Spaß zu haben und verschiedene Emotionen zu durchleben (Für mich zumindest).
Und genau diese 2 Aspekte schafft dieses Spiel so hervorragend und das immer und immer wieder, obwohl wie im Artikel beschrieben es wirklich keine Abwechslung gibt.
Obwohl ich kein großer shooter fan bin und selber wirklich sehr skeptisch war ob denn das Spiel wirklich so viel Spaß mache wie jeder behauptete (Spoiler: Es macht wirklich viel Spaß), hat mich das Spiel schon nur nach der ersten halben Spielstunde vollkommen in seinen Ban gezogen und werde mich wohl sicherlich noch die nächsten 2 Monaten damit beschäftigen und das für "nur" 30€.
Um nochmal kurz auf die Technik/Grafik/Bugs zurückzukommen, dahingehend ist das Spiel bei weitem nicht perfekt, aber sehen wir das auch mal positiv. Wie fragt ihr euch? Ganz einfach, schaut euch mal YouTube ein paar Win/Fails Compilations zu dem Spiel an, wie viel ich schon gelacht habe und das wegen Bugs, dass kommt wirklich nicht oft vor.
Wie dem auch sei, wenn ihr auf Nervenkitzel und "WTF-Momente" steht, kann ich das Spiel in jedem Fall weiterempfehlen!

Aber um es nur noch mal zu erwähnen sind 30€ wenn man es kritisch betrachtet, so wie es der Artikel auch tut (und auch soll), für den eigentlichen Spielinhalt wohl zu viel. Betrachtet man das dann aber aus einem etwas anderen "Spiel"winkel, ist das Geld meiner Meinung nach jeden € Wert.

So viel zu meiner Meinung, vielleicht hilft die Erfahrung dem einen oder anderem etwas.

lg

michi1894
vor 3 Monaten | 0
Guter Kommentar und spiegelt wohl auch genau das, was ich kritisch sehe. Spaß habe ich auch mit dem Spiel. Als Gesamtprodukt gesehen ist das meiner Meinung nach zu viel Geld, das ich allerdings persönlich bislang kaum bereue.

NXPro
vor 3 Monaten | 0
Ich sehe die 30€ als Crowdfunding und nicht für ein fertiges Spiel. Als Bonus kann ich aber auch jetzt schon auf einer Map mit viel Spaß spielen und helfen das Spiel in die richtige Richtung zu lenken. Ob sich die Investition gelohnt hat, wird man dann spätestens wissen, wenn das Spiel "fertig" ist. So sollte man an die Sache herangehen.

Ich habe die 30€ in Spaß aber schon lange zurückgezahlt bekommen!

Asinned
vor 3 Monaten | 0
Interessanter Artikel. Für mich kommt das Spiel aber wegen diverser Aussagen der Entwickler gar nicht in Frage. So etwas will ich nicht unterstützen.

NXPro
vor 3 Monaten | 0
Kannst du das näher ausführen?
Asinned
vor 3 Monaten | 1
Die Entwickler haben den Fortnight Entwickler vorgeworfen einen Modus als dreiste 1:1 Kopie zu implementieren und betonten, dass das eigene Spiel komplett orginell ist. Scheinbar komplett vergessen das PUBG auch nur eine Abkupferung einer anderen SpieleMod ist. Nebenbei hatte auch der Fortnight Modus seinen eigenen Twist.

Kam ziemlich arrogant rüber.


Hitman006XP
vor 3 Monaten | 0
Ich zock's am PC. 4K EPIC Settings absolut flüssig. Macht tierisch Laune.

Das größte Problem der Konsolen dürfte der schwache CPU und der knappe Ram sein... mein PC hat nen i7 8700k, 32gb DDR4 und ne 8GB GTX1080 OCed irgendwo zwischen 9 und 10 Tflop ;) selbst die One X hat "nur" 6Tflop und leidet auch unter dem recht schwachen CPU. AMD Single Core Performance ist seit jeher (selbst noch bei Ryzen) deutlich unter Intel SingleCore Performance... niedrige Singlecore Performance und sehr niedrige Taktung... Xbox One & S 1,75ghz und Xbox One X 2,3ghz... mein 8700k läuft mit 3,7-4,7ghz ;) daher kommen die meisten Performance Probleme bei den Konsolenports von Steam EA spielen. Gleiches gilt für ARK.